Den Vorhang lüften – diesmal: ein Games-Presse-Event

Hinter den Kulissen der Branche

Was passiert eigentlich auf einem PR-Spiele-Event?

Wenn einer eine Reise tut… SEBASTIAN GEIGER frönte in den vergangenen Wochen gleich zwei Spielepräsentationen. Doch anstatt eines langweiligen Vorberichts über Spiele, die wir ohnehin noch besprechen werden, wenn ihre Zeit gekommen ist, nutzt er diese Zeilen für ein paar Überlegungen zum Thema Spiele-Event an sich.

presseevent

So, liebe Leser, die Nahaufnahmen-Redaktion bricht mit einem Tabu. Ihr wolltet doch sicher schon immer einmal wissen, woher wir unsere Spielepreviews bekommen. Recht oft stellen die Firmen sie uns auf Presse-Events vor, von denen zufällig erst vor Kurzem zwei waren: NamcoBandai zeigte im Fünf-Sterne-Hotel Dark Souls II, Koch Media in München das Lineup von Focus Interactive. Zwei schöne Events, die wir einmal als Beispiel hernehmen wollen, um für ein paar Momente den Vorhang zu lüften.

A) Anfahrt

Wichtig vor jedem Event ist, die Anreise zu planen. Die sollte meist mit dem Zug erfolgen. Ja, manch Wahnsinniger fährt auch noch ans andere Ende der Welt mit dem Auto, aber lasst euch versichert sein, echter Komfort ist nur mit dem Zug zu erreichen. Der entspannt, man kann noch arbeiten oder etwas Gutes lesen und manchmal trifft man sogar Kollegen. So geschehen bei der Fahrt nach Frankfurt zu Dark Souls II. Ironie des Schicksals: sowohl die Kollegen als auch der Schreiber dieser Zeilen waren von dem Umstand so überrascht, dass sich niemand traute, „Guten Morgen“ zu sagen.

B) Location

Nichts ist wichtiger für eine gelungene Veranstaltung als die Location. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Fünf-Sterne-Hotel handelt, das einmal der Alterssitz von Queen Victoria war (Dark Souls II) oder um eine hochmoderne, zweistöckige Gastronomie (Focus Interactive). Zugebeben, Version 2 ist die Übliche. Locations, in denen das Personal bei der Bestellung eines Wassers Geschichten erzählen kann, was Queen Victoria unter der Woche so gemacht hat, sind eher selten und nur den exklusivsten Titeln vorbehalten – meist nicht einmal denen.

Denn wir alle müssen sparen – und wichtig ist, dass die Location passt. Hat sie übrigens in beiden Fällen. Das Fünf-Sterne-Queen-Victoria-Hotel, weil es viktorianisch gerochen und unglaublich schön ausgesehen hat: Der perfekte Ort, um in einer Runde Dark Souls zu sterben. Die Gastronomie in München, weil es so viele Dinge zu sehen und zu entdecken gab und jeder seinen kleinen Platz hatte (O-Ton PR-Dame: „Ich wusste gleich, da passt Wargame Red Dragon hin”).

C) Grenzterritoriale Neider

Immer diese Schweizer! Oh ja, die Schweizer haben es bei Events in Deutschland besonders schwer. Meist fliegen sie an und wenn der Event den ganzen Tag dauert, müssen sie am Ende sogar noch übernachten. Was den Kollegen bei Dark Souls II aber einen sehr unfairen Vorteil verschaffte: Sie durften sich das grandiose Schloss von Queen Victoria einen ganzen Tag länger ansehen und das gerüchteweise sündhaft gute Frühstück genießen. Na, wenn das mal nicht die Kritiken des finalen Produkts beeinflusst! Gut, das Leben eines schweizer Spieleredakteurs auf Eventreise in Deutschland hat auch seine Tücken. Im Goodie-Pack von Focus Interactive hatte sich nämlich ganz bösartig ein Energy-Drink eingeschlichen. „Den müssen mir jetzt noch schnell Ex trinken“, beklagten sich die Schweizer. Schließlich darf man ihn nicht mit ins Flugzeug nehmen. Tja, das Leben hat nicht nur seine angenehmen Seiten.

