Michael G. Manning: “Dunkle Götter 1”

Vergessene Magie

Michael G. Manning: “Dunkle Götter 1. Das Erwachen” (Fantasy)

Bei einem Attentat kommen der letzte Zauberer und seine Beschützerin ums Leben. Mort, der Sohn der beiden, wächst von nun an bei einem Hufschmied auf, ohne von seiner Herkunft zu wissen. Kurz vor seinem 17. Geburtstag erwacht jedoch auch in Mort die Magie. Und das gefällt nicht allen. – Mehrheitlich solide und spannend.

Von Andrea Müller-Schmuki.

dunklegötterDas Leben von Mort, dem vermeintlichen Sohn des Hufschmieds, verläuft in geordneten Bahnen. Ein wenig ungewöhnlich: Von Kindsbeinen an ist er mit Marcus, dem Sohn des Herzogs, befreundet. Diese Freundschaft wirkt ein bisschen sonderbar, da Mannings Geschichte in einer mittelalterlichen Welt angesiedelt ist, in der die verschiedenen Gesellschaftsklassen strikte getrennt werden.

Eines Tages rettet Mort Marcus’ Pferd vor dem Ertrinken, indem er sich in den Geist des Tieres hineinversetzt. Von da an kann Mort magische Dinge sehen, die für alle anderen verborgen sind. Aufgeregt versuchen die beiden Jungen mehr über Morts magische Fähigkeiten herauszufinden.

Nur wenig dunkel

Magie ist längst vergessen und existiert zur Zeit von Mort nicht mehr. Der beste Ort, um an Informationen über Magie zu gelangen, ist also eindeutig die herzogliche Bibliothek. Mort wird von Marcus und seinem Vater, dem Herzog von Lancester, eingeladen, die nächsten Tage auf der Burg zu verbringen. Da gleichzeitig diverse adelige Jugendliche kommen, um Kontakte zu knüpfen, wird Mort ebenfalls als Edelmann ausgegeben. Und damit beginnen die ersten Schwierigkeiten, denn Mort wird in eine Welt gezogen, in der er sich nicht auskennt, in eine Welt voller Intrigen, Abenteuer und ungeahnter Gefühle.

Zum Glück kann Mort auf die Freunde seiner Kindheit zählen: auf die schöne Dienstmagd Penny, auf Dorian, den Sohn des herzoglichen Seneschalls, und natürlich auf Marcus. Doch in der adeligen Welt macht sich Mort nicht nur Freunde; schon nach kürzester Zeit hat er sich nämlich einen mächtigen Feind geschaffen: Lord Devon. Und allem Anschein nach versteht auch Devon etwas von Magie.

Zu glatt

Dank erfolgreicher Recherche in der Bibliothek findet Mort schnell heraus, was Magie ist und wie er sie wirken kann. Dabei hat er keinerlei Schwierigkeiten und lernt innert weniger Tage völlig autodidaktisch, was andere Magier und Zauberer in langem Training mit einem Lehrer gelernt haben. Mort gerät auch nie in Schwierigkeiten, die er nicht mehr selber bewältigen könnte, und er findet für alles eine Lösung. Diese Entwicklung vom vermeintlichen Sohn des Hufschmieds zu einem gut ausgebildeten Zauberer läuft ganz einfach zu glatt und zu schnell ab.

Aufbau und Sprache

Nach einem Prolog, der den Leser mit der Welt von Mort und den Geschehnisse vor 16 Jahren bekannt macht, folgen 21 Kapitel, die mehrheitlich in der Ich-Perspektive (Mort als Erzähler) geschrieben sind. Diesen Kapiteln voran geht jeweils eine Erläuterung von Marcus dem Ketzer über das Wesen der Magie. In diesen Erläuterungen erfährt der Leser verschiedenes über Magie, das Zaubern und die dunklen und weniger dunklen Götter. Die Erläuterungen sind für das Verständnis der Geschichte sehr hilfreich und passen mehrheitlich auch gut zur Handlung des folgenden Kapitels. – Was die ganze Geschichte jedoch mit dunkeln Göttern – wie der Titel heisst – zu tun hat, bleibt bis zum Schluss ein wenig unklar; immerhin kommt in der ganzen Geschichte lediglich ein einziger dunkler Gott vor.

Mannings Buch ist besonders für Jugendliche (ab 13) geeignet und weniger für Erwachsene; Liebesszenen werden in wenigen Sätzen angedeutet, Kampfszenen werden kurz gehalten und sehr allgemein beschrieben.

Alles in allem ein spannender, solider Auftakt einer Serie über einen Magier. Die Charaktere und die Grundidee überzeugen, die Handlung hat jedoch einige Schwächen.


Titel: Dunkle Götter 1. Das Erwachen
Autor: Michael G. Manning
Übersetzer: Jürgen Langowski
Verlag: Piper
Seiten: 352
Richtpreis: CHF 24.90

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