Ein Rückblick auf eine verdiente Konsolen-Generation

Scheiden tut so weh…

Ein Rückblick auf eine verdiente Konsolen-Generation

generation_change„Das Leben produziert einen symbolischen Überschuss, der als Weisheit, Wissen und Können in die Lebensspiele der nächsten Generation eingespeist wird“, meinte der medienpräsente Peter Sloterdijk 1999. Zwar stehen wir — chronologisch-numerisch betrachtet – nicht vor einer Jahrtausendwende, aber für SpielerInnen ist der Hardware-Wechsel eine nicht weniger bedeutsame Zäsur. Vor allem, wenn es sich um eine Generation handelt, die derart lang heimische Wohn-, Kinder- und Jugendzimmer besetzte. Nun also ist es an der Zeit, die Spreu vom W…, egal. Das sind unsere Lieblingstitel der letzten Generation. Willkommen Zukunft. Take it away, Heintje.

RUDOLF INDERST
CHRISTOF ZURSCHMITTEN
NORMAN VOLKMANN
STEFAN VON DER KRONE
SEBASTIAN GEIGER
VOLKER BONACKER
DANIEL APPEL
FRANZI BECHTOLD

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RUDOLF INDERST

Bei einem Blick auf meine Liste der Spiele, die für mich die letzte Generation prägten, fällt eines sofort auf: vier von fünf Titeln sind auf der Xbox 360 zu Hause. Während eine Generation zuvor noch gleichermaßen in meinem Haushalt auf PlayStation 2 und Xbox gespielt wurde, verlagerte sich das Dasein als Spieler zunehmend auf die Microsoft-Konsole. Das lag vor allem an den lockenden (manchmal zeitlichen) Exklusivtiteln wie Halo, Gears of War oder Mass Effect sowie dem Xbox-Pad, das dem der Playstation 3 in meinen Augen himmelhoch überlegen ist. Während mich Gamerscore, Kinect und Achievement-System eher kalt ließen, war ein Großteil meiner Online-Spielerfreunde zudem auch auf dieser Konsole zuhause. Dass zusätzlich eine brauchbare Film-Distribution und sehr früh Spieledemos auftauchten, war auch kein Nachteil. Zusammen genommen war daher Microsofts Xbox 360 für mich DIE Spielehardware der letzten Generation. Kommen wir nun zu den Spielen: Wenn eine Generation sich acht Jahre Zeit lässt zu wachsen, dann ist es am Ende als (halbwegs aktiver Spieler) unheimlich schwierig zu entscheiden, welche Titel für einen selbst am prägendsten waren. Welche Kategorien sollen angelegt werden? Vielleicht überhaupt keine? Aus dem Bauch heraus? Ganz spontan? Nein, so sehr “keltischer Kraftort-Tourist” bin ich dann doch nicht! Genug der Vorrede — gehen wir ans Eingemachte:

Gears of War 2 (Xbox 360, 2008)

Gears of War 2 brachte nicht nur eine audiovisuell prächtige Fortsetzung des Xbox-Exklusivtitels, sondern schenkte den Multiplayer-Spielern der Welt ein Opiat namens “Horde-Modus”. Und ich getraue mich bis heute nicht, die Stunden zusammen zu zählen, die ich mit Freunden oder mit Xbox-Live-Bekanntschaften damit verbrachte, Feindeswelle nach Feindeswelle sägend, schießend, Sprengstoff werfend abzuwehren. Der Re-Spawn-Friedhof namens Map erfreute sich unser Alpha-Tier-Schlachtengesänge und er litt mit, wenn wir es nicht geschafft hatten, das widerliche Klauen- und Schleim-Pack ins literarische Meer zu treiben. Gears of War 3 baute diesen Über-Modus zwar durchaus sinnvoll aus (und wieder folgten wir dem Ruf und verbrannten Lebenszeit), aber der Grundstein war bereits mit Teil 2 gelegt worden. “Skyfire!” Forever.

Call of Duty 4: Modern Warfare (Xbox 360, 2007)

Am Anfang war ein Trailer. Und die Branche zitterte. Die einen vor Angst, die anderen vor Erregung. Niemals war es zuvor gelungen, politische Agenda derart unterhaltsam, derart verführerisch, derart emotional-packend in Spielform zu gießen. Das Spiel atmete adrenalingeschwängertes Hollywood-Blockbuster-CO2 aus, während sich weltweit Nutzer durch die berüchtigten “Schlauchlevel” schossen und stachen. Und wer erinnert sich nicht an die unheimliche Atmosphäre in Pripyat? Wer zeigte sich nicht überrascht, vom plötzlichen Pilz am Horizont? Aber die Kampagne war nur der Einstieg in die Welt von Modern Warfare (und später Black Ops). 100, 200 oder 300 Spielstunden … was kostet schon die Online-Welt im Team Deathmatch? Auf einen Schlag wurde somit Modern Warfare 2 zum “MAGE” (“most anticipated game ever”).

Fallout 3 (Xbox 360, 2008)

Fans der Serie werden die Nase rümpfen, wenn ich zugebe, dass Fallout: Brotherhood of Steel (Xbox) meine erste Begegnung mit der Fallout-Reihe war. Zusammen mit Reinhard Prosch, einem erlesenen Freund und Charakter spielte ich ca. 180 Stunden Fallout 3. Und bis heute bilde ich mir ein, dass uns der Titel (auch) deshalb so große Freude machte, weil wir Amerikanische Kulturgeschichte studierten. Fallout 3 erschien uns als ein unendliches fiktionales Quellenstudium und hatte gleichzeitig genug an Adrenalin und blutig-breiige Satifaktion (Vault-Tec Assisted Targeting System anyone?) zu bieten, um uns monatelang diebisch zu erfreuen: So viele Entscheidungen, so viele Unterhaltungen, so viel…UNGEZIEFER!

Virtua Tennis: World Tour (Sony PSP, 2005)

So wie Virtua Tennis 3 für den bereits eingeführten Reinhard und mich der Kaufgrund für die Xbox 360 darstellte, so war Virtua Tennis: World Tour das entscheidende Argument, um eine Sony PSP zu erwerben. Seit Dreamcast-Zeiten spiele ich jeden Virtua Tennis-Teil sehr ausgiebig und leidenschaftlich. Inderst-Kenner mögen an dieser Stelle einwenden, dass ich dies ausschließlich im Doppel kooperativ praktiziere, aber sei’s drum — zu einer Runde Filzball habe ich noch nie “NEIN!” geschrien. Rasante Ballwechsel, dreiste Netzroller, keckes Slice-Spiel und überharte Aufschläge — this is SPARTA (of Sports!)! Zahllose Flüche stieß ich aus, wenn der Akku mich während einer heißen Spielphase im Stich ließ und zahlreiche S- bzw. U-Bahn-Haltestellen verpasste ich, da ich inmitten der Tennis-Welt versunken war. Auf dem Virtua-Centercourt bin ich praktisch zuhause — die Top-Spin-Reihe war für mich nie ein Konkurrent. Natürlich war Virtua Tennis 4 ein Pflichtkauf für den PSP-Nachfolger Vita.

Mass Effect (Xbox 360, 2007)

“I’m Commander Shepard, and this is my favorite store on the Citadel!” Nope, es geht kaum besser als das. Mass Effect ist natürlich keine moralischer Katalysator oder ethischer Durchlauferhitzer, zu dem das Spiel in Spielepublikationen gerne gemacht wird (“Hello Fable?”). Was hingegen vorliegt, ist eine reichhaltige Space Opera voller places to explore und conversations to have (& entities to shoot at, of course!). Als riesiger Fan von Starflight (z.B. auf dem Sega Genesis) fühlte ich mich sofort zuhause, und ich gehöre vermutlich der nicht kleinen Gruppe von Menschen an, die sich das Mass-Effect-Universum auch als MMORPG exzellent vorstellen kann. Auch die Nachfolger stimmten mich glücklich; wobei: dass man seitens des Entwicklerstudios bei Teil 3 einknickte und das Ende “neu” strickte, halte ich für einen großen Fehler: “…as if millions of voices suddenly cried out in terror, and were suddenly silenced. I fear something terrible has happened.“ (So in etwa fühlte ich mich als Teil der schweigenden Mehrheit.)

