Dark Souls II (From Software/Bandai Namco)

Hunde, wollt ihr ewig leben?!

Dark Souls II (From Software/Bandai Namco)

Shield zweihändig

Vor fast drei Jahren erschien mit Dark Souls eines der bis dato wohl besten Action-Rollenspiele. Es schlug ein wie eine Bombe, besonders durch seinen knackigen Schwierigkeitsgrad. Nun schickt sich Teil zwei an, das Leiden der Spieler zu maximieren. STEFAN VON DER KRONE recherchierte in der Bondage-Szene und berichtet von seinen Nahtoderfahrungen.

Ein Namenloser, gestrandet in einer Zwischenwelt, untot. Was ist sein Ziel, was seine Bestimmung? Ziellos wandert er bis zu einem Haus, bewohnt von drei alten Damen. Von einem Fluch reden sie, lachen und scherzen. In ihm kommen Erinnerungen auf, sein Name, wer er war. Nur ein Weg führt von dort weg. Am Ende einer Höhle hüllt das Sonnenlicht alles in einem goldenen Schein. Ein kleines Dorf offenbart sich mit einem tiefen Loch in seinem Zentrum. Ein paar geheimnisvolle Gestalten trifft er an. Eine einsame Dame an der windigen Klippe erhascht seine Aufmerksamkeit. Sie redet vom König und davon, ihn zu finden. Nur so könne er den Fluch beenden. Ist er der Thronfolger?

Majula

Nur wenige Wege führen weg von diesem Ort. Einer direkt an die Küste, eine vesunkene Stadt liegt dort. Riesige Ritter erwarten den Helden. Bereitwillig lassen sie ihn nicht vorbei, der Tod wird sein steter Begleiter. Erschöpft resigniert er, die Erinnerungen beginnen wieder zu schwinden. Aber er macht weiter, das Verlangen in ihm brodelt. Er versucht einen anderen Weg, gelangt so zu einer alten Burg. Umherirrende längst verlorene Seelen beheimaten diesen Ort, zerstört vor langer Zeit. Der einsame Krieger ebnet sich seinen Weg durch die Burg, verfolgt von einem tödlichen Krieger. Versteckt im Fundament der Burg betritt er eine riesige Höhle, ein gigantisches Wesen verweilt hier. Kaum sieht es den Eindringling, wird es zur Furie. Ein unerbittlicher Kampf entbrennt. Das Abenteuer hat begonnen.

Kampf gegen die Hilflosigkeit

Die Welt von Dark Souls II ist erbarmungslos. An jeder Ecke lauert ein Gegner, der mir an den Kragen will, nur selten ist er allein. Beste Taktik also: Divide & Conquer, also jedes Ziel einzeln angehen, sowie viel Geduld und Ruhe. Jede Aktion will gut überlegt sein, die Ausdauer sollte ständig im Blickfeld sein. So kann ein heftiger Angriff dennoch zum eigenen Tod führen, wenn dabei die eigene Ausdauer aufgebraucht ist und ein geschickter Gegenschlag vom Gegner nicht mehr abgewehrt werden kann.

Sünderhügel

Aber macht das denn Spaß? Dem kann ich nur ein überdeutliches Ja entgegnen. Es ist sogar süchtigmachend, erwische ich mich doch oft dabei, alle interessant erscheinenden Videos auf Youtube anzuklicken oder das Online-Wiki zu durchstöbern. Kein aktuelles Spiel scheint irgendwie interessanter. Wichtiger ist doch, wie ich den nächsten Boss erledige. Welche Taktik ist die effizienteste? Lieber mit der Schlagwaffe oder doch Zauber? Warum lächeln die Löwenkrieger im Schattenwald nur müde über meine hochgezüchtete Waffe? Doch viel wichtiger noch: wie maximiere ich meine Seelenausbeute? Ich benötige so viele wie möglich, da Seelen die Währung in Dark Souls II für alles Mögliche sind, wie Gegenstände, Waffen, Upgrades sowie dem Aufleveln.

