Karl Ove Knausgård: “Leben”

Im Detail liegt das Kostbare

Karl Ove Knausgård: “Leben” (Roman)

Karl Ove Knausgård entführt uns in sein faszinierendes Leben und öffnet im vierten Band seines autobiographisch angelegten Projektes ein neues Kapitel: Der erste Job, die erste eigene Wohnung, endlich auf eigenen Beinen stehen. Wie auch bei seinen früheren Büchern packt einen die Sucht nach seinen Worten von der ersten Seite an.

Von Luzia Zollinger.

LebenSehnsüchtig hat man auf den nächsten Band des sechs-teiligen autobiographischen Werkes von Karl Ove Knausgård gewartet. Endlich ist das Buch da und mit ihm auch gleich wieder die unbändige Sucht, das Lechzen nach seinen Worten.

Leben in Nord-Norwegen

In „Leben“ begleiten wir den Norweger bei seinen ersten Schritten in die Unabhängigkeit von seinen Eltern. Er hat gerade die Ausbildung zum Lehrer abgeschlossen und reist nun nach Nord-Norwegen, um dort zu arbeiten. Obwohl, eigentlich ist er nicht zum Schule geben dort, sondern viel mehr zum Schreiben. Ersteres erledigt er, weil er Geld verdienen muss. Knausgård verfolgt seinen Weg konsequent, nichts hält ihn davon ab, Schriftsteller zu werden. Die Wahl auf Håfjord erfolgte intuitiv: „Ich habe vom Arbeitsamt eine Liste mit Ortsnamen bekommen und diesen gewählt.“ Dort angekommen, findet er seine Unterkunft – eine einfache Wohnung – schnell. Denn gross ist das Dorf nicht. Die Wohnung ist nichts Besonderes, zumindest nicht für die Leser. Für den erst 18-jährigen Karl Ove aber schon. Es ist seine erste eigene Wohnung und er geniesst sogar „die trivialsten Handbewegungen wie das Aufhängen des Mantels oder das Einräumen der Milch in den Kühlschrank.“

Jedes Erlebnis, das uns Knausgård präsentiert, ist bis ins letzte Detail linguistisch ausformuliert. Er kann so unglaublich gut Landschaften, Menschen oder Stimmungen beobachten und die noch so kleinen Finessen rausfiltern. Nebst dem packenden Inhalt, macht genau dies den Norweger aus. Fast schon unheimlich erscheint er uns, da er sein Leben detailliert, intim und sehr persönlich schildert.

Literarischer Genuss

Wie schon bei seinen früheren Werken – in „Sterben“ schildert er Gedanken zum Leben, zum Tod seines Vaters und zu den Auseinandersetzungen mit seinem Vater; in „Lieben“ folgen wir der Liebe und erfahren intimste Geständnisse; in „Spielen“ begleiten wir Knausgård stundenlang hinaus in die freie Natur und werden uns bewusst, es braucht nicht unzählige Spielsachen, um Kinder glücklich zu machen, es braucht einzig und allein Fantasie – umschlingt einen auch diese Lektüre von der ersten Zeile an. Das Buch ist kein Leichtgewicht – sowohl inhaltlich als auch das tatsächliche Gewicht. Das stört die Leser hingegen überhaupt nicht, man nimmt diese Last gerne auf sich und schleppt das Buch überall hin, wo man nur lesen kann.

Gespannt und voller Vorfreude warten wir nun auf das nächste Meisterwerk des 46-Jährigen und werden auch dieses bestimmt verehren.


Titel: Leben
Autor: Karl Ove Knausgård
Übersetzer: Ulrich Sonnenberg
Verlag: Luchterhand
Seiten: 624
Richtpreis: CHF 32.90

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