Deadpool (High Moon Studios / Activision)

Let’s kill some stuff!

Deadpool (Activision)

It's huge!

Deadpool hat es geschafft! Nach langem Kampf hat er ein Entwicklerstudio davon überzeugen können (sprich: es erpresst), ihm ein Spiel zu widmen. So richtig zünden will es dann aber doch nicht, als er plötzlich mit Script, generischen Levels und einer angedeuteten Handlung konfrontiert wird. Wollte er denn so etwas? Was hat Story in einem Videospiel zu suchen? Katana, Granaten und Wummen – das ist, was zählt! Und Groupies. Selbstverständlich. Oder? NORMAN VOLKMANN legt sich mit dem vorlauten Ex-Söldner an und zieht Parallelen zu einer bekannten Archäologin. Absurd.

Dass mir Deadpool gefallen würde, war mir bereits nach zwei Spielminuten klar. In seiner heruntergekommenen Bude liegt er breitbeinig auf dem Sofa, langweilt sich und wartet darauf, dass ihm High Moon endlich ein eigenes Videospiel zusichert. Bevor man auch nur aus der Wohnung gegangen ist, feuert der „Held“ des Spiels einige Sprüche ab, die die Richtung für den Rest Spiels klar machen und einen Einblick in seinen Geisteszustand geben. Erstes Highlight: Deadpool (gesprochen von Nolan North), telefoniert mit Nolan North.

Cable, das komplette Gegenteil, will seinem unfreiwillig Verbündeten im Laufe des Spiels den Ernst der Lage klar machen. Die ganze Welt sei in Gefahr, der… – und Deadpool schaltet einfach ab, fleht mich an, ihn vor dieser abartigen Langeweile zu retten. Ich drücke das Knöpfchen nicht direkt, will sehen wir der Typ leidet, der mich beim Game Over als „Dipshit“ beschimpft. Die Erlösung folgt rasch automatisch. Das Spiel lebt von solchen Momenten, lebt davon, dass der Held eben keiner ist. Deadpool hat keine Ahnung was er machen soll und interessiert sich für kein Ziel. Er will Spaß haben, will metzeln und aussehen, wie der größte Held, der je für Marvel in einem Videospiel stand. Und dann packt man ihm nur Bösewichte aus der zweiten oder dritten Garde ins Spiel, Frechheit. Im Gegensatz zum Rest des Spiels ist Deadpool seit langem einer der lebendigsten Charaktere.

Kill kill kill!

Gritty story –vs– shitty story

Vor nicht allzu langer Zeit spielte ich Tomb Raider, einen Titel auf den ich lange wartete und von dem ich mir besonders auf Seiten der Handlung sehr viel versprach. Nach den ersten Spielstunden war ich ziemlich ernüchtert. Die Handlungsfetzen wurden sparsam nach ewig langen Kampfsequenzen und recht biederen Kletterpassagen eingestreut. Realistisch und düster sollte das Erlebnis sein – eine Geschichte über das nackte Überleben erzählen. Im Spiel sah diese Realität dann folgendermaßen aus: Lara fiel nahezu im Minutentakt aus lebensgefährlichen Höhen auf den Rücken, stach sich Stacheln durch den Körper und schlachtete Gegner auf brutalste Art und Weise ab. Wie ein Fußballer humpelte sie danach 3 Schritte und weil keiner guckte, ging es recht zügig ganz normal weiter. Was zum Teufel das nun mit Deadpool zu tun hat?

Nun, im Grunde läuft Deadpool ähnlich ab: Viele, viel zu lange Gefechte dominieren das Spiel, Horden von Gegnern müssen abgemetzelt werden, um die nächsten Zwischensequenzen zu erreichen und doch: bei Deadpool dran zu bleiben lohnt sich, vorausgesetzt seine Art von Humor kommt bei SpielerInnen an. In Deadpool gibt es keinen Moment, der nicht komplett übertrieben und verrückt ist, es ist als Spiel im Reinen mit sich. Von Tomb Raider kann ich das nicht behaupten. Stetig hatte ich das Gefühl, die auflevelbaren Eigenschaften und Waffen mussten eingebaut werden, weil man Angst hatte, dass die geneigte COD-Spielerschaft sich sonst enttäuscht abwenden würde. Crystal Dynamics entschied nicht zwischen harter Überlebensstory und abgedrehten Kämpfen – man vermischte beides einfach miteinander und brach damit die Glaubwürdigkeit der Story. High Moon entschied sich für ein abgedrehtes Abenteuer ohne Story (und kokettiert genau damit immer wieder) und schaffte somit einen, in seinem Universum, glaubwürdigeren Charakter.

DP1

Boom. Headshot.

Deadpool ist bei weitem nicht so poliert wie Tomb Raider; schwächelt technisch immer wieder. Die Kamera erschwert so manchen unübersichtlichen Kampf, präzise Sprungpassagen sind umständlich. Die Umgebung ist oft langweilig und generisch. Wenn ich Wolverine ungefähr 37 Mal ohrfeige, auf der Toilette gegnerische Soldaten belästige oder mit einem von Raketen angetriebenen Fahrrad zum nächsten Levelabschnitt flüchte, entschädigt das allerdings. Die Kämpfe sind spannend inszeniert. Zahlreiche Gegnertypen und deren unterschiedliche Stärken/Schwächen forderten, verlangten immer häufiger eine sinnvolle Kombination der Waffen und Fähigkeiten des unsterblichen Großmauls.

Wahrscheinlich wird Deadpool so ein typisches Wühlkistenspiel, das man in 2-3 Jahren zwischen Erweiterungen von Die Sims findet. Trotz spannender Gefechte fehlt dem Gameplay das gewisse Etwas und der Humor wird sicherlich nicht überall gut ankommen. Danach bleibt nicht viel übrig, denn nur wer Deadpool mag, wird mit seinem Spiel glücklich werden. Irgendwo zwischen Devil May Cry und Blood Dragon hat der abgedrehte Söldner bei mir jedenfalls ein Stein im Brett, Nachschub in Comicform steht mittlerweile im Regal. Und Deadpool war besser als Tomb Raider. So!


Bereits erschienen

Originaltitel: Deadpool
Plattformen: Xbox 360, PS3, PC
Genre: Action
Entwickler: High Moon Studios
Veröffentlicht von: Activision

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