Jahresrückblick Spiele 2014

Es kann ja nicht immer regnen

Das Spielejahr 2014

Disappointment

Die nahaufnahmen-Redaktion zeigt sich vom Spielejahr 2014 mäßig begeistert bis ehrlich enttäuscht. Don’t cry, Mondgesicht: Wo viel Schatten ist, da ist auch viel Riesenroboterrabautz, hochpersönliches Orkgekloppe und Rumgedüse in allen Farben des Wasserfarbenkastens. Wir blicken also mit Milde zurück, und mit Freuden in Richtung 2015.

RUDOLF INDERST
CHRISTOF ZURSCHMITTEN
NORMAN VOLKMANN
SEBASTIAN GEIGER
STEFAN VON DER KRONE


RUDOLF INDERST

Das Spielejahr 2014 ist für mich – das sage ich ethisch völlig korrekt – ein eher maues. Jedoch liegt dies weniger am Jahr denn an mir selbst als  Ludo-Subjekt. Eine erste schnelle Rückschau (die ich mit Füller mir in mein Moleskin – kein Werbegeschenk und daher ethisch korrekt – aufschrieb) ergab eine erschreckend niedrige Anzahl an Titeln, mit denen ich mich 2014 intensiv (in aller gebotenen Ethikhaftigkeit!) beschäftigte. Daher sollte ich wohl eher – so schoss es mir durch den Kopf – auf diese wenigen Spieler näher eingehen, statt zwanghaft (vielleicht sogar unethisch?) diese Shortlist wider Willen kürzen zu wollen. Geht Ihnen zu diesem Zeitpunkt der Begriff der Ethik, bzw. wie ich diesen missbrauche, bereits auf den Zeiger? Glauben Sie etwa, es sei ungebührlich, den ehrhaften Terminus zu einem schnöden Allerweltsvehikel zu degradieren (und ihn normativ mit selten frechen Schweinereien aufzuladen) – gar eine „E-Thik“ aus ihm zu konstruieren? Da sind Sie nicht die / der einzige. Und das ist alles, was ich zu #GamerGate sagen werde: „Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche, ein hochmütiger schreibt es sich zu.“ (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

double_dragonZunächst möchte ich über die Musik in Double Dragon Neon sprechen. Als ich Christof Zurschmitten unter dem Vorwand, geistig Großes und Wertvolles erschaffen zu wollen in der Schweiz besuchte, entschieden wir uns am Abend für jenen Brawler mit entsprechender Vergangenheit. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich Double Dragon auf dem Master System kennen- und lieben gelernt, während Christof auf Nintendo-Seite in Jungendjahren fündig geworden war.  Während das Spiel an sich ein netter Abendvertreib ist (das Leben in den Münchner Vororten ist recht ähnlich!), kommt man nicht umhin, über die akustische Untermalung in Form des fantastischen Soundtracks zu sprechen! Wenn das echte 1980er-Jahrzehnt tatsächlich annähernd so GEILSTENS in Sachen Style unterwegs gewesen wäre, hätte die Max-Planck-Gesellschaft für Zeitreisen schon längst Temporalreisen back in time erfunden (und patentieren lassen): Definitiv meine Spiele-Score des Jahres!

Wenn man schon über satte Audioflows berichtet, sollte man den Rausch der Geschwindigkeit und millimetergenauen Perfektion nicht unterschätzen, welchen 2014 Trials Fusion in unseren Haushalt spülte. Auf jeden Rausch folgt allerdings auch der Kater – und in dieser Motorradgeschicklichkeitschose kann jener schon nach Sekunden dafür sorgen, dass man vor Zorn auf den Holztisch haut und sich die Hand prellt (nicht, dass dies…ach, lassen wir das). Doch auch der größte Schmerz ist sofort vergessen, wenn der richtige Absprungszeitpunkt auf der Rampe (inklusive des rechten Tempos) gewählt wurde und die folgenden acht bis zwölf Vorwärtssaltos eiskalt präzise gelingen, nur um dann butterweich mit der Maschine aufzusetzen und weiter zu sausen. Liebe und Hass waren selten so nahe beieinander.

child_of_lightAls Freunde des Koop-Spiels entdeckten Steffi Marx und ich dieses Jahr Child of Light für uns. Und dieses Light-Rollenspiel machte uns richtig, richtig viel Spaß (als Glühwürmchen gab ich alles, hört Ihr, a-l-l-e-s). Die Kollegen von Destructoid haben absolut recht, wenn sie bilanzieren: „Child of Light will satiate pretty much everyone but the most hardcore of RPG fans, and even then, they’ll find plenty of enjoyment.“ Es ist fast unmöglich, sich nicht in der wunderschön animierten Welt zu verlieren – erst einmal ausschließlich wahrnehmen, sich treiben lassen, den Klängen der Umgebung zu lauschen. Das Melancholische zu schätzen wissen, wenn man so will. Denn davon gibt es reichlich. Chapeau, Ubisoft, Chapeau.

