Need for Speed: Rivals (Ghost Games/Electronic Arts)

Nichts neues aus Redview County

Need For Speed: Rivals (Ghost Games/Electronic Arts)

Aston-Martin-Cop

Alle Jahre wieder befriedigt Electronic Arts uns mit einer neuen Version der wohl bekanntesten Rennspiel-Serie der Videospiel-Geschichte: Need For Speed, dieses Mal in der Ausführung Rivals. STEFAN VON DER KRONE nahm an unzähligen Rennen teil.

Mit Need for Speed ist es vielleicht wie mit einer Metal-Band aus den Neunzigern. Zunächst findest du sie wahnsinnig cool, doch dann kommt die Phase, in der die Musikproduzenten und -labels deinen Lieblingen ein neues Gesicht aufdrücken wollen. Es heißt nun Nu-Metal und alle Kiddies, die sich sonst nie für die Jungs interessierten, fahren voll drauf ab. Und du? Ja, du hockst da und trauerst den alten Zeiten nach. Mit dieser neuen Musik kannst du so recht nichts anfangen, aber ist ja alles “IN” zur Zeit. Die Jahre gehen dahin und irgendwann ist dieser Nu-Metal nicht mehr so cool und man bekennt sich offenmundig zu den alten Zeiten. Die neuen Alben betören deine Ohren und geben dir wieder Zuversicht. Du gehst wieder auf Konzerte von ihnen, trägst wieder ihre Band-Shirts. Nur eines wird dir erst nach zwei oder drei weiteren Alben klar: irgendwie ist es doch immer das Gleiche, oder?

Eine persönliche Geschichte

So ist das auch mit uns beiden, also der Spielereihe Need for Speed und mir. Als ich selbst noch keinen Computer oder eine Spielekonsole mein Eigen nennen konnte, erfreute ich mich der Special Edition von Need for Speed 2 bei einigen Freunden am PC. Später, als ich dann endlich meine erste Playstation hatte, kam Teil vier Brennender Asphalt in die Läden und ich musste es kaufen. Wahnsinn, wie toll ich es fand. Der Soundtrack, die Wagen, die Strecken, auch die Grafik (bis auf einige erhebliche Ruckler) überzeugten mich. Nebst Gran Turismo konnte es nichts Besseres auf zwei Achsen geben. In der Kritik war das dann zwar ein Jahr später Need for Speed: Porsche, aber die Beschränkung auf nur eine Auto-Marke war nicht so mein Fall.

Ferrari-458-Spider

Dann war es soweit, der Teufel für die Old-School-Fans und der Segen der gewinn-orientierten Manager erschien: Need for Speed: Underground. Mit seinem Fast&Furious-eskem Anstrich, ähnlich wie das erste Burnout, missfiel es mir von Anfang an, ich sah es bei Freunden und war grundlegend skeptisch. Im Nachhinein vielleicht ordentlich unfair, aber das ist eine andere Geschichte. So blieb ich dann eine Weile den Arcade-Racern fern und erfreute mich eher an dem mittlerweile doch recht biederen Gran Turismo. Einzig das wirklich sehr, sehr spaßige Burnout 3: Takedown versüßte mir die Zwischenzeit – bis meine PS2 immerwährend beim allerletzten Rennen abstürzte!

Und die Burnout-Reihe war es auch, die mich wieder zurück in die Spur brachte, und gleichbedeutend auch Need for Speed. Denn nachdem diese alterwürdige Reihe ins Straucheln geraten war, übergab man sie den Überfliegern und Burnout-Machern Criterion Games. Und siehe da: auch ich fand wieder zurück. Das neue Hot Pursuit war für mich der Wendepunkt in der Geschichte. Und nach einem wohl eher mäßigen Zwischenspiel mit Need for Speed: The Run überzeugte auch das neue Most Wanted mit seiner schon an Burnout Paradise erinnernden offenen Stadt.

Und nun?

