Tomb Raider (Crystal Dynamics)

Lara und der Herr der Fliegen

Tomb Raider (Crystal Dynamics)

tomb_raider_image_2Mit einem Reboot wollen die Entwickler von Crystal Dynamics der angeschlagenen Kultikone Lara Croft neues Leben einhauchen. Das schaffen sie auch ganz vorzüglich. SEBASTIAN GEIGER wundert sich nur, ob nicht vielleicht zwei unterschiedliche Teams Story und Gameplay gestaltet haben.

Jeder hat mal klein angefangen. Auch die heißeste Archäologin aller Zeiten, Lara Croft, war einmal ein Teenager, der erst lernen musste, wie man zu einer toughen Kämpferin wird. Wie sie das geschafft hat, zeigt Crystal Dynamics mit dem Spiel Tomb Raider, das Lara Crofts Geschichte zurück an den Anfang setzt. Ein mutiger, aber auch richtiger Schritt – niemand benötigt ein Reboot so dringend wie Lara Croft. Das letzte richtige Spiel aus der Tomb Raider-Reihe erschien 2008, das letzte Gute ist schon zwei  Jahre älter. Zeit für eine Frischzellenkur. Und die hat Crystal Dynamics Lara Croft gegeben – auch, wenn man durchaus sieht, woher die Entwickler die Ideen hatten. Gleich bei ihrer ersten Expedition strandet Lara auf einer Insel mitten im asiatischen Meer und muss sich durch die Wildnis schlagen. Hat man zunächst das Gefühl, bei einer neuen Version des Herrn der Fliegen dabei zu sein, bedient sich der Plot schnell bei Ideen von Serien wie Lost. Lara muss auf einmal nicht mehr nur ums Überleben kämpfen, sondern auch die Geheimnisse einer alten Zivilisation erforschen.

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Das tut sie aber weniger durch Springen und Suchen sondern ganz wie ein gewisser Nathan Drake hinter dem Lauf eines automatischen Gewehrs. Das titelgebende “Tomb Raiden”, also das Durchsuchen von herrenlosen Höhlen und Katakomben, tritt in den Hintergrund. Die Sektionen, in denen Lara tatsächlich Archäologin spielt, sind leider viel zu kurz und haben deutlich weniger Umfang als die   Shooter-Sequenzen. In denen brechen auch Story und Spielverlauf auseinander: In der Geschichte von Tomb Raider ist Lara Croft ein zutiefst traumatisiertes junges Mädchen, das Stück für Stück seine Unschuld verliert. Im Spiel ist sie ein Profisoldat, der die Gegner gleich im Dutzend umnietet. Diese Spannung hat schon Spielen wie Deus Ex: Human Revolution nicht gut getan und ähnlich wie in diesem Cybershooter muss der Spieler auch bei Tomb Raider irgendwann anfangen, Story und Spiel als separate Dinge zu sehen. Denn als Spiel macht Tomb Raider einfach zu viel Spaß, um es liegen zu lassen. Lara steuert sich flüssig und Grafiken und Soundtrack können sich wirklich sehen und hören lassen. Sogar die deutsche Synchro, in der Nora Tschirner Lara Croft ihre Stimme leiht, ist hörbar. Spieler, die des Englischen mächtig sind, sollten trotzdem den Originalton laufen lassen, allein schon wegen Laras ultracoolen britischen Akzents.

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Mit Tomb Raider ist Crystal Dynamics ein guter Neustart der Franchise gelungen, der  noch unter ein paar Schönheitsfehlern leidet. Der Ausflug mit der jungen Lara Croft in die asiatische See lohnt sich aber auf jeden Fall. Beim Sequel würden wir uns dann aber einen größeren Zusammenhang zwischen Story und Spiel wünschen.

Bereits erschienen.

Originaltitel: Tomb Raider
Systeme:  PC, PS3, Xbox
Genre: 3rd Person Shooter, Action-Adventure
Entwickler: Crystal Dynamics
Veröffentlich von: SquareEnix

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