GEWINNER: Call of Duty 4: Modern Warfare

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Christof Zurschmitten

Die wichtigsten oder besten Spiele dieser unfassbar langlebigen Konsolengeneration (inkl. ihrer Paralleldimension, des PCs) zu benennen müsste eigentlich schwer fallen. Umso erstaunter war ich, dass die folgenden Titel wie selbstverständlich zu einander fanden, als ich mich ans Schreiben setzte. Es sind, wohlgemerkt, nicht zwingend die Spiele, die mir in den letzten acht Jahren am nächsten standen (dazu würden unbedingt auch Cave Story, World of Goo und Deadly Premonitions gehören). Es sind schlicht einige Spiele, die eine Balance halten zwischen persönlichem Vergnügen und so etwas wie vorauseilender „historischer Relevanz“. Spiele, die, wenn der Nebel der Geschichte sich auf diese Generation gesenkt hat, herausragen dürften. Spiele, die der paradoxen Vorstellung eines objektiv perfekten Spiels am nächsten kommen. Spiele, die Welten nicht nur erschaffen, sondern bewegt und verändert haben. Spiele, die einen wesentlichen Unterschied gemacht haben, und nicht zufällig mit fanatischen Communities gesegnet wurden, die all dies dankend entgegen nahmen.

Dark Souls

Ohne die Souls-Reihe und eine murmelnde Beschwörung ihrer Beschwernisse, ihres Gewichts und ihrer Lasten hätte ich keinen Anteil an der letzten Konsolengeneration gehabt. Quintin Smith überzeugte mich mit einem überragenden Text zu Demon’s Souls davon, dass dieses Spiel die Anschaffung der Playstation 3 rechtfertigt. Ich sollte den Kauf nie bereuen, zumal Dark Souls unwahrscheinlicher Weise den Vorgänger noch übertreffen sollte.

Wer Dark Souls nie gespielt hat, kennt es als “Das harte Spiel”. Dies ist ein Missverständnis — Dark Souls ist nicht so sehr hart wie hartnäckig in seiner Tendenz, die Spieler ernst zu nehmen. Es ist eines jener raren Spiele, die uns für intelligent genug halten, unseren Weg allein zu finden; allein durch eine komplexe Hintergrundgeschichte hindurch, die wir aus nichts rekonstruieren können als dem Anblick einer in Trümmer gefallenen Welt, seiner schemenhaften Bewohner und der Gegenstände, die sie zurückgelassen haben. (Obwohl: durch seine visionäre verschobene Einbidung anderer Spieler hat es Wege aufgezeigt, wie wir uns einsam, aber nie wirklich allein fühlen können, im Guten wie im Schlechten.) Es ist ein Spiel, das den Mut hat, Mysterium zu sein und zu bleiben. Ein Spiel, das uns die Freiheit lässt, jederzeit einen anderen Weg einzuschlagen, wenn wir uns für bereit dazu halten, und uns damit zurückversetzt in jene frühen Tage von Zelda und Ultima, in denen jeder Schritt Abenteuer, Gefahren und Möglichkeiten barg. Es ist ein Spiel, das Vertrauen hat in uns und unsere Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, ein Spiel, das uns jede Gelegenheit gibt, nach und nach mit unserer eigenen Unzulänglichkeit zurecht zu kommen.

Dark Souls fordert insofern nicht unmenschliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern Geduld, und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Aber es gibt uns im Gegenzug das Versprechen, unsere Zeit nicht zu vergeuden. Im Gegenteil, es ist mehr als bereit, uns zu entlöhnen: Mit der ultimativen Erfahrung dessen, was es heisst, den Moment zu fürchten und zu lieben, in dem ein anderes Ich unsere Welt betritt. Mit dieser Welt selbst, der Schutt-undAsche-Architektur, die so in sich komplex, schlüssig und oft genug atemberaubend ist, dass die Level aller anderen Spiele daneben aussehen wie Sandburgen kurz vor der Flut. (Chris Dahlen hat anhand eines einzelnen Levels die Kunstfertigkeit dieses Designs in unübertroffener Weise seziert.) Und es bietet uns eine ständig zwischen Euphorie und Erschöpfung pendelndes Kampfsystem, das die einzige in dieser Welt vernommene Sprache ist, mit all den Feinheiten und Nuancen, die eine Sprache verdient.

All dies, und all die unzähligen anderen Eigenwilligkeiten von Dark Souls haben mir etwas wiedergegeben, das ich endgültig in der Kindheit verloren glaubte: Das Wunder des vollkommenen Aufgehens in einer Spielwelt. Ich könnte ihm nicht anders danken, als es zum besten, grössten Spiel (mindestens) der letzten Jahre zu küren.

Spelunky

Einmal mehr: Spelunky ist der Abgrund, in den man sein Leben wirft, lächelnd. Spelunky ist, darunter wird hier gar nicht verhandelt, ein schlichtweg perfekt designtes Spiel, ein überpräzises Uhrwerk, das Sekunde um Sekunde den Countdown zum nächsten Tod herunterzählt, an dem niemand, wirklich niemand, ausser uns selbst Schuld hat. Derek Yus Meisterwerk ist Gamedesign als Laserfokus, das im Übrigen einige der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre bündelt: Es entstand in Game Maker (und steht damit für das Sinken der Zugangsschwellen zur Game-Entwicklung). Es verschmolz vor allen anderen die nun ubiquiätren Rogue-like-Elemente mit einem neuen Genre und gab damit dem Tod im Angesicht des geordneten Chaos einer zufallsgenerierten Welt eine beinahe vergessene Bedeutung zurück. Und es wurde nach Jahren einer einfachen, kostenlosen Existenz in den Untiefen des Internets plötzlich doch noch von den Konsolenriesen entdeckt und freudig auf ihren Plattformen willkommen geheissen, zu beiderseitigem Vorteil. Das einzige Spiel, das ich fast täglich spiele, und jeden verdammten Tag neu erlebe.

Minecraft

Minecraft kam ein wenig versetzt zu den Gründungsvätern der Indie-Explosion. Insofern könnte an dieser Stelle ebenso gut Braid, World of Goo oder Castle Crashers stehen. Trotzdem hat Minecraft alle anderen Standartenträger als Sinnbild dieser Revolution abgelöst. Einerseits aufgrund seines massiven Erfolgs (der, ganz nebenbei, das Geschäftsmodell des Early Access etablierte), andererseits aber auch schlicht aufgrund seiner Offenheit und Zugänglichkeit. Minecraft spuckte auf alle Game Design-Weisheiten: Wir brauchen keine Feedback-Spiralen, keine Instant Gratification, keine Ziele. Alles, was wir brauchen, ist eine immer wieder neue Welt, atemberaubend schön in ihrer Einfachheit, und eine einzige Aufforderung: tu, was dir gefällt. Oder anders: Minecraft war mein Weihnachten 2010, und was bleiben wird von diesen Tagen: Ich, mit Hexenschuss, im Bürostuhl meiner Eltern, und vor mir mein Traumhaus, mit einer Bibliothek, durch eine physikalisch unmöglich imposante Glasfront getrennt von einem Wasserfall, während eine verborgene Tür in ein bodenloses Kellergewölbe voller Schätze und Gefahren führt, und eine endlos sich in den Himmel schraubende Wendeltreppe Aus- und Weitblicke in eine Welt erlaubt, die nur auf die Erkundung wartet. Eine Geschichte, ein Werk, unter Millionen.

Dota 2

Es gibt gute Gründe, diesem Spiel seinen Platz in der Liste abzusprechen. Denjenigen, dass es noch zu jung ist, um seine Nachhaltigkeit abschätzen zu können. Oder denjenigen, dass seine Anfänge in einer Warcraft III-Mod noch vor der Konsolendämmerung liegen. (Wobei: nutzen wir die Gelegenheit, um den grossen Ungenannten in dieser Liste doch noch zu erwähnen: Natürlich, auch World of Warcraft war Teil dieser Generation, es war überall, immer. Nur nicht bei mir.) Oder das Argument, dass mit League of Legends ein Konkurrent nicht nur früher war, sondern bis heute mindestens ebenso grosse Spielerzahlen vorweisen kann. Hier steht trotzdem Dota 2, schlicht deshalb, weil ich die Konkurrenz nie selbst gespielt hab. Das Kränzchen soll aber ohnehin allen Vorgängern mitgewunden sein, die gemeinsam mit Dota 2 etwas nur allzu Seltenes vollbrachten: Die Revitalisierung eines müde gewordenen Genres, das zugleich die Erfindung eines neuen war. Dota (resp. “Mobas” im Allgemeinen) sind innert kürzester Zeit zu einem der grössten und lebendigsten Phänomene in diesem Medium überhaupt geworden, und sie sind gekommen, um zu bleiben, in all ihrer irrwitzigen, Youtube- und Esport-affinen übermenschlichen Komplexität. Dota 2 ist, wie alle diese Spiele, so faszinierend und gut und abgründig und komplex und komplett und VIDEOSPIEL durch und durch, dass ich, irgendwann im April, nach einer weiteren schlaflosen Nacht, 45 Stunden nach meinem ersten Kontakt, gezwungen war, Cold Turkey zu gehen. Das Erstaunliche dabei: Auch wenn ich die Oberfläche noch nicht einmal angekratzt hatte, höchstens begann, sie wahrzunehmen, war nicht eine Sekunde meiner Zeit mit diesem Spiel verschwendet. Abgründe über Abgründe. Ich vermisse das Spiel, das es hätte sein können, hätte ich mehr Zeit dafür gehabt, oder ein anderes Leben.

