Castlevania: Lords of Shadow 2 (Mercury Steam/Konami)

Auf den Spuren von Dracula

Castlevania: Lords of Shadow 2 (Mercury Steam/Konami)

Dracula Combat

Im Kino bestimmte vor einiger Zeit die kitschige Geschichte von Teenagern unser Bild von Vampiren und Werwölfen. Bei den Videospielen ist, weit unromatischer, seit über 20 Jahren die japanische Reihe Castlevania prägend. Unlängst erschien der zweite Teil der unter dem Namen Lords of Shadow bekannten Neuinterpretation der Franchise. STEFAN VON DER KRONE wagte sich mit Knoblauch und Holzkreuz ins Abenteuer.

Die Familie Belmont hat eine schwere Bürde zu tragen. Generation um Generation muss sie sich den Werwölfenund Vampiren in den Weg stellen, um die Menschheit vor dem nahenden Untergang zu retten. In den Jahren nach Start von PS3 und Xbox 360 wurde es aber ruhig um die Vampirjäger – zumindest kein wirklich nennenswerter Release wurde uns beschert –, der wohlverdiente Ruhestand konnte ausgekostet werden.

Dracula Level Discovery

Wiedererweckt wurde der Herr der Vampire delikater Weise nicht in Japan, sondern in Europa: Wie eine Reihe anderer Studios – etwa Capcom mit Devil May Cry oder Lost Planet – gab Konami die von Hardcore-Fans heiß geliebte Castlevania-Reihe in die Hände eines neuen Studios. Dass die spanischen Entwickler von Mercury Steam mit dem ersten Spiel einen astreinen God of War-Klon auf die Beine stellten, verärgerte viele Fans, erfreute aber unter anderem mich – haben sie mich doch mit ihrer Interpretation erst zu dieser Reihe gebracht. Ich gebe auch offen zu: mein Spiel des Jahres 2010 war Castlevania: Lords of Shadow. Nebst der epischen Inszenierung samt atmosphärischem Soundtrack und der Stimme von Patrick Stewart stimmte auch – bis auf einige kleinere Schwächen – das Gameplay.

Episches Schlachtwerk

Nach nun fast vier Jahren – zwischenzeitlich erschien lediglich der 3DS-Ableger Mirror of Fate – erfreut uns nun der Nachfolger. Gabriel Belmont, der gebrochene Held des ersten Teils, findet sich nunmehr als Dracula mitten in einer riesigen Schlacht um sein Schloss wieder. Nach diesem monumentalen Einstieg wechselt die Szenerie in die Zukunft. Dracula ist schwach sowie verwundbar und der Spieler weiß nicht einmal, warum. Nur Zobek, Feind aus längst vergangenen Tagen, kann ihm helfen. Und so beginnt eine Geschichte um die Zukunft der Menschheit (wieder einmal) und Draculas Wunsch, endlich Ruhe zu finden.

Dracula Bossfight

Die Geschichte ist in Teilen sehr abgedreht, da sie auf zwei Ebenen erzählt wird. Eine Ebene spielt in der Gegenwart in der Stadt, die um das alte Schloss gebaut wurde, die andere Ebene spielt in der Vergangenheit in Draculas Schloss. Letzteres scheint gewissermaßen lebendig zu sein – samt multipler Persönlichkeit – und will seinen Herren um jeden Preis im Schloss halten. Einige Ungereimtheiten klären sich auch erst zum Ende hin auf, was die Geschichte durchaus spannend macht. Nur das Ende ist etwas enttäuschend und (Achtung, Wortspiel) blutleer.

Der Kratos unter den Vampiren

Gameplaytechnisch wird solide Kost geboten, das gute Kampfsystem vom Vorgänger wurde in Teilen leicht abgewandelt – schwer zu sagen, ob zum Guten oder Schlechten. Zu Beginn können die Kämpfe recht frustrierend sein, da erst ein Gefühl dafür entwickelt werden muss. Gleichzeitig aber ist auch ein gründliches Studium der Angriffe hilfreich. Allgemein hilft frühzeitige und intensive Übung neuer Techniken, da sich nur durch häufige Nutzung eines Angriffes auch die entsprechenden Waffe verstärkt. Das ist dann im späteren Spielverlauf bei härteren Gegnern äußerst hilfreich.

