Rayman Legends (Ubisoft)

Alle lieben Rayman

Rayman Legends (Ubisoft)

Rayman Legends

Keine Gliedmaßen, viel Erfolg — Rayman ist sicherlich der Einzige, bei dem diese Formel funktioniert. Nach Origins folgt nun Rayman Legends und damit der wohl beste 2D-Platformer dieser Generation. Da, ich hab es gesagt! Von Rayman lernte NORMAN VOLKMANN, dass Unterwasserlevel nicht immer abartige Ausgeburten der Hölle sein müssen und dass Rhythmusgefühl in Videospielen nicht zwingend nur für Dance Central nützlich ist.

Spätestens mit den Ankündigungen von Valiant Hearts: The Great War und Child of Light bewies Ubisoft, dass sie mit der UbiArt-FrameworkEngine etwas ganz Besonderes schufen und dabei noch komplett unterschiedlichen Projekten ganz neue Kreativität verschaffen. So markant die beiden Rayman-Teile grafisch waren, ist es schön, dass das ihnen zugrunde liegene Gerüst nicht einfach nur die Rayman-Engine bleibt. Dennoch muss und darf man festhalten: Rayman Legends sieht wunderschön aus, ist voll mit detailreichen Kulissen, an denen man sich nicht satt sehen kann und die, befreit von dem Streben nach “realistischer” Grafik, viel mehr Charme haben, als alles, was derzeit als Grafikprotz der nächsten Generation gehandelt wird.

Perfektion gesucht
So erstaunlich wie das gesamte Werk ist auch der Schwierigkeitsgrad. Trotz ständiger Lernkurve sind zumindest die Hauptlevel recht leicht schaffbar. Sie hingegen zu komplettieren ist von Beginn an schwieriger und bedarf viel Geduld und Geschick. Insbesonders die so genannten Challenges und Invasionslevel fordern Konzentration und schnelle Reaktionen. Erstere bieten die Möglichkeit, sich gegen Spieler aus aller Welt zu messen. Tägliche oder wöchentliche Herausforderungen bieten nicht nur viel Abwechslung, sondern auch Zeit zum Üben. Und je besser das Ergebnis, desto zahlreicher wird man mit Lums belohnt. Mit diesen wiederum können neue, spielbare Charaktere freigeschaltet werden — unter ihnen zahreiche alternative Versionen von Rayman, Globox und den Teensies.

Rayman  Legends
Die Invasionslevel dagegen sind kurze Zusatzlevel der herkömmlichen Spielabschnitte und der Albtraum eines jeden Sprintlegasthenikers. Innerhalb von 40 Sekunden müssen 3 Teensies gerettet werden. Ansonsten droht der Schuss ins Nirvana — stilgerecht mit Raketen. Ein falscher Sprung und mindestens einer der Teensies kann Lebewohl sagen. Hier steigt die Lernkurve stark an, Timing, Taktgefühl und Instinkt übernehmen das Steuer. Schnelle Reaktionen fordern auch die Level, in denen Murfey aushilft und Kisten verschiebt und Schalter umlegt. Einst als besonderes Feature für die WiiU und dessen Tablet-Controller vorgestellt, funktioniert die Steuerung nun auch auf herkömmlichen Eingabegeräten wunderbar, selbst wenn man alleine spielt.

Rhythmus im Blut
Der Fokus auf Musik, tanzende Charaktere und witzige Töne war bereits in Origins da, doch erst in Legends perfektioniert und zelebriert man diese Ausrichtung. Guttural schreiende mexikanische Wrestler haben ihren Platz in der abgedrehten Welt — genauso wie furzende Pilze, quietschende Teensies und singende Lums. Die wohl denkwürdigsten Passagen sind aber die optionalen Musiklevel, die jeder Welt einen ganz speziellen Abschluss verpassen. Entsprechend ist der Schwierigkeitsgrad immer knackiger als in den restlichen Level einer Welt. Auch hier übernehmen Rythmus und Taktgefühl schnell die Kontrolle, wenn Rayman‘sche Interpretationen von “Black Betty“, “Eye of the Tiger” und “Woo Hoo” mit passendem optischen Feedback wiedergegeben werden.

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Als Zugabe gilt es am Ende des Spiels alle Musiklevel noch einmal in 8-Bit-Versionen zu meistern, bei denen nicht nur Gegner oder Hindernisse das Vorrankommen erschweren, sondern auch allerlei Bildstörungen die Schwierigkeit erhöhen. So schwer diese Passagen auch sind, Legends wird nie unfair — selbst wenn man bestimmte Stellen quasi blind meistern muss. Ubisoft schafft es, harte Passagen so zu verpacken, dass man sie mit dem richtigen Timing bei bestimmten akustischen Signalen kinderleicht überwinden kann. Scheitere ich, weiß ich genau, wo ich etwas falsch gemacht habe. Rayman Legends fordert Ehrgeiz, verlangt Perfektion und belohnt schlußendlich mit geschmeidigem Gameplay. Schafft man es erst einmal einen Abschnitt so zu durchlaufen, wie es die Entwickler vorgesehen haben, entfaltet sich der Zauber, den Legends bereithält, denn dann läuft alles perfekt zusammen: Gegner stehen an den richtigen Stellen, Hindernissen können ideal überquert werden — diese Art von Flow gibt es nur hier.

Rayman mag innerhalb des Genres als purer 2D-Platformer nicht ohne Konkurrenz sein — aber  als Gesamtwerk, durch Grafikstil, Spielgefühl, Musik, Schwierigkeit und Umfang, ist es konkurrenzlos. Es ist der nächste Schritt, der nach Origins gemacht werden musste. Ein Schritt, bei dem ein makelloses Grundkonzept übernommen und in einen Topf neuer Ideen geworfen wurde. Mal ganz ohne eine triefend-emotionale Story, ohne moderne, tiefgründige Charaktere und all die anderen Sachen, die heutige Spiele so oft zu liefern versuchen. Bunter Spaß, lustige Sounds und eine witzige, fantastische Welt: Das ist Rayman Legends.


Bereits erschienen.

Originaltitel: Rayman Legends
Plattformen: Xbox 360, PS3, PC, WiiU, PS Vita
Genre: Platformer
Entwickler: Ubisoft Montpellier
Veröffentlicht von: Ubisoft

3 Gedanken zu „Rayman Legends (Ubisoft)

  • 24.09.2013 um 15:28
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    Schöner Artikel 🙂
    Hast du es auch mal im Multiplayer gespielt? In manchen Leveln funktioniert das echt super, aber an anderer Stelle steht man sich echt nur im Weg und bei 4 Spielern wird es sehr schnell sehr unübersichtlich. Spaß macht es natürlich trotzdem, Rayman ist einfach kein Spiel, das man alleine spielt.

  • 25.09.2013 um 09:38
    Permalink

    Danke 🙂

    Ja wir haben einigen Level zu zweit gespielt, allerdings habe ich mich gerade bei Legends so darauf eingeschossen, alle Level zu 100% zu schaffen, was bei mehreren Spielern recht schwer zu packen ist (Zumindest was die Lums angeht). Ich mag halt auch diesen Flow total, wenn man Abschnitte in einem Rutsch durchrennen kann und der geht ein bisschen verloren, wenn mittendrin jemand aus der Blase gekickt werden muss. Aber das ist eben auch eine persönliche Sache. Ohne Leistungsdruck (haha) und ganz nüchtern betrachtet haben sie das schon vieeel besser gemacht, als bei den letzten Mario-Bros-Titeln, bei denen ja ganz schnell heilloses Chaos ausbrach.

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