Unsere E3-Rückschau

Gezeitenwende?

Sag zum Abschied (alles andere als) leise “Servus!”

Ausgewählte Köpfe Die Artikel-Deadline einhaltende Köpfe der nahaufnahmen.ch-Gamescrew fassen im Folgenden ihre Gedanken zur diesjährigen E3 zusammen. Die Meinungen wurden, das wird dem einen oder anderen schnell auffallen, vor der großen Zurückruder-Aktion Microsofts gefasst. RUDOLF INDERST darf reichlich Vergnügen wünschen.

 


Volker Bonacker

Satz mit X(box One)… Dem sozialnetzwerklichen Vernehmen nach hat Microsoft die alljährlich stattfindende Schlacht der E3-Pressekonferenzen klar nicht für sich entscheiden können. Stattdessen “gewann” Sony mit der PS4 die Spieler- und Redakteursherzen für sich – beinahe ironisch angesichts des Umstandes, dass die Konsole zur Premiere noch belächelt wurde. Wie eine Präsentation doch alles ändern kann, während der sich ein multinationaler Konzern als Freund der Spieler generiert und damit erfolgreich das Bild eines Gamer-Partners statt eines Gebrauchtkäufer gängelnden Überwachungsmonstrums vermittelt. Dabei habe ich die Pressekonferenzen der Publisher und Hardware-Hersteller in diesem Jahr nicht live mitverfolgt. Live-Ticker und Co. lesen sich schließlich am Folgetag bei einer Tasse Kaffee deutlich besser (und vor allem wacher) und dem auch unter Gamern allgegenwärtigen Zwang zum early Adoptertum begegnet man noch am Ehesten mit offensivem Ruhigbleiben. Und das Ende vom Lied? The Last Guardian war mal wieder nicht zu sehen, das ist man ja mittlerweile gewohnt.

 

 

Dafür gab’s einen Mini-Skandal (Neusprech: Shitstorm) nach einem Rape-Joke, Ärger um die Ouya-Macher und einen deutlichen Rückgang an Zuschauern. Abseits davon zahlreiche Neuankündigungen in einer fast schon überfordernden Vielfalt, bei der weibliche Helden weiterhin Mangelware geblieben sind. Bemerkt man diesen Umstand, hagelt es schon mal wüste Reaktionen (männlicher Gamer), wie dieser Tweet von Feminist Frequency beweist. Man könnte zynisch subsummieren: Alles beim Alten, auch 2013. Wären da eben nicht die beiden neuen Konsolen (von denen die PS4 übrigens wirklich die Attraktivere ist). Und Nintendo. Die sich um Pressekonferenzen-Pyrrhussiege nicht scheren und stattdessen Wii U und 3DS mit neuer Software versorgen. Denn nur darum geht es letztlich und trotz Cloudgaming, Videostreaming und Entertainment-Features täten Sony und Microsoft gut daran, sich diesen Umstand gelegentlich in Erinnerung zu rufen. Um dann anschließend Bayonetta 2 auf ihre Geräte zu portieren.