Dracula Stealth

Es gibt drei grundlegende Waffen. Von Beginn an verfügbar ist die Blutpeitsche, die sich ähnlich wie das Kettenkreuz des Vorgängers spielt. Zu dieser Waffe gesellt sich noch das Leere-Schwert (engl. Void-Sword), dass im aktivierten Zustand bei Treffern kostbare Lebensenergie liefert. Als drittes stehen die Chaos-Krallen zur Verfügung, die enorm erhöhten Schaden verursachen. Beide Zusatzwaffen, das Void-Sword und die Chaos-Krallen, benötigen für den Einsatz aber Magie, die über rar gesäte statische Behälter in den Leveln bzw. durch geschickten Einsatz des Fokus’ im Kampf gesammelt werden muss. Der Fokus ist eine zusätzliche Anzeige, die sich im laufenden Kampf auflädt und im vollen Zustand Magie-Orbs freisetzt, welche aufgesammelt werden wollen. Die Fokus-Anzeige lädt sich nach erfolgreichem Block schlagartig auf, leert sich bei einem erlittenen Treffer aber auch ebenso schnell.

Gotischer Spielspaß

Die Gegnerauswahl reicht von kleineren Nervensägen bis hin zu großen Widersachern, deren Panzerung zunächst zerschlagen werden will, bevor es ihnen an den Kragen geht. Anstrengend kann es mit einer Gruppe von Hexern werden, die nicht nur fiese Angriffe parat haben, sondern auch weitere Gegnerhorden herbeirufen können. Hier gilt es schnell zu handeln. Die Boss-Kämpfe sind wie auch im Vorgänger sehr gut in Szene gesetzt und verlangen dem eigenen Können durchaus einiges ab, besonders die letzten beiden Bosse haben es dabei in sich.

Alucard als Wolf

Das Leveldesign ist eine ambivalente Angelegenheit in Castlevania – Lords of Shadow 2. Optisch weitestgehend eine Augenweide mit ansprechender Architektur und schicken Texturen (selbst auf der betagten PS3 noch durchaus nett anzusehen), mangelt es den Leveln oft an Finesse im Game-Design, da sie meist nur als Schlauch angelegt sind. Die Gebiete sind zwar weitestgehend miteinander verbunden und im Laufe des Spiels frei erkundbar, dennoch kann hier von Open-World nicht einmal ansatzweise die Rede sein. Wenn ein Vergleich angebracht ist, dann der mit dem ersten Darksiders. Schön sind die Geheimnisse der einzelnen Gebiete, die erst nach und nach dank neuer Fähigkeiten ergründet werden können. Großartig ist die Option, Quicktime-Events vollständig abschalten zu können – endlich!

Schlecht hingegen ist das neu hinzugekommene Stealth-Gameplay. Mitunter ist in diesen Momenten nicht deutlich, was das aktuelle Ziel ist – oder wie selbiges erreicht werden will. So muss Dracula in einer Szene vermeiden, auf Laub zu laufen, da er sonst einen Dämon auf sich aufmerksam macht. Das schnöde Level-Design und das äußerst zufällige Verhalten des Gegners führt dann zu einem frustrierenden Trail-&-Error-Kampf gegen den Zufall. Das geht zum Teil so weit, dass die Motivation nachhaltig gestört wird, wenn man immer wieder an der selben Stelle scheitert. Das mag wohl auch im Allgemeinen der Grund für die recht mäßige Rezeption dieses Spiels sein.

Eine Empfehlung mit Einschränkungen

Dieser Einschätzung der Spiele-Presse kann ich mich aber nicht anschließen. Denn trotz der offensichtlichen Schwächen macht die tragische Geschichte um Gabriel Belment a.k.a. Dracula eine Menge Spaß, bietet eine schicke Optik und einen wieder einmal cineastisch wie atmosphärisch ausgezeichneten Soundtrack. Im Endeffekt kommt Teil zwei nicht ganz an seinen Vorgänger heran, motiviert aber dennoch zu einem weiteren Durchgang. Auch das DLC Offenbarungen kann hier gleichermaßen aufgrund des günstigen Preises und der guten (ergänzenden) Geschichte empfohlen werden. Wer also etwas in Richtung God of War sucht, liegt mit Castlevania: Lords of Shadow 2 gar nicht so schlecht.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen.

Originaltitel: Castlevania: Lords of Shadow 2
Plattformen: PS3, Xbox 360, PC
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Mercury Steam
Veröffentlicht von: Konami

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