Hoffnung: Auf der Suche nach der Bedeutung eines Begriffes

„Hoffnung“ – Was ist das?

Pandora_Jules Joseph Lefebvre
Pandora: Gemäss griechischer Mythologie die erste Frau. In der Hand hält sie die Büchse, die alle Übel der Welt sowie die Hoffnung enthält.

 

Der Begriff Hoffnung taucht in unserer Sprache häufig auf. Nicht nur in Sprichwörtern, sondern auch in der Alltagssprache benutzen wir ihn rege. Ein Grund, sich einmal zu überlegen, was der Begriff eigentlich bedeutet.

Von Andreas Schuler

Kürzlich wurden die Nahost-Friedensgespräche in Washington wieder aufgenommen. Neben Haltungen wie Interesse und Skepsis ist in den Diskussionen und Berichterstattungen ein weiterer Begriff gut vertreten – die Hoffnung. Sie spielt jedoch nicht nur bei solchen Ereignissen eine grosse Rolle, sondern ist auch in unserem Alltag, in unserer Sprache fest verankert. So ist die Hoffnung beispielsweise bei Prüfungen, Krankheiten, Fussballspielen oder auch in politischen Diskussionen mit von der Partie. Wie selbstverständlich gehen wir mit dem Begriff um; doch stellen wir uns selten die Frage nach dessen Bedeutung oder Herkunft.

Die Herkunft von Hoffnung
Der erste Schritt bei der Suche nach der Bedeutung eines Begriffes besteht darin, seine Geschichte zu verfolgen. Die Wurzel des Wortes Hoffnung reicht bis in die griechische Antike zurück. Aus dieser Zeit stammt der griechische Begriff elpis, der mit dem deutschen Wort Hoffnung übersetzt wird. Allerdings fehlt dem Begriff in dieser ursprünglichen, griechischen Form die positive Konnotation, die für ihn heute geradezu bezeichnend ist.

Auch in der deutschen Übersetzung des Begriffes kam die eindeutig positive Konnotation erst später hinzu – er war bis ins fünfte Jahrhundert eher dem neutralen „Erwartung“ nahe. Das sich verbreitende Christentum hat schliesslich alttestamentarische, insbesondere apokalyptische Szenarien und verheissungsvolle Jenseitsvorstellungen durch den griechischen Begriff elpis vermittelt. Dabei spielten die Geistlichkeit und später auch die zunehmende Verbreitung verschriftlichter theologischer Inhalte eine wichtige Rolle. Dadurch wurde auch die deutsche Übersetzung des Begriffes positiv konnotiert: Hoffnung wurde zur herbeigesehnten Verheissung.

In der Zeit nach der Reformation wurde der Begriff verschieden verwendet, also in seiner griechisch – neutralen, wie auch in der christlichen – positiven Färbung. Im ersten Sinne verwendete etwa der Reformator Martin Luther den Ausdruck, im zweiten der Kirchenvater Augustinus von Hippo. Der Terminus tauchte jedoch, in beiden Bedeutungen, vor allem im Diskurs der Theologie auf.  Auch im Gelehrtenkreis wurde der Begriff immer häufiger verwendet, so etwa bei den Philosophen Descartes, Hobbes oder auch Immanuel Kant. Der Ausdruck ist demnach offensichtlich von Seiten der Theologie und Philosophie in die Alltagssprache gekommen, wo er sich heute befindet.

Dem heutigen Gebrauch nach handelt es sich bei der Hoffnung um etwas eindeutig Positives: Die Erwartung des Eintreffens eines ausdrücklich erwünschten Sachverhaltes. Um die eben skizzierte Bedeutung in ihrem Profil zu schärfen, gilt es den Begriff von anderen, verwandten abzugrenzen. Erst dies erlaubt es, die Bedeutung auch in seinen Nuancen darzustellen.

Die Hoffnung, die Utopie und die Wahrscheinlichkeit
Zwei solche verwandte Begriffe, sind etwa Utopie und Erwartung. Der Unterschied zwischen Erwartung und Hoffnung ist dabei am augenfälligsten. Es trennt sie die unterschiedliche Wahrscheinlichkeit, mit der man das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses einschätzt. Diese ist im Bezug zum Erwarteten sehr hoch, beim Erhofften tendenziell gering. Tritt das Erwartete nicht ein, ist man überrascht. So etwa wenn ein erwartetes Dankeschön ausbleibt.

Anders verhält es sich mit dem Vergleich der beiden Begriffe Hoffnung und Utopie. Auch die Bedeutungen dieser Begriffe unterscheidet sich im Bezug zur Wahrscheinlichkeit, allerdings gerade umgekehrt als es im letzten Vergleich der Fall war. Denn eine Utopie ist wörtlich ein „nicht – Ort“. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass das Eintreffen des Inhalts der Utopie höchst unwahrscheinlich, wenn nicht gar unmöglich ist. Dies erklärt auch die Nähe der Utopie zum realitätsfernen Traum.

Die Zeit – kein Kriterium der Hoffnung
Nach dem dargelegt wurde, wie nuancenreich die Bedeutung des Begriffs Hoffnung  ist, soll ein letzter möglicher Irrtum aufgelöst werden: Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es zu der Bedeutung des Begriffes gehört, dass das erwünschte Erwartete in der Zukunft liegt. Dass es sich also um etwas handelt, dass erst noch eintreffen soll. Die Hoffnung kann sich jedoch ohne weiteres auf Dinge beziehen, die schon geschehen sind. Die Voraussetzung dafür ist nur unser Unwissen im Bezug auf dieses Geschehen. Dieses Phänomen kommt etwa zum Ausdruck, wenn ich zum Schluss dieses Artikels der Hoffnung Ausdruck verleihe, er sei mir gelungen.

 

Literatur
Joachim Ritter, Joachim Gründer: Historisches Wörterbuch der Philosophie, 12 Bände, Basel u.a., 1971-2004.

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