Far Cry 4 (Ubisoft Montreal / Ubisoft)

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Far Cry 4 (Ubisoft Montreal / Ubisoft)

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Raus aus der Urlaubsidylle, rein in das Gebirgspanorama. In Far Cry 4 steht wieder einmal die große, offene Welt im Mittelpunkt – dieses Mal im asiatischen Hochgebirge. NORMAN VOLKMANN trennte sich von Sonnencreme und packte sich in warme Winterkleidung ein, bevor er sich nach Kyrat und in die Schneestürme des Himalayas wagte.

Ubisoft hat eine ganz bestimmte Art Spiele zu entwickeln. Mit Assassin‘s Creed konnte man eine Franchise etablieren, die jährlich um einen Titel erweitert und dabei mit immer höher werdenden Erwartungen konfrontiert wird. Dabei gelingt es dem französischen Unternehmen häufig ein Produkt auf den Markt zu werfen, das nie wirklich schlecht ist, aber selten den hohen Erwartungen wirklich gerecht wird. Erst in diesem Jahr war es WatchDogs, das nach jahrelangem Hype in ein allgemeines „Meh“ verpuffte. Doch eins war es auf jeden Fall: ein typisches Ubisoft-Spiel. Und in die gleiche Kategorie fällt auch Far Cry 4.

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Nachdem man mit Far Cry 3 die Ausrichtung der Serie veränderte und mehr auf Bombast-Popcorn-Action sowie den Fokus auf außergewöhnliche Bösewichte setzte, ist Far Cry 4 eigentlich nur eine logische Fortführung dieses Prinzips. Man haut in die gleiche Kerbe, macht teilweise aber auch gleiche Fehler. Das beginnt schon bei der Art der Präsentation des Hauptbösewichtes. War es im dritten Teil Vaas Montenegro, der im Mittelpunkt früher Trailer stand und im fertigen Spiel eine bedeutend kleinere Rolle hatte, ist es dieses Mal Pagan Min – ein tyrannischer Diktator mit komischer Frisur und zweifelhaftem Modegeschmack. Ein Bösewicht, der zwar grausam und skrupellos ist, aber durch sein Auftreten und seine Charakterisierung ganz klar der coolste Typ im Spiel sein soll. Nach der großen Eröffnungsszene, die bereits vor Monaten vorgestellt wurde, dauert es Stunden, bis man ihn überhaupt wieder zu Gesicht bekommt. Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass es mehr Auseinandersetzung mit ihm gegeben hätte.

Unberechenbar und wunderschön: Kyrat

Man selbst spielt Ajay Ghale, der, wie schon seine Vorgänger der Serie, jegliche Charakterzüge vermissen lässt und im gesamten Spiel blasser bleibt als die schneebedeckten Bergspitzen des Himalayas. Ajay reist nach Kyrat um die Asche seiner verstorbenen Mutter zu verstreuen – ihr letzter Wunsch bevor sie starb. Natürlich trifft er dabei auf Pagan Min und natürlich kämpft er im Laufe des Spiels gegen Min und für die Rebellenfraktion des „Golden Path“. Nach der Kritik am Hauptcharakter des Vorgängers und dessen kaum stattfindenden Transformation vom unbedarften Bürschchen zum Killer, hat man solche Thematiken einfach ganz außen vor gelassen und sich auf das konzentriert, was Far Cry (stellvertretend für so viele Ubisoft-Titel) aus- und erfolgreich gemacht hat: Open World. Die riesige Welt des Shooters ist wieder einmal der Star des Spiels. Kyrat ist wunderschön. Von weitlaufenden grünen Wäldern und Feldern bis hin zu den schneebedeckten Wipfeln des umliegenden Gebirges ist es ein wahres Fest sich durch die offene Welt zu bewegen.

