Injustice: Götter unter uns (Netherrealm / Warner Bros.)

Dem Superhelden auf die Zwölf

Injustice: Götter unter uns (Netherrealm / Warner Bros.)

Injustice CrewEs gibt wieder Fäuste ins Gesicht! Und Füße. Und Baterangs. Und Laser. Kugeln. Haie. Pfeile. Autos. Raketen. Injustice: Götter unter uns schert sich nicht um Begrenzungen, die Superhelden des DC-Universums rund um Batman und Superman haben ein riesiges Arsenal an Fähigkeiten und Supermoves, die es zu beherrschen gilt, wenn man Metropolis – ach was, die ganze Welt – retten will. NORMAN VOLKMANN kam gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Beat ‘em ups bringen mich immer zurück an die Anfänge meiner Videospielzeit oder zumindest an die Phase, die ich am bewusstesten miterlebt habe. Mein Kumpel hatte damals eine nagelneue Sony Playstation und dazu Tekken zum Geburtstag bekommen. Selbstverständlich hatte er in den folgenden Wochen vermehrt Besuch – jeder wollte sich das Teil mit der atemberaubend realistischen Grafik näher ansehen. Sicher,wir kannten auch Street Fighter II vom SNES, aber das? Das war ein ganz anderes Biest. Die Abschlussvideos der verschiedenen Charaktere waren es, die uns überzeugten. Wie ein Film war es, jede Sekunde des jeweiligen Abspanns kostbar und Grund sich unzählige Male durch das Tournier zu prügeln. Der Nachteil, der sich heute viel schneller breit macht, als noch in der Vergangenheit, ist allerdings, dass die Faszination der Prügelorgien immer recht schnell nachlässt. Man hat schnell alles gesehen und jeden Supermove ausgeteilt.

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Doch ist das auch bei Injustice so? Die gute Nachricht: Netherrealm wissen noch immer wie man ein gutes Kampfspiel macht und die noch bessere: Es ist kein so halbgarer Titel geworden wie Mortal Kombat vs DC Universe es einst war. Selbstverständlich reißen sich die Herren und Damen Superhelden keine Köpfe oder Gliedmaßen ab, aber weder ist das ein Qualitätsmerkmal, noch passt es in dieses Universums. Injustice ist kein (oder: nur bedingt ein) MK-Klon. Wer dort am Werk war, wird direkt klar – jeder Charakter sieht seinem Comic-Vorbild sehr ähnlich, trägt aber auch eindeutig die Handschrift von Netherrealm.

Not so Super, Man

„What‘s the ‚S‘ stand for?“
„It’s not an ‚S‘. On my world it means hope

Düster ist er, der neue Trailer zu “Man of Steel” – Superman bekommt eine Origin Story. Auch in Injustice spielt der Herr mit dem Hoffnungssymbol auf der Brust eine Hauptrolle – auf guter, sowie auf böser Seite. So sehr die Handlung in anderen Besprechungen des Titels bereits gelobt wurde, so sehr muss ich mich dann doch wundern, weshalb ebendiese so hervorgehoben wurde. Sie hält viel Augenzwinkern und Anspielungen auf Handlungsstränge einiger Comics bereit, ist im Endeffekt aber eben doch nur Mittel zum Zweck, damit 2 Charaktere aufeinandertreffen und sich ordentlich was auf die Nuss geben können. Das macht die ganze Sache aber keineswegs schlechter und, verglichen mit dem, was Mortal Kombat da vor einigen Jahren aufgetischt hat, konnte ich hier immerhin dem roten Faden folgen.

Batman throwing stuff

Trotz kurzer Kampagne gibt es viel zu tun. Ähnlich wie im Krypt bei Mortal Kombat gibt es unzählige Boni, die man mit den gewonnenen Erfahrungspunkten freischalten kann. Weitere, versteckte Charaktere fallen natürlich weg, wozu sonst gibt es schließlich DLC? Freischaltbar sind somit vorrangig alternative Kostüme, XP-Multiplikatoren und Artworks. Die S.T.A.R. Labs Herausforderungen bieten mehr als normale Kämpfe und legen den Fokus auf spezielle Herausforderungen und bringen so viel Abwechslung in den Titel. Auch hier: nichts neues, aber durchaus spielenswert. Als Catwomans Katze ungesehen an Wachmännern und Lichtschranken vorbei zu huschen gibt es sonst auch nirgendwo.

Vorsicht, zerbrechlich!

Die Kämpfe sind selbstverständlich der Hauptfokus des Spiels und selbst für wilde-Knöpfe-Drücker (daran hat sich seit Tekken eben doch nichts geändert) wie mich ist das Spiel ein großer Spaß. Praktisch: Gegner, die einem mehrmals den Hintern versohlt haben,  werden nach und nach einfacher, sodass Frustmomente und Spielspaß sich nicht im Weg stehen. Nicht, dass ich das selbst irgendwann gebraucht hätte. Das habe ich gelesen. Besser noch als bei Mortal Kombat kann man die Umgebung der Kampfarenen einsetzen, um es dem Gegner schwer zu machen. Die Levelübergänge kennt man aus MK vs. DC bereits, nun sind sie allerdings ausgefeilter, die Übergangssequenzen spektakulärer. Einziger Wermutstropfen (der für die Supermoves gleichermaßen gilt) ist die Dauer der Sequenzen, gerade bei voranschreitender Spielzeit. „Feinschliff“ scheint das Motto der meisten Titel zu sein, die zum Ende dieser Konsolengeneration herauskommen. Injustice ist nämlich genau das – ein verbessertes Mortal Kombat, ohne Mortal Kombat zu sein. Kleinere Neurungen, das Auge für wichtige Details und eine großartige Präsentation sind in diesem Fall das Verkaufsargument. Und: Aquaman ist im Spiel bad-ass. Hut ab!

Bereits erschienen.

Originaltitel: Injustice: Among Gods
Plattformen: Playstation 3, Xbox 360
Genre: Beat ‘em up
Entwickler: Netherrealm
Veröffentlicht von: Warner Bros.

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