State of Decay (Undead Labs / Microsoft)

Undead and loving it

State of Decay (Microsoft)

Sonntag Abend an der Tanke

Das Zombie-Genre ist in etwa so überlaufen wie die Großstädte in The Walking Dead, und dennoch, ein Abklingen des Trends scheint noch lange nicht in Sicht. Entwickler setzen weiterhin auf die untote Meute von Elite-Soldaten bis zu Topfpflanzen, jeder will den Untoten an den Kragen. State of Decay setzt auf das nackte Überleben und lässt SpielerInnen selbst Geschichten schreiben. NORMAN VOLKMANN plünderte sich durch Kleinstädte und ließ unzählige Köpfe platzen.

Vor knapp einem Jahr eroberte DayZ die Spielerschaft im Sturm — ohne Story, ohne Ziel, ohne fesche Grafik, dafür mit, trotz fürchterlich umständlicher Installation, einem riesigen Hype. “Fight the dead, fear the living” — das Motto, das The Walking Dead prägte, passte hier bestens. Selbst wenn man es  zum Laufen brachte, kam nach einigen Updates Tage später sicher wieder die nächste Fehlermeldung. All diese Hürden wurden in Kauf genommen, Belohnung gab es in Form eines neuen Spieleerlebnisses. Auch ich hatte es ausprobiert, es gemocht, allerdings nur für kurze Zeit. Ich fand nie verwertbare Gegenstände und war meist innerhalb einer Stunde tot. Die umständliche Steuerung gab mir den Rest und so hatte ich den meisten Spaß am Spiel mit Let’s Plays.

State of Decay geht einen ähnlichen Weg. Es gibt ein wackeliges Handlungsgerüst, einen leichten Einstieg und ein vages Ende der Geschichte um eine Gruppe Überlebender. Was zwischendrin passiert, hängt allein von den SpielerInnen ab. Permadeath spielt eine wichtige Rolle, denn stirbt eine Figur aus der Gruppe, ist sie für diesen Durchlauf weg. Weder das Laden eines vorherigen Spielstandes, noch das schnelle Rückkehren auf das Xbox-Dashboard hilft. Wie groß die Auswirkung des Todes ist, hängt davon ab, wie kostbar der Tote für die Gruppe und für SpielerInnen war. Durch den Ausbau von Fähigkeiten und das Freischalten von neuen Angriffen werden Charaktere, die häufig gespielt werden, wertvoller und effektiver.

Zombieromantik beim Sonnenuntergang

Das häufige Spielen eines einzigen Charakters hat allerdings so seine Tücken. Verbesserte Figuren kommen recht gut mit größeren Zombiegruppen klar, sprinten länger und werden nicht so schnell müde. Ist man das erst einmal gewöhnt, fällt es schwer zu den schwächeren Gruppenmitgliedern zurück zu wechseln. So geht man die Gefahr ein, mit dem übermüdeten Anführer einen Auftrag zu viel anzunehmen und in eine Horde zu laufen, der man nicht mehr Herr wird. Und dann ist das B-Team recht heillos überfordert; levelt man Charaktere nicht regelmäßig, hat man speziell in der zweiten Hälfte des Spieles Schwierigkeiten mit unvorbereiteten Überlebenden.

Man startet mit Marcus, der bei mir schnell zu meinem “wertvollsten” Charakter aufstieg und an dem ich im Verlauf des ganzen Spiels festhielt. Er und Kumpel Ed werden unsanft in das Abenteuer geworfen und werden Zeuge eines überraschenden Zombieangriffes in einem Campinggebiet. Ohne Fragen zu stellen werden nach einigen Sekunden direkt die ersten Köpfe gespalten.

Problemzombies

Die fehlende Story und die leeren Charaktere sind gleichzeitig Stärke und Schwäche von State of Decay. SpielerInnen bauen Verbindungen zu Ihnen auf, weil sie brenzlige Situationen miteinander überstehen, aus ausweglosen Situationen entkommen und sich schlussendlich weiterentwickeln. Der Hintergrund der Figuen wird nur spärlich beleuchtet — keine schlechte Sache, wahrscheinlich fängt man spätestens nach dem Ende der Welt sowieso ein neues Leben an. Zudem bietet das die Freiheit, selbst den Anführer der Gruppe zu bestimmen.

Carpooling in Zombieland

Alle angedeuteten zwischenmenschlichen Situationen hingegen wirken steif und erzwungen. Gibt es Stress in der Gemeinschaft, geht man Zombies schlachten, während man 3-4 sinnleere Sätze austauscht. Die einzig wirklich nachvollziehbare Figur ist Lily. Sie bedient das Funkgerät und ist ständig mit dem aktiven Charakter in Kontakt, gibt Neuigkeiten weiter, witzelt herum und belebt die hoffnungslose Spielwelt etwas. Ebendiese leidet nämlich nicht nur an vor sich hinrottenden und mutierten Ex-Menschen, sondern auch an erheblich technischen Schwierigkeiten. Heftiges Ruckeln, aufploppende Elemente und spät ladende Texturen stören. Ähnlich ist es mit den unübersichtlichen Menüstrukturen. Bis ich die Optionen der Spezialmöglichkeiten entdeckte, war über die Hälfte des Spiels vorbei. Irgendwie passt das alles dann aber doch in das rohe Setting und beweist einmal mehr, dass mehr poliert nicht automatisch mehr gut ist.

Ich muss zugeben, dass Zombies bei mir schon immer ein Stein im Brett hatten. Die sympathische, untote Meute kann noch so häufig in der Popkultur auftauchen – zumindest neugierig rüberschielen werde ich. State of Decay überbrückt nicht nur die Zeit bis DayZ endlich offiziell veröffentlicht wird, sondern schafft sich eine eigene kleine Nische, die, wenn sie inhaltlich weiter ausgebaut wird, sicher auch in einer MMO-Umgebung für frischen Wind sorgen würde. Bis dahin bleibt zumindest das Hoffen auf einen Koop-Patch und die Gewissheit, zum Ende der Konsolengeneration das bisher beste XBLA-Spiel geliefert bekommen zu haben.


Bereits erschienen

Originaltitel: State of Decay
Plattformen: Xbox 360
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Undead Labs
Veröffentlicht von: Microsoft

2 Gedanken zu „State of Decay (Undead Labs / Microsoft)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.