Comic ohne Grenzen

Comic ohne Grenzen

Ausstellung zum Comicmagazin Strapazin im Cartoonmuseum Basel

Comics Deluxe
In den Achtziger Jahren entwickelt sich in der Schweiz aus dem Schwung der Jugendunruhen ein Magazin, das rasch zu einer der wichtigsten Plattformen für Zeichner aus aller Welt wird. Strapazin, dessen Name und Programm eine Mischung aus Magazin, Fanzine, Strapaze und Aspirin verspricht, steht seit bald 30 Jahren für Comics jenseits komerzieller Formate. Dem wohl berühmtesten Comicmagazin der Schweiz ist nun im Cartoonmuseum Basel eine Ausstellung gewidmet.

Von Naomi Gregoris.


Strapazin im Auf- und Ausbruch

Die Geschichte von Strapazin beginnt 1984 an einem schmuddeligem WG-Tisch in Stuttgart: Zwei Kunststudenten haben genug von der etablierten, familienfreundlichen Comicwelt um Superman und Fix und Foxi und beschliessen, eine Zeitschrift zu gründen, die Comics abseits der gezeichneten Grenzen zeigt.

Als Vorbilder gelten die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo und RAW, die beliebte Anthologie aus New York, dessen Herausgeber Art Spiegelman später weltberühmt werden sollte mit seinem Holocaustcomic Maus. Man kontaktiert den Zürcher Verleger und Comicfan David Basler, um an Kontakte zu Zeichnern zu gelangen, und produziert die erste Ausgabe in den Räumlichkeiten der Münchener Alternativzeitung Blatt. Der Versuch schlägt jedoch bereits nach dieser ersten Ausgabe fehl –  Blatt geht Konkurs.

David Basler hat aber Feuer gefangen und Strapazin wird kurzerhand nach Zürich geholt, wo es, fernab von Zensuren und Auflagen grosser Verlage, die Auf- und Ausbruchstimmung der Jugendunruhen von 1980 wiedergibt: Selbermachen statt konsumieren, unabhängige, hierarchiefreie Redaktionsstrukturen und eine Offenheit gegenüber Comics, die sich fernab gängiger Comickonventionen bewegen.

Seit knapp dreissig Jahren begleitet, beobachtet, ermutigt und reflektiert Strapazin die Comicszene und hat durch dieses unermüdliche Engagement massgeblich zum Entstehen einer eigenständigen deutschsprachigen Szene beigetragen. Strapazin wirkte aber auch über die Sprachgrenzen hinaus und wird heute auf der ganzen Welt wahrgenommen und bewundert.

Die Strapazin-Redaktion nach Kati Rickenbach
Die Strapazin-Redaktion nach Kati Rickenbach

Comics Deluxe

Das Cartoonmuseum Basel beleuchtet im Rahmen der Ausstellung „COMICS DELUXE!“ Strapazin und sein bald dreissigjähriges Abenteuer in der Comicwelt und zeigt die Entstehung einer deutschsprachigen Comicszene auf. In der kurzweiligen Ausstellung trifft man auf eine Welt der Zeichnungen, wie sie der Comic-Normalverbraucher selten zu sehen bekommt: von den düsteren Geschichten eines Thomas Ott bis hin zur quirligen Kati Rickenbach, sind die knapp 30 Jahre Strapazin und seine Zeichner hervorragend dokumentiert und vertreten. Die Ausstellung zeigt eine bunte Vielfalt von Comiczeichnern, die oftmals seit den Anfängen Teil von Strapazin sind und die Geschichte des Magazins aktiv mitgeprägt haben.

Guckkästen und fehlende Sprechblasen

Der Berner Zeichner M. S. Bastian ist seit 1989 mit dabei und in der Ausstellung mit farbenfrohen dreidimensionalen Installationen, mit Comicfiguren bevölkerten Guckkästen und kleinen Einzelskulpturen vertreten. Das Duo Julia Marti und Milva Stutz schickt den Betrachter in leinwandgrosse Arbeiten, die mit der Tradition der narrativen Bildfolge brechen. Auch die Comics der Aarauer Comiczeichnerin Anna Sommer sind einzigartig und fallen durch ihre klaren Linien und einheitlicher Farbgebung auf – sie bestehen aus ausgeschnittenen Papierformen, die sich zu spannenden Geschichten zusammensetzen und ganz ohne Text auskommen.

Bei vielen der Comics sucht man vergebens nach den bekannten Sprechblasen oder Untertiteln, der Katalog zur Ausstellung spricht von einer Renaissance des Figurativen, eines Aufstiegs der Zeichnung als eigenständige Kunstform. Solche Aussagen und Formate sind für einen Laien zwar auf den ersten Blick befremdlich, trotzdem schafft es das Cartoonmuseum, mit den ungewohnten Zeichnungen eine Atmosphäre zu schaffen, die selbst den grössten Comicmuffel hinter die Hefte und in die museumsinterne Bibliothek lockt, wo eine grosse Sammlung mit Comics aus aller Welt wartet.



Infos

Die Ausstellung dauert noch bis zum 3.3. 2012.

http://www.cartoonmuseum.ch/ Infos zum Cartoonmuseum Basel

http://www.strapazin.ch/ Homepage von Strapazin

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