Disney Epic Mickey 2: Die Macht der 2

Eine Maus treibt es bunt

Epic Mickey 2: Die Macht der 2 (Blitz Games Studios/Junction Point Studios)

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Der bekannteste Mäuserich der Welt schwingt wieder den Pinsel, um seinem Kumpel Oswald und dem ganzen Wasteland aus der Patsche zu helfen.  NORMAN VOLKMANN, im Kunstunterricht schon zu Schulzeiten eher unterer Durschnitt, nahm die Herausforderung an und pinselte sich durch die schräge Welt. Seine Kunstlehrerin würde platzen vor Stolz!

Waren sie sich im ersten Teil noch nicht ganz grün, so sind Oswald und Micky in Die Macht der 2 darauf aus Wasteland als Team zu retten. Die Welt wird von mysteriösen Erdbeben heimgesucht und die zahlreichen Projektoren, mithilfe deren man verschiedene Abschnitte der Umgebung erreicht, funktionieren plötzlich nicht mehr. Sabotage! Der verrückte Doktor, der Schurke des ersten Teils, hat seine Fehler scheinbar eingesehen, und bietet Oswald seine Freundschaft und Hilfe an. Misstrauischer als der Hase sind dessen Freundin Ortensia und der Gremlin Gus, die Micky prompt um Hilfe bitten.

Kreativität im Doppelpack

So begibt man sich nun also zu zweit auf die Reise, um Wasteland ein weiteres Mal zu erforschen und zu retten – dabei zum ersten Mal auf anderen Plattformen als auf der Nintendo Wii.  Der Einstieg gelingt wunderbar – die gezeichneten Zwischensequenzen gehören zu den Schönsten, die ich in diesem Jahr gesehen habe. Für kurze Zeit vergisst man fast, dass es noch ein Videospiel gibt und dies kein klassischer Disney-Comic ist. Gleiches gilt für die (englische) Sprachausgabe – Micky klingt wie Micky klingen muss. Die Bewohner von Wasteland haben zahlreiche unterschiedliche Dialekte, die die schräge Welt so eigen und außergewöhnlich erscheinen lassen. Der verrückte Doktor selbst kommuniziert ausschließlich singend und verleiht den Sequenzen einen fast vergessenen Charme. Da Micky Epic 2 nun zum ersten Mal auf allen Plattformen erscheint, hätte ich mir allerdings eine kleine Zusammenfassung der Geschehnisse des ersten Teils gewünscht, wie Bioware es seines Zeichens bei Mass Effect tat, gerade weil man das als Comic so gut hätte vermitteln können. So müssen SpielerInnen selbst herausfinden wer die wichtigsten Figuren sind, wie Sie zueinander stehen und was das Wasteland überhaupt ist.

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Ab ins Ungewisse

Speziell das ist die größte Schwäche des ganzen Abenteuers: Micky Epic 2 macht keinen guten Job, dem Spieler Dinge zu erklären: so sammelt man verschiedene Anstecker und weiß absolut nicht warum. Es gibt zu keinem Zeitpunkt eine Erklärung, weshalb sie in den Levels verteilt sind und was es bringt, sie zu sammeln. Bei den Sammelaufgaben fängt es an, bei der Handlung geht es weiter. Gerade zu Anfang weiß man nie, wohin es geht oder mit wem man sprechen muss, damit es letztendlich weiter geht. Die Karte, die man über das Menü erreichen kann, hilft dabei kein Stück weiter – man kann sie weder bewegen noch vergrößern und hat am Ende eine unbrauchbare Funktion, die der Verwirrung eher zuträgt als sie zu nehmen.

Die Welt an sich hingegen hätte schöner nicht gestaltet werden können und bietet eine Unzahl an unterschiedlichen Szenarien ganz abseits von üblichen Jahreszeitenlevel anderer Jump ’n‘ Runs. Den Abwechslungsreichtum vermisste ich allerdings in den Aufgaben für Hase und Maus. Auch wenn die Rätsel an sich gut gemacht sind und Teamwork gefragt ist, wird sich zu oft auf die Farbe rein/Farbe raus Mechanik von Micky verlassen. Das eröffnet oft ungeahnte Wege und ein gewisses Maß an Freiheit, wiederholt sich aber immer und immer wieder.

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Die wortwörtliche Macht der 2 liegt eher bei Micky – Oswald wird häufig nur zum Handlanger degradiert. Er kann mit seiner Fernbedienung bestimmte Geräte aufladen und Türen öffnen und Gegner damit paralysieren, wirklich besiegt werden sie aber nur von Micky. Der kann sie nämlich entweder mit Verdünner zerstören oder mit Farbe zu guten Bewohnern des Wastelands werden lassen. Gerade wenn man zu zweit vor dem Fernseher sitzt, nimmt das die Dynamik aus den Kämpfen.

Das zweite Abenteuer im Wasteland und damit Mickys Debüt auf allen Plattformen ist beileibe keine Zeitverschwendung. Insgesamt wird der Titel aber seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Die gebotenen Freiheiten sind zwar auf dem Papier eine gute Sache, nutzen dem Spiel aber nichts, wenn man teilweise nicht einmal weiß, was genau man weswegen und wo tun muss. Als Coop-Titel fehlte mir zudem eine bessere Integration von Oswald als ebenbürtigem Partner. Zu viel hängt von Micky und seinen Aktionen ab. Für das Abenteuer spricht das liebevolle Design der Level, die großartigen Zwischensequenzen, sowie die 2D-Übergangslevel, die klassische Micky-Comics zu klassischen Jump’n’Run-Einlagen werden lassen, sind schon ein Augenschmaus.

 

Bereits erschienen.

Originaltitel: Disney Epic Mickey 2: The Power of Two
Plattformen: Mac OS X, Microsoft Windows, PlayStation 3, Wii, Wii U, Xbox 360
Genre: Jump’n‘Run
Entwickler: Blitz Games Studios / Junction Point Studios
Veröffentlicht von: Disney Interactive Studios

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