Veränderungen im Detail

Das Grundgerüst des Vorgängers verändert Dark Souls II nicht sonderlich. Es werden wieder Heil-Gegenstände wie in Demon’s Souls eingeführt, da die wieder aufladbaren Estus Flakons erst nach und nach aufgefüllt werden können. Insgesamt gibt es auch eine vielseitigere Auswahl an Gegenständen sowohl für die Heilung, als auch z.B. für das Wiederauffüllen der Zaubereinsätze. Die Zaubersprüche sind weitestgehend gleichgeblieben, nebst weiteren Sprüchen gibt es nun zusätzlich zu den Zaubereien, Wundern und Pyromantien die sogenannten Hexereien. Diese sind zum Teil zu stark geraten, aber mit dem Preis, dass manche von ihnen Seelen aufbrauchen. Und sind keine Seelen vorhanden, verpufft deren Angriffskraft.

Henkerswagen

Grafisch macht Teil zwei schon weitaus mehr her als noch der Vorgänger. Scheiterte Letzterer besonders in Blighttown, dem Sumpfgebiet, an einer enttäuschenden Bildrate, läuft in Dark Souls II alles recht stabil. Dabei sehen die Texturen insgesamt deutlich besser aus, und auch die Lichteffekte machen mehr her. Natürlich ist das Spiel kein The Last of Us, aber so manches Areal muss sich nicht vor den großen Grafik-Boliden verstecken. Schöne Architektur gehüllt in atmosphärischem Licht – ob erleuchtet von Sonne, Mond oder einre kleinen Fackel – die einzelnen Gebiete werden nie uninteressant.

PvE, PvP oder doch lieber Coop?

Der Multiplayer wurde im Vergleich zum Vorgänger durchaus verbessert. Wieder einmal sind Single- und Multiplayer nicht getrennt, so dass ich mich spontan für PvP oder Coop entscheiden kann. Dafür gibt es sogar spezielle Eide, die jeweils für einen Erfolg unterschiedliche Belohnungen geben. So ist es beim Klangvollen Eid ein Titanitbrocken, ein sehr wichtiges Material für die Waffen-Upgrades. Der Coop-Modus geht sehr gut von der Hand und macht unglaublich viel Spaß. Im Gegensatz zum PvP merke ich hier nicht so sehr den Lag, also die Verzögerungen zwischen der Eingabe und dessen Synchronisation übers Netzwerk. Im PvP ist das immer noch ein Problem, zwar sind Lag-Stabs (kritische Angriffe in den Rücken des Gegners, also Backstabs, die dank des enormen Lags vereinfacht werden) seltener, aber dennoch möglich, ebenso wie andere Seltsamkeiten. Invasionen, ein wesentlicher Angstmacher des Vorgängers, sind nun seltener.

Multiplayer-Session

Ein Grund mag das eingeführte Seelengedächtnis sein, durch das ich nur in die Welten von Spielern eindringen kann, deren Seelengedächtnis sich im Bereich des eigenen befindet. Das Seelengedächtnis ist dabei die kommulierte Summe aller vom Spieler gesammelten Seelen. Großer Nachteil: versuche ich einen Low-Level-Run, kann ich dennoch von High-Level-Spielern angegriffen werden, was durchaus sehr frustrierend sein kann.

Immer das Gleiche

Schade ist, dass im Allgemeinen die Gegenervielfalt trotz des riesigen Umfangs des Spiels recht gering ist. So treffe ich überwiegend humaniode Gegner an, selten aber Tiere oder andere Fabelwesen. Dafür enthält Dark Souls II eine ordentliche Menge an Boss-Gegnern, so dass es nie lange dauert, bis ich wieder eine Nebelwand durchdringe.