Norman Volkmann

Wenn ich ehrlich bin, fieberte ich der E3 in diesem Jahr schon seit Februar entgegen. Sony kündigte die PS4 an und all die Gerüchte um und Wunschvorstellungen an die neue Konsolengeneration und deren zukünfitges Spiele-Lineup wurden noch wilder und verrückter. Die E3 war da der Leuchtturm in der Ferne, der Licht ins Dunkel bringen und uns Klarheit verschaffen sollte.  Und nun, ein paar Tage nach dem ganzen Trubel, muss ich ganz ehrlich sagen, dass es für mich nicht DAS eine Highlight gab: Es wurde ja leider kein neuer Banjo-Kazooie-Teil angekündigt. Es ist wahrscheinlich auch besser so, immerhin ist es ja auch nicht Rare, die nun Killer Instinct wiederbeleben. Dafür gab es viele neue Titel und interessante Konzepte. Ich kann es kaum abwarten, in Battlefield 4 Wolkenkratzer zum Einstürzen zu bringen, Zombies in Garden Warfare mit Pflanzen zu erledigen oder bei Watch Dogs alles und jeden zu hacken. Dennoch: Bär und Vogel wären für mich tatsächlich ein wirklicher Kaufgrund für die Xbox One. Bis auf Quantum Theory gibt es aber auch kein Spiel, das mich über Microsofts bisherige Vorgehensweise seit der Vorstellung ihrer neuen Konsole hinweg sehen ließ. Sony zeigte sich sympathischer, umging geschickt die Fettnäpfchen in die Microsoft mit erschreckender Regelmäßigkeit trat und präsentierte ihre Konsole so, dass ich mich eher zur PS4 hingezogen fühle – selbst wenn auch da bei den Exklusivtiteln der absolute Systemseller zu fehlen scheint. Zum Launch werde ich mir wohl keine der beiden Konsolen kaufen, sehe dies aber auch kaum als Nachteil – denn erst dann wird sich zeigen, welche Konsole in der Praxis bestehen kann, wer seine Versprechen hält und wer technisch die bessere Arbeit geleistet hat. Aufregung und Vorfreude bot die E3 dieses Jahr aber genug, um für die letzten beiden Messen zu entschädigen.


Sebastian Geiger

Und während Microsoft und Sony sich kloppten – genauer, während Sony Microsoft verkloppte – sorgten die Entwickler mit ihren neuen Spielen für offene Münder. Ganz besonders interessant war dabei ein Genre, das genau so oft totgesagt wird, wie der PC als Spieleplattform: Das RPG. Alles wird offenweltiger und größer. Ganz vorne mit dabei sind natürlich die Titel Dragon Age 3 und The Witcher 3, die beide 2014 herauskommen – auch noch für die alten Konsolen wohlgemerkt. Bioware und CDRed versprechen für ihre Titel noch größere Welten und noch mehr Einfluss des Spielers auf die Geschichte. Und natürlich einen grandiosen Abschluss ihrer Epen, auf die die Entscheidungen der Spieler in den vergangenen zwei Spielen großen Einfluss haben sollen. Hoffen wir mal, dass es nicht so endet wie bei Mass Effect 3.

 

schönbrunn15

 

Aus Japan kommt dagegen die frohe Kunde, dass Dark Souls 2 schon nächstes Frühjahr kommen soll. Auch hier wird alles größer und noch bösartiger als im kultigen Vorgänger. Allerdings hat NamcoBandai auch schon davon geredet, die Serie näher an den Mainstream bringen zu wollen. Na, wenn das mal gut geht. Überraschungssieger im RPG-Rennen ist aber erstaunlicherweise SquareEnix geworden. Deren neues Final Fantasy, Final Fantasy Versus XIII, Entschuldigung, Final Fantasy XV, sieht nämlich verdammt gut aus! Und ähnlich wie Sony scheinen die SquareEnix-Entwickler endlich auf ihre Spielergemeinde zu hören, und etwas Neues zu versuchen. Lange erwartet und exklusiv für die Playstation kommt auch endlich der dritte Teil der Kingdom Hearts-Reihe heraus. Schade ist bei den ganzen leckeren Fortsetzungen eigentlich nur eines – nämlich, dass von neuen RPG-IPs noch nichts zu sehen ist. Liebe Studios – bitte ändert das.


