William Wahl: “Ernst beiseite!”

Nicht ganz ernst

William Wahl: “Ernst beiseite! 500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten” (Ratgeber/Unterhaltung/Nachschlagewerk)

Werdende Eltern überlegen sich oft lange, wie ihr Kind heissen soll. William Wahl zeigt in seinem humorvollen Ratgeber, welche Namen man besser nicht vergeben sollte und warum. Dabei erklärt er auch wichtige Begriffe wie Chantalismus oder Emilismus. – Informativ und sehr amüsant.

Von Andrea Müller-Schmuki.

ernstbeiseiteKaum ein vernünftiger Mensch würde heute wohl seinem Kind einen Vornamen geben wie Schwanette, Sozialinde oder Erdmuthe. Aber nicht nur die urdeutschen Vornamen sind problematisch. Gerade heute werden oft sehr fremdländische Namen gesucht und nur nach deren Klang ausgewählt. Dass Cian in der Manx-Sprache “Der, der weint” bedeutet, Conan nichts weiter als ein “Hündchen” ist, Arminda georgisch ist und “Ich wünsche es nicht” bedeutet, und Priscilla “Die kleine Alte” ist, kümmert unbedachte Eltern bei ihrer Namensauswahl oft wenig. Doch es geht auch noch viel schlimmer…

Im Ernst

Ein Mädchen Fanta zu nennen – das ist ein Getränk und kein Vorname – oder Pippi – das ist nicht einmal mehr ein Getränk, sondern schon durch den Menschen durch, grenzt schon an Gemeinheit. Rex, eigentlich lateinisch für “König”, ist heute ein typischer Hundename. Dofi, ein gängiger ghanaischer Name, ist im Deutschen wohl eher ungünstig und auch vom Namen Jesus dürfte abgeraten werden.

Im Zuge des Emilismus – darunter versteht man den Rückgriff auf deutsche, als traditionell und bürgerlich empfundene Vornamen – wird auch der Name Ernst an Bedeutung gewinnen. Doch Ernst dürfte wohl kaum ein guter Name für ein Kind sein, da er zu allerlei Wortspielen einlädt; Oscar Wilde hat in seiner Komödie “Ernst sein ist alles” diverse davon festgehalten.

Auch Kevin dürfte inzwischen immer seltener vergeben werden. Immerhin gilt das unter Pädagogen schon lange als eine Diagnose für ADHS und nicht mehr als ein Vorname. Kevin war aber immerhin der Namensgeber für den Begriff Kevinismus (bei Mädchen spricht man eher von Chantalismus). Gemeint sind damit Modenamen, die aus dem Französischen oder Englischen kommen, mit möglichst vielen “y”, aneinandergereihten Vokalen und wenn möglich auch noch einem angehängten “h”.

Halbernst

Immer wieder stehen zwischen den Namen Einschübe z.B. über Frauenzeitschriften und ihre Namen oder über die unaussprechlichsten Namen – so etwa Nárbfhlfhlaith. Dabei gibt es teilweise sehr informative Kästen etwa über Rumpelstilzchen und den Papst, über Hygieneartikel und ihre Namen oder über das Morse-Alphabet. Daneben gibt es auch sehr unterhaltsame Listen mit jeweils zehn Vornamen – etwa die durchgeknalltesten Promibabynamen oder die albernsten Vornamen christlicher Heiliger.

Alles in allem bietet das Buch unterhaltsame Lektüre und viel Informationen. Auf jeden Fall empfehlenswert!

Titel: Ernst beiseite! 500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten
Autor: William Wahl
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Seiten: 221
Richtpreis: CHF 15.90

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