D) Hochnotpeinliche Befragung

„Natürlich stehen die Entwickler für Interviews zur Verfügung.“ Ja, dieser Satz auf der Einladung macht Laune, denn ganz unter uns, Entwickler sind Supertypen und freuen sich über jedes Gespräch. Gut, man sollte vielleicht ein paar innovative Fragen mitbringen (Erlebnis auf dem Deepsilver-Event: Der Producer von Bound by Flame erwischte mich in einer sehr unterzuckerten Phase und half mir freundlicherweise, das Interview zu starten, in dem er mir die üblichen Fragen einfach mal so beantwortete. Saunetter Typ!), denn sonst langweilt sich der Entwickler. Zu unterscheiden ist prinzipiell zwischen dem angesagten und entsprechend vorbereiteten Interview

(Dark Souls II: „Was muss man Rauchen, um diese unglaublichen Kreaturen zu entwerfen?“ „Ach, wir lassen uns von vielen Quellen inspirieren.“) und dem spontanen „Er / sie hätte gerade Zeit“-Interview („So, ihr habt also dieses Spiel entwickelt… worum geht es denn da?“ „Ich bin froh, dass du gefragt hast!“ *bricht in einen informativen Monolog über sein Game aus und gibt damit genügend Zeit, sich vernünftige Fragen zu überlegen* )

E) Don’t Starve

Spielen macht hungrig! Deshalb ist gutes Catering überlebenswichtig. Meist gibt es das in Form von leckerem Fingerfood und asiatischen Snacks. Die sind leicht verdaulich, lecker und es ist möglich, sie zu essen, während man auf die nächste Präsentation wartet. Etwas exklusiver gefällig? Wie wäre es denn mit einem Mittagessen in der Bibliothek von Queen Victoria??? Wow – 7500 Bücher (oder so) in der Mitte ein Buffet, das so lecker ist, dass man gar nicht mehr aufhören möchte, es zu essen. Und es gibt Nachschlag! Für eine halbe Stunde war sogar Dark Souls II vergessen – bis das Essen gegessen war und die Köche mit den vollen Bäuchen der Redakteure Mitleid hatten. Nein, kein Nachschlag mehr – gehen Sie bitte zurück in den roten Saal sterben. Ob durch die Hand von Dark Souls II oder durch den vollen Bauch, bleibt ihnen überlassen.

F) Fallen

Natürlich ersetzt das nicht die echte Rezensionszeit, aber es war schon sehr lustig, sich mit allen anderen nach Dark Souls II über die dümmsten Tode zu unterhalten. Auch interessant: Goodie-Bags; das Zuckerl am Ende jedes Events und gerüchteweise der Hauptgrund, warum man diese besucht. In den Tüten enthalten sind meist: T-Shirts (mit etwas Glück nicht zu klein), Memory-Sticks (auf denen die tollen Fotos und Screenshots drauf sind, die ihr hier gerade seht), und auch ganz beliebt: Kaffeetassen. An dieser Stelle einen ehrlich gemeinten und ganz großen Dank dafür! Spätestens bei der nächsten Silvester- oder Geburtstagsfeier ist man um jede Kaffeetasse froh, wenn die Gäste um 3 Uhr in der Früh anfangen, nach Koffein zu brüllen. Auch cool, aber immer viel zu schade, um sie zu benutzen sind die Notizbücher und Stifte, die es ebenfalls sehr oft gibt. Zumindest habe ich jetztnoch ein paar Jahre Luft, wenn demnächst unweigerlich die Weltproduktion an Papier eingestellt wird. Auch, wenn es mir dann wahrscheinlich das Herz bricht.

„Ich brauche einen Freiwilligen!“ Vorsicht, Falle! Manchmal sagt ein besonders fieser Entwickler genau diesen Satz, um ein Detail seines Spiels zu demonstrieren. Der unglückliche Redakteur ist sofort Fokus der Aufmerksamkeit, verkrampft selbst als Shooter-König und stellt sich an, als ob er noch nie einen Controller in der Hand gehabt hätte. Deshalb nie neben dem Entwickler sitzen, auch wenn es noch so verlockend ist!

G) Überraschungen

An dieser Stelle möchte ich über Überraschung schreiben! Oh ja, Überraschungen sind gut und notwendig. Schließlich ist man als Fachjournalist grundsätzlich abgeklärt und zynisch und nur noch schwer zu beeindrucken. Deshalb ist es für die PR-Seite unendlich wichtig, zumindest ein paar Dinge zu haben, die ein kleines Zucken mit der Augenbraue hervorrufen. Das kann unter anderem ein frisches Spiel sein, das sich ganz heimlich in die Präsentation von Sherlock Holmes: Crimes and Punishment schleicht. Mit einem unheimlichen Lächeln startet die Dame, die diese leitet, am Ende noch eine Slide-Show und berichtet atemlos von Call of Cthuluh.

