Far Cry 3 (Ubisoft Montreal)

5-Sterne-Urlaub mit dem Flammenwerfer

Far Cry 3 (Ubisoft Montreal)

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Ab in den Urlaub – pünktlich zur kalten Jahreszeit entführt Far Cry 3 ins idyllische Inselparadies. NORMAN VOLKMANN fand heraus, wie man zum Krieger wird und das es Gebiete gibt, in denen es normal ist, bewusstlose Fremde zu tätowieren.

Vor etwa einem Jahr erschien mit Skyrim ein Titel, dessen Hype noch immer nicht abgeklungen ist. Die schiere Größe und der Umfang des Spiels und die damit verbundene Möglichkeit seine eigenen Geschichten zu schreiben, begeisterte SpielerInnen. Nun habe ich Skyrim nie gespielt, las aber liebend gern Artikel oder hörte Podcasts, die das Spiel, seine Eigenheiten und die verschiedenen persönlichen und einzigartigen Geschichten behandelten. All diese Dinge schossen mir wieder durch den Kopf, nachdem ich die ersten Stunden Far Cry 3 hinter mich brachte. Die ersten Eindrücke und Videos, die bei der diesjährigen E3 die Runde machten, setzten Ihren Fokus ganz klar auf Vaas Montenegro, den Bösewicht des Spiels, der sich den Schädel scheinbar einmal zu oft gegen die Tischkante geschlagen hat. Und auch wenn er gleich im ersten Moment mehr Eindruck machte als der Schakal aus dem zweiten Teil, Far Cry 3 bietet deutlich mehr als einen charismatischen Bösewicht. Zum Glück.

Frustmomente

Der Inselwelt schon verfiel ich bevor ich Vaas im Spiel zum dritten Mal begegnete. Dabei kam der Hypetrain bei mir mit schwerer Verspätung an –Vaas war sofort interessant, ohne Frage. Vorberichterstattung sowie die ersten Spielszenen ließen mich trotzdem irgendwie kalt – ich war gebrandmarkt von den damaligen Rezensionen, die Far Cry 2 über den grünen Klee lobten. Wunderschöne Feueranimation sollte es geben, ein innovatives Setting, Handlungsfreiheit, eine riesige, gefährliche Welt. Und Zebras! Obwohl das ja auch alles so ein bisschen hinkam, steht Far Cry 2 für mich für Frust. Frust, dass alle Wachposten, durch die man sich regelmäßig schießen musste, wieder komplett besetzt waren, sobald man sich nur einige hundert Meter von ihnen entfernte. Da man bei jeder Mission quer über die Karte tuckern musste, stand man regelmäßig wieder in einem anderen Lager. Das Anschleichen funktionierte nur bedingt und die Gegner schienen um die Ecke schießen zu können, von der Malaria-Erkrankung und den rostigen Waffen will ich gar nicht anfangen. Das Schnellreisesystem machte seinem Nahmen keine Ehre und dauernde schwerwiegende Bugs rundeten den schlechten Eindruck ab.

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Solche Momente kennt Far Cry 3 kaum. Man merkt, dass klar war, woran es dem Vorgänger fehlte. Ein Schnellreisesystem hilft bei rascher Erledigung von Quests, dennoch macht das Erkunden der versteckten Ecken der Insel fürchterlich viel Spaß. Gebirge, versunkene Schiffe, Bunker des zweiten Weltkriegs, Höhlen, Seen – auch wenn die Collectables an sich kaum die Erforschung wert sind, die Insel kennen zu lernen ist Belohnung genug. Dass Jason Außenposten der Piraten jetzt erobern und deren Einfluss auf der Insel schmälern kann, ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Ist die Umgebung erst gesichert, wird aus der gefährlichen Inselwelt ein Erholungsort mit wilden Tieren. Die Piraten versuchen zu keinem Zeitpunkt eines der Lager wieder für sich zu beanspruchen, was durchaus schade ist. In angemessen Zeiträumen Lager verteidigen zu müssen, hätte dem Konflikt zwischen Einheimischen und Räubern durchaus mehr Dynamik verliehen.

Krieger gesucht

Mit Jason als Hauptfigur will Ubisoft raus aus der Rolle von stereotypischen Supersoldaten, die nichts mehr schockt. Charaktere, die töten, weil sie es kennen oder weil es nun mal ihr Job ist gibt es überall. Jason ist kein Veteran, kein abgehärteter Söldner. Er ist ein reiches Bürschchen mit zu viel Blödsinn im Kopf – auf der Suche nach Spaß und Party. In Ansätzen klappt dieses Vorhaben auch durchaus. Als man zu Beginn erstmals vor Vaas flüchtet, ist Jason ein unbedarfter junger Mann, der vor Angst und Verzweiflung kaum geradeaus gehen kann. Kaum ist er im ersten Dorf gelandet, wird ihm die erste Waffe in die Hand gedrückt und ohne weitere Schwierigkeiten jagt man Wildschweine und Piraten. Jasons Transformation zum Killer ist kein langsamer Prozess, sondern eine plötzliche Änderung. Anderseits geben die vielen Nebenaufgaben und Möglichkeiten kaum Chancen für einen solchen langsamen Übergang. Will man Far Cry 3 genießen – und das fällt beim sonstigen Spielverlauf kaum schwer – muss man über solche Engpässe der Handlung hinwegsehen können.

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Da Jason ein ganz besonderer Krieger, ein Auserwählter, sein soll, kann man die persönliche Wandlung eher nachvollziehen, das Potential der vielen interessanten Nebencharaktere wird aber kaum ausgeschöpft. Figuren verschwinden aus dem Geschehen, bevor die Möglichkeit entsteht, sie etwas genauer kennen zu lernen. Alle Figuren haben eine kleine Hintergrundgeschichte, die man sich im Optionsmenü durchlesen kann, im Spiel selbst fehlte ihnen die Tiefe. Hier hätte man den etwas lieblosen Coop-Modus vielleicht weglassen können und sich einfach mehr auf diese Dinge konzentrieren sollen.

Präsentation, Ideenreichtum und Umfang trösten über so manche Engpässe der Handlung hinweg. Die Schauplätze gehören zu den schönsten, die es bisher in Open-World-Titeln gab. Ruinen und Höhlen, kleinere Seen oder Strandabschnitte – das Forschen und Jagen ist ein großartiger Zeitvertreib. Die Umwelt ist teilweise unberechenbar. Wo wir wieder bei den Skyrim-Momenten wären: ab und an gibt es kleinere witzige Dinge in der Umwelt, die nicht vorhersehbar waren und länger im Kopf bleiben. Mit dem Ziel ein Camp möglichst ungesehen einzunehmen, beobachtete ich es aus allen Himmelsrichtungen und markierte jeden Piraten, damit ich einem nach dem anderen ausschalten konnte ohne gesehen zu werden. Kaum war das getan und ich suchte nach dem besten Punkt um zu starten stürmte ein Rudel tollwütiger Hunde den Posten und dezimierte die Piraten, so dass ich lediglich einen nun einsamen Scharfschützen aus sicherer Entfernung ausschalten konnte. All das das macht Far Cry 3 zu einem außergewöhnlichen Titel, der mich mit der Serie wieder versöhnt.


Bereits erschienen

Originaltitel: Far Cry 3
Plattformen: Microsoft Windows, Playstation 3, Xbox 360
Genre: Shooter
Entwickler: Ubisoft Montreal
Veröffentlicht von: Ubisoft


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