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NORMAN VOLKMANN

Bevor der letzen Konsolengeneration leise „Adieu“ gesagt werden kann, müssen knallhart die besten Titel ebenjener gepriesen werden. Als ich also überlegte, was mich in den letzten Jahren prägte, fiel mir auf, dass die Generation für mich noch gar nicht so alt ist. Erst im Sommer 2010 kaufte ich eine Xbox 360 – davor spielte ich gelegentlich PC-Spiele, die aufgrund meines Studenten-Durchschnitts-Computer auch kaum mehr aktuell waren. Nach PS2 und Xbox hatte ich die erste Hälfte der letzten Generation also verschlafen. Strebsam und gewissenhaft wie ich bin, holte ich vieles nach und hatte so ziemliche Schwierigkeiten aus der Liste an gespielten Titeln die rauszufiltern, an die ich mich wohl auch zum Ende der nächsten Generation noch erinnern kann.

NBA 2K11 (Xbox 360, 2010)

Spiele hervorzuheben, die jedes Jahr erscheinen und sich in der Regel nur marginal ändern, ist nicht einfach. 2K Games durchbrach diese Kreislauf mit NBA 2K11. Allein der generalüberholte myPlayer-Modus verschlang unzählige Stunden meines Lebens, NBA- und MVP-Titel schmückten meinen Weg. Der Einbau von Michael Jordan war ein Schritt, der die Basketballwelt Kopf stehen ließ. Dass man den Modus um den bekanntesten Spieler des Sports dann noch so grandios gestaltete, war schlußendlich das Sahnehäubchen auf der wohlgeformten NBA-Torte. Und: Im Paket auch Dennis Rodman, der Held meiner Jugend (go figure). Sicherlich hat sich die 2K-Serie in jedem Jahr danach weiter verbessert, der größte Sprung gelang aber 2010.

Uncharted 2: Among Thieves (Playstation 3, 2009)

Erst in diesem Jahr kaufte ich eine Playstation 3, denn einige der Exklusivtitel wollte ich vor dem Generationswechsel noch in Angriff nehmen. Speziell die Uncharted-Reihe schien sehr verlockend. An Drake’s Fortune nagte der Zahn der Zeit mitunter heftig. Frustige Schußpassagen und die nicht ergreifende Handlung leisteten kaum Überzeugungsarbeit, auch wenn hier und da Potential aufblitzte. Among Thieves hingegen machte in meinen Augen alles richtig. Nicht nur, dass Gefechte und Kletterpassagen besser ausbalanciert waren, die Tempowechsel in Handlung und Gameplay ware grandios. Laute, grobe Bosskämpfe auf der einen, beeindruckende und ruhige Panoramen in schneebedeckten Gebirgspässen auf der anderen Seite. Dazu Charaktere, die man, trotz so mancher Klischees, schnell lieb gewann – mit denen man sich freute oder um die man bangte.

Batman: Arkham Asylum (Xbox 360, 2009)

Der mit Abstand coolste Superheld und das mit Abstand coolste Superheldenspiel! Arkham Asylum war der erste Titel für die Xbox 360, der mich durch und durch beeindruckte. Ein Spiel, dass ich direkt nach dem ersten Durchgang auf New Game Plus ein zweites Mal durchspielte. Mitsamt billiger 3D-Brille! Das düstere Arkham-Gelände, die Auftritte zahlreicher bekannter und weniger bekannter Bösewichte sowie all die Gadgets und Anspielung auf Comics, eroberten mich im Sturm. Kombiniert mit dem Freeflow-Kampfsystem, das seitdem unzählige Male eher schlecht als recht kopiert wurde, ergibt immer noch das beste Spiel, das bisher für den Fledermausmann erschien. In der nächsten Generation möchte ich aber bitte mit Batmobile oder Bat-Heli durch die Spielwelt düsen und nicht nur wieder durch das langweilige Arkham City gleiten.

Super Mario Galaxy (Wii, 2007)

Never give up on Mario! 1997 war der Klempner der Grund, die Playstation links liegen zu lassen und auf Nintendo zu setzen; über 10 Jahre später war er der Grund eine Nintendo Wii zu kaufen (wenn auch nicht als Hauptkonsole). Die Wii daheim ist fast exklusiv die Mario/Kirby-Konsole und als solche immer noch ein kleiner Schatz. Story zum wegschmeißen, eine Spielwelt zum verlieben – das klassische Mario-Konzept. Galaxy war aber tatsächlich der erste Titel der Serie, der mich seit Super Mario 64 wieder wirklich lange fesselte. Das Leveldesign und die sparsam eingesetzten Wii-Bewegungsfeatures (!) waren eine willkommene Abwechslung zwischen all den WiiFits und Partyspielen.

The Walking Dead (Xbox 360, 2012)

Über The Walking Dead etwas zu sagen, dass nicht schon dutzende Male erwähnt wurde, ist wahrlich nicht einfach. Und doch muss ich ja wohl etwas schreiben, über das Spiel, dass mich im letzten Jahr fesselte wie kein anderes. Im Nachhinein bin ich vor allem froh, es Stück für Stück gespielt zu haben und nicht alles mit einem Mal. So schlimm die Cliffhanger am Ende auch waren, sie trugen sehr dazu bei, den Spieler bei der Stange zu halten, selbst nach 1-2 Monaten. Ich jedenfalls kehrte gerne wieder zurück in die trostlose Welt, lernte das episodische Format zu schätzen und freue mich, dass es mit der Fables-Adaption bereits Nachschub gibt und auch Staffel 2 des Zombie-Abenteuers bald startet. Spiele mit starkem Erzählfokus im Episodenform zu bringen halte ich generell für eine bessere Idee, als einen 10-Stunden-Brocken auf SpielerInnen loszulassen (I’m looking at you, Heavy Rain). Zeit um zu reflektieren, Entscheidungen zu hinterfragen, war ein großer Teil der Spielerfahrung. Dass schlußendlich jeder das gleiche Ende bekam – sei’s drum. Der Weg dorthin war so packend wie lange nicht mehr.

GEWINNER: Uncharted 2: Among Thieves (Playstation 3, 2009)

Schon komisch, die PS3 empfinde ich als klar hinter der Xbox 360 positioniert und doch — die Exklusivtitel von Sony haben es mir angetan. Bis auf Alan Wake gibt es für die Xbox kein Spiel, dass ich vermisst hätte, hätte ich es nicht gespielt. Gut, Halo: Reach vielleicht noch. Naughty Dog bewiesen in dieser Generation, dass sie die Playstation als Plattform, mit all ihren Macken und Eigenheiten, verstanden haben und 2009 eines der beeindruckensten Spiele überhaupt schufen. Selbst 4 Jahre später staunte ich an so manchen Stellen sprachlos und beeindruckt. Uncharted 2 ist mit Sicherheit nicht das perfekteste Spiel dieser Generation. Weniger Gefechte und mehr tatsächliches Schatzsuchen hätte ich durchaus toll gefunden — verglichen mit dem Vorgänger tat sich dort aber sehr viel und so kommt es zumindest am nähesten, wenn es um DAS Spiel der Generation geht.

