Wayward Manor (Moon Shark / The Odd Gentlemen)

Von fehlbaren Göttern

Wayward Manor (Moon Shark / The Odd Gentlemen)

wayward-manor-castUnter uns Menschen ist Neil Gaiman gefallen wie ein eigenartiger Geek-Gott. Comics, Bücher: Was der Mann anpackt, wird groß, ist groß. Außerdem dürfte er nach wie vor der einzige Autor sein, der seine eigene Tribute-CD hat. Nun entstand unter seiner Regie das Spiel Wayward Manor. JAN FISCHER findet: Es beweist, dass auch Götter fehlbar sind.

Nur vorweg: Wayward Manor ist kein so richtig schlechtes Spiel. Es ist nur eben einfach nur ein Spiel, und das ist vielleicht auch das Problem, das Götter haben: Wenn sie denn mal etwas tun, erwarten alle gleich ein Wunder. Und ein Wunder ist Wayward Manor wirklich nicht.

Räume richtig bespuken

Es geht darum, einen Geist zu spielen, der in einer alten Villa mit viktorianischem Feeling deren Einwohner erschrecken soll. Warum? Weil die Villa nun einmal ihre Ruhe haben will. Und der Spieler, als loyaler Villen-Poltergeist, zieht von Zimmer zu Zimmer, wirft Flaschen um, öffnet Fenster, schiebt Rollwägen durch die Gegend und dergleichen Poltergeistiges mehr, um die lästigen Einwohner ein für alle mal aus dem Haus zu vertreiben. Aus jedem Raum, in jeder Etage. Das macht Spaß, anfangs, wenn die Idee noch neu ist, das Gameplay noch nicht vertraut, der comichaft überzeichnete Stil noch nicht so abgenutzt. Spätestens ab der dritten Etage ist aber alles so vertraut, dass es nicht weiter schwierig ist, den jeweiligen Raum richtig zu bespuken.

wayward_manorDann aber nützt sich die Begeisterung zusehends ab, abgesehen vom Grafik-Stil, der zwar nicht bahnbrechend ist aber wenigstens ungewöhnlich und gut durchgezogen. Das Problem von Wayward Manor ist die Lernkurve, die so flach ist, dass es auch ein Lernplateau sein könnte. Das Spiel wird nicht schwieriger, sondern stellt die immer gleichen Aufgaben in neuem Gewand. Als Puzzle-Game, beispielsweise auf einer langen Zugfahrt auf dem Handy, wäre es allenfalls brauchbar. Leider gibt es keine mobile Version.

Rauchige Storybrocken

Und so wird Gaimans Name auf der Verpackung zur Last, weil Wayward Manor sich am Namen messen muss. Und ein wenig Gaiman steckt durchaus im Spiel: Die leicht charmant-spukige Atmosphäre, die Bücher wie Coraline oder Sternwanderer auszeichnet, wird in den – sehr kurzen – Zwischensequenzen greifbar, in denen Gaimans rauchige Stimme dem Spieler den einen oder anderen Storybrocken hinwirft. Aber ein großer Wurf ist Wayward Manor nicht, nicht für Gaiman, aber auch nicht für die Entwickler von The Odd Gentlemen. Es ist durchschnittlich, zu durchschnittlich, auch wenn es der Auswurf ist von jemandem, der einen dabei so charmant anlächelt, dass irgendwie alles wieder ok scheint.

Zwischendurch mal rumklicken

Das hier sollte kein Verriss werden. Aber wer Gaimans Werke liebt, den wird das Spiel enttäuschen, das höchstens eine Zwischendurchrandnotiz im Kosmos des Autors ist. Wer gerne Puzzle-Games spielt, den wird das Spiel durch seine einfachen Rätsel, die sich in keinerlei Weise über den Spielverlauf steigern, auch enttäuschen. Das Spiel richtet sich an Leute, die zwischendurch gerne mal rumklicken ohne dabei allzu große Herausforderungen zu verlangen. Was natürlich schade ist. Denn wie schön wäre es, tatsächlich einmal ein langes, episches Spiel im Gaiman-Kosmos zu haben?


Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen

Originaltitel: Wayward Manor
Plattformen: Windows, Mac
Entwickler: The Odd Gentlemen
Publisher: Moonshark

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