Castle of Illusion starring Mickey Mouse (Sega Studios Australia / Sega)

Perspektivenwechsel

Castle of Illusion starring Mickey Mouse (Sega)

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Nach Duck Tales Remastered (oder davor, je nachdem welche Plattform man bevorzugt) schickt sich direkt das nächste Remake eines Disney-Jump’n Runs aus den frühen 90ern an, um erneut Spielerherzen zu erobern. In Castle of Illusion steht nunmehr Mickey Mouse selbst vor der schwierigen Aufgaben, Illusionen zu durchschauen, Bücherwümer, Ritter oder durchgedrehte Weingummischlangen zu besiegen, um die arme Minnie Mouse aus den Fängen der bösen Hexe Mizrabel zu befreien. NORMAN VOLKMANN begleitete den Mäuserich und erinnerte sich an seine Videospiel-Anfänge.

Castle of Illusion ruht sich nicht nur auf vergangenen Lorbeeren aus. Im Gegensatz zu anderen Remakes hat Sega Australia nicht nur viel daran gesetzt Nostalgiker glücklich zu machen, sondern auch einen zeitgemäßen Platformer zu schaffen. Geglückt ist letztendlich beides.

Das Sega Megadrive wird für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben, immerhin war es meine erste Spielekonsole. Und auch wenn ich Castle of Illusion nie für dieses System besaß, hatte ich schon bei Ankündigung direkt Interesse daran. Megadrive-Remakes sind immer etwas Besonderes — sie erinnern mich an eine Zeit in der Videospiele noch einen ganz anderen Charme besaßen. Als ich mich noch nicht mit Verkaufszahlen, mit Metaebenen oder Arschloch-Gamern auseinandersetzen musste. Als ich nicht direkt beim Spielen darüber nachdachte, wie problematisch manche Spielehandlungen sein können, bevor mir bei Twitter direkt 117 verschiedene Meinungen zu irgendetwas um den Kopf schwirrten. Als es mich nicht störte, dass Minnies einzige erwähnenswerte Besonderheit scheinbar ihre Schönheit liegt. Dass nur wahrlich schöne Geschöpfe gut sein können, und hässliche eben schlecht sein mussten. Was im Endeffekt nach einem klassischen Märchen klingt,  erinnert dann nämlich sofort an die stetig über der Branche schwebende, Sexismus-Debatte und an das problematische Frauenbild, dass diese Damsel-in-distress-Geschichten immer wieder abgeben.

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Allerdings: Wer kann Mickey auch böse sein? Die roten Shorts, die Quietschestimme und seine ganz besondere Art zu laufen, haben so viel Eigenes und Sympathisches. Mickey ist eben echter Saubermann. Immerhin reagiert er ernsthaft erschrocken und verängstigt, als ihm Minnie genommen wird. Ganz anders als dieser eine Klempner, der das ja scheinbar jeden dritten Tag mitmachen muss. Im Endeffekt gilt: Handlungen in Platformern werden überbewertet! Wichtig ist: Minnie weg, Mizrabel böse, Mickey to the rescue!

Die Ausgangsituation und die Levelabschnitte orientieren sich stark am Original und schaffen es, die Brücke zwischen Altbewährtem und Modernem zu schlagen. Die Umgebungen sehen traumhaft aus, wurden komplett neu interpretiert und stellen das konkurrierende Remake um Dagobert und Co. rein optisch klar in den Schatten. Die Transition zwischen 2,5D- und 3D-Passagen sind so clever und natürlich gestaltet, dass sie den Spielfluss in keinster Weise stören. Speziell in den Bosskämpfen ist der schleichende Wechsel zwischen den Perspektiven eine interessante und hilfreiche Neuerung. Was für alte Hasen Bekanntes neu verpackt, ist für SpielerInnen, die das Original nicht kennen, zeitgemäßes Leveldesign und die perfekte Lösung für eine Remake. Selbstredend bleibt man ein “klassischer” Platformer ohne die abgedrehten Ideen eines modernen Rayman-Titels, doch das wäre bei Castle of Illusion auch fehl am Platz. Wenn ich in einem riesigem Kinderzimmer, einer überdimensionalen Bibliothek oder im Schlaraffenland mithilfe von Dropsen Milchseen überquere, dann reicht mir das. Auch der Erzähler, der, ähnlich wie bei Bastion oder Thomas Was Alone indirekt Hinweise gibt und vor allem die Umstände der Handlung näher beleuchtet, passt ausgesprochen gut zum Märchencharakter des Titels.

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Ab und an wird es allerdings auch in der Welt von Mickey etwas frustig. Dann nämlich, wenn man aufgrund der recht schwammigen Steuerung wiederholt an der gleichen Stelle abstürzt oder sich Zwischensequenzen vor Bosskämpfen nach dem Ableben der Maus dauernd wiederholen und nicht übersprungen werden können. Gerade im finalen Kampf gegen Mizrabel kostete das Nerven. Ebenfalls schade ist, dass das Abenteuer bereits nach knapp 4 Stunden und dem fiesem Endkampf vorbei ist. Für Sammler stehen gewohnte Sammelaufgaben bereit, für alle anderen bleibt zumindest die Möglichkeit die liebevolle Spielwelt einmal mehr nach geschickt versteckten Geheimabschnitten abzusuchen. Castle of Illusion zeigt, dass HD-Remakes Neues erschaffen können, ohne dabei Altes vergessen zu machen. Und, beinahe noch erstaunlicher: Dass Mickey in Videospielen immer noch relevant sein kann.

Bereits erschienen.

Originaltitel: Castle of Illusion starring Mickey Mouse
Plattformen: Xbox 360, PS3, PC
Genre: Platformer
Entwickler: Sega Studios Australia
Veröffentlicht von: Sega

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