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STEFAN VON DER KRONE

Ich muss gestehen, dass ich relativ spät in die aktuelle Konsolen-Generation eingestiegen bin (Weihnachten 2009 war’s dereinst). Aber als großer Fan der ersten beiden Playstation-Generationen war für mich klar: es musste eine PS3 werden. Sicher, dadurch musste ich bisher auf äußerst spannende Titel wie Gears of War oder Halo verzichten. Und auch meine Freundesliste ist nicht die größte (freue mich über jede Einladung!). Aber ich habe meine Entscheidung dennoch nicht bereut. Und den Controller finde ich nun wirklich nicht schlecht, selbst nach vielen Stunden des begeisterten Zockens habe ich keine Probleme. Lediglich die Trigger-Buttons sind bescheiden und die Analog-Sticks finde ich nach Vorstellung des Steam-Controllers nur noch plump. Aber auch der Xbox-Controller hat besonders mit dem D-Pad seine Defizite. Dark Souls am PC ist damit kein Spaß! Nun ja, im Endeffekt waren es aber auch die großartigen Spiele, die den Spaß mit der PS3 ausmachten. Zu anfangs war das Metal Gear Solid 4, später die ersten beiden Uncharted-Teile, Bayonetta und viele andere. Meine PS3-Sammlung dürfte mittlerweile fast größer sein, als meine ohnehin schon großen PSX- und PS2-Sammlungen. Und wenn wir zu den Exclusives zurückkommen, empfinde ich die folgende Aufzählung als überzeugend genug: Infamous, Uncharted, God of War 3, Metal Gear Solid 4, The Last of Us, Journey. Aber schauen wir uns an, welche meine fünf Spiele der Generation sind:

Metal Gear Solid 4

Damals, ich glaube es war 1998, kaufte ich mir die erste Playstation und laß fast zeitgleich in der PlayPlaystation einen sehr umfangreichen Test zum ersten Metal Gear Solid. Schnell wurde klar: ich musste es mir holen. Und wie richtig diese Entscheidung war, brauche ich erst gar nicht zu erwähnen, war das Spiel doch seiner Zeit weit voraus und bot neben einem sehr guten Gameplay auch eine hervorragende Story. Damals sogar noch mit (streitbarer) deutscher Synchronisation. Legendär sind die Bossfights gegen Vulcan Raven, Sniper Wolf oder ganz besonders gegen Psycho Mantis. Obwohl ich denke, dass Metal Gear Solid 3 das beste der vier Spiele ist (und es ja nun auch auf PS3 verfügbar ist), möchte ich hier dennoch den vierten Teil würdigen.

I’m no hero. Never was, never will be.” – so oder so ähnlich sprach Old Snake mit rauer Stimme. Bis heute beeindruckt mich die Geschichte über diesen gebrochenen Mann, der aufgrund seiner geklonten Herkunft schneller altert. In seinem Zustand schafft er es dennoch, sich mit einem globalen Regime anzulegen – den sogenannten Patriots. Das ganze ist gleichzeitig noch eine emotionale Reise durch die Geschichte der Reihe. Vom Vermächtnis der Philosophen nach dem zweiten Weltkrieg, Big Boss’ Ära während des Kalten Krieges bis hin zum legendären Vorfall auf Shadow Moses Island im ersten Teil. Bei allen harten Militär-Typen der Videospiel-Geschichte verdient niemand mehr Respekt als Solid/Old Snake und sein Original Naked Snake/Big Boss. Und wer verwirrt ist, hat hiermit einen Grund, diese Meilensteine zu zocken!

Bayonetta

“Das is ist doch ein Sekretärinnen-Porno”, protestierte vor drei Jahren ein guter Freund von mir. Ich sage: Bayonetta ist wohl eines der besten Action-Spiele der sich nun verabschiedenden Konsolengeneration. Man nehme Devil May Cry, modernisiere das Kampfsystem, setze eine sexy Hexe als Hauptfigur ein und fertig ist purer Spielspaß. Hier wurde endlich mein Traum wahr: ein Beat’em-Up-Spiel mit Story-Mode. Auch wenn ich bis heute das Kampfsystem in seiner Gänze nicht erfassen konnte, hatte ich selten so viel Spaß. Sei es die vollkommen beknackte Story, die schrägen Charaktere oder die einfach nur geniale Musik. Die Jungs von Platinum Games haben alles richtig gemacht.

Im Übrigen habe ich mir anschließend noch den Soundtrack aus Japan importiert und lange viel Freude daran gehabt. Hey, “Fly Me To The Moon” als jazzige J-Pop-Interpretation , wie geil is das denn?! Seither horche ich bei jeder News über Platinum Games auf. Der Covershooter Vanquish wurde ebenso sofort gekauft, wie das wirklich großartige Metal Gear Rising: Revengeance – ebenso wie die Soundtracks. Was die Spiele allesamt auszeichnet, ist ein hervorragend abgestimmtes Gameplay, dass fair aber auch anspruchsvoll ist. Dennoch verfluche ich sie (und vor allem Nintendo!!!) dafür, dass Bayonetta 2 exklusiv für die Wii U erscheinen wird. Ich hoffe sehr, dass sich da noch was tut. Bis dahin heißt es: Infinite Climax!

Dark Souls

Auf der ersten Playstation waren es Grandia und Final Fantasy IX, die ich bis heute dafür liebe, dass ich damals nicht von ihnen losgekommen bin. Auf der Playstation 2 war es maximal Final Fantasy X, wobei ich es nie durchgespielt habe. Auf der PS3 musste ich bis anfang 2012 warten, bis ich wieder dieses Erlebnis bei einem Rollenspiel verspürte. Dann nämlich verliebte ich mich in das (meiner Meinung nach) vielleicht beste Rollenspiel seit Final Fantasy IX. Seit Morrowind habe ich nicht mehr über 100 Stunden in ein Rollenspiel investiert. Bei Dark Souls sind es bis heute weit über 200. Schwer soll es sein, gnadenlos und mitunter frustrierend. Naja, nicht wirklich. Für Neulinge treffen diese Eigenschaften wohl zu, aber Erfahrene würden eher die Eigenschaft “gnadenlos” stehen lassen. Denn Dark Souls verzeiht kaum Fehler. Jeder Tod lässt sich meist auf einen Fehler des Spielers zurückführen. Und wenn der Boss einfach zu schwer ist, ja dann hat man eben noch nicht verstanden, wie man sich ihm annimmt. Schon im ersten Durchlauf dürften sich die meisten Spieler dabei ertappt haben, durchgängig mit vergehaltenem Schild unterwegs gewesen zu sein. Das Geniale an Dark Souls ist aber das Leveldesign sowie die Geschichte, denn anders als in den meisten Spielen muss der Spieler hier die Geschichte selbst erforschen. Wo muss ich lang? Warum finde ich Havels Ausrüstung nicht bei ihm, sondern in Arno Londo? Warum ist New Londo überflutet? Was passierte mit Artorias? Das Leveldesign steht dem in Nichts nach. Wo andere Rollenspiele die Open World als riesiges Flächengebiet wie in Skyrim oder Dragon’s Dogma verstehen, nutzt Dark Souls die dritte Dimension wirklich komplett aus. Man muss sich nur einmal überlegen, über wie viele Ebenen die Dungeons verteilt sind: Ganz unten der Ash Lake, darüber Nitos Reich sowie Lost Izalith, dann Blighttown und New Londo, Firelink Shrine und Undead Parish. Ganz oben auf dem Berg noch Arno Londo und die Duke’s Archives. Mind-Blowin’!

Uncharted 3

Viele mögen meinen, Teil zwei sei das bessere Spiel. Ich will das nicht bestreiten, finde aber persönlich Teil drei kompletter. Und die Story ist (bis auf einige auffällige Parallelen) gleichwertig. Die Formel des modernen Indiana Jones funktioniert auch hier prächtig, dazu gibt es noch eine interessante Origin-Story. Das Gameplay ist dabei nochmals verbessert worden, lediglich die Ziel-Mechanik ist immer noch fragwürdig. Abseits dessen funktioniert das Schleichen noch besser, man kann nun Granaten zurückwerfen und es gibt keinen fiesen Endgegner. Ernsthaft: Was habe ich beim Endboss von Uncharted 2 geflucht! Ich hasse ihn! Möge er in der Hölle schmoren!!! Naughty Dog hat mit der Uncharted-Reihe Meilensteine der Videospiele-Geschichte erschaffen und gezeigt, dass auch Spiele gute, hollywoodreife Unterhaltung bieten können. Ganz nebenbei haben sie damit die Mutter aller Treasure-Hunter, Lara Croft, neu inspiriert. Die letzten Tomb Raider-Spiele seit Legends waren sicher gut, aber das neue Tomb Raider ist einfach nur großartig. Letztendlich würde ich aber Uncharted jederzeit den Vorzug geben. Nathan, you’re ze män!

