Sugus gegen Apfel-Chips

Sugus gegen Apfel-Chips

Basel Mustermesse

 

Hmm.....
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Samstag-Morgen 8.55 Uhr, Messeplatz Basel. Vor der Messehalle 2 ist eine grosse Gruppe von Menschen zu beobachten, die sich frierend die Hände reibt. Manche gönnen sich noch einen Kaffee vom Chicco-Doro-Wagen, andere rauchen noch eine letzte Zigarette bevor es losgeht. Um Punkt 9 Uhr setzt sich die Menschenmasse in Bewegung und strömt durch die sich öffnenden Tore des Gebäudes. Der zweite Tag der Mustermesse beginnt in einer Stunde.

Von Elin Fredriksson

Bis dahin müssen noch letzte Vorbereitungen getroffen werden. Der Stand wird gereinigt, Probiererchen vorbereitet, Mützen, Schürzen oder andere Accessoires aufgesetzt und die Kasse in Ordnung gebracht. Um 10 Uhr spazieren bereits die ersten Besucher durch die Gänge und blicken neugierig, aber schüchtern auf die verschiedenen Angebote. Am Gang und am Blick kann man tatsächlich unterscheiden, wer Aussteller und wer Besucher ist, wie mein Arbeitskollege feststellt.

Öpfelschnitzli zum probiere

Es geht nicht lange bis die Besucherzahl steigt und schon bald verringern sich die Abstände in denen ich „es Öpfelschnitzli zum probiere“ anbiete. Als Aussteller ist man ein Schauspieler. Man lächelt, redet und wünscht jedem und jeder einen schönen Tag – und das fast acht Stunden am Stück. Man ist aber auch teilnehmender Beobachter. Gegen Mittag bin ich mir sicher bereits eine sehr lange Studie über das menschliche Verhalten an Messen schreiben zu können.

Ganz anders verhalten sich die Aussteller untereinander. Stand-Nachbarn grüssen sich bei jedem vorbeigehen freundlich und gehen verschiedene Tausche ein, wie beispielsweise Sugus gegen Apfel-Chips oder Lotto-Scheine gegen Früchtebrot. Mit Apfel-Chips kann man sich richtig beliebt machen! Sogar der für die Messe arbeitende Polizist und die Securitas-Angestellten holen dankend ihren Snack bei mir ab.

Eine Stunde und viele Möglichkeiten

Da ich als Mitarbeiterin eines Aussteller-Standes nur eine relativ einseitige Sicht auf die Muba erhalte, beschliesse ich während meiner Mittagspause den Rest des Muba-Landes zu erkunden. Ich nehme mir also eine Stunde Zeit, in der ich etwas zu Essen finden und zu allen Probier-Angeboten Ja sagen will. Man würde meinen, das sollte nicht allzu schwierig sein. An dieser Stelle muss ich hinzufügen, dass ich Muba-Anfängerin bin und bis zu jenem Zeitpunkt weder ein Begriff der Grösse noch sonstiges Vorwissen hatte.

Orientierungslos beginne ich meine Tour im untersten Stock in der Halle 2.0 und begegne einer Reihe mir sehr fremder Küchengeräte. An allen Ecken steht wieder eine Traube von Menschen die interessiert einem Aussteller zuhört, wie er eifrig die Vorteile seines Schnell-Schneide-Apparats oder Multi-Funktional-Mixers aufzählt. Worüber ich in dieser Halle ebenfalls stolpere ist die Ausstellung des ersten Gastlandes der Muba: Ungarn. Hier hat man die Möglichkeit original ungarische Gulasch und traditionellen Rotwein zu kosten. In „Kleinungarn“, wie es die Muba-Zeitung nennt, soll ausserdem das traditionelle und moderne Ungarn als aktuelles Reiseziel an die Besucher vermittelt werden.

 

Die muba ist für alle da!
Die muba ist für alle da!

Rasier-Pad und Entschlackungstee

Ein wenig enttäuscht darüber, dass mir persönlich noch nichts zum Probieren angeboten wurde, wo ich doch selbst den ganzen Vormittag fleissig Apfel-Chips verteilt habe, begebe ich mich in den zweiten Stock in die Halle 2.1. Dort stosse ich als erstes auf die Gesundheits-Abteilung und bekomme das Angebot einen Hairdepil-Rasier-Pad auszuprobieren. Nach kurzer Einführung in die Anwendung dieses Rasierer-Ersatzes werde ich auch sofort über Kombi-Pakete und Bestellungsmöglichkeiten informiert. Ich gehe weiter und werde schon schnell dazu aufgefordert einen Entschlackungstee zu kosten. Ich gehe dankend darauf ein und erhalte ausserdem eine detaillierte Information über Protein-Shakes und das perfekte Frühstück. Durch die Gastregion Hochschwarzwald und über die Medienplattform lande ich an einem indischen Markt, wo die Verkäufer mit Schmuck und Halstüchern um ihre Kunden werben.

Englische Käseproben oder Rucola Tortellini?

Ein Blick auf meine Uhr und mein knurrender Magen sagen mir, dass es höchste Zeit für Essen ist, doch abgesehen von den englischen Käseproben und den sizilianischen Süssigkeiten war diesbezüglich noch nicht viel in Sicht. Dies ändert sich rasch, als ich mich in den dritten Stock begebe. Ein Essensstand nach dem anderen und eine riesige Fläche mit Wein-Ständen machen sich vor meinen Augen breit. Ich bestelle eine Portion Rucola-Tortellini bei den „Italienischen Spezialitäten“ und geniesse entspannt mein wohl verdientes Mittagessen. Doch plötzlich wird mir bewusst, dass die Stunde bald um ist und noch eine ganze unerforschte Halle vor mir liegt. Schnell begebe ich mich durch das Labyrinth von Ständen und Gängen in die Halle 1.0/1.1 und erhasche dort noch die letzten Minuten eines traditionellen Tanzes des zweiten Gastlandes: Indonesien. Vor der Bühne sind Stühle und Tische aufgestellt und durch den Raum schwebt ein angenehmer Duft indonesischer Spezialitäten. Auch hier hätte ich, umgeben von einer exotischen Stimmung, wo Schmuck, Wellnessartikel, Lebensmittel und andere indonesische Produkte gehandelt werden, ein leckeres Mittagessen geniessen können. Doch leider muss ich die stimmungsvolle Halle 1.1 verlassen, denn für mich geht es weiter mit Proben anbieten und Produkte verkaufen.

Schluss-Gong

Nach einem langen Nachmittag ertönt um 18 Uhr der von den Ausstellern lang ersehnte Gong mit dem Hinweis an die Besucher, dass die Messe ihre Tore für heute schliesst. Langsam reduziert sich die Menschenmenge und übrig bleiben die erschöpften Aussteller.

Während ich die runtergefallenen Apfel-Chips vom Boden aufhebe wird mir bewusst, dass ich alles falsch gemacht habe. Wenn man an die Muba geht, muss man bereit sein auf eine riesige Flut von Eindrücken und Angeboten. Demnach muss man zwei Dinge mitbringen: Viel Zeit und ein Ziel. Beides hat mir in dieser einen Stunde, in der ich mein Revier verlassen habe, gefehlt. Aber wie gesagt, ich bin ja noch Anfängerin.

 

Im Netz:

http://www.muba.ch/

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