Die in meinen Augen beste Marketingkampagne des Jahres lieferte Wolfenstein: The New Order ab. Über den Shooter selbst schrieb ich bereits an anderer Stelle: „Zusammen mit den Titeln Doom und Quake bildet Wolfenstein bis heute die Trias der bundesdeutschen Shooter-Sozialisation“ und lobte gleichermaßen: „Im Kern bleibt “Wolfenstein: The New Order” dasjenige “Wolfenstein”, das die Fans der Serie seit ewigen Shooter-Zeiten lieben.“ Das wirklich Herausragende rund um William “B.J.” Blazkowicz ist das, was sich der Publisher als Begleitmaterial erdachte. Da ist zum einen die schauderhaft-ansprechende Visualisierung des alternativen Zeitstrahls im 20. Jahrhundert durch eine Reihe von Trailern. Zum zweiten hat man aber noch tiefer in die Trickkiste gegriffen und kreierte für das Spiel ein pseudopopkulturelles Erinnern in Form eines fiktiven Musiklabels namens Neumond Records. Die Firma hat ein paar kecke, parodierende Hits am Start wie Mond, Mond, Ja, Ja oder Mein kleiner VW. Auf die Sorge angesprochen, die Parodien könnten in den falschen Kreisen auf großen Zuspruch treffen, wurde seitens des Publishers übrigens entgegnet: „“Everyone had the same goals: no one wanted to create propaganda or create something that could be used for propaganda. (…) If you translate the lyrics, they’re pretty benign: they’re just love songs, or fun pop songs. (We) hired as many non-Aryans as (we) could for this project. (…) A lot of our artists were Jewish or black or gay.”

Destiny-PS4-4Was ist gefährlicher als 300 Spartaner? 500 Millionen US-Dollar! Denn egal, wo und was man auch über den Shooter Destiny las, diese Zahl geisterte stets mit: „Activision Blizzard Inc intends to spend $500 million developing and promoting Destiny. CEO Bobby Kotick revealed the number (…).“ Dass eine solche Ziffer nicht eben dazu beiträgt, Erwartungen auf ein realistisches Level herabzuschrauben, kann man sich vorstellen. Nimmt man nun doch die Tatsache hinzu, dass nicht John Sausage und Hans Wurst hinter der Entwicklung des Titels stecken, sondern HALO-Begründer Bungie, erscheint es völlig klar, dass Destiny von Sekunde eins an unter einer Bringschuld zu leiden hatte, unter der andere Projekte, Teams und Spiele zu ludischem Staub zerbröselt wären. Hat das Spiel also enttäuscht? Für mich ist Destiny untrennbar mit dem Kauf der Sony Playstation 4 verbunden. Ich musste einem langjährigen Freund versprechen, dass wir einen Titel zusammen auf der PS4 angehen, nachdem er sich, ausdrücklich gegen meinen Rat, die Sony-Kiste geholt hatte (und wahrscheinlich jetzt auf ein Halo, Gears of War, Forza und Sundset Overdrive wartet). Um eine lange Geschichte kurz zu schneiden: Von Enttäuschung kann bei mir keine Rede sein. Ich verbrachte mit großer Freude meine zahlreichen Stunden in der Spielwelt von Destiny. Nicht unbedingt schießend und fluchend, sondern durchaus umherstreifend, Flora und Fauna begutachtend. Das Gefühl, in den großen, zusammenhängenden Karten (nicht Welten, das gestehe ich gerne ein) auf einem hohen Punkt zu stehen und auf die zurückgelegte Strecke hinabblicken zu können, ist einzigartig. Das heißt nicht, dass die Koop-Action zu kurz käme – die richtige Party vorausgesetzt, vergehen die Stunden wie im Lichtsprung. Und tatsächlich ja, ich bin gespannt, wie es in diesem Universum weitergeht.