„Oh, ich weiß, wann es herauskommt, aber das darf ich natürlich nicht sagen“, antwortet sie auf die aufgeregten Fragen. Bleibt also zunächst nur die Concept-Art und die Gewissheit, dass ein H.P.-Lovecraft-Spiel wohl wahnsinnig viel Freude machen wird. Wie fies, jetzt will man natürlich mehr sehen! NamcoBandai hebt sich die Überraschung bei Dark Souls II bis zum Schluss auf. Kurz vor der Abreise bekommen die Journalisten eine Miniatur überreicht: Ein Schwert, das in einem Bonfire steckt. Und es leuchtet sogar! Die Reaktion – glänzende Augen und die Frage, wie man das gute Stück unbeschadet zum Zug bringen soll.

H) Spielphasen

Wie, da war doch noch was, oder? Richtig, Spiele gibt es auf einer Spielepräsentation auch! Und zwar in allen Phasen und Formen. Von der „Wir haben noch nicht einmal eine Alpha fertig, weil wir das Spiel gerade angekündigt haben, aber wir können euch unser Occulus-Rift-Addon zeigen“-Phase (Space Hulk Deadwing) bis zu der „Das Spiel ist eigentlich fertig, also tut uns bitte den Gefallen und lauft nicht zu viel außerhalb unseres Präsentationslevels herum, vielen Dank“-Phase (Dark Souls II) gibt es alles zu sehen. Am spannendsten sind hier natürlich die Spiele, die man schon einmal in einer früheren Phase gesehen hat. Wie hat sich das Game entwickelt? Sieht es jetzt besser aus? Was haben die Designer dazugefügt und was haben sie gestrichen? An dieser Stelle will ich lobend Sherlock Holmes: Crimes and Punishment erwähnen. Einige Monate nach der Gamescom-Version, die zwar interessant aber noch ein wenig unausgegoren war, konnte man in München ein wirklich interessantes und hübsches Spiel sehen, das ich bitte jetzt sofort spielen will… leider muss man sich dann doch noch ein paar Monate gedulden.

I) Zeitmanagement

Zeit: Prinzipiell und immer zu wenig, auch wenn der Event den ganzen Tag dauert. Was immer sehr schade ist, aber vielleicht auch schiere Taktik, denn wenn man lange nach Sonnenuntergang die Location schließlich verlässt, denkt man sich meist „Ich frage mich, wann die nächste Präsentation ist.“ Und natürlich, ob die T-Shirts im Goodie-Bag auch in der richtigen Größe sind. Und das Ende vom Lied: Der unabhängige und unbestechliche Journalist heult auf: Diese Veranstaltungen sind doch nichts als Propaganda, die die Schreiber einlullen und auf die Seite der Hersteller ziehen soll! Und durch das Internet ist man ohnehin schneller und besser informiert! Das stimmt natürlich. Aber: Es macht tatsächlich einen Unterschied, ob man einen Trailer sieht und ein Hands-On auf Youtube, oder tatsächlich live vor Ort vielleicht den Controller selbst in die Hand nehmen kann.

Ein echtes Review kommt durch so einen Besuch natürlich nie zu Stande – und manchmal ist schon ziemlicher Schrott dabei, den die Präsentatoren einem unterzujubeln versuchen. Aber es können sich eben auch Perlen in der Präsentation verstecken, auf die man sonst nie gekommen wäre. Beispiel: Bound by Flame. Ohne den Event in München hätte ich dieses Rollenspiel wohl nie beachtet, weil ich auch bislang noch keinen Trailer gesehen habe. Jetzt hatte ich sogar Hands-On-Zeit und freue mich darauf, das Spiel bei Erscheinen auf Herz und Nieren zu testen. Außerdem ist es immer interessant zu hören, was sich die Macher eines Spiels gedacht haben. In diesem Sinne, bis zum nächsten Event! Mal gucken, wer das Schwert im Bonfire von Dark Souls II schlägt…

2 Gedanken zu „Den Vorhang lüften – diesmal: ein Games-Presse-Event

  • Pingback:Superlicious | Superlevel

  • 17.02.2014 um 17:24
    Permalink

    Oh, das Focus Event in München. Ja, war nett da. Aber die oberen Bilder: war das das Bethesda-Event in Frankreich? In diesem Chateau?

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