Beth Ditto: «Heavy Cross»

Harte Kost leicht erzählt

Beth Ditto: «Heavy Cross. Die Autobiografie» (Autobiografie)

«Heavy Cross» – so heisst die deutsche Übersetzung von «Gossip»-Frontfrau Beth Ditto. Und ein schweres Kreuz hatte sie auch auf ihrem Weg in die Charts und auf die internationalen Bühnen zu tragen. Nun hat sie ihre – zugegeben altersbedingt noch kurze, aber nicht uninteressante – Geschichte zu Papier gebracht.

Von Fee Anabelle Riebeling.

heavycrossLesbisch, fett und nicht immer vorteilhaft angezogen. Komplimente klingen anders. Doch statt sich über die Kritik an ihrer Person zu ärgern, geht Beth Ditto, Frontfrau der US-Band «Gossip», selbstbewusst damit um. Auf der Bühne, in Interviews und im Privaten. Das war nicht immer so. Denn ihre Kindheit hat ihr ordentlich zugesetzt.

Ein Traum & ein T-Shirt

Das «dicke, laute, nervige Mädchen», wie sich Beth Ditto in ihrer Autobiografie selbst beschreibt, wächst als Mary Beth Patterson in einem von Gewalt und Missbrauch geprägten Elternhaus im schmucklosen Judsonia, Arkansas auf. Einem Ort, wo Tanz und Alkohol verboten sind, die Frauen zu früh und zu viele Kinder bekommen und die Männer toten Eichhörnchen das Gehirn als Delikatesse durch die Schnauze saugen.

Als Kind besitzt Beth Ditto nur wenig. Sie hat lediglich einen grossen Traum und das passende T-Shirt dazu. Darauf: Eine anmutige Frau mit Mikrofon in der Hand, die einer riesigen Muschel entsteigt. Das Motiv hat ihre Tante auf den dünnen Stoff gemalt, weil die Kleine sich nichts sehnlicher wünscht, als selbst Sängerin zu werden. Doch die Erfüllung diese grossen Traums scheint in unerreichbarer Ferne.

Die Kurve gekriegt

Wie sie es trotz aller Widrigkeiten schaffte, ihr Ziel zu erreichen und sogar darüber hinauszuschiessen, verrät die Sängerin – unterstützt von Co-Autorin Michelle Tea – auf 208 Seiten in «Heavy Cross». Die beiden könnten auf die Tränendrüse drücken, denn tragische Momente gab es viele auf Dittos Weg ins Scheinwerferlicht. Doch statt deren Schicksal auszuschlachten, haben sich die Autorinnen für die Form des nüchternen Berichts entschieden. Ganz so, als ob die Künstlerin direkt zu einem sprechen würde.

Das kommt nicht nur bei ausgesprochenen Gossip-Fans an. Denn Beth Ditto rechnet nicht einfach mit der Vergangenheit ab. Vielmehr weist sie Satz für Satz nach, wie sie zu der wurde, die sie heute ist: eine selbstbewusste, starke Frau, die rundum mit sich zufrieden ist. Sie weiss: «Ohne all diese Geschichten, die guten wie die schlechten, wäre ich … nicht die, die ich heute bin. Und ich bin stolz auf mich.» Das darf sie auch sein.


Titel: Heavy Cross. Die Autobiografie
Autorin: Bett Ditto
mit Michelle Tea
Übersetzerin: Conny Lösch
Verlag: Heyne
Seiten: 208
Richtpreis: CHF 30.90

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