The Forest (Endnight Games)

Picknick mit Kannibalen

The Forest (Endnight Games)

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Es knacken Äste, es rascheln Blätter – in The Forest sind die kleinen Geräusche viel schlimmer als die bedrückende Stille, die sonst herrscht. Noch im Alpha-Stadium macht der Titel der kleinen kanadischen Spiele-Schmiede Endnight Games schon so viel richtig, dass man mehr als gespannt auf das fertige Produkt sein darf und schon jetzt eine Menge Spaß hat. Early-Access-Gegner und Survival-Horror-Hosenscheißer NORMAN VOLKMANN geht mittlerweile nicht mehr ganz so entspannt im Wald spazieren und konnte trotzdem nicht aufhören, The Forest zu spielen.

Vor ein paar Wochen bin ich aus Berlin nach Bayern gezogen. Von der Millionenstadt in ein 10.000-Seelen-Städtchen nahe München. Wir wohnen in einer besonders ruhigen Ecke, umgeben von Wald und Wiesen. Für jemanden, der aus einem kleinen Dorf kommt nichts Neues, aber nach der Großstadt eben doch etwas, an das man sich wieder gewöhnen muss. Abends, nach der Arbeit, gehe ich oft noch eine große Runde mit unserem Hund spazieren. Häufig geht gerade die Sonne unter und es wird langsam schummrig. Die Stille in den Wäldern ist einmalig. Ab und an begegnet man Fahrradfahrern, Menschen, die ebenfalls mit ihrem Hund unterwegs sind – die längst Zeit ist man allerdings alleine.

Ich hatte nie wirklich Angst, im Wald zu sein – heutzutage hört man mal Meldungen von Wölfen in der Umgebung oder Wildschweinen, denen man lieber nicht zu nahe kommen sollte, meine Erfahrungen beschränkten sich bisher auf scheue Rehe und Hasen, die bei meinem Anblick rasch das Weite suchten. Egal wie hell der Tag aber ist, die Bäume stehen dicht und lassen wenig Licht zu. Auch wenn ich im Wald noch nie in Gefahr war, stelle ich mir oftmals vor, wie es wohl wäre, würde ich mich hoffnungslos verlaufen. Es passiert immer genau dann, dass es im Unterholz knackt oder im Gebüsch raschelt. Mäuse oder Vögel – ich weiß es ganz genau, und doch…

Tag 1: Zurück zu den Wurzeln

The Forest nimmt die Angst vor dem Wald und vor dem Unbekannten (und vor genmutierten Kannibalen) und steckt sie in ein Survival-Horror-Spiel. Nach einem Flugzeugabsturz komme ich im Wrack zu mir und sehe im letzten Moment, wie jemand sich mit dem Jungen, der neben mir saß, davon macht. Ich blicke mich um, kann aber keine weiteren Passagiere entdecken – zumindest keine, die noch am Leben sind. Im Flugzeug finde ich Limonade, Medikamente, ein wenig Nahrung und eine nagelneue Axt. Immerhin fühle ich mich damit nicht ganz so schutzlos. Es ist still und niemand scheint in der Nähe der Absturzstelle zu sein. Hier und da hört man Vögel zwitschern und den Wind durch die Blätter wehen.

InPlane

Praktischerweise habe ich einen Survival-Guide in Buchform dabei. Darin sind Anleitungen für einen kleinen Unterschlupf aus Ästen und Baumstämmen – später kann man sogar ganze Holzhäuschen bauen. Rezepte, Anleitungen für Fallen, Heilungsmittel – all das ist erstmal Zukunftsmusik. Ich brauche einen Zufluchtsort, egal wie klein. Darin kann ich schlafen, mich erholen und speichern. Ich scanne die Umgebung, traue mich nicht weit vom Flugzeug weg. Alle paar Schritte drehe ich mich nach links und rechts und suche nach dem, der sich mit dem Jungen davon gemacht haben. Das Wrackteil liegt nahe eines Felsvorsprungs, und ich kann ein paar hundert Meter in ein kleines Tal blicken. Im ersten Moment denke ich, dass dort Menschen sind – es scheinen allerdings irgendwelche behelfsmäßigen Gebilde zu sein. Mir ist unwohl.

Da ich mich nicht so weit vom Flugzeug entfernen will und glaube, dass der Überblick auf das Feld später ein Vorteil sein kann, baue ich meinen ersten Unterschlupf noch in Sichtweite des Flugzeuges nahe dem Klippenrand. Nachdem ich einige Bäume gefällt, einen Hasen gejagt und eine Feuerstelle gebaut habe, ist es dunkel geworden und außerhalb des Feuerscheins sehe ich nichts. Das Gefühl des Beobachtetwerdens hatte ich bereits am Tag. In der Nacht ist nahezu qualvoll. Stille.