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Dabei ist genau das noch viel gefährlicher geworden. In Kyrat lauern mehr Gefahren als je zuvor: Nicht nur auf der Jagd trifft man so auf Bären, Nashörner, Wolfsrudel und viele andere Raubtiere. Der heimliche Star: der kleine Honigdachs, der mich häufiger vor Probleme stellte und dem man in einer Nebenmission mit Raketenwerfer auf den Leib rücken soll. Die offene Welt und die Eroberungen von feindlichen Lagern ist neben der Tierwelt der Dreh- und Angelpunkt von Far Cry 4. Es macht immer noch großen Spaß die Lager von allen Himmelsrichtungen auszukundschaften, um dann erst alle Alarmanlagen und danach unbemerkt die Soldaten auszuschalten. Die riesige Auswahl an Waffen eröffnet dabei weitere Abwechslung in der Vorgehensweise. Ob heimlich und still oder mit Granaten- und Flammenwerfer – viele Wege führen zum Erfolg. Wirft man Tierköder in die Nähe von Gegnern, dauert es nicht lange, bis ein Raubtier das Lager verwüstet und Chaos stiftet. Doch die Natur ist nicht immer Freund des Spielers. Nicht selten waren es ein Rudel Wölfe oder ein wildes Nashorn, die meinen Plan, still und heimlich vorzugehen, in Sekundenschnelle zerstörten und in ein großes Feuergefecht verwandelten. Und dann gibt es da noch die Elefanten, auf denen man im Laufe des Spiels reiten kann und die Feinde entweder plätten oder mit dem Rüssel quer durch die Luft schleudern. Belohnend und zufriedenstellend ist Far Cry 4 immer, egal wie man letztendlich vorgeht.

Viel zu tun

Um Pagan Min zu entthronen, schließt sich Ajay rasch der großen Rebellengruppe an, die seine Eltern vor vielen Jahren mitbegründet hatten. Mit Sabal und Amita hat die Gruppe zwei Personen, die unterschiedliche Ausgangsstandpunkte vertreten: Sabal hält SpielerInnen immer dazu an, nicht mit Traditionen zu brechen, Amita hingegen will Pagan Min so schnell wie möglich und egal was es kostet aus dem Weg räumen und gibt dabei nichts auf Traditionen. Ajay steht grundsätzlich immer zwischen den Stühlen und muss bei bestimmten Missionen abwägen, wie er vorgeht. Dabei ist es klar erkennbar, welche Position am Ende einen wirklichen positiven Effekt hat. Amita zum Beispiel möchte, dass ein Opiumfeld übernommen und genutzt wird – der Verkauf der Drogen bringt den Rebellen dringend benötigtes Geld, auch wenn das bedeutet, dass das Land und seine Einwohner unter dem Drogenkonsum leiden. Sabal hingegen will, dass Kyrat für die Welt als kulturelle Institution steht. Sein Fokus auf Tradition unterstützt allerdings unter anderem, dass junge Mädchen bereits als Kinder verheiratet werden. Eine wirkliche Verbindung habe ich mit keinem der beiden aufgebaut und letztendlich das gemacht, was spaßiger klang.

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Die Dichte der Icons auf der Karte der Spielwelt und mit ihnen die Missionen, Nebenmissionen und Sammelaufgaben, sind ebenfalls um ein Vielfaches gestiegen und stehen stellvertretend für das typische Merkmal der AAA-Spiele von Ubisoft. Es gibt so viel zu tun, dass die Haupthandlung schnell zur Nebensache wird und es fast nichts mehr ausmacht, dass sie sowieso nicht so interessant ist. Jagen, entdecken, sammeln – all das macht immer noch den größten Spaß, auch wenn die Sättigung für diese Art von Spiel nach Far Cry 3 und Far Cry 3: Blood Dragon langsam aber sicher einsetzt. Denn Far Cry 4 macht, außer dem krassen Wechsel des Settings und der Verfeinerung der im Vorgänger etablierten Spielelemente, nicht viel anders. Darüber kann man  hinwegsehen, einfach weil Kyrat interessant genug und Vielzahl an Aktivitäten noch immer riesigen Spaß machen. Einmal noch, zumindest.


Bereits erschienen.

Originaltitel: Far Cry 4
Plattformen: Xbox One, PS4, Xbox 360, PS3, PC
Genre: First Person Shooter
Entwickler: Ubisoft Montreal
Veröffentlicht von: Ubisoft

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