Cities in Motion 2 (Colossal Order Ltd)

Übungsplatz für Verkehrsminister

Cities in Motion 2 (Colossal Order Ltd)

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In der Wirtschaft teilen Manager Großprojekte in Teilprobleme und optimieren diese, bis die Kasse klingelt. Kurz nach der Launchkatastrophe vom SimCity zieht Cities in Motion 2 in den Kampf der Simulatoren im städtischen Umfeld. Im Falle des öffentlichen Nahverkehrs geht es zum Beispiel darum, Fahrpreise hochzukurbeln oder die Gehälter der Busfahrer zu kürzen. Es gibt massenhaft Möglichkeiten die perfekte Netzabdeckung zu erreichen. Mit dem Bildschirm voller Statistiken hat sich KAROLINE GORSKI dem Verkehrsministerposten gestellt.

Die Uhr steht zu Beginn auf 8:00 morgens in einer großen, wie überraschend fertigen Stadt. Diese ist hübsch in die digitale Bilderbuchlandschaft eingebaut und der Verkehr gehorcht dem Rhythmus ihrer Bewohner. Und dann passiert erst einmal nichts: keine Aufträge, keine Vorgaben, außer vielleicht der Aufforderung, einen Prozentanteil der Bevölkerung am Nahverkehr zu beteiligen. Der Nutzen des Tutorials ist minimal. Es ist zwar einfach zu begreifen, wie eine Buslinie entsteht, wer jedoch wissen möchte wie man eine Fährenlinie oder U-Bahnschiene klug verlegt, muss das selbst herausfinden. Trotz Tutorial.

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Um richtig ins Spiel zu kommen, muss dem Verkehrsminister göttliche Geduld gegeben sein. Die Lernkurve geht alles andere als steil nach oben. Ganz nach dem Motto „Construct and error“ wirft das unlogische Verhalten der Bewohner und Bauelemente den Wissensstand zurück, führt dazu, Gelerntes zu hinterfragen und kurzerhand eine neue Stadt zu starten. Um einigermaßen nervenschonend ins Spiel zu finden, gilt es, mindestens die folgenden grundlegenden Hinweise zu beachten: Zu Anfang in der Sandbox zu spielen hat den Vorteil, dass Geld keine Rolle spielt: Die Pleite setzt nicht schon ein, bevor das eigentliche Spiel beginnt. Außerdem wichtig für die gereizten Nerven: Speichern, speichern, speichern. Ein „Strg“ + „Z“, „undo“-Button und „Rückgängig“ gibt es nicht. Nach den ersten Klickrunden um die zukünftige Buslinie ist es ein Glück, dass nicht gefragt wird, ob man sicher ist, dass man diesen Abschnitt der Linie ganz sicher bauen bauen möchte.

Jeder Fehler ist schwerwiegend.

Nur mit kleinen Schritten und durch häufiges Speichern schützt man sich vor der ungenauen und teils uneindeutigen Steuerung. Wer versehentlich die halbe Bahnlinie abreißt ist erleichtert, wenn er einen Spielstand laden kann und der Vorfall nicht so ins Gewicht des Portemonnaies fällt, dass das GameOver in Sicht ist. Mit kurzen direkten Linien anzufangen hat sich als Trumpf erwiesen, die Schwierigkeit dabei ist, dem Depotzwang gerecht zu werden. Depotzwang bedeutet, dass jedes Fahrzeug auf seiner Fahrt in das Depot einfahren muss aus welchem es gekommen ist. Die Depots weisen nur eine Einfahrt auf und nehmen in der Stadt recht viel Platz ein. Für komfortable Strecken ohne Schleifen hilft es dennoch mit mehreren Depots auf einer Linie zu arbeiten. Übrigens scheinen die Bewohner gerne umzusteigen, also hebt es die Fahrgastzahlen, mehrere Linien an einer Haltestelle halten lassen. Straßenbahnen sind deutlich attraktiver für die Bewohner als Buslinien; aber Straßenbahnschienen müssen immer am Straßenrand, nicht etwa auf einer inneren Fahrspur liegen, ansonsten werde die Haltestellen nicht erreicht. Und ein weiterer Stein der Weisen: Auf Einbahnstraßen achten!