Ja, wie ist es nun ausgegangen? Criterion Games scheinen momentan in einer Midlife-Crisis zu sein, ehemalige Mit-Entwickler beim Studio Ghost Games nahmen zwischenzeitlich (und wohl auch zukünftig) die Zügel in die Hand und brachten insgesamt ein grundsolides Rennspiel auf den Markt. In seiner Grund-Mechanik erinnert es mehr ans erste Criterion-NFS Need for Speed: Hot Pursuit mit seiner vielseitigen ländlichen Gegend. Nur offener und freier ist nun alles, aber auch das ist eine Errungenschaft eines früheren Teils, nämlich des letzten Most Wanted. Ok, neuerdings gibt es auch dynamische Wetter-Effekte dank Frostbyte-3-Engine.

Mountain View

Ach ja, und Auto-Log, der Social-Racing-Multiplayer, ist nun fest integrierter Bestandteil. So lassen sich Online-Spieler aus der unmittelbaren Umgebung auf ein Stell-Dich-Ein blicken. Die sogenannten Speed-Lists bieten eine spannende Herausforderung, wer denn nun der Bessere ist. Und auch sonst gibts überall Ranglisten: das beste Ergebnis, die höchste Geschwindigkeit, der weiteste Sprung. Allesamt Anreize zum Weiterspielen.

Ein bisschen Dark Souls

Angenehm überrascht und angetan war ich von einer Regel des Spiels, die dabei doch so sehr an Dark Souls (oder eben auch Demon’s Souls) erinnert: erwischen dich die Cops oder bist du geschrottet, verlierst du all deinen Speed-Points. Und ohne diese Punkte kann ich keine Autos kaufen, sie nicht tunen oder eben auch keine Verteidigungs- bzw. Angriffsmaßnahmen erwerben. Anders als in Dark Souls verlierst du nicht alles, aber zumindest die in der aktuellen Spiel-Runde seit Verlassen des eigenen Verstecks gesammelten Punkte. So wurde ich häufig Opfer eines Massen-Gang-Bangs der rasenden Ordnungshüter. Aber so frustrierend das mitunter war, so einfach ist es aber auch, diesen Tiefschlag durch rollenspiel-typisches Farmen an den richtigen Stellen wett zu machen.

Elektro-Schock

Ein Altbekannter kehrt nach Jahren der Abstinenz auch wieder zurück: Ferrari. Die für die früheren Need for Speed-Teile neben Lamborghini eigentlich so typische Rennwagen-Marke ist nun wieder dabei. Und es sind mitunter auch diese Wagen, die mit ihrer Geschwindigkeit einen enormen Spaß bereiten.

Verschenktes Potential

Was bleibt ist am Ende aber leider doch nur ein zwar spaßiger aber dennoch durschnittlicher Racer. Die sehr guten Ansatze der beiden Criterion-Vorgänger konnten Ghost Games konsequent weiterentwickeln. Aber dabei verpassten sie es, aus dem Potential zu schöpfen. So verfluche ich sie ebenso wie auch Criterion dafür, dass es bis heute keinen Split-Screen-Modus mehr gibt. Wie cool wäre es doch, sich mit einem Kumpel auf der Couch ein spannendes Duell zu liefern? Ich erinnere da nur an den spannenden Artikel meines hoch geschätzten Kollegen Rudolf Inderst über die Konsolen-Version von Diablo 3. Gerne würde ich dafür auf eine schicke Grafik verzichten.

Aston-Martin-Vanquish-in-the-lead

Oder wo bleibt der Strecken-Editor? Da hat man nun eine offene Welt, die zugleich auch nicht so verwinkelt ist, wie die von Need for Speed: Most Wanted. Es wäre DAS Alleinstellungsmerkmal schlechthin! Spiele wie Little Big Planet oder Minecraft haben eindrucksvoll gezeigt, zu was User-generated Content in der Lage sein kann. Es würde auch eine altehrwürdige Reihe wie Need for Speed wieder zu neuen kreativen Höhen verleiten.

So bleibt der Eindruck, dass man irgendwie doch immer wieder die alten Runden dreht…

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen.

Originaltitel: Need for Speed Rivals
Plattformen: PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, PC
Genre: Rennspiel, Arcade-Racer
Entwickler: Ghost Games
Veröffentlicht von: Electronic Arts

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