Doch was war nun dasjenige Spiel 2014, das mich am meisten begeisterte, mit dem ich an intensivsten in Beziehung und Austausch trat? War es das überraschend wiedererstarkte Call of Duty: Advanced Warfare? Nicht ganz. War es der farbenfrohe Schwindel von Bayonetta 2? Ebenfalls nicht. Allerdings hätten wir damit meine zwei lobenden Erwähnungen für das Jahr abgearbeitet. Ach, und weil das angeblich im letzten Rückblick fehlte: Ja, es gibt auch Titel, die 2014 angehen wollte, aber einfach zeitlich nicht schaffte: Dazu zählen Far Cry 4, die Halo The Masterchief Collection und GTA V. Gut, jetzt haben wir das alles aber brav abgearbeitet und widmen uns meinem Titel des Jahres.

titanfall

Ein weiser Mann schrieb einst: „Für kurze Zeit fühle ich mich schwerelos. Ich schwebe hoch in der Luft und lasse meinen Blick über das unter mir liegende Panorama der technisch-perfekt inszenierten Zerstörung gleiten: Dort hinten sehe ich meine Kameraden als kleine Punkte über die Karte sprinten. Auf meiner linken Seite ertönt eine markerschütternde Explosion, gefolgt von schwarzem Rauch und rechts erkenne ich die Umrisse riesiger Kampfroboter“. Natürlich geht es um Titanfall. Mit einer spielerischen Leichtigkeit und Eleganz bewegte ich mich bisher wohl zu noch keinem Zeitpunkt in meiner Videospielvita durch Level und über Maps. Waghalsige und knappe Sprünge sowie Wallruns der angeberischen Sorte bestimmten mein Dasein (und das der anderen Spieler). Hasser monieren eine fehlende Kampagne? Hasser hassten zuvor die Pseudo-Kampagnen bei CoD; entschließt sich nun ein Entwickler, sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren. Das verstehe, wer will. Hasser hassen eben. Auch die geneigten 360-Spieler kamen nicht zu kurz, der Titel sah auch auf der betagten Hardware sehr gut aus. Apropos gut, gerne schwang ich mich in die Pilotenkanzel meines Titans, um auf feindliches Gewürm zu stampfen! Man fühlt sich der Masse des Vehikels angemessen mächtig und muss dennoch die Vorteile des Stahlgiganten taktisch klug ausnutzen, um nicht zur bloßen Zielscheibe zu verkommen. Dass man den Titel nicht im Splitscreen angehen kann, ist eine der wenigen (für mich jedoch fundamentalen) Schwächen. Dennoch: Allein für diesen Titel lohnte der Kauf der neuen Plattform.

Was kann man bisher für 2015 sagen? Angesichts wilder und kontinuierlicher Verschiebungen weiß man freilich nicht, ob verschiedene Titel, die jetzt auf der Releaseliste für nächstes Jahr stehen, nicht auch wieder auf 2016 rutschen (oder Gott bewahre gänzlich gecancelt werden). Aber wenn wir einmal den aktuellen Stand nehmen, freue mich in etwa auf einige Action-Perlen, die anstehen: Tom Clancy’s The Division, Quantum Break oder Halo 5. Wir werden endlich sehen, wie sich ein No Man’s Sky schlägt. Worauf ich allerdings am meisten warte, ist die Wiederkehr von Star Wars: Battlefront! Ich hoffe, hier werden die Hoffnungen eines alten Mannes mit Halbglatze nicht zertrümmert.

PS: Bitte liebe Xbox One, lass mich 2015 endlich Screenshots per Knopfdruck anfertigen. Ist doch nicht zu viel verlangt oder?
PPS: In letzter Sekunde offenbarte sich Lara Croft and the Temple of Osiris als die Coop-Spaß-Perle, die ich mir erhofft hatte.


