Ulrike Rylance: “Eiskaltes Herz”

Grosse Liebe, grosser Hass

Ulrike Rylance: “Eiskaltes Herz” (Thriller)

Lena könnte so glücklich sein. Seit einigen Monaten ist sie mit Leander zusammen, ihrer grossen Liebe, und auch mit ihren Freundinnen bildet sie eine verschworene Gemeinschaft. Doch dann wirft die hübsche, blonde Vanessa ein Auge auf Leander, und der kann ihr nicht lange widerstehen. Bei Lena macht sich erst Enttäuschung breit, dann Hass.

Von Stella Feineis.

eiskaltesherzLenas verzweifelte Versuche, ihren Freund zurückzugewinnen, bleiben erfolglos. Leander möchte nur noch Freundschaft, er hat sich für Vanessa entschieden. Und das, obwohl die Beziehung der beiden gar nicht so harmonisch zu laufen scheint, wie Leander es nach aussen gerne vorgibt.

Eine wilde Partynacht

Obwohl Leander sie verlassen hat, ist für Lena Vanessa die eigentlich Schuldige. In ihrer Wut zieht sie bei jedem über die Schulschönheit her. Zunächst halten wenigstens ihre Freundinnen noch zu ihr, doch bald scheint zumindest eine genug vom Dauerthema Vanessa zu haben. Auf einer von zahlreichen Jugendlichen besuchten Walpurgisnachtsparty eskaliert dann die Situation: Lena erwischt Vanessa in eindeutiger Pose mit einem anderen Jungen. Auch Leander bekommt dies mit, hält aber zu Vanessa, anstatt sich von ihr zu trennen. Frustriert und wütend wendet sich Lena dem Alkohol zu und trinkt mehr, als gut für sie ist. Im Rausch lässt sie ihrer Wut auf Vanessa  freien Lauf und wünscht ihr am Ende gar den Tod.

Keine Erinnerung

Als sei Lenas Wunsch in Erfüllung gegangen, wird Vanessa am Morgen nach der Party tatsächlich tot aufgefunden. Sie wurde von einer Klippe gestossen, die Polizei geht von Mord aus. Da passt es natürlich gar nicht, dass Lenas Drohungen gegen die verhasste Konkurrentin von mehreren Mitschülern bezeugt werden können. Als man dann in der Tasche von Lena, die im Wald ihren Rausch ausgeschlafen hat, den abgerissenen Ohrring der Toten findet, steht für viele fest: Lena ist eine Mörderin. Zwar gibt es keine konkreten Beweise gegen sie, doch ihre Freunde wenden sich nach und nach von ihr ab, und Leander würdigt sie keines Blickes mehr. Lenas Erinnerungen an die Nacht sind zum Teil ausgelöscht, zum Teil wirr. War das wirklich nur der Alkohol?

Etwas zu viel schwarz und weiss

Bei diesem Buch handelt es sich um einen Thriller für Jugendliche, und diese Ausrichtung wird sowohl durch den Inhalt als auch durch das Erzähltempo deutlich. Die Handlung schreitet sehr rasant fort, für Charakterentwicklung bleibt da wenig Zeit. Daher sind alle Figuren – ausser Lena –  stereotyp und in wenigen Worten zu beschreiben: Leander ist der liebe, aber naive und leicht verführbare Mädchenschwarm, Vanessa die Femme Fatale, hübsch, aber herz- und skrupellos. Sie ist genau so, wie jedes verlassene Mädchen die ‘Neue’ in ihrer Fantasie sieht; und deshalb berührt ihr Tod auch nicht wirklich. Man soll und kann sich vielmehr mit der verlassenen Lena identifizieren. Zudem ist schnell klar, das Lena nicht die Mörderin ist. Die Suche nach dem wahren Täter sowie die Wendungen und Enthüllungen kommen zum Teil etwas gar überdramatisch und fast unrealistisch daher, das Ende wirkt gar märchenhaft – doch Unterhaltung ist stets garantiert.

Eine spannende und düstere Teenie-Story, mit der sich vor allem kürzlich verlassene Mädchen gut identifizieren können. Für erwachsene Leser jedoch nur bedingt geeignet.


Titel: Eiskaltes Herz
Autorin: Ulrike Rylance
Verlag: dtv
Seiten: 224
Richtpreis: 12.90 CHF

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