Stefan von der Krone

»Die Xbox One kostet 500 €, die PS4 kostet 400 €. MS hat sich viel Reputation verspielt und schickt seinen Buddy Cliff Bleszinski an die forderste PR-Front. Sony ist des Spielers liebster Anwalt und meint, bei ihnen sei alles besser. CryTec bringt Ryse exklusiv für die Xbox One raus und mein Interesse ist negativ-proportional zur Anzahl der Quicktime-Events. Watch Dogs ist GTA für DeusEx-Fans – oder auch andersrum. Überraschungen sind Final Fantasy XIII Versus, äh Final Fantasy XV oder auch ein neues Mirrors Edge. Rollenspielfreunde begeistert Dragon Age 3, The Witcher 3 und Dark Souls 2. Letzteres erfreute sich meiner größten Aufmerksamkeit! Sieht’s nicht hübsch (und böse schwer) aus? Ein Mad Max ist in Entwicklung, aber anscheinend ohne Aussie-Akzent. Killer Is Dead wirkt (noch) nicht so interessant, wie es anfangs erschien. Need For Speed ändert sich auch nie – fragt sich, was Criterion grad so plant? Und Bayonetta hat kurze Haare, ist aber immer noch Nintendo-Exclusive – curse you, SEGA! Zusammengefasst eine E3 mit einem gekonnten “In your Face!” von Sony an Microsoft – die PS4 ist schon fast vorbestellt – und einigen schönen Überraschungen. Leider wieder einmal ohne The Last Guardian.

 

Rudolf Inderst

+++EILMELDUNG+++

Mario jetzt im Katzenkostüm! Zelda-Remake! Remake vom Remake des Remixes! Mashup vom Reboot vom Make-Over! Auch von Ideen! Mehr Bilder von GTA V! Spreaden reicht! Ende der Konsolengeneration herbeireden! MMORPGs und Free-to-Play starten Invasion auf Konsole! Entertainment-Inhalte, die vielleicht nie nach Europa kommen! Viraler Sony-Spot über das Ausleihen von Spielen! 100 Euro mehr für die Xbox One! Wer hat gewonnen! Wer! Das boykottieren wir! Sony, solche Gutmenschen! Vorbestellt! Beide! Strände und amerikanische Speisen als Instagram-Flut der deutschen Fachpresse! Exklusivrechte, die nichts mehr bedeuten! Streit um die Repräsantanz von (insert politisch korrekten Begriff hier)! Plastikhalterungen für Handys auf Konsolenpads! Ouya-Party von Cops gestürmt! Oculus ist die nächste Generation für Spiele! Ja, genau! Weniger Dubstep in Trailern! Berichterstattung, die die NextGen-Grafik aus Datentransfergründen nicht vollständig in ihrer Pracht zeigen kann!  Wenn’s Dir nicht gefällt, spiel Indie! What’s next now! And then! And afterwards! Wann rudert MS zurück? Oder doch Balls in den trousers? Ubisoft zeigt der Welt, was Paranoia ist! 13 ist die neue 15, yolo! Mountain Dew! Trailer schauen! Noch einen Fuse-Text dazwischen basteln! Trailer bewerten! Bewertung verwerfen! Bei The Division hängenbleiben! Hoffen!

+++EILMELDUNG+++

Peter Klement

Ich habe mich redlich bemüht die Sprache dieses seltsamen Volkes zu lernen, das in Los Angeles in gewaltigen Höhlen haust. Doch alles was ich von Aufzeichnungen von diesem seltsamen Ritual names E3 verstehen konnte war: “Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis.” Aus mir wird wohl nie ein vernünftiger Anthropologe werden.

Rudolf Inderst

*1978 in München. Studierte Poltikwissenschaften in München und Kopenhagen. Arbeitet aktuell an seiner zweiten Dissertation. Übernimmt Verantwortung als Ressortleiter für digitale Spiele hier bei nahaufnahmen.ch. Holt sich blaue Flecken im Krav Maga. Liebt Stanislaw Lem, Hörspiele und Podcasts. Spielt Videospiele seit etwa 35 Jahren. Trägt gerne Bart.

2 Gedanken zu „Unsere E3-Rückschau

  • 02.07.2013 um 08:53
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    Mir ging’s ganz und gar wie Peter. Ab sofort hol ich mir meinen Testosteron-Überschwang wieder bei Genki Sudo-Clips statt Pressekonferenzen.

  • 02.07.2013 um 13:58
    Permalink

    Ich bleibe weiter Mr. Eastwood treu. Wobei das eher die Balls-Kategorie ist, oder?

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