Dragon Age: Inquisition (Bioware / Electronic Arts)

Nur mal schnell die Welt retten

Dragon Age: Inquisition (Bioware / Electronic Arts)

Inquisition_membersEssen, schlafen, atmen? Wird eh alles überbewertet, denkt sich SEBASTIAN GEIGER. Er geht lieber mal schnell in Dragon Age: Inquisition die Welt retten – und kann sich dabei bald vor Nebenmissionen kaum mehr retten.

Dragon Age: Inquisition hat dasselbe Problem wie Skyrim: Kann man diesem Spiel überhaupt in einem Text gerecht werden? Es durchzuspielen kann locker zwischen 60 und 90 Stunden verschlingen, und dann kann man noch einen zweiten Durchgang wagen, in dem man alles erkundet, was man bis dahin noch nicht gemacht hat. Dann gibt es da noch die unendlich vielen NSCs, mit denen man reden kann, die Splitter, die über die ganze Spielwelt verteilt sind und die Türen öffen, die Pforten, aus denen Dämonen herausquellen, und die man erst durch Kampf verschließen muss und dann noch… um es kurz zu machen: Dragon Age: Inquisiton ist ein Alptraum für jeden, der auch nur ansatzweise obsessiv-kompulsive Züge trägt.  Und es macht so unglaublich viel Spaß, wenn man die Entwickler von Bioware nicht mehr mit den Maßstäben misst, die man zu Zeiten von KOTOR und Jade Empire an sie angelegt hat.

Aber alles der Reihe nach…

Die Welt Thedas ist im Eimer. Mal wieder. Nachdem vor knapp zehn Jahren eine Plage über die Länder gezogen ist und vor einem Jahr ein wahnsinniger Magier einen Bürgerkrieg heraufbeschworen hat, gibt es jetzt im Allerheiligsten des Chantrys, der wichtigsten Religion von Thedas, eine mörderische Explosion, die so ziemlich alles, was wichtig ist, mit sich reißt. Alte Konflikte branden wieder auf, mehr noch, die Explosion hat das Gefüge der Welt selbst aus den Fugen gehoben. Und nur eine Person kann dieses wieder zurecht rücken – der Spieler, dessen Charakter als einziger die mysteriöse Explosion überlebt hat. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Man braucht Gefährten und eine Armee (die titelgebende Inquisition) und natürlich hat jeder der Gefährten seine ganz eigenen Probleme. Und auch die Armee kann nichts selbst machen, also muss man sie mit Pferden, Stützpunkten und Rohmaterialien ausrüsten und… haben wir schon erwähnt, dass man keine obsessiv-kompulsive Veranlagung haben sollte, bevor man Dragon Age: Inquisition startet?

dragonage1Was für eine Welt!

Das Schlimme ist, das Spiel sieht auch noch verdammt gut aus. Thedas lebt und atmet und im Gegensatz zu vielen anderen Open World Games (genau das ist Dragon Age: Inquisition nämlich im Grunde) ergibt sogar sehr viel von dem, das der Charakter und seine Gefährten tun, Sinn. Man fühlt sich tatsächlich mit der Spielwelt verbunden und möchte sie retten. Dann sind da natürlich noch die Bioware-typischen Charaktere und Entscheidungen, die der Spieler zu treffen hat. Von den Befindlichkeiten seiner Gefährten über Richtsprüche bis hin zum Schicksal ganzer Organisationen kann der Spieler in Dragon Age: Inquisition über alles entscheiden – und auch, wenn es letzten Endes längst nicht so viel Auswirkung auf das Spiel hat, wie man gerne hätte, jede Entscheidung fühlt sich wichtig und gewaltig an. Das kennt man von Bioware, genauso wie die Action-RPG-Steuerung, die sich mittlerweile in ihren Spielen durchgesetzt hat. Doch halt, stand da gerade, dass die Entscheidungen das Spiel nicht wirklich beeinflussen? Egal – wurde schon gesagt, dass es auch Drachen gibt? Und man kann sie töten. Was gar nicht so einfach ist. Und spätestens nach Drache drei von zehn verzeiht man dann auch, dass es zwar einen Unterschied macht, wie diverse Charaktere unter bestimmten Voraussetzungen auf Entscheidungen reagieren, sie aber trotzdem am Ende fast alle zum selben Ziel führen. Ein Beispiel gefällig? Sehr früh muss sich der Spieler entscheiden, ob er den Templern oder den Magiern hilft. Praktische Auswirkungen hat diese Entscheidung so gut wie keine. Was aber sehr wohl passiert, ist, dass unterschiedliche NSCs den Charakter mit anderen Augen sehen.

dragonage3Sieht man sich die Bioware-Spiele der vergangenen Jahre an, stellt man schnell fest, dass es nicht mehr die Geschichten sind, die den Spieler fesseln, sondern die Spielwelt und die Atmosphäre. Bioware-Spiele sind in dieser Hinsicht ein wenig wie James-Cameron-Filme geworden: Dessen Geschichten sind auch meist sehr einfach und fast schon langweilig, damit er den Zuschauer mit tollen Charakteren und unglaublichen Effekten erschlagen kann. Zum Glück zieht es – um beim Vergleich zu bleiben – Dragon Age: Inquisition mehr in die Terminator-2-Ecke als in die von Titanic und Avatar. Ach ja – wurde schon erwähnt, dass der Soundtrack absolut großartig ist?

So viel Spiel!

Deshalb sollte man das Spiel auch gar nicht erst einschalten, wenn man nicht mindestens eine Stunde Zeit hat. Denn aus dem Vorsatz, nur schnell mal in der eigenen Burg (ja, auch die gibt es – und man kann sie ausbauen) nach dem Rechten zu sehen werden Questen, die einen durch die ganze Welt führen können – und sei es nur, dass man nur durch die Gegend laufen möchte, um die exzellenten Gespräche zu verfolgen, die die NSCs miteinander führen. Und man mag es kaum glauben, das ist vielleicht (neben der zugegebenermaßen arg verbesserungswürdigen taktischen Kampfsteuerung – aber die braucht eh niemand) der größte Nachteil, den Dragon Age: Inquisition hat. Es ist unglaublich viel Spiel. So viel Spiel, dass Bioware kurz nach Erscheinen die Spieler sogar darum bitten musste, doch mal aus den Anfangsgegenden rauszugehen, damit sie auch den Rest des Spiels sehen. Und das kann schon an manchen Stellen zu Ermüdungserscheinungen führen. Irgendwann ist man vielleicht sogar ganz froh, dass die eigentliche Spielhandlung nur etwa 20 Stunden dauert und man den Schurken genauso schnell vergessen hat, wie er aufgetaucht ist. Bleibt wenigstens etwas mehr Zeit, sich mit seinen Gefährten zu unterhalten.

 

Bereits erschienen.

Originaltitel: Dragon Age Inquisition
Plattformen: Microsoft Windows, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox 360, Xbox One
Genre: Rollenspiel
Entwickler: Bioware
Veröffentlicht von: Electronic Arts

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.