Barbara Kreissl: “Behördisch”

Den Behörden auf der Spur

Barbara Kreissl: “Behördisch” (Wörterbuch)

Haben Sie sich auch schon über die unverständliche Behördensprache geärgert? Wer zukünftig bei der Diskussion über “Gitterzulage” oder “Kontrollprostituierte” mitreden will, findet dank Langenscheidt nun einen Weg aus dem Behördendschungel.

Von Franziska Leuenberger.

behördischHalten Sie Ihren Nachbarn für einen BUFDI? Sind Sie scharf auf das Leibgedinge? Oder kann es vielleicht sein, dass Sie Ihr Hammerschlagsrecht ausüben möchten? Falls Sie diese Begriffe nicht verstehen: Keine Sorge, Sie sind nicht der / die Einzige. Ein Glück, dass Langenscheidt nun Abhilfe schafft: Mit dem Unwörterbuch “Behördisch” nimmt der Verlag Fachbegriffe aus der deutschen Behördensprache ins Visier, mit denen Otto Normalbürger im Alltag zu kämpfen hat. Rund 150 Begriffe sind in dem handlichen Verzeichnis zusammengefasst, angefangen von “A” wie “Abladung” bis “Z” wie “Zwangsverkammerung”.

Munteres Rätselraten

Behördensprache ist oftmals Rätselsprache. Dieser Eindruck bleibt auch nach der Lektüre von “Behördisch”. Eine Kostprobe gefällig? Wie nachfolgende Beispiele zeigen, sind deutsche Beamte ziemlich ideenreich im Kreieren von Fachsprache. Eine künstlerische Leistung für sich sind jedoch auch die Erklärungen der einzelnen Begriffe, etwa von “Trockensteher” oder “Schlafbaustelle”.

Trockensteher [m]: Sie denken an ein Garagenauto oder an so nette Ausdrücke wie Warmduscher, Schattenparker, Frauenversteher? Völlig falsche Fährte! Im Stall findet sich die Erklärung: Als Trockensteher bezeichnet der Landwirt eine hochschwangere Milchkuh, die nicht mehr gemolken wird. Ganz korrekt sollte man wohl von einer Trockensteherin sprechen. Aber das interessiert mal wieder keine Kuh!

Schlafbaustelle [f]: Endlich mal eine Wortschöpfung, die jeder auf Anhieb versteht. Zu verdanken ist sie dem Sommerloch 2013 und dem zu dieser Zeit amtierenden Bundesverkehrsminister. Er definiert die Schlafbaustelle als „Baustellen, auf denen augenscheinlich keiner arbeitet und die Bagger am Strassenrand schlummern“. Wer kennt dieses Ärgernis nicht? Und wen eine solche Baustelle nervt, der möge sie doch melden, damit Abhilfe geschaffen werden kann. Da drängt sich doch nämlich die Frage auf, ob dieses Wort im Regierungsviertel, speziell im Kabinett, nicht deutlich vielseitiger einsetzbar wäre…

Neben den Stichworteinträgen sorgen vereinzelte, über das Wörterbuch verstreute Rätsel und Cartoons für vergnügliche Unterhaltung.

Behördisch, praktisch, gut

“Behördisch” ist ein durchaus witziges und sicherlich auch partygeeignetes Wörterbuch, das dank seiner Grösse (Taschenbuchformat) in jede Hosentasche passt. Ob und wie sehr das Minilexikon wirklich zu einem verbesserten Umgang mit den Behörden führt, sei an dieser Stelle jedoch dahingestellt. Ob sich die deutschen Beamten wohl auch über die einzelnen Begrifflichkeiten amüsieren werden?


Titel: Behördisch
Autorin: Barbara Kreissl
Verlag: Langenscheidt
Seiten: 128
Richtpreis: CHF 11.90

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