Army of Two: The Devil’s Cartel (Visceral Montreal / EA Montreal)

Never say no to Panda!

Army of Two: The Devil’s Cartel (Visceral Montreal / EA Montreal)

Heute schieß ich uns mexikanisch, Schatz!

Das Ende einer Hardware-Generation bringt das Beste und das Schlimmste aus Menschen, pardon Publishern, heraus. Army of Two: The Devil’s Cartel zählt zwar nicht zu den absoluten Tiefpunkten aktueller Software-Releases, ist aber in seiner reaktionären Machart dennoch kaum auszuhalten: „Wir machen Dir Beine, Mexiko!“ RUDOLF INDERST hingegen wollte nur Frieden und eine Panda-Maske.

Ohne Originalität

Nach 2008 und 2010 erscheint nun der dritte Teil der Third-Person-Shooter-Söldner-Saga. Zum ersten Mal lassen die Entwickler die Unreal-Engine links liegen und setzen auf Frostbite 2. (Gedankenpause) Wenn man schon so anfangen muss, über ein Spiel zu schreiben… (Pause… ohne Gedanken… doch mit einem kurzen Denkflackern…)… Ja, genau so inspiriert wie diese ersten Review-Zeilen ist das Spiel (die Gedanken klopfen mir auf die Schultern – gut gewendet, das Blatt, gut gewendet!).

Pathetischer Power-Plot

Ich habe das mal nachgezählt: Die Darstellung der Handlung des Spiels nimmt im dazugehörigen Wikipedia-Artikel 5.700 Zeichen ein. Ich bin nicht sicher, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Bill of Rights mit weniger Signifi…, Buchstaben (ist das ein gültiges Synoym, Rudolf? Nein, Rudolf!) auskam. Welches Dokument bedeutsamer ist? Was soll ich darauf antworten? Vielleicht ein paar Sätze aus Army of Two: TDC? „Leck mich!“ „Scheiße, ja.“ „Du dreckiges Arschloch.“

Und schon habe ich mich aus der Affäre gezogen. Wie? Jetzt wirklich? Okay. „Gemeinsam mit Ihrem Partner müssen Sie alles in Ihrem Weg zerstören, um ein brutales Drogenkartell zu zerschlagen, das Mexiko übernommen hat.“ Seht Ihr, jetzt bluten Eure Augen. Aber Ihr wolltet ja nicht hören. 5.700 Zeichen eingedampft auf einen Satz. Diesen kopierte ich übrigens aus der Amazon-Beschreibung.

Reaktionäre Machtfantasien

Mexiko, Du hast ein Problem. Dein Land ist gesetzlos. Weit und breit sieht man keine Zivilisten! Kein Wunder, bei dem organisierten Verbrechen! Sie stehen überall, können aber kaum sprechen (oder sich bewegen wie Menschen). Überall warten sie mit Waffen. Und schießen. Statt der Zivilisten gibt es Schnapsfässer. Und lustige Hüte. Und Schnapsflaschen. Die Polizisten taugen nichts. Sie werden sofort erschossen. Es gibt aber auch nur vier im Land. Oder fünf. Dabei ist die Lösung so einfach.

Never say no to Panda.
Never say no to Panda.

Schwer bewaffnete Söldner mit dem Intellekt zweier ausgebrannter Glühbirnen starten ihren persönlichen Rachefeldzug im rechtsfreien Raum und sorgen so für Recht und Ordnung. Nachdem man geschätzte 20 Prozent der mexikanischen Gesamtbevölkerung mit Maschinengewehren und Granaten in Zeitlupe verstümmelt und getötet hat, meldet am Schluss ein Radiosprecher, dass die Mexikaner nun wieder Hoffnung haben könnten. Im Tarnhelikopter fliegen die „Helden“ dann in den Sonnenuntergang. Kurzum: Es ist widerlich.

Lächelnder Panda

Der Grund, warum ich das abwechslungsarme, technisch bisweilen veraltete Spiel länger in meiner Xbox hatte, war die Tatsache, dass man sich als flotter Söldner ab Level 21 eine Panda-Maske kaufen kann. Die wollte ich haben. Warum? Because you never say no to Panda! Jetzt ruht das Laufwerk. Army of Two: TDC wird es heute zum letzten Mal von innen gesehen haben. Ach, und alle, die die Geschichte als Vater-Sohn-Konflikt lesen wollen, können das natürlich auch gern.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen.

Originaltitel: Army of Two: The Devil’s Cartel
Plattformen: Xbox 360 / PlayStation 3
Genre: Third Person Shooter
Entwickler: Visceral Montreal / EA Montreal
Veröffentlicht von: Electronic Arts

Rudolf Inderst

*1978 in München. Studierte Poltikwissenschaften in München und Kopenhagen. Arbeitet aktuell an seiner zweiten Dissertation. Übernimmt Verantwortung als Ressortleiter für digitale Spiele hier bei nahaufnahmen.ch. Holt sich blaue Flecken im Krav Maga. Liebt Stanislaw Lem, Hörspiele und Podcasts. Spielt Videospiele seit etwa 35 Jahren. Trägt gerne Bart.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.