The Amazing Spider-Man 2 (Beenox / Activision)

In alter Tradition

The Amazing Spider-Man (Activision)

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Bei Hollywood-Blockbustern ist es mittlerweile Standard, dass ein Spiel zum Film entwickelt wird. Lizenzspiele haben selten einen guten Ruf, auch weil die Schlechten den Guten zahlenmäßig weit überlegen sind. Passend zum Kino-Debüt erschien auch The Amazing Spider-Man 2 als Spiel. NORMAN VOLKMANN, der “Spinnenmann der nahaufnahmen-Redaktion”, sah sich das neueste Abenteuer des Helden in blau-roter Strumpfhose genauer an.

Jaja, Lizenzspiele sind immer doof, immer. Keine Ausnahmen. Nie. Nun, außer als vor ein paar Jahren The Amazing Spider-Man zum gleichnamigen Film erschien. Beenox, die die menschliche Spinne schon in Shattered Dimensions und Edge of Time auf eigene Abenteuer schickten, zimmerten einen Titel zusammen, der mich lange fesselte und machten eines besser als jeder andere Entwickler zuvor: das Schwingen durch die Stadt war so mitreißend und spaßig wie nie. Die Handlung war nicht unvergesslich, aber auch keine plumpe Nacherzählung des Films, sondern drehte sich um das, was nach den Credits passiert sein könnte. Stundenlang bin ich durch das virtuelle New York geschwungen und habe am Ende tatsächlich 700 (!) Comic-Collectables eingesammelt. Siebenhundert. Entsprechend freute ich mich auf den zweiten Teil.

Acht Beine für ein Halleluja

Dass irgendetwas nicht stimmte, merkte ich bereits nach den ersten paar Minuten. Der Titel sieht auf der Xbox 360 aus, als wäre er vor 7 Jahren erschienen. Gleich zu Beginn werden SpielerInnen Zeuge, wie Peters Onkel Ben erschossen wird – eine ikonische Szene in den bisherigen Filmen und Comics. In The Amazing Spider-Man 2 wirkt sie komplett verschenkt. Spider-Man und alle anderen Figuren overacten in jeder Zwischensequenz hoffnungslos und sind unpassend synchronisiert. Schnitt, zwei Jahre später, Peter ist immer noch auf der Suche nach dem Mörder seines Onkels und hat endlich eine heiße Spur. Nachdem wir alle Moves lernen und Stan Lee aus einem brennenden Haus gerettet haben, entfädelt sich ein komplett anderer Handlungsstrang. Bis zum Ende war mir nicht klar, warum man diese Szene überhaupt zeigte.

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Superhelden-Spiele mit vernünftiger Handlung sucht man wie die Nadel im Heuhaufen. Bis auf Arkham Asylum sieht es da immer noch mau aus. Doch das war es auch nicht, was The Amazing Spider-Man auszeichnete. Im neuesten Teil ist selbst die Fortbewegung durch die Stadt kein Highlight mehr. Immer wieder rattert Spidey die gleichen Sprüche runter oder stellt Überlegungen zur aktuellen Missionslage an. Eckt man an Häuserwänden an oder versucht man ebenjene empor zu laufen, macht einem immer wieder die Kamera einen Strich durch die Rechnung und lässt den Helden spastisch durch die Lüfte springen.

Gut oder Böse?

Wie die Stadt und vor allem die Gesetzeshüter über Spider-Man denken, wird in einer Leiste widergespiegelt, die sich während meines Durchlaufes eigentlich immer tief im negativen Bereich befand. Die Kriminellen der Großstadt schlafen nie, daher war die Karte immer voll mit brennenden Gebäuden, Schussgefechten oder Überfällen. Greife ich ein, lieben mich die Einwohner und im Fernsehen wird positiv über mich gesprochen. Schaffe ich es nicht rechtzeitig an einen Brennpunkt (zum Beispiel, weil ich die Hauptmissionen absolvieren möchte), wird nicht nur negativ über mich berichtet, sondern es wird auch eine Sondereinheit auf mich losgelassen. Im letzten Drittel des Spiels ist es nahezu unmöglich, die Hauptmissionen zu schaffen und gleichzeitig nicht von allen Einwohnern gehasst zu werden. Dazu kommt, dass die Missionen immer nach demselben Schema ablaufen, selbst die Animationen sind stets identisch. Ist man also nicht scharf auf Achievements, gibt es kaum einen Grund, sie überhaupt zu erledigen.

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The Amazing Spider-Man 2 kommt der alten Tradition nach: Lizenzspiele taugen nicht viel – vollgepackt mit nur halb durchdachten Spielmechaniken, schlechten Animationen, sich ständig wiederholenden Nebenaufgaben und mittelmäßigen Hauptmissionen. Wo sind die abgefahrenen Bossfights des Vorgängers? Was ist mit Gwen Stacey? Wieso diese unausgegorenen Stealth-Passagen? Warum sieht Tante May aus, als wäre sie Mitte 20? Es wirkt alles halbgar und lieblos. Immerhin: Das bei der Arkham-Serie abgeschaute Kampfsystem machte tatsächlich mehr Spaß als noch im Vorgänger. Die verschiedenen Kostüme, die Peter während des Spieles tragen kann, sind ebenfalls ein nettes Extra und sehen zum großen Teil spektakulär aus. Zu einem wirklich guten Spiel machen diese Dinge The Amazing Spider-Man 2 allerdings nicht. Die Ansätze sind immer noch da, aber das waren sie auch schon beim ersten Teil – im Grunde sogar besser als jetzt. Für Beenox wird es langsam Zeit, aus guten Ansätzen auch gute Spiele zu machen.


Bereits erschienen.

Originaltitel: The Amazing Spider-Man 2
Plattformen: PC, Nintendo 3DS, PS3, PS4, Wii U, Xbox 360, Xbox One, iOS, Android
Genre: Action
Entwickler: Beenox
Veröffentlicht von: Activision

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