Olle Lönnaeus: „Gottes Zorn“

Terroristen in Schweden?

Olle Lönnaeus: „Gottes Zorn“ (Krimi)

Natürlich geht es auch in diesem Schwedenkrimi klassischerweise um einen Mord. Kombiniert wird dieser  mit fanatischer Gläubigkeit, Terrorismus und einer komplizierten Familiengeschichte.

Von Stella Feineis.

gotteszornFür Joel Lindgren ist es ein Schock, als er aus heiterem Himmel einen Anruf seines Vaters erhält, den er eigentlich nie wieder sehen wollte. Der eigenbrötlerische Alte drängt Joel zu einem Treffen, und so macht sich dieser trotz eines Schneesturms auf zur Hütte des abgelegen lebenden Künstlers. Er kommt jedoch zu spät.

Bilder des Propheten

Als Joel eintrifft, findet er nur noch die Leiche seines Vaters. Jemand hat ihn erhängt, die Wände sind mit seltsamen Schriftzeichen beschmiert, die sich später als arabische Buchstaben herausstellen. Damit scheint der Fall zumindest zum Teil gelöst, denn Joels Vater hatte vor kurzem den Zorn radikaler Islamisten auf sich gezogen, indem er den Propheten Mohammed auf seinen Bildern als Schwein darstellte. In nicht nur einem einschlägigen Internetforum wurde daraufhin sein Tod gefordert. Das Feld der Verdächtigen ist also eingekreist, die Arbeit der Polizei scheint sich daher auf die Suche nach dem konkreten Täter zu beschränken. Doch auch Joel selbst stellt Nachforschungen an, da er mehr über die Jahre herausfinden will, in denen er seinen Vater nicht gesehen hat. Nach und nach ergibt sich ein Bild, das so gar nicht zu dem brutalen Alkoholiker und selbstsüchtigen Künstler passt, den Joel aus seiner Kindheit in Erinnerung hat.

Ein terroristisches Netzwerk

Zur gleichen Zeit stolpert die aus dem Libanon stammende Fatima, inzwischen Polizistin im schwedischen Ystad, bei eigenen Internetrecherchen zum Fall von Joels Vater über eine Seite, die ihrer Meinung nach einen terroristischen Anschlag auf die Brücke zwischen Dänemark und Schweden ankündigt. Sie alarmiert die schwedische Sicherheitspolizei, deren Chef Fatima kurze Zeit später als Beraterin hinzuzieht, nachdem der mutmassliche Mörder von Joels Vater verhaftet wurde. Zwischen Osama – wie sich der junge Mann nennt – und Fatima entwickelt sich beim Verhör ein regelrechtes Duell, jedoch gelingt es der jungen Polizistin zunächst nicht, ihm ein Geständnis zu entlocken. Auch bei den Ermittlungen zum Brückenanschlag scheint ihnen die Zeit davonzulaufen. Und als Osama dann überraschend doch zugibt, Joels Vater ermordet zu haben, glaubt ihm Fatima nicht. Gemeinsam mit Joel will sie herausfinden, wer den Künstler wirklich auf dem Gewissen hat. Dabei kommen sich die beiden näher.

Viele Fäden, aber kein Ganzes

Tauchen in einem Buch radikale Islamisten auf, stellt das den Autor oft vor eine schwierige Aufgabe: einerseits möchte er einen ungeschminkten und möglichst realistischen Einblick gewähren, andererseits muss er sich vor dem Vorwurf des Rassismus oder der Islamfeindlichkeit hüten. Lönneaus vermeidet diesen Konflikt, indem er mit der sorgfältigen Auswahl seiner Figuren aufzeigt, dass es auf beiden Seiten – der islamischen wie der schwedisch/christlichen – gute und böse Menschen gibt. Das Problem liegt in diesem Fall woanders: Krimi, Familiengeschichte, Einsicht in die moderne Gefahr des Terrorismus und Hommage an die von radikalen Islamisten ermordeten und bedrohten Karikaturisten – dieses Buch möchte vieles gleichzeitig sein. Zeitweise gelingt das auch, aber dann schleicht sich doch zunehmend das Gefühl ein, dass vieles angeschnitten, aber nicht abgeschlossen wird. Zum Ende wird dann gerade mal die Haupthandlung halbwegs befriedigend abschlossen. Der Mörder wird ermittelt, im Bezug auf alles andere aber bleibt der Leser mit vielen Fragen zurück.

Ein Krimi mit interessanter Ausgangslage und durchaus erschreckendem Aktualitätsbezug, dessen Umsetzung aber leider nicht so ganz gelungen ist.


Titel: Gottes Zorn
Autor: Olle Lönnaeus
Verlag: Rowohlt
Seiten: 448
Richtpreis: 15.90 CHF

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