Urs Wälterlin: “Weit weg im Outback”

Der rote Kontinent mit all seinen Fassetten

Urs Wälterlin: “Weit weg im Outback. Unser Leben in Australien” (Sachbuch/Auswandern)

Der Journalist Urs Wälterlin lebt mit seiner Familie im australischen Outback. In seinem Buch schildert er die Erlebnisse auf seinen beruflichen Reisen quer durch Australien und gewährt uns einen Einblick ins Leben im beschaulichen Greentown. Beinahe liest sich die Lektüre wie ein Reiseführer fernab vom Touristenstrom. Denn faszinierend ist in Australien fast jeder Ort, man muss sich nur damit arrangieren.

Von Luzia Zollinger.

weitwegimoutbackUrs Wälterlin – der Namen kommt mir sehr bekannt vor. Doch woher? Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als ich mich noch nicht an den Text über den Autor gesetzt hatte. Und kurz vorher kommt mir dann auch wieder in den Sinn, wieso in meinen Ohren Urs Wälterlin nicht fremd klingt. Ja genau, der Tages-Anzeiger-Korrespondent aus Australien. Die Vorfreude, über seine ganz persönlichen Erlebnisse auf dem roten Kontinent zu lesen, ist gross.

Australien: nicht in aller Munde

Der Weg nach Australien war lange und steinig. Ein Journalistenvisum auf der Botschaft in Bern wollten sie dem Schweizer auf keinen Fall ausstellen. Doch der nette Australier hinter der Glasscheibe machte Urs Wälterlin den Vorschlag, doch gleich auszuwandern. Wälterlin musste diesen Gedanken erst einmal setzen lassen. Zusammen mit seiner Frau ergriff er dann aber schnell diese einmalige Gelegenheit. “Nie zuvor und nie danach habe ich gehört, dass eine Einwanderung so rasch bewilligt wurde.”

Doch auch ein Landeswechsel garantiert keinen Job. Wälterlin kämpft sich durch und bietet immer wieder seine Texte den Medien an. Oft reicht es gerade einmal für die Vermischten Seiten. Ansonsten erhalten wir Leser nicht viel über Australien zu lesen. Ratsam ist es, die Geschichte mit klassischen Klischees zu versehen. Wälterlins Traumstory sieht denn auch wie folgt aus: “Ein Tourist – Deutscher oder Schweizer natürlich – fällt bei herrlichem australischen Wetter von der Terrasse hinter dem Opernhaus von Sydney ins Meer und wird von einem Hai gefressen. Ideal wäre, wenn ihn ein Känguru ins Wasser stossen würde. Aber das ist vielleicht etwas viel verlangt.”

Die einzelnen Kapitel lesen sich wie Reportagen. Wir sind sofort mitten im Geschehen dabei, fiebern bei der Geburt von Urs Wälterlins Kindern mit, freuen uns über den Landkauf im trockenen Outback, sehnen uns nach den roten Schluchten Westaustraliens und schütteln den Kopf über die grauenhafte Geschichte der Aborigines. Der Hobby-Alphornspieler – ein Didgeridoo ist womöglich gar nicht so weit vom Schweizer Nationalinstrument entfernt – schafft es, mit einer süffigen Sprache über skurrile Alltagserlebnisse genauso wunderbar zu schreiben wie über ernste Themen. Buschbrände sind für Wälterlin und Familie nun nicht mehr nur eine Nachricht aus dem Fernsehen, sondern die Realität.

Vergesst die Klischees!

“Weit weg im Outback” bringt einem Australien näher. Ohne jegliche Beschönigungen, wie sie oft in den Reiseprospekten zu sehen und lesen sind. Doch genau dies ist faszinierend und spannend zugleich. Wer selbst schon einmal im Outback war oder gar dort gelebt hat, wird mit dem Lesen gleich wieder aus dem Alltag gerissen und an jenen Ort weit weg von der Heimat katapultiert. Spätestens dann weiss man: Australien ist weit mehr als Great Barrier Riff, Kängurus und Koalas, Rinderfarmen und Eukalyptusbäume.


Titel: Weit weg im Outback. Unser Leben in Australien
Autor: Urs Wälterlin
Verlag: Ullstein
Seiten: 368
Richtpreis: CHF 13.90

Ein Gedanke zu „Urs Wälterlin: “Weit weg im Outback”

  • 09.10.2016 um 15:14
    Permalink

    Köstlich und spannend zu lesen!! Macht Laune auf Down Under..
    Also dann, bis in 3 Monaten…
    lbg.Grüße

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