Alex Steiner: „Fünf Tanten und ein Halleluja“

So ist Berlin!

Alex Steiner: „Fünf Tanten und ein Halleluja“ (Roman)

Fünf Tanten, ein Neffe und tausend Geheimnisse.

Von Angela Stella Hoppmann.

fünftantenundeinhallelujaToni ist eigentlich ein typischer Berliner: schwul und arbeitslos. Indem er sich aufgrund seiner zahlreichen Blackouts erfolglos von Casting zu Casting schleppt, entspricht er vollkommen dem Bild der verlorenen urbanen Persönlichkeit. Mit einem Kneipenjob hält er sich über Wasser und träumt von der großen Schauspielkarriere. Doch schon bald holt ihn die harte Realität ein: Seine fünf Tanten aus dem ländlichen Emsland kommen zu Besuch! Schnell gilt es, den chaotischen Männerhaushalt auf Vordermann zu bringen und die homosexuelle Identität zu verbergen. Was Toni nicht weiß: Seine fünf Tanten sind nicht ganz grundlos nach Berlin gefahren…

Gewaltige Frauen mit einer Mission

Der Titel der Geschichte erinnert an einen Italo-Western. Genauso humor- und kraftvoll ist die Geschichte der fünf Tanten, die Toni regelrecht überrumpeln und dessen Leben völlig auf den Kopf stellen. Sie sind nämlich nicht nur zum Kaffeetrinken da, sondern tragen gleichzeitig ein Geheimnis mit sich, welches den Neffen auf unglückliche Weise aus der Bahn wirft. So fragt sich der Leser, ob Toni nach einem Streit wieder mit seinem Freund Micha zusammenkommt. Welche Entwicklung wird die Beziehung zu den flotten Tanten nehmen? Und was ist eigentlich genau mit der hilfsbereiten Nachbarin?

Ein Stein(er), der rollt

Alex Steiner hat eine Geschichte entwickelt, die sich wie ein Stein verhält, der einen Hang hinuntergestupst wird. So sind die Ereignisse zu Beginn etwas träge, doch schnell befindet sich der Leser da, wo der Berliner Bär steppt. Die Figuren erscheinen zu Beginn etwas flach, bekommen aber Schritt um Schritt mehr Form und Persönlichkeit, so dass man die etwas eigenartigen Tanten schnell ins Leserherz schließt. Steiner spielt mit den Klischees über das ländliche und urbane Leben und darüber, was passiert, wenn zwei Welten miteinander kollidieren, die sich im Grunde genommen gar nicht so sehr unterscheiden. Verbindend sind die interessanten Einzelschicksale, in die man sich auch unschwer hineinversetzen kann.

Ein Buch zum Schmunzeln, Freuen, Entspannen

“Fünf Tanten und ein Halleluja” ist ein Buch zum Zurücklehnen und Schmunzeln. Berliner und Berlinerfreunde werden sich an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen und sehr viel Freude an den Figuren entwickeln, die stark an den Kreuzberger Alltag erinnern. Und wer noch keine Tante hat, wird bald eine adoptieren wollen….


Titel: Fünf Tanten und ein Halleluja
Autor: Alex Steiner
Verlag: Piper Verlag
Richtpreis: 13.90
Seiten: 253

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