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Der kleinen Makel gibt es viele, aber erfreulicherweise sind sie mit fortschreitender Spieldauer vermeidbar. Jeden gefundene Stolpersteinen merkt man sich und sammelt sie für die nächsten Städte. Sich seine Stadt einige Tage im Schnelldurchlauf ansehen, erweist sich als passabler Ersatz für Grafiken über Verkehrshotspots wie es sie auch in City Life 2008, kein Verkehrssimulator, gibt. Die Passagiere in Cities in Motion 2 legen eine außerordentliche Trägheit an den Tag. Bis sie neue Linien annehmen und die Fahrgastzahlen ins Zweistellige klettern, dauert es schon mal eine Stunde Spielzeit. FunFact: In Cities in Motion 2 wird eine Straßenbahnstrecke von 7,5 Kilometern in 5,5 Spielstunden abgefahren. Kein Wunder, dass die meisten Passagiere unzufrieden sind. Wie man ihr Unglück behebt, bleibt ein Rätsel. Auch hier macht erst der Versuch klug.

Stehen die Linien, wird erstmal ministert!

Dank der Vorarbeit kann nun endlich optimiert werden. Das Drehen an unzähligen bereits laufenden Rädchen und das Abwarten von Ergebnissen begründet den Tiefgang und Spaßfaktor dieses Spieles. Es können Fahrkartenkontrolleure eingestellt werden, die dafür sorgen, dass über 50 Prozent der Fahrten auch bezahlt werden. Farbige Anzeigen helfen dabei, den richtigen Fahrpreis auszuwählen, um Busfahrer und Kontrolleure zu bezahlen. Im zweiten Abschnitt erschließen sich Zusammenhänge wesentlich leichter als beim Straßenbau und Veränderungen machen Lust auf mehr. Erstaunlicherweise bewirken die Klick sparenden Änderungen der Zahnräder rasche und deutliche Veränderungen. Ist eines feinjustiert, versucht man es auch gleich an allen anderen Linien oder aber sucht sich anhand seiner Daten ein anderes Rädchen aus. Und der Daten gibt es viele. So toll es ist viel Info auf einmal präsentiert zu bekommen, etwas anstrengend wird es, wenn man alle 11 Fenster einzeln schließen muss. SimCity 4 RushHour stellt dem Bürgermeister Berater zur Seite, die auf Probleme straßengenau hinweisen und Lösungswege vorschlagen. Leider kann man in Cities in Motion 2 die Ansichten nicht kombinieren. Das heißt, es ist nicht möglich gleichzeitig im Statistikmenü die Wohn- und Industriegebiete anzeigen lassen, während man im Baumenü Haltestellen und Straßenbahnnetze baut, sondern muss aufwändig hin- und her klicken.

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In der realen Großstadt sind farbige Linienpläne und RoutenplanerApps längst wichtig für die tägliche Orientierung. In Cities in Motion 2 strahlen und kreuzen alle Linien einer Fahrzeugkategorie in einer Farbe. So kann man schon mal die Linien verwechseln und verschlimmbessern. Auch einige Logikfehler sind ärgerlich. Wer entscheidet eine Strecke zu entlasten, wird merken, dass die neue Brücke oder die Fähre nicht angenommen wird. Die erfüllten Aufgaben werden manchmal nicht erkannt, und die Belohnungen bleiben dem Ministerium verwehrt. Wie in SimCity sind auch bei Cities in Motion 2 sind die Bewohner nicht astrein simuliert, so fahren Sie gern mal mit Feuerwehr- oder Polizeifahrzeug zur Arbeit oder beamen sich heimwärts.

Das Ministerium sagt:

Ja, Cities in Motion 2 simuliert den Großstadtverkehr. Der Netzausbau und das Erstellen von Linien und Strecken ist allerdings sehr nervenaufreibend, anfällig für Fehler und gespickt mit Stolpersteinen. Das Bearbeiten vorhandener Linien und Ressourcen geht sehr tief und bildet die Wirtschaftlichen Mechanismen glaubhaft ab. Am spielerischen Bürokratisieren können so auch verplante Realchaoten Spaß entwickeln. Paradox könnte zur Entlastung des Spieleinstiegs fertige Verkehrsnetze mitliefern und den Spieler optimieren lassen. In solch einem Rahmen könnte sich Cities in Motion 2 auch die umständliche Handhabung leisten. Wenn DLCs und Mods genau das nachliefern, ließe sich das Potential des Spieles ohne stockenden Spaß ausreizen. Bis dahin ist es leider sehr müßig zum Spaß vorzudringen.


Bereits erschienen.

Originaltitel: Cities in Motion 2
Plattformen: PC, Mac OS X
Genre: Verkehrssimulator
Entwickler: Colossal Order Ltd
Veröffentlicht von: Paradox Interactive

Im Netz

Der Trailer zeigt wohin die Reise gehen soll, ein deutschsprachiges Let’s play, mit etwas einem höheren Anspruch gibt einen schönen Mitten-im-Spiel-Eindruck. Trotz des Expertenstatus des Spielers baut er seine zweigleisige Tramroute in einer Einbahnstraße.

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