The Last Of Us

Wenn es um die besten Spiele des Jahres 2013 geht, darf definitiv ein Spiel nicht fehlen: The Last of Us. Ein traumatisierender Tripp irgendwo zwischen The Road und Coen-eskem Zombie-Thriller, der Spaß macht und emotional mitreißt. Ich kann an dieser Stelle nur mein Fazit aus unserer Kritik wiederholen: “(…) Es überzeugt die gesamte Mischung: Die schauspielerische Leistung der Darsteller, u.a. Ashley Johnson und Nolan North, der stimmig minimalistische Soundtrack, die atemberaubende Grafik und die grandiose Geschichte mit ihren vielen unterschiedlichen Charakteren ergeben ein Erlebnis, dass mittlerweile jenseits dessen ist, was noch als pures Gaming bezeichnet werden kann (…)”. Im Grunde ist The Last of Us spielerisch eine Erweiterung von Uncharted, sieht man darüber hinweg, dass inhaltliche Gemeinsamkeiten nicht ganz eindeutig sind. Man nehme die hervorragende Grafik-Engine (inklusive der Sound-Bugs^^), lege den Fokus aufs Schleichen, entferne die automatische Regeneration und füge noch ein Crafting-System hinzu – fertig ist ein Klassiker dieser Current-Generation. Was so klingt, als sei The Last of Us ein abgedroschenes und dahin geschludertes Spiel, soll nur eines deutlich machen: Nur wenige Änderungen sind manchmal notwendig, um von einem Erfolgsrezept ein neues abzuleiten. Natürlich besteht jederzeit auch die Gefahr, dass dieses Experiment fehlschlägt. In diesem Fall aber eben nicht, Naughty Dog haben wieder einmal alles richtig gemacht. Respekt dafür!

Gewinner: Dark Souls

Ja, was soll ich sagen: Glückwunsch an FromSoftware und Hidetaka Miyazaki für dieses Meisterwerk. Kaum ein Spiel hat mich so sehr gefesselt und beeinflusst. Zu keinem Spiel habe ich bisher mehr Youtube-Videos oder Twitch-Streams geschaut, allen voran von EpicNameBro und Vageta311. Die atmosphärische Dichte und das nahezu perfekte Gameplay haben mich von anfang an überzeugt. Zuvor hatte ich mich schon an Demon’s Souls versucht und bin irgendwann kläglich (am Flamelurker) gescheitert. Mit der Erfahrung dann aus Dark Souls war der spirituelle Vorgänger kein großes Problem mehr. Keine Frage, Demon’s Souls steht Dark Souls in nichts nach und ich kann nicht sagen, welches das schwerere ist. Aber Dark Souls ist für mich das tollere Spiel, die offenere Welt, die größere Waffen- und Ausrüstungsvielfalt – Dark Souls ist eine hervorragende Weiterenwicklung. Und für mich das Spiel dieser Konsolen-Generation!

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Journey_Hero

SEBASTIAN GEIGER

Mein Gott, so viele Spiele. Und da seine Favoriten herauszusuchen, das ist eine Herkulesaufgabe. Deshalb gibt es von mir nicht unbedingt meine Lieblingsspiele der vergangenen Generation, sondern die, die mich am meisten bewegt haben.

Bioshock

Ich bin kein Ego-Shooter-Spieler. Eigentlich mag ich das Genre nicht einmal besonders, vor allem, weil es in der Regel so innovativ ist wie Graubrot. Deshalb war Bioshock so ein positives Erlebnis für mich. Nein, ich kenne System Shock nicht, habe es nie gespielt – umso überraschender war für mich die Verquickung von hartem Shooter mit tiefenphilosophischer Analyse. Rapture ist eine unglaubliche Stadt, einige Szenen des Spiels absolut furchteinflößen und die Story intelligent und sich nicht zu schade, anstrengende Fragen zu stellen. Man kann also doch andere Dinge vershootern als Welttraummarines und Weltkriegssoldaten.

Heavy Rain

Kein anderes Spiel hat es geschafft, dass ich mir Sorgen um einen kleinen Jungen mache. Zugegeben, Heavy Rain ist ein Spiel mit einigen großen Fehlern. Die Steuerung ist schrecklich und der Plot hat riesige Löcher. Das alles verblasst aber, wenn man in die Rolle eines traumatisierten Vaters schlüpft, der Pizza für seinen Sohn heiß machen muss. Computerspiele können interessante Geschichten erzählen – und Heavy Rain zeigt, dass man dem Spieler auch echte Emotionen nahebringen kann. Und warum steht hier Heavy Rain und nicht Beyond: Two Souls? Weil Heavy Rain früher da war.

Journey

Apropos Geschichten erzählen – kein anderes Spiel hat wie Journey gezeigt, wie man Geschichten in einem Computerspiel dem Spieler näherbringen kann. Fast keine Dialoge, nur Grafik und einige versteckte Hinweise. Man ist allein, zumindest, bis man einem anderen Spieler begegnet. Unterhalten kann man sich mit ihm nicht, nur gemeinsam Musik machen und die unglaubliche Welt von Journey erkunden. Und dann, wenn man am Ende seiner Reise angekommen ist, will man sie sofort wieder anfangen, die Geschichte neu erleben – und anderen Spielern zeigen, wie unglaublich dieses Spiel ist.

Red Dead Redemption

So cool GTA ist, besser als Red Dead Redemption wird wohl kein Open World Game so schnell. Es ist das Gefühl, einsam durch den Wilden Westen zu jagen, Pumas und Big Foot zu suchen und nebenbei eine Geschichte zu erleben, deren Ausgang man zwar vorausahnt, die einem aber doch so fesselt, dass man sich ein anderes Ende herbeisehnt. Gute und interessante Charaktere, spannende Nebenquesten und ein DLC, der wohl mit das Beste ist, was man im Bereich Zombie-Apokalypse kennt, machen das Spiel nicht nur zur ultimativen Westernballade. Ganz abgesehen davon: Nico und Michael aus GTA mögen vielleicht sagen, dass sie gute Jungs sind – John Marston darf tatsächlich einer sein.

The Witcher

Fast wären es Dragon Age und Mass Effect geworden, die an dieser Stelle gestanden wären – aber was CD Project Red mit The Witcher und The Witcher 2 gemacht hat, ist in allen Bereichen vorbildlich. Interessante Charaktere ein Held, mit dem man mitleidet und eine graue Welt ohne gut und böse: Spannender als bei The Witcher war RPG in der vergangenen Konsolengeneration nicht. Das liegt vor allem an Geralt von Rivia, einem Helden, dem man genau so oft ins Gesicht schlagen will wie man ihn verstehen kann. Leichter wird es dadurch aber auch nicht, die vielen kleinen und großen moralischen Entscheidungen zu treffen, mit denen der Weg des Hexers gespickt ist. Selbst der beste Vorsatz endet dort oft in einer fürchterlichen Tragödie.

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VOLKER BONACKER

Die fünf wichtigsten Games dieser Konsolengeneration bringen zunächst ein wenig Überforderung mit sich. Nur fünf? Viel zu wenig. Es gab über die Jahre hinweg so viel Gutes, so viel Erwähnenswertes, wie soll ich da selektieren? Überhaupt: “Wichtig”, was ist das schon für eine Beschreibung, wie lässt sich das operationalisieren? “Wichtig” im Sinne von “prägend für andere Spiele”, “Prägend für Spiele an sich”, “künstlerisch wertvoll”, “kommerziell erfolgreich”? Es mag so vieles passen und darum seien hier einfach die fünf Games aufgelistet, von denen ich mit Sicherheit sagen kann, dass sie generationenübergreifend sind, dass sie in 20 Jahren noch genauso gut funktionieren werden wie heute.

