Alien: Isolation (Creative Assembly)

Das kalte Grauen

Alien: Isolation (Creative Assembly)

Armes Xenomorph! Einstmals Garant für Gänsehaut, ist die Alien-Reihe durch schlechte Crossover-Filme und Spiele mittlerweile zu einer Lachnummer verkommen. Zum Glück besinnt sich Alien: Isolation auf alte Tugenden.  SEBASTIAN GEIGER mag das neue Outing des Aliens – auch, wenn das heißt, manchmal zehn Minuten in einem Spind zu hocken.

Szene aus Alien: Isolation (Bild: Creative Assembly)
Szene aus Alien: Isolation (Bild: Creative Assembly)

Alien, da war doch was! Richtig, die grauenhaften Alien vs. Predator-Filme, die weder dem Xenomorph noch dem Predator einen Gefallen getan haben. Und dieser seltsame Film Prometheus, der irgendwie ein Alien-Prequel war und dann doch wieder nicht und abgesehen davon furchtbar langweilig. Und natürlich Aliens: Colonial Marines. Je weniger man über dieses Spiel sagt, desto besser. Einfach hatten es die Entwickler von Creative Assembly also nicht, als sie sich an ein neues Spiel aus der einstmals furchteinflösenden Alien-Reihe wagten. Vor allem, weil Alien: Isolation all das richtig machen sollte, was Colonial Marines falsch gemacht hatte. „Die Spieler haben uns von Anfang an gesagt, dass wir ein Spiel machen sollen, bei dem sie Angst haben können“, erzählte einer der Entwickler noch zur Gamescom. Er erinnert sich auch daran, wie sein Team bei den ersten Teasern zu Colonial Marines geschwitzt hat. „Hey, die machen doch gerade unser Spiel, oder?“, erzählt er den damaligen Zustand der Entwickler.

Doch schließlich haben alle nochmal Glück gehabt. Creative Assembly deshalb, weil Colonial Marines ein Rohrkrepierer war, die Fans deswegen, weil Creative Assembly auf sie gehört hat. Alien: Isolation bringt den Spieler wieder an den Anfang der Reihe, als das Xenomorph noch allein und furchterregend war. Er lässt ihn auch ein Mitglied der Ripley-Familie steuern. Allerdings zunächst nicht Ellen, sondern deren Tochter Amanda, die gut 20 Jahre nach dem Ende von Alien herausfinden möchte, was damals mit ihrer Mutter passiert ist. Ellen Ripley kommt dann in einem DLC dazu – für den man extra zahlen muss.

Schreie im All

Und siehe da, auf einmal findet sich ein Logbuch der Nostromo auf der Raumstation Sevastopol wieder. Amanda, die nach ihrer Mutter sucht, soll sich dieses anhören. Doch kaum ist sie auf der Station angekommen, macht sich auch ein anderer Gast bemerkbar. Ein Xenomorph hat sich auf die Station geschlichen und tut jetzt das, was es am besten kann: Beute jagen. Dumm für Amanda, dass es weit und breit keine Colonial Marines gibt und weder Impulsgewehre noch Smart-Rifles zur Verfügung stehen. Schnell müssen sie und die Spieler akzeptieren: Dem Alien geht man in Alien: Isolation besser aus dem Weg. Noch dazu, weil die künstliche Intelligenz der Kreatur so programmiert ist, dass sie auf ihre Umgebung reagiert. Wer zu laut ist, ist tot. Wer zu lange in der Gegend herumsteht, auch.

Szene aus Alien: Isolation (Bild: Creative Assembly)
Szene aus Alien: Isolation (Bild: Creative Assembly)

Schnell fühlt man sich bei seinen Streifzügen durch die Raumstation deshalb an neuere Horror-Spiele wie Amnesia oder Outlast erinnert, die die Entwickler von Creative Assembly auch als Vorbilder für Alien: Isolation nennen. Ohne Waffe hat man in der direkten Konfrontation mit dem Alien keine Chance und sogar der Ladebildschirm weiß, dass man vor dem Alien nicht davonlaufen kann. Also schleicht man von Spind zu Spind, versteckt sich in Lüftungsschächten und hat immer beide Ohren gespitzt, um so früh wie möglich zu hören, wenn das Xenomorph in der Nähe ist. Das Gefühl, das sich dabei einstellt, ist am besten mit dem ersten Alien-Film zu vergleichen: Ungreifbares Grauen, das in nackte Panik umschlägt, wenn man den bekannten Kopf des Aliens als Schattenriss sieht. Die Grafik, die an den Film-Klassiker erinnert, sowie der atmosphärische Soundtrack, unterstützen diese Gefühle hervorragend. Zumindest zu Beginn des Spiels.  Denn je länger man Alien: Isolation spielt, desto mehr gewöhnt man sich an die Präsenz des Xenomorphs – und spätestens mit einem Flammenwerfer wird aus der Kreatur des Grauens in machen Abschnitten eher so etwas wie ein nerviger WG-Genosse, der immer zur falschen Zeit auftaucht.

Im Weltraum sieht Dich niemand speichern

Dieses Gefühl unterstützen die Speicherpunkte, die im Prinzip eine gute Idee sind. Das Spiel nicht zu jedem beliebigen Abschnitt speichern zu können, erhöht Nervosität und Unbehagen – wer allerdings das Pech hat, gerade zum Ende eines besonders aufregenden Spielteils zu sterben, bekommt die Schattenseiten dieses Systems zu spüren: Selbst der grauenerregendste Teil der Station in Alien: Isolation wird eher frustrierend, wenn man ihn zum fünften Mal hintereinander spielt. Besonders dann, wenn die sonst so gute Alien-KI einen Hänger hat und der Xenomorph zehn Minuten vor dem Versteck hin und herjagt, auch, wenn er schon längst das Interesse hätte verlieren müssen.

Szene aus Alien: Isolation (Bild: Creative Assembly)
Szene aus Alien: Isolation (Bild: Creative Assembly)

Doch sind dies Probleme, die jedes Survival-Horror-Spiel hat. Irgendwann gewöhnt sich der Geist an alles. Filme und Bücher haben den Vorteil, dass sie sehr genau steuern können, wann Monster und Geister auftauchen – und selbst bei ihnen ist das Finale in der Regel eher actiongeladen als voller Angst und Schrecken. Alien: Isolation schafft es durch die fiese Taktung des Aliens sogar, den Grusel noch ein Stück länger herauszuzögern als erwartet. Irgendwann ist das Xenomorph nämlich nicht mehr da – und seine Abwesenheit fast noch erschreckender als seine stetige Präsenz.

Alien: Isolation ist endlich wieder ein Spiel, auf das sich Fans des Xenomorphs und des Survival-Horror-Genres freuen können. Es ist dicht, atmosphärisch und drückt die meiste Zeit exakt die richtigen Knöpfe.


Bereits erschienen.

Originaltitel:Alien: Isolation
Plattformen: PS4, PS3, Xbox One, Xbox 360
Genre: Survival Horror
Entwickler: Creative Assembly
Veröffentlicht von: Sega / Koch Media

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