Su Turhan: “Kommissar Pascha“

Bayrisch-türkische Krimiunterhaltung

Su Turhan: “Kommissar Pascha. Ein Fall für Zeki Demirbilek“ (Kriminalroman)

Ein türkischer Kommissar ermittelt in München. Was dabei herauskommt, ist eine ulkige Auseinandersetzung mit den Kulturen und ein Kriminalroman, der Lust auf Mehr macht.

Von Angela Stella Hoppmann.

kommissarpaschaZeki Demirbilek hat die Nase voll von Deutschland. Ausgerechnet er, türkischer Choleriker ohne Teamfähigkeiten, soll jetzt Chef des Münchner Sonderdezernats Migra werden. Und schon geht’s auch richtig los, denn in seinem ersten Fall wird eine Leiche gefunden, auf deren Körper das arabische Wort „Schaitan“ mit Reissnägeln gestochen wurde. Nur wenig später taucht eine zweite Leiche auf. Mehr Morde, mehr Hinweise. Schnell findet sich unser Kommissar konfrontiert mit der Frage: Was hat die Dönerkette „Döner Delüks“ mit den Morden zu tun?

Klischees, wir haben euch vermisst!

Da der Autor und Regisseur deutsch-türkischer Herkunft ist, nimmt man ihm das Spiel mit den Klischees nicht allzu übel. Viele Figuren im Buch stehen sowieso zwischen Tradition und Moderne und animieren zur Reflexion. Allerdings bleibt etwas unklar, warum z.B. die türkische Gül unbedingt Jungfrau bleiben muss. Das selbstironische Schmunzeln, welches durchgehend in „Kommissar Pascha“ zu verspüren ist, gefällt dem Leser. Unser Held hat beispielsweise nicht nur eine Ex-Frau (Türkin), so wie es sich für jeden guten Kommissar mit zerrüttetem Familienleben gehört, sondern gleich noch eine zweite (Deutsche). Überhaupt ist sein Privatleben mit den teilweise neurotischen Zügen eine unterhaltende Geschichte für sich, die nach Fortsetzung schreit.

Gelungener Auftakt

Es gibt bessere Romane als „Kommissar Pascha“. Es gibt aber definitiv auch schlechtere… Die Kriminalfälle sind in Ordnung, auch wenn sich der Leser manchmal über die Vorhersehbarkeit der Handlung aufregen könnte. Im Großen und Ganzen ist das Werk ein gelungener Auftakt einer ganzen Krimireihe. Die Figuren sind unterhaltsam und bieten genug Profil für eine Fortsetzung. Das Thema „Bayrische Leberwurst trifft auf türkische Köfte“ wird bestimmt auch in den Folgebänden ihre Fortsetzung finden. Fraglich ist nur, wie ausschöpfungsfähig dieses ist und ob und wann das Spiel mit den Klischees nur noch ermüdend wirkt. Für den kommenden Sommer als leichte Urlaubslektüre am Strand ist das Werk allemal empfehlenswert.


Titel: Kommissar Pascha. Ein Fall für Zeki Demirbilek
Autor: Su Tarhan
Seiten: 352
Verlag: Knaur
Richtpreis: CHF 13.50

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