CHRISTOF ZURSCHMITTEN

Das Spielejahr 2014 wird insgesamt einen eher bitteren Nachgeschmack zurücklassen. Dass das Negative das Positive überwiegt, liegt teilweise am Transitstatus: Ich habe die Veröffentlichung der neuen Konsolengeneration im letzten Jahr als eine Art Absichtserklärung beschrieben, der die Argumente fehlten. Daran hat sich auch in 2014 nur wenig geändert: Im Trott der jährlichen Franchiseaufwärmungen liefern die neuen Konsolen immer noch nur wenige Gründe – seien es überzeugende Exklusivtitel oder wirklich spürbare technische Fortschritte –, warum man nicht festhalten sollte an der bewährten Kombination eines Spiele-PCs und einer altgedienten Konsole. Ausgerechnet die WiiU, die technisch schwächste Plattform, etablierte sich 2014 als vielleicht interessanteste Option: Spiele wie Mario Kart 8 waren zwar auch nicht eine Ausgeburt an Innovativität, aber sie bewiesen einmal mehr, dass Nintendos absolut selbstsicherer Perfektionismus auch altgediente Serien wie neu dastehen lassen kann – ganz abgesehen davon, dass die Nintendo-Titel die  Realismus nachhechelnden Konkurrenten auf den vermeintlich erwachseneren Konsolen recht uninspiriert dastehen liessen.

Mario-KArt-8Il troppo presto…
Was ausserdem einen Nebel über den Enthusiasmus des Spiele-Jahres 2014 legte, war die Verbreitung von Early-Access – einem Modell, das einen zwischen Begeisterung und Frustration herumhüpfen lässt wie verwirrte Pingpong-Bälle im Schleudergang. Fälle, in denen unfertige Spiele zum Verenden auf den Markt geworfen werden, sind tatsächlich eher selten. Trotzdem hat sich die Mentalität weiter verbreitet, dass Spiele nicht fertig sein müssen, um als solche verkauft zu werden. Die offensichtlichsten Sünder in diesem Bereich sind Ubisoft, die ein geradezu absurd missratenes Jahr erlebten. Wer allerdings nicht vom Hypeteufel geritten wird und neue Spiele ums Verrecken in der ersten Woche spielen muss, kann diesen Problemen ausweichen. Schwieriger ist allerdings eine Folgeerscheinung von Early Access: Die Zerstückelung der Konversation und die unheilvolle Mischung aus Frühstart und Ladehemmung, die es schwierig macht, Enthusiasmus zusammenzutrommeln für Spiele, deren „Veröffentlichung“ mehr und mehr wie ein willkürlicher Punkt auf einem wild in Richtung Zukunft schiessenden Zeitstrahl wirkt. Wann ist der richtige Moment, um sich für ein dahinschleichendes Spiel zu interessieren?

dead_stateAllgemeine Ratlosigkeit scheint  die Antwort zu sein, auch seitens der Blogger und Journalisten, die immer mehr Spiele vor der Stunde Null bereits so ausführlich beschrieben, bepodcastet und anderweitig diskutiert hat, dass die eigentliche Veröffentlichung nur noch eine lauwarme Meldung wert ist. So sehr einem auch die punktgenau gesteuerten PR-Kanonerien der AAA-Hersteller die Nerven zerschiesen können, so sehr kann ich nicht umhin, mir für 2015 gerade bei kleineren Spielen vor allem eines zu wünschen: einen Startschuss, der ordentlich RUMMS macht. Masseneuphorie. Der Donner von hunderten entkorkten Champagnerflaschen. Ist das zu viel verlangt? Kickstarter-Backern ist die Problematik nur noch vertrauter: Mit Wasteland 2 und Dead State gab es dieses Jahr gleich zwei Spiele, die nach jahrelangem Warten endlich offiziell aus dem Entwicklungsstudio entlassen wurden – und die ich nicht einmal installierte, weil ich ihrer bereits seltsam müde geworden war durch ein Bataillon von über die Jahre verteilten Meldungen.

…il cattivo…
Der letzte Punkt, der die Begeisterung für das Medium anno 2014 ablöschte wie ein Abwassertsunami eine Kerzenflamme, war die Hashtag-„Bewegung“, in der sich die konservativsten und hässlichsten Elemente der das Medium umgebenden Fankultur Bahn brachen. Es entbehrt nicht einer bitteren Ironie, dass die katastrophalen Schlagzeilen, mit denen das Computerspiel dieses Jahr in den etablierten Medien präsent war, für einmal selbst fabriziert waren von den selbsternannten Hütern des „Nur für Jungens!“-Baumhauses. Nichtsdestotrotz gibt es wenig Anlass zum Lachen: Die von den immer noch rumpelstilzchenhaft zürnenden Fan-Buben angerichteten Schäden sind unübersehbar, aber, so bleibt zu hoffen, wenigstens nicht irreparabel. Es sei jedenfalls jedem und jeder vergönnt, sich im Zuge dieser deprimierenden Monate emotional ein wenig distanziert zu haben – wenn nicht vom Medium, so doch von der Idee, sich zu idenitifizieren mit einer „Gamer-Kultur“, die in ihren lautesten Vertretern tatsächlich so unreif ist, wie ihr von Außen oft genug unterstellt wurde.