Demon’s Souls

Der PS3-Anschaffungsgrund. Ein Rollenspiel, das vielgerühmt ist für seine Härte dem Spieler gegenüber, für seine klaustrophobische Atmosphäre, für den hohen Grad an Freiheit, den erlebt, wer sich in die Welt von Boletaria begibt. Dark Souls, der Nachfolger, mag dank fehlender Konsolen-Exklusivität den größeren Erfolg gehabt haben, doch das Original bleibt unerreicht. Sei es die Belohnmomente nach bestandenem Bossfight oder Kleinigkeiten, die man beim X-ten Durchspielen neu entdeckt und sich darüber freut. Kein Rollenspiel zuvor und danach war wie das hier. Kein Zittern vergleichbar mit dem, das eintritt, ehe der Nebel betreten wird und ein bis dato unbekannter Abschnitt beginnt. Kein Frustmoment so groß wie jener, als mal wieder nichts bleibt außer der Erkenntnis, dass das eigene Unvermögen schuld am Scheitern war und nicht das vermeintlich unfaire Spiel. Oft ist im Zusammenhang mit Demon’s Souls von Tugendhaftigkeit die Rede, vom großen Wert der Ausdauer, der Beharrlichkeit, dem angstfreien Gang die steile Lernkurve hoch. Dabei ist das Spiel auch ohne derart martialische Beschreibungen vor allem eins: packend. Demon’s Souls hat mich nie losgelassen. Dafür bin ich From Software dankbar.

Gears of War

Es ist und bleibt das perfekte Spiel für einen bierseligen Abend zweier guter Freunde. Das war es damals, das ist es heute noch. Keine großartig erwähnenswerte Story, dafür eine eingängige Bedienung, arcadelastiger Ballerspaß und viel Hirn-aus-Gameplay bei den zahlreichen One-Linern von Marcus Fenix und Co. Außerdem ein knackiger Schwierigkeitsgrad, so man es sich antun will, Gears of War auf “Insane” zu bezwingen. Sicher, die Nachfolger sahen besser aus, aber Gears of War bleibt in der Erinnerung jener Titel, der einen heute viel zu selten gewordenen Spielmodus auf den Schirm brachte: kooperatives Losziehen. Im Verbund mit ungesunder, fetthaltiger Nahrung und diversen Alkoholika noch immer der unterhaltsamste, bewusst primitive Eskapismus dieser Konsolengeneration.

Forza Horizon

Einer muss hier ja mal ein Rennspiel reinbringen. Davon gab es sicherlich zahlreiche Erwähnenswerte (auch du hättest es verdient, hier zu stehen, Midnight Club L.A.!), aber die stylische Raserei rund um ein Lifestyle-Hipster-Festival hat am Längsten begeistert. Ich glaube es war das Spiele-Blog Kotaku, das empfahl, den Soundtrack stumm zu schalten und stattdessen langsam nachts zu den Klängen des Gosling-Streifens Drive durch die Landschaft zu cruisen (wichtig: cruisen! Nicht rasen!). Richtig so, denn das umschreibt das Gefühl einer nächtlichen Fahrt aus der Cockpit-Perspektive noch am Ehesten: wohlige Einsamkeit. Und das in einem Rennspiel! Wunderbar. Tipp daher: Gar nicht erst großartig Rennen fahren. Die offene Spielwelt bietet viel mehr. Einfach treiben lassen, dahinfahren, die Radiosender durchschalten, stehenbleiben, die Landschaft genießen und ausgiebig von der Kamerafunktion Gebrauch machen und Bilder schießen. Die am Besten ausdrucken, einrahmen und an die Wand hängen. Nie hat ein Videospiel das Freiheitsgefühl beim Bewegen eines Automobils so überzeugend herübergebracht. (Fast hätte der letzte Satz übrigens auch für das 2006 erschienene Test Drive Unlimited Gültigkeit. Aber nur fast.)

Papo & Yo

Sony hat es vermocht, mit der älter werdenden PS3 mehr und mehr Indie-Produktionen auf die Konsole zu bringen. Eine davon ist der Erstling des kleinen Montrealer Entwicklerteams Minority, aufgebaut rund um den ehemaligen EA-Angestellten Vander Caballero. Er erzählt darin die Geschichte seines alkoholkranken Vaters, im Spiel dargestellt durch ein Monster, das die meiste Zeit über friedlich dahintrottet, nach dem Genuss grüner Frösche allerdings zum rasenden Gegner wird. Es kann nicht besiegt werden, es gibt keine Abhilfe und die Botschaft, die am Ende des Spiels bleibt, ist keine Fröhliche. Kein filmreifes “Und dann wurde doch noch alles gut, obwohl es niemand geglaubt hätte”. Papo & Yo endet stattdessen so, wie Geschichten rund um das Thema Sucht leider viel zu oft enden. Diese ungeschönte Wiedergabe und der Mut, das konsequent bis zum Ende durchzuziehen, machen Papo & Yo wertvoll. Nach dem Ende des Spiels lohnt es sich übrigens, in den Soundtrack zu investieren, der für wenige Euro unter anderem via iTunes erhältlich ist. Er gehört mit zu den erwähnenswertesten Klängen der aktuellen Konsolengeneration.

Alles von Rockstar Games

Egal ob GTA IV, GTA V, Red Dead Redemption, L.A. Noire oder Max Payne – Rockstar haben sich mit dieser Konsolen-Generation endgültig als die großen Geschichtenerzähler etabliert, als die zynischen Chronisten aller Verfehlungen der Gegenwarts-USA, als akribische Nachbilder gigantischer Szenarien wie New York, Los Angeles oder dem Grenzland zwischen Texas und Mexiko. Als jene Spieleschaffende, die es verdient haben, am ehesten die Auszeichnung für glaubwürdige Charaktere am Revers zu tragen – so stereotyp sie bisweilen auch herüberkommen mögen. Rockstar haben das Western-Genre über Nacht wiederbelebt und das in einer Weise, die Leone die Freudentränen in die Augen treiben würde. Sie haben ein verkommenes 30er-Jahre Los Angeles nachgebaut, in dem ich mir die Figuren von Bukowski- oder Fante-Romanen vorstelle. Und sie haben das traurig-schönste Ende der Spielegeschichte geschaffen, unter der Freiheitsstatue, erkauft mit Blut. Vor allem aber haben sie Max Payne in Würde wiederbelebt und altern lassen. Danke, Rockstar. Für verdammt nochmal alles.

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DANIEL APPEL

So lange wie keine Konsolengeneration zuvor okkupierten XBox 360, Playstation 3 und Wii die Fernsehtische der Nation. Und mit ihnen brach eine Zeit der Superlative an: Verkaufszahlen, die im Falle der Wii bis in den dreistelligen Millionenbereich vorgedrungen sind, Projektbudgets, die bei Spielen wie GTA 5 mehr als eine Viertelmilliarde US-Dollar betrugen und ein Spieleoutput der quantitativ nie dagewesene Dimensionen erreicht hat. Aber was bleibt von einer Generation, die ganz im Zeichen des „höher, schneller, weiter“ stand? Für mich persönlich drei Dinge: 1. Die Erkenntnis, dass es auch anders geht – wie die lebhafte Indie-Szene es insbesondere auf dem PC vorgemacht hat. 2. Die Einsicht, dass Generationen- und Ära-Zuschreibungen auch im Videospiel-Bereich begriffliche Konstrukte mit geringer Aussagekraft sind. 3. Und zu guter Letzt: Eine kleine aber feine Liste von fünf Konsolen-Titeln. Titel, die mir als Freund der digital erzählten Geschichte auf den eingangs erwähnten Geräten besonders in Erinnerung geblieben sind. Here we go:

