Foul Play (Devolver)

Beat ’em up – aber mit Style

Foul Play (Devolver)

Foul Play 01

Foul Play ist im Herzen ein klassisches side-scrolling Beat ’em up. Aber eines mit Schirm, Charme und Zylinder. JAN FISCHER hat sich auf den Brettern, die die Welt bedeuten, den höllischen Heerscharen und dem gnadenlosen Publikum gestellt.

Es ist die meisterwartete Inszenierung des Jahres – „the hottest ticket in town“, schreibt die Londoner Zeitung „The Arcanist Chronicle“.  Einen Abend – und nur einen Abend! –  zeigt Professor Dashforth (nur komplett mit Monokel, Zylinder und Gehstock) seine Lebensgeschichte auf der Bühne, mit sich selbst in der Hauptrolle.  „Endlich“, verspricht der weltbekannte Dämonologe, „werden sämtliche Geheimnisse gelüftet.“

Foul Play 02

Was für Geheimnisse das sind? Zum Beispiel einmal die Frage, wohin eigentlich Professor Dashforths Vater, der größte Dämonologe aller Zeiten, verschwunden ist. Warum die Aufführung überhaupt stattfindet – denn eigentlich ist Professor Dashforth ein eher öffentlichkeitsscheuer Mensch. Aber bevor die Geheimnisse gelüftet werden, müssen in Foul Play – das im Herzen ein  klassisches Side-scrolling Beat ’em up ist – erst einmal die höllischen Heerscharen bzw. die armen Statisten, die für die Rolle gecastet wurden, erledigt werden. Der Spieler spielt nicht die Geschichte. Er spielt  die Inszenierung der Geschichte auf der Bühne, und das ganze Spieldesign baut darauf auf.  Es gibt Statisten, die zu früh von der Bühne gehen,  es gibt Bühnentechniker, die hin und wieder an der Seite der Bühne einen Kaffee trinken, es gibt bestimmte Stellen, an denen der Spieler stehen muss, sonst geht es nicht weiter. Und die Story endet so, dass es sogar Sinn macht, dass da eine Aufführung gespielt wird – und eben nicht die die eigentliche Geschichte.

Niemals langweilen!

Vor allem aber gibt es ein gnadenloses Publikum, das sich seine Bewertungsmaßstäbe offenbar bei Guitar Hero abgeschaut hat, sich aber dachte, dass es sicherlich noch komplizierter geht. Gegner müssen nicht einfach nur Beat ’em up-mäßig erledigt werden. Es soll möglichst bühnentauglich sein. Nicht die übliche Lebensenergie-Leiste entscheidet über Leben und Tod, es ist ein „Mood-o-Meter“, das misst, wie sehr das Publikum von der Aufführung begeistert ist. Dafür gibt es Kombos, Sterne, Punkte, Achievements, Power-ups, alles mögliche. Hauptsache, das Publikum bekommt eine gute Show. Am besten die beste aller Zeiten. Sonst schlägt die Stimmung in die falsche Richtung aus und die Vorstellung ist  vorbei. Trotz aller Vorschusslorbeeren, die das Top-Blatt „The Arcanist Chronicle“ so austeilt.

Die feine Beat ’em up Alchemie

Was side-scrolling Beat ’em ups angeht, ist Foul Play ein gutes – das Genre ist ja in den letzten Jahren leider eher etwas aus dem Blickfeld gerückt. Gut heißt in dem Fall: Es gibt Foul Play. Einerseits. Das ist schonmal schön. Andererseits meistert das Spiel die feine Alchemie zwischen Gegneranzahl, Schwierigkeitsgrad und ständigem Sterben sehr gut, im Gegensatz zu vielen älteren 8 – und 16bit-Beispielen aus dem Genre, die sich vor allem mit ihrer legendären Schwierigkeit hervorgetan haben.

Foul Play 03

Auch Foul Play ist nicht einfach – mal eben für Zwischendurch taugt es wenig, es gibt genügend Möglichkeiten, den Controller entnervt in die Ecke zu werfen.  Aber es ist auch nicht unmöglich. Was vor allen Dingen an dem „Mood-o-Meter“ liegt: Schnell mal ein paar der einfacheren Gegner mit Kombos erledigt, Leiste wieder aufgefüllt, ab zum Endgegner, der nicht so einfach Kombos mit sich machen lässt: Das alles geht relativ schnell, und sorgt vor allem dafür, dass man nicht ständig verreckt.

Trocken, detailreich

Noch dazu ist Foul Play witzig: Dashforth und sein Assistent Scrampwick liefern sich zwischendrin immer mal angenehm trockene Wortgefechte, im Stil des viktorianischen Settings der ganzen Geschichten.  Die Bühnenbilder – alles Mögliche zwischen Wüste, Atlantis und der Hölle – sind wirklich wunderbar gemacht, man möchte im Prinzip die ganze Zeit den Höllenviechern sagen, dass sie mal kurz aufhören sollen nerven, damit man sich das eine oder andere Detail nochmal genauer anschauen kann.  Vor allem aber spielt Foul Play auch ständig mit Theaterklischees: Der faule Bühnetechniker, der manchmal im Bild rumsteht, die Statisten, die immer mal hinter dem Vorhang hervorschauen und auf ihren Einsatz warten. Alle diese Dinge machen Foul Play vielleicht nicht zur größten Show aller Zeiten – zumindest aber zum liebevollsten Brawler der letzten Jahre.

Bereits erschienen.

Titel: „Foul Play“
Plattformen: PC, Xbox360
Genre: Brawler, Side-scrolling Beat ’em up
Entwickler: Mediatonic
Publisher: Devolver

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