Finstergeist

Die mangelnde Vielfalt wurde mir besonders im Drachenschrein später im Spiel klar, als ich auf die hühnenhaften Drakenaufseher traf, die den riesigen Rittern zu Beginn des Spiels ähneln. Besonders fies an ihnen: sie scheinen grenzenlose Ausdauer zu haben und greifen mich an, als gäbe es keinen Morgen. In diesen Momenten offenbart Dark Souls II, dass die Entwickler hier nicht sehr gründlich beim Balancing waren. Das Gleiche gilt für die Magierinnen im Schrein von Amana, die aus enormer Distanz magische Projektile auf mich schießen, die dazu sogar noch zielsuchend sind. So mancher mag jetzt behaupten “Das ist doch Dark Souls, das muss schwer sein” – naja, Dark Souls mag schwer sein, es ist aber auch fair. Das eigene Ableben ist fast ausschließlich auf einen eigenen Fehler zurückzuführen. Teil zwei ist darin manchmal leider nicht ganz so konsequent und ebendoch ein wenig unfair.

Dennoch hoher Motivation

Wie auch bei den Vorgängern ist die Handlung eher schwach ausgeprägt, viel wichtiger ist wie immer das sogenannte Lore, also die Hintergrundgeschichte. Diese ist interessant und bietet wieder viel Potential für Spekulationen und Deutungen. Was ist mit dem König passiert? Was hat es mit den Riesen auf sich? Zum Teil übertreiben es die Entwickler aber auch hier. Verweise auf den Vorgänger wirken mitunter aufgesetzt und lassen das Gefühl von Fan-Service oder gar Fan-Fiction aufkommen.

Praise the sun

Bei aller durchaus berechtigten Kritik, Dark Souls II macht auch drei Monate nach Veröffentlichung unheimlich viel Spaß. Ich selbst befinde mich momentan im sechsten Durchlauf bzw. spiele mit meinem vierten Charakter und verspühre nur wenig Sättigung. Das muss man From Software lassen, sie haben den Suchtfaktor des Vorgängers extrahiert und optimiert. Wie bei einem Sirup ist das Kampfsystem und Spielprinzip auf die motivierenden Faktoren konzentriert. Und dennoch: der hohe Schwierigkeitsgrad ist nicht jedermanns Sache… oder?

 


Ich bin so schrecklich einsam

Von SEBASTIAN GEIGER

Auf eine gewisse Weise ist Dark Souls II das genaue Gegenteil von Teil 1. Das stellt man spätestens fest, wenn die ersten Gegner nach 10 Toden gar nicht mehr wieder kommen. Die Welt wird einsam und man hat Zeit, sich auf die Umgebung zu konzentieren: Auf die Sonne, auf den Wind und auf die NSCs, die im ersten Dorf auf einen Warten.

Der Firelink Shrine in Teil 1 war trügerisch. Jeder Charakter, dem man begegnete, zog irgendwann weiter oder starb. Die Welt von Dark Souls endet – und egal, was man macht, welche Monster man auch tötet, sie stirbt weiter und mit ihr selbst die besten Freunde. Dark Souls II ist da anders. Die NSCs bleiben, fast scheinen sie darauf zu warten, dass der Charakter etwas macht, was vor ihm noch niemand geschafft hat. Genau so unerbittlich wie in Dark Souls das Ende über die Welt hereinbricht, will in Dark Souls II der Anfang hereinbrechen. Das scheinen Monster wie NSCs zu wissen — nur der Charakter tappt bis zum Ende im Dunkeln.

Magier

Und genau das macht auch die Faszination von Dark Souls II aus. Sicher, die Gegner sind hart, die Kämpfe frustrierend, aber wenn man zwischen dem Schlachten und Sterben auch einmal Luft holen kann, merkt man, wie still es in Drangleic ist. Und wie anders diese Stille ist als die, die den Charakter in Lodran begleitet.

 

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen.

Originaltitel: Dark Souls II
Plattformen: PS3, Xbox 360, PC
Genre: Action-Rollenspiel
Entwickler: From Software
Veröffentlicht von: Bandai Namco

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.