Die Mass-Effect-Trilogie

Klar, genau genommen ist die Mass-Effect-Trilogie nicht ein Spiel. Genau genommen ist aber auch die Bild-Zeitung keine Zeitung und Ketschup kein Gemüse. Halten wir uns also nicht mit Details auf und kommen wir zur Sache: Bioware hat’s verbockt. So massiv, dass mich heute noch immer eine Mischung aus unbändiger Wut und Trauer übermannt, wenn ich an diese Spielereihe denke. Dabei fing alles so gut an: Der Auftakt von Commander Shepards Odysee zur Rettung des Universums krankte zwar an einem etwas holprigen Kampfsystem, repetitiver Planetenerkundung und miesen Fahrzeugabschnitten, aber dafür wehte hier der mächtige Geist von Knights of the Old Republic durch die Flure der Citadel: Exzellente Dialogregie, Charaktere mit Herz und Seele, eine frei erkundbare Stadt, fremdartige außerirdische Rassen, die sich einwandfrei in ein glaubhaftes Universum einfügten und die Aussicht, dass sich meine heute getroffenen Entscheidungen auf Haupt- und Nebenquests in den kommenden Episoden auswirken. Gepaart mit Biowares Versprechen, im zweiten Teil auf die Wünsche der Rollenspieler einzugehen, war meine Vorfreude auf den Fortgang der Geschichte rund um Shepard und die Crew der Normandy riesig. Das Ergebnis war allerdings nicht ernüchternd oder erschreckend, sondern regelrecht niederschmetternd: Jede spielerische Designentscheidung war ein absoluter Fehlgriff. Die Kämpfe? Verkamen zu mies designten Shooter-Passagen. Die Charakterentwicklung? Wurde auf eine simple „Wähle Fähigkeit A oder B“-Mechanik verkürzt. Erkundung? Wurde komplett gestrichen. Kurzum: Mass Effect wurde vom RPG zum linearen Billig-Shooter mit langen Storysequenzen degradiert. Und letztere sind auch der einzige Grund, warum Mass Effect hier überhaupt Erwähnung findet. Die Inbrunst mit der die Autoren bei Bioware gegen das grausige Gamedesign aus eigenem Hause angeschrieben haben, verdient allerhöchstes Lob. Da werden oberflächliche Kämpfe durch tiefgründige Dialoge konterkariert, die gestrichenen spielerischen Freiheiten durch eine große Bandbreite zwischenmenschlicher Interaktionsmöglichkeiten aufgefangen und die fehlende Charakterentwicklung durch die emotionale Entwicklungen der Protagonisten wettgemacht. Es ist der Aufstand eines grandiosen SciFi-Universums, fabelhaft gezeichneter Charaktere und einer hervorragenden Geschichte mit zahlreichen emotionalen Höhepunkten, der am Ende die Diktatur spielerischer Mängel und fragwürdiger Designentscheidungen erfolgreich niederringt. Der Preis für diesen Sieg ist hoch und jeder Spieler muss selbst entscheiden, ob er bereit ist ihn zu zahlen. Ich habe es getan – und bereue es nicht.

Heavy Rain

Zugegeben: Heavy Rain wurde und wird überbewertet. Zeitungen, Magazine und Websites, deren Berichterstattung über Videospiele sich bis 2010 auf Artikel mit der Endzeile „Und dann richtete er die Waffe gegen sich selbst“ beschränkte, legten eine spektakuläre Kehrtwende hin. Flugs wurde eine Seite im Feuilleton freigeräumt und das Säckchen mit den Superlativen rausgekramt: Vom „Citizen Kane der Videospiele“ war häufig die Rede, dem „ersten erwachsenen Videospiel überhaupt“ und von „einem echten Quantensprung der digitalen Erzählung“. David Cage wurde medial kurzerhand vom schnöden Gamedesigner in den Rang eines regieführenden Popstars erhoben und allerhand Menschen mit geringer Medienkompetenz und noch weniger Sachkenntnis orakelten über die Zukunft des Videospiels als neues narratives Leitmedium. Misst man Heavy Rain an den Maßstäben dieses überzogenen „Erfindet das Videospiel neu“-Hypes, ist die Enttäuschung beim passionierten Spieler freilich vorprogrammiert: Bereits vor Heavy Rain wurden erwachsene Geschichten in Videospielen erzählt. Bereits vor Heavy Rain gab es beeindruckende Grafik in Videospielen. Und auch kreative Erzählweisen, Quicktime-Events, Emotionen und handlungsrelevante Spielerentscheidungen sind mit Sicherheit nicht Quantic Dreams Erfindung. Aber: Die unglaublich gelungene Verquickung all dieser Elemente, die packende (wenn auch wenig innovative) Geschichte, der Grad der Beeinflussbarkeit des Storyverlaufs und die lebendigen Emotionen der Protagonisten machen Heavy Rain zu einer eindrücklichen Erfahrung erster Güte. Wenngleich Heavy Rain das digitale Geschichtenerzählen nicht neu erfindet – es vielleicht nicht einmal revolutioniert – so setzt es in den Bereichen Inszenierung und Intensität digitaler Erzählungen qualitative Maßstäbe, die noch weit über die scheidende Konsolengeneration hinausreichen dürften. Definitiv eines meiner Highlights.

Bioshock

Dystopien in Art déco waren in der scheidenden Konsolengeneration ein überdurchschnittlich beliebtes Motiv – hat sich doch ihre Anzahl im Vergleich zur Vorgängergeneration von 0 auf 2 drastisch erhöht. Und beide, sowohl Fallout 3 als auch Bioshock, sind großartige Spiele. Aber obgleich ich mit letzterem weit weniger Zeit verbracht habe als mit Fallout, hat es doch einen ungleich tieferen Eindruck hinterlassen. Der Grund dafür liegt weit jenseits von spielerischen Qualitäten, tollen Dialogen oder imposanter Grafik – er liegt auf dem Meeresgrund: Es ist die verfallende Art déco-Metropole Rapture, die mir die tragische Geschichte ihrer Bewohner erzählt. Eine Geschichte von Aufstieg, Perversion und Fall einer radikal-liberalen Idee. Eine Geschichte von gesellschaftlichen Entwürfen, vom Wesen des Menschen, von Macht und von Brutalität. Quasi im Vorbeigehen spricht jedes Gebäude, jede flackernde Leuchtreklame, jedes blutverschmierte Polster und jeder verrückt gewordene Bewohner zu mir, erzählt mir eine winzige Facette der Geschichte einer Stadt, die untrennbar mit dem Gesellschaftsentwurf ihres Gründers verwachsen ist. Auch wenn Bioshock spielerisch nur Genrestandard + Feature X bietet (wobei X = spaßige mentale Kräfte durch Plasmide), stimmt sonst alles: Vom stimmungsvollen Setting über die eindrucksvolle Architektur bis hin zur subtilen Erzählweise mittels Tonbandaufnahmen und der vortrefflichen Charakterzeichnung der wenigen wahnsinnigen Antagonisten, trägt jeder Bestandteil von Bioshock zu einer enorm dichten Atmosphäre bei. Der Wahnsinn liegt hier immer knapp unter der Oberfläche – und Rapture ist die erste Stadt die je in einem Videospiel davon erzählt hat. Hinhören!

Flower

Flower ist konsequenter als ich: Es sucht erst gar nicht nach den Worten, die mir seit Stunden fehlen, um das unfassbare Erlebnis mit ihm auch nur annähernd zu beschreiben. Must-Feel!

GEWINNER: Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots

Es mag seltsam klingen, aber ich habe ein Faible für unzeitgemäße Figuren. Umso erfreuter war ich, dass in den letzten Jahren gleich zwei kantige, alternde Männer ihren furiosen Ausstand hingelegt haben: John Marston und Solid Snake. Wenngleich ich die Geschichte um den Wildwest-Haudegen Marston sehr gemocht habe, so hat mich doch letzten Endes das dahinter stehende Open-World-Spiel weniger gepackt als das dramaturgisch perfekt durchgetaktete Abenteuer der fossilen Schlange. Stealth-Action vom Feinsten, einwandfreie Inszenierung und eine epische Erzählung, die nach beinahe zehn Jahren ihren würdigen Abschluss findet. Ja, Metal Gear Solid ist auch in seiner vierten Inkarnation bestimmt nicht jedermanns Sache: Japanophiles Art-Design, überzeichnete Antagonisten, viel Bombast und riesige Mechs mögen auf den ersten Blick mitunter nicht zwangsläufig als das perfekte Vehikel erscheinen, um unserer zynischen Welt einen Spiegel vorzuhalten. Auf den zweiten Blick braucht es aber genau diesen Grad an Verfremdung. Nicht um die Geschichte eines alternden Mannes zu erzählen, der mit den Veränderungen in der Welt nicht mehr Schritt halten kann. Auch nicht um von omnipräsenten politischen Intrigen, eiskalten Machtspielen und einer moralischen Skala verschiedener Grautöne zu erzählen. Es braucht diese Verfremdung um die Geschichte vom Krieg auf einer Ebene zu erzählen, auf der eine permanent mit Kriegsbildern konfrontierte Gesellschaft noch zuhören kann. Die Geschichte der totalen Entmenschlichung eines an sich schon unmenschlichen Phänomens. Die Geschichte einer Entwicklung, die in all ihren Facetten weit über den Krieg hinausreicht und uns exakt heute in unserem Alltag einholt. „War has changed“ raunt die rauhe Stimme Solid Snakes zum Auftakt – und meint doch „World has changed“. Das Ende dieses Epos ist beinahe zwangsläufig der Anfang des eigenen Nachdenkens – für mich die wichtigste digitale Erzählung der vergehenden Generation. Punkt.

