Impire (Cyanide Montreal)

Der Teufel steckt im Detail

Impire (Cyanide Montreal)

impire2Wenn ein seltsamer Magier einen Imp beschwört, um im Real-Time-Strategy-Format seine Konkurrenten auszuschalten, kann das nur teuflisch enden. Ob teuflisch gut oder teuflisch schlecht hat SEBASTIAN GEIGER herausgefunden und sich dabei mehr als nur einmal an einen ganz bestimmten Spieleklassiker erinnert gefühlt.

Kann sich eigentlich noch jemand an Dungeon Keeper erinnern? Das Kultspiel, das den Spieler in die Rolle eines bösen Kerkermeisters steckte, um die Guten und Heldenhaften zu vernichten?  Spieleentwickler tun es zumindest, denn schon vor dem Spiel Impire gab es versuche, den Charme des Verlieswächters in Form eines neuen Spiels zu destillieren. Bislang ist es nur noch keinem geglückt – Impire leider auch nicht.

Dabei klingt die Story vielversprechend. Höllenfürst Baal wird von einem Magier auf die Erde beschworen, um dort dessen Gegner zu vernichten. Leider entpuppt sich der Magier als faul, inkompetent und noch dazu mit einem sehr seltsamen Sinn für Humor ausgestattet. Die ersten Witze, die er reißt, sind über Baals neue Figur – versehentlich hat der Magier den Höllenfürsten nämlich in Form eines Imps auf die Welt geholt. Deshalb hat Baal auch eine relativ schlechte Verhandlungsbasis, als der Magier ihn auf verschiedene Missionen schickt, um der lästigen, guten Konkurrenz eins auszuwischen.

Impire-screen-3Die Macher von Impire haben sich ihr großes Vorbild Dungeon Keeper gut angesehen. Chefimp Baal muss zu Beginn jeder Mission den eigenen Dungeon herrichten, Imps dafür anheuern und Truppen ausbilden. Die haben natürlich alle ihre Bedürfnisse, weshalb Casinos, Pilzfarmen für die Ernährung und andere Räume nicht fehlen dürfen. Viel Auswahl im Bezug auf die Gestaltung hat Imp Baal jedoch nicht. Das Layout der Räume ist fest vorgegeben und führt damit zu einem sehr monotonen Aussehen der verschiedenen Verliese. Hat man eine volle Armee, graben sich die Imps zum feindlichen Dungeon durch, um den Gegner platt zu machen. Genau zu diesem Moment machen sich spätestens auch die Probleme bei der Steuerung von Impire bemerkbar: Die ist nämlich teuflisch umständlich. Bestimmte Befehle kann man nur über das Menü auslösen, was gerade in den hektischen Schlussphasen der Level anstrengend sein kann. Auch dauert es meist zwei bis drei Klicks, bis eine Einheit wirklich weiß, was sie tun soll, was entscheidende Zeit kostet. Dazu kommt eine träge Kamera, die mit dem Tempo eines volltrunkenen Trolls zum eigentlichen Wunschraum zirkelt. Zum (in diesem Fall) Glück sind die Kämpfe bei Impire aber nicht anspruchsvoll und erledigen sich schnell von allein. In der Regel ist es nur ein Test, wie viele Einheiten man gleichzeitig in einen Raum stecken kann, die dann durch ihre schiere Übermacht den Gegner zur Strecke bringen. Das macht das Spiel nicht unbedingt abwechslungsreich und spätestens nach dem vierten Level helfen nicht einmal mehr der amüsante Dialog zwischen Beschwörer und Baal, um genug Enthusiasmus zum Weiterspielen zu wecken. Multiplayerspieler werden die Kampagne ohnehin nur als Tutorium für das spätere Spiel online sehen, doch auch hier bleibt die Frage, ob man Impire wirklich langfristig etwas zu bieten hat.

Impire
Leider haben es die Entwickler von Cyanide Montreal nicht geschafft, aus Impire den Dungeon Keeper-Nachfolger zu machen, den sie offensichtlich entwickeln wollten. Fans der alten Serie werden ein paar charmante Stunden mit dem Spiel verbringen – und sich dann wohl entscheiden, wieder den Klassiker einzulegen.

 

Veröffentlichung: Bereits erschienen

Originaltitel: Impire
Systeme:  PC, Steam
Genre: Aufbau-Strategie
Entwickler: Cyanide Montreal
Veröffentlich von: Deep Silver

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