Tag 2: Strand und Dunkelheit

Ich schlafe. Am nächsten Morgen will ich das Flugzeug erneut durchsuchen und nehme eine Bewegung am linken Bildschirmrand wahr. Erst jetzt sehe ich die Leiche hinter dem Flugzeug. Der Tote hat eine Glatze und einen Lendenschurz aus Stöckchen und Blättern. Als ich mich ihm nähere, sehe ich eine weitere Person von einem Gebüsch zu einem Baum rennen. Nach einigem Hin und Her, bemerke ich, dass er sich mir nicht nähert und immer eine bestimmte Distanz hält. Er starrt nur, er starrt mich an mit seinen schwarzen, leeren Augen. Auch eine Waffe kann ich in seinen Händen nicht entdecken. Für mich Grund genug, ihn anzugreifen. Er ist schnell und versucht mir und meiner noch immer glänzenden Axt zu entkommen, nach kurzer Zeit allerdings ereilt ihn ein ähnliches Schicksal wie seinen Kollegen.

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Ich fühle mich nicht mehr ganz so verwundbar, der Adrenalinstoß fühlt sich gut an. Ich durchsuche das Flugzeug und mache mich wieder auf den Weg zum Unterschlupf. Plötzlich sehe ich, dass auf dem Feld unterhalb meiner kleinen Unterkunft etwas passiert. Vier Eingeborene (in Ermangelung eines besseren Begriffs) rennen über das Feld, alle bewaffnet. Das gute Gefühl ist weg. Ich gebe mich der Illusion hin, dass sie möglichweise jagen. Tiere, nicht mich. Ich bin mit der Situation überfordert und weiß, dass ich gegen vier keine Chance habe. Die Kannibalen verteilen sich, verstecken sich, klettern auf Bäume – so schnell, dass ich den Überblick verliere und mich in blinder Panik auf Einen der Truppe stürze. Nach drei Schlägen ist alles verloren. Ich bin eingekreist und Sekunden später falle ich zu Boden…

…und wache in der Dunkelheit wieder auf. Ich lebe noch! Juhu! Oder? Die Axt ist weg, mein Feuerzeug habe ich aber noch. Die kleine Flamme gibt genug Licht um zu erkennen, dass ich in einer Höhle bin. Ich höre das Rauschen von Wasser und – einen Schrei? Ich bin mir nicht sicher. Ich nehme all meinen Mut zusammen und erforsche die Höhle. Von der Decke hängen unzählige Leichen und ein kleiner Zähler auf dem Bildschirm teilt mir mit, dass es sich um Passagiere handelt. Auf einem Tisch finde ich eine festgebundene Leiche, deren „I <3“-Shirt unter der Brust aufgerissen ist. Darunter hängen seine Gedärme heraus. Ich weiß genau was mich erwartet, wenn ich hier bleibe, also versuche ich einen Ausgang zu finden.

TheForest-Birdy

Das Rauschen des Wassers wird lauter, und ich lasse das Feuerzeug nur noch kurz brennen, um mich nicht komplett zu verlaufen. Während des Herumirrens finde ich eine rostige Axt und eine Signalpistole. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich im Kreis lief, mit trockenem Mund lande ich aber irgendwann in einer längeren Gang an dessen Ende tatsächlich Licht zu sehen war. Kurz vor meinem Ziel überkommen mich Zweifel. Ist es vielleicht doch nur eine Falle? Ich zücke die Signalpistole und renne in die Freiheit. Ich laufe und schaue nicht nach hinten. Weiter und weiter. Als die Ausdaueranzeige blinkt, bleibe ich erstmals stehen und schaue mich um. Niemand zu sehen. Dank einer weiteren Anzeige weiß ich immerhin in welcher Richtung mein Unterschlupf ist. Ich will dort speichern, denke, dass ich dort sicher bin. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich mein Camp. Mit leeren Magen lege ich mich schlafen. Am nächsten Morgen werde ich jagen, einen Hasen oder Wild, wenn ich gut bin. Vor dem Sonnenaufgang erwache ich und bevor ich auch nur drei Schritte in eine Richtung gehen kann, sehe ich die Schatten der vier Kannibalen, die mich kurz anstarren und dann auf mich zugerannt kommen. Ich denke nicht einmal daran, mich zu verteidigen.

DAYS SURVIVED 3

The Forest ist nicht der erste Survival-Horror-Titel, sondern einer von vielen Titeln, die den Markt gerade fluten. Es verbindet Gameplay-Elemente von Rust, Minecraft, Outlast und DayZ – also dem aktuellen “heißen Scheiß'” der Branche. Doch es ist das erste Spiel dieser Art, das mich länger in seinen Bann gezogen hat, und bei dem ich mich an dem Early-Access-Status nicht störe, sondern dabei sein will, wenn es Monat für Monat besser wird. Das Setting ist real genug und die Kannibalen und deren Verhalten ernsthaft beängstigend. Teilweise fühle ich mich als wäre ich in einem Mix meiner liebsten Romane von Richard Laymon (Island) und Jack Ketchum (Off Season) gefangen. In The Forest gibt es keine Geschichte außer der eigenen und auch das ist etwas, was ich erst mit diesem Titel wirklich zu schätzen gelernt habe. Das Internet ist voll mit Storys und Erfahrungen, Orten, die ich in meinen bisherigen Spieldurchgängen noch nicht entdecken konnte und diversen witzigen Glitches. Seit Release ist es nahezu jede Woche an der Spitze der Top-Seller bei Steam.

Alpha-Version – Erscheinungsdatum noch nicht bekannt.

Originaltitel: The Forest
Plattformen: PC
Genre: Survival Horror
Entwickler: Endnight Games
Veröffentlicht von: Endnight Games

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