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FRANZI BECHTOLD

Ich hatte ja so eine Phase, in der Videospiele zu uncool waren für mein Leben. Vielleicht weil ich mich Konventionen hingegeben habe, vielleicht weil andere Dinge interessanter waren. So genau weiß ich das gar nicht mehr. Und irgendwann hat es dann wieder angefangen, weil ich einfach im Grunde eine Gamerin bin und es liebe. Somit habe ich die komplette Generation zwischen Playstation und PS3 verpasst. 2009 kam Letztere aber doch in meinen Besitz und die Zeit des Aufholens began. Die Entscheidung zwischen PS3 und Xbox 360 fiel damals zugunsten der Sony Konsole aus, da diese 3D-Blurays abspielen kann und zudem hatten damals mehr Freunde eine PS3 als eine Xbox. Inzwischen besitze ich sowieso beide schwarzen Kasteln. Ich habe in den letzten Jahren viel Schrott gespielt und viele wunderbare Titel. Meine Auswahl kann nicht vollständig sein, es fehlen Perlen wie Red Dead Redemption, Spelunky, Journey und God of War (um nur wenige zu nennen) – zugunsten von Titeln, die vielleicht nicht so toll sind, aber für mich persönlich diese Generation Konsole geprägt haben.

Arkham Asylum/City

Das erste Spiel, dass ich mir für meine PS3 gekauft habe war Arkham Asylum. Soll gut sein, hörte man und Batman ist eh okay. Aber “okay” ist nicht mal annähernd ausreichend um dieses Spiel zu beschreiben. Es machte mich zum Batman-Jünger. Man spielt nicht Batman, man IST Batman. Rumschleichen, Rumfliegen, böse Knaben vermöbeln (und zwar so richtig, dass es BAM macht) und ach – all die feinen Gadgets, die das Leben einfacher machen. Der Nachfolger, Arkham City, stand dem in nichts nach. Ich erinnere mich, wie ich nach dem mehr als enttäuschenden Kinobesuch von The Dark Knight Rises vor Wut die ganze Nacht Arkham City spielte, weil Rocksteady wenigstens die Figuren verstanden hat. Die Spiele schaffen es, das Beste aus Comicvorlagen und Filmen zu ziehen und daraus etwas ganz Eigenes zu machen, das dem Franchise mehr als gerecht wird. Allen voran der Joker ist wunderbar gezeichnet, die Figuren erhalten Tiefe und Profil – sind eben nicht nur Mittel zum Zweck. Gameplay und Story bilden eine fantastische Einheit… und ich höre jetzt besser auf, sonst wird das eine einzige Lobeshymne.

Heavy Rain

Muss man nicht mögen, aber ich liebte es. Es ist eben anders. Gerade die Angst, jede der Figuren endgültig verlieren zu können, machte Heavy Rain für mich zu einem sehr intensiven, unvorhersehbaren und extrem spannenden Spielerlebnis. Ich störe mich nicht an „interaktiven Filmen“, wie gerne geschimpft wird. Ich liebe Filme, ich liebe Spiele und vor allem liebe ich Kreativität. Und wenn ein Spiel so umgesetzt wird, dass ich nächtelang davor hänge, weil es mich fesselt und ich sogar nur als Zuschauer bei einem Freund das ganze Spiel noch einmal mitverfolge, gespannt, welche Entscheidungen er treffen wird – dann muss ich sagen, dass das ein ganz ganz ganz gutes Spiel ist. Zugegeben – abgesehen vom ständigen Duschen und den Klogängen. Das hätte man sich auch sparen können.

Ni No Kuni

What? Ni No Kuni? Ja. Es erschien gerade nach meinem Japan-Urlaub und ich war voller Erinnerungen und Euphorie. Ich hatte beim Spielen dieses traurig schönen Märchens sehr viel Spaß – auch wenn es daran liegen kann, dass ich bisher nicht viele japanische Spiele gespielt habe. Es ist für mich wie Pokemon. Das habe ich damals geliebt und so gesuchtet, dass die Batterie in meiner Silber-Edition leer ist und ich nicht mehr abspeichern kann. Ni No Kuni hat eben all die Elemente, die ich an Pokemon gemocht habe. Es machte sie sogar besser und schöner und mit toller Musik und extrem niedlichen Viechern. Leider dauert es eine Ewigkeit, bis der Abspann läuft, zumal die Kämpfe richtig deftig sind und man entsprechend trainieren muss, bis die Finger bluten. Aber von nix kommt nix!

Borderlands 2

Dieses Spiel alleine zu spielen ist für mich so ziemlich das Fadeste überhaupt. Ich mag Shooter nicht, aber dann muss man auch sagen, dass Borderlands vielleicht auch nicht der klassische Shooter ist. Es ist in meiner Top-Liste, weil ich es vermutlich am häufigsten gespielt habe – zusammen mit einem Freund. Unsere Sessions sind immer unheimlich unterhaltsam und gemütlich, man plaudert über dies und das und tötet nebenher Getier und Psychos und Terramorphous. Geht schon. Das Schönste an Borderlands ist, dass die kreativen Köpfe dahinter nicht nur völlig bekloppt sein müssen (in einem positiven Sinne), sondern ihre Leidenschaft für Geektum, Spiele, Serien und Filme überall einbringen. Gerade spielten wir einen Kurz-DLC in dem nicht nur “Tribute” gegen uns antraten, sondern auch Gone Home als Spiel, in dem man eben mal nicht nur rumballert, angesprochen wurde. How great ist that?

The Walking Dead

Mein Spiel des Jahres 2012. Es macht alles richtig, es fordert, es lässt den Atem stocken, es gibt Zombies und das allerbeste Kind in einem Videospiel überhaupt. Clever, liebenswert, gleichzeitig stark und verletzlich… ein Kind, für das ich alles tun würde. Die letzten Szenen der ersten Staffel beendete ich unter Tränen, nicht mehr in der Lage die richtigen Knöpfe auf dem Pad zu finden, so emotional packte mich die Story. Das Spannendste: Es gab keine richtigen oder falschen Entscheidungen, ich musste intuitiv handeln und fragte mich mehr als einmal, ob ich richtig gehandelt hatte. Telltale hat eine wirklich neuartige Adventure-Erfahrung geschaffen. Man darf auf mehr hoffen, ich tue es.

GEWINNER: Batman. Weil… es ist Batman.

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6 Gedanken zu „Ein Rückblick auf eine verdiente Konsolen-Generation

  • Pingback: die dreckigen Fünf : random:notes

  • 05.12.2013 um 16:03
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    Hallo Leute,

    für mich absolute Knaller der letzten Generation:

    Mass Effect Trilogy – zustimmend nickt!
    The Last of Us – Wo ist the Last of Us? Grafikhammer, Zombies und Super Story
    Beyond – simpel aber mitreißend schön, und immer wieder anders…
    Rockstar…. ga gut welch eine Frage GTA ist immer Kult… wann kommt GTA 6? Gier, sabber…
    Asassins Creed – Die ersten Zwei wirken noch seltsam am Ende, danach Kultserie…
    Elder Scrolls Serie – Rollenspiel mal umfangreicher
    Fallout – auf jeden Fall alle 4 Teile… ups… der vierte kommt ja erst!
    Diablo 3 – Hack´n´Slay mit Suchtfaktor… absolut!
    GTA 6 – liegt gerade in der Konsole… Ahhhhhhh schlaflose Winternächte….

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  • 06.12.2013 um 08:28
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    The Last of Us wird erwähnt, bei Stefan sogar ausdrücklich unter den fünf Auserwählten. 😉
    (Für mich selbst gibt es zwei Gründe, warum ich es nicht erwähnt habe: Erstens ist es noch reichlich frisch, und obwohl fast alles, was man hört, sagt, dass es ein Klassiker ist, wird es aus der Distanz es vielleicht anders eingeschätzt werden. Der zweite, wichtigere Punkt ist aber etwas anderes, das ebenfalls mit dieser Konsolengeneration Einzug gehalten hat: Dank der digitalen Distribution auf dem PC bin ich es schlicht nicht mehr gewohnt, AAA-Titel zum Vollpreis zu kaufen. Insofern warte ich, Macht der Gewohnheit, schlicht darauf, dass es reduziert angeboten wird. Natürlich schaufle ich dem Markt damit ein Grab, und fühle mich auch schlecht dabei. Aber diese Tendenz lässt sich leider definitiv nicht abstreiten, und sie ist ein Resultat der letzten paar Jahre für mich.)

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