Das Anthropozän – Das Erdzeitalter des Menschen

Eine Zeitenwende

Entwaldung im Amozonasbecken (Mato Grossom, Bild: Pedro Biondi, Quelle: Wikipedia)

Die Anzahl der Menschen auf der Erde hat sich in den vergangenen drei Jahrhunderten verzehnfacht. Mittlerweile leben mehr als sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Die UNO erwartet, dass wir noch vor dem Jahr 2100 die Zehn-Milliarden Grenze überschreiten. Durch das starke Bevölkerungswachstum ist der  Mensch mittlerweile zu einem globalen Faktor geworden. Ein neues Erdzeitalter hat damit begonnen.

Im Jahr 1784 erfindet der Schotte James Watt in Glasgow den dampfgetriebenen Motor. Seine Erfindung fällt in die gleiche Zeit wie ein massiver Anstieg von Kohlendioxid und Methan in der Erdatmosphäre zum Ende des 18. Jahrhunderts. Für den niederländischen Meteorologen und Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen  markiert Watts Dampfmaschine daher den Beginn eines neuen Weltzeitalters, des Anthropozäns.

In seinem Aufsatz ‘Geology of Mankind’ spricht Crutzen von einer „Eskalation der globalen Umwelteinwirkung durch den Menschen während der letzten drei Jahrhunderte“. Damit schliesst er nicht aus, dass der Mensch bereits vor dem 18. Jahrhundert Einfluss auf seine direkte Umwelt ausgeübt hat; durch die Industrialisierung und das starke Ansteigen der Weltbevölkerung seit dieser Zeit haben die menschlichen Einflüsse jedoch heute globale Auswirkungen.

Der Mensch als globaler Faktor
Crutzens Erkenntnis, welche er 2002 in Nature publiziert, ist jedoch keineswegs neu: Bereits im Jahr 1873  beschrieb der italienische Geologe Antonio Stoppani den Einfluss des Menschen auf seine Umwelt.  Er erkannte den Menschen als eine neue, globale Kraft, welche die Erde grundlegend und nachhaltig beeinflussen könnte.

Paul Crutzen argumentiert anhand dieser mittlerweile real gewordenen globalen Veränderungen. Er versteht das Anthropozän als eine Periode, während der der Mensch zu einem globalen Faktor geworden ist und einen massgeblichen Einfluss auf  biologische, geologische und atmosphärische Prozesse auf der ganzen Welt ausübt.

Denn während die globale Bevölkerung zur Zeitenwende gerade einmal 200 Millionen und selbst im Jahr 1650 nur rund eine halbe Milliarde Erdenbewohner betrug, leben heute mehr als sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten.

Die diesem seit dem 18. Jahrhundert explosionsartigen Bevölkerungswachstum folgenden Veränderungen auf der Erde sind mittlerweile deutlich sichtbar: Die Auswirkungen der stark erhöhten Konzentration von Treibausgasen in unserer Atmosphäre zum Beispiel. Oder der Anstieg von Kohlendioxid durch Industrie,  die Rodung von Wäldern auf der ganzen Welt oder die Massentierhaltung. Weitere Beispiele sind das Aussterben vieler Spezies in Flora und Fauna oder die Auswirkungen globaler Luftverschmutzung, durch die jedes Jahr sieben Millionen Menschen ums Leben kommen.

Die Konsequenzen des Anthropozän

Doch Crutzen betreibt keineswegs nur Schwarzmalerei. Während er die Gefahren und Risiken all der durch den Menschen verursachten Entwicklungen unterstreicht, führt er die globale Antwort auf das Schwinden der Ozonschicht als Beispiel einer positiven Veränderung an. Zwar attestiert Crutzen der Menschheit hierbei mehr Glück als Verstand, denn die in die Atmosphäre entlassenen Flourchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) hätten die Ozonschicht durchaus endgültig zerstören können. Dennoch handelten die Menschen weltweit rechtzeitig gegen die weitere Nutzung und Freisetzung von FCKW: Ein positives Beispiel für eine gemeinsame, globale Antwort auf eine von uns selbst herbeigeführte Bedrohung der Welt.

Was erwartet uns in unserem eigenen Zeitalter?

Das Bevölkerungswachstum und das Verhalten der Menschen wird auch in naher und mittelfristiger Zukunft ein grundlegender Faktor in den biologischen, geologischen und atmosphärischen Veränderungen unseres Planeten bleiben. Diese Veränderungen aufhalten oder revidieren könnte lediglich ein Rückgang der Bevölkerung, beispielsweise aufgrund einer globalen Katastrophe oder einer massiven Klimaveränderung.

Doch soweit soll es nicht kommen: Crutzen und die gesamte Klima- und Umweltforschung unterstreichen immer wieder, dass ein globales Umdenken im Verbrauch natürlicher Ressourcen und eine Veränderung unserer Verhaltens- und Denkweisen in unserem Umgang mit der Umwelt notwendig ist.

Der Mensch als globaler Faktor hat es in der Hand, was ihn im weiteren Verlauf seiner Geschichte erwarten wird.

Der Begriff Anthropozän
Das Alter unser Erde wird von der Forschung in verschiedene geochronologische Epochen unterteilt. Das Anthropozän ist das globale Zeitalter des Menschen, es wurde durch das Wachstum der Erdbevölkerung und deren Verhalten eingeläutet.
Dabei fällt Watts Erfindung der Dampfmaschine in die gleiche Zeit wie der markante Anstieg der Treibhausgase Methan und Kohlenstoffdioxid. Deshalb markiert diese Periode für Crutzen das Ende der vorangehenden Ära, dem Holozän. Diese warme Klimaperiode, welche bereits vor zehn bis zwölftausend Jahren begonnen hat, bedeutete das Ende der letzten grossen Eiszeit.

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