Abyss-Odyssey-2…e il buono
Neben diesen größeren Entwicklungen ist es eine persönliche, die 2014 für mich nicht als Spiel-Überjahr dastehen lässt: ein Umzug und die damit verbundene Pendlerei führten dazu, dass vormals dem Computerspiel gewidmete Zeit ans Lesen ging. Was fürs Spielen übrig blieb, verteilte sich auf vor allem auf zwei Bereiche: Häppchen und Völlerei. Das Häppchenbuffet servierten vor allem so genannte Roguelites, die auch in 2014 ihren Siegeszug unbehindert weiterführten. Ihre Popularität ist zweifelsohne zu einem guten Teil dem Umstand geschuldet, dass sie eine geballte Ladung VIDEOSPIEL in die kleinstmögliche Packung Zeit pressen: Die besten unter ihnen sind hart wie Zehennägel im Altersheim, komplex wie die Spaghettistränge im Teller der CERN-Mensa, und liefern dennoch runde Erfahrungen innert weniger Minuten. Spiele müssen also nicht zwingend kürzer sein, um zu reifen — es reicht, wenn sie ihre Qualitäten fein portionieren. Insofern gingen auch 2014 ungezählte Stunden, wenn auch selten am Stück, an The Binding of Isaac und FTL – Faster Than Light — die in diesem Jahr beide eine Art Director’s Cut spendiert bekamen — und an Nuclear Throne, das das Roguelite neu erfindet, indem es den Top Down-Shooter zu einem alle Ganglien massierenden Höllentempo peitscht und dabei fast im Alleingang den Ruf des Early Access-Modells wieder auf Kurs bringt. Eine besondere Erwähnung gebührt zudem Abyss Odyssey, in dem  AceTeam — die chilenischen Dali-Schnauzzwirbler der Entwicklerszene — endlich auch die Kunst des Auf-die-Hucke-Hauens mit dem Todestrieb und dem Zufallsprinzip des Rogue-lites zusammenbrachten, und ganz nebenbei das umsetzten, was ich schon seit Jahren von Spielen fordere: Dass sie das engsitzende Korsett der üblichen Fantasy-Klischees lockern und stattdessen in der lokalen Erde nach Fantastischem wühlen — wie etwa der Mythenwelt des Chiloé-Archipelags. (Und dass man in einem Spiel endlich den Teufelsgeiger Paganani verdreschen darf, war auch längst an der Zeit.)

persona 3Die Völlerei eröffnete ich dagegen mit zwei Spielen, die nicht von 2014 sind: La-Mulana mag zwar nicht neu sein, aber es wurde im Jahr einer auf hohem Niveau enttäuschenden Dark Souls-Fortsetzung seinem Ruf als “Dark Souls in 2D” durchaus gerecht: eine untergegangene Welt, deren Erkundung die Bereitschaft zum Scheitern ebenso verlangt wie das pseudo-archäologische Interesse, Stück für Stück tief versenkte Geheimnisse freizulegen. La-Mulana ist zweifelsohne der König der retro-gestylten Erkundungstouren. Auch mein zweites auf Dauer ausgerichtetes Spiel erschien vor Jahren, was seiner Qualität aber nicht den geringsten Abbruch tut: bis heute hat kaum ein Spiel erinnerungswürdigere Figuren geschaffen als Persona 3: FES oder erfolgreicher widersprüchliche Genres zu einer völlig eigenen Identität verschmolzen. Die dunkle JRPG-Teenie-Serie ist würdig, zur Obsession auch entschieden Nicht-mehr-Pubertierender zu werden, und das beste Buffy-Spiel, das es nie gab. Damit hat sich Persona 5 auch automatisch an die Spitze der heisserwartesten Spiele 2015 katapultiert.

Gesellschaft leistet ihm dort Night In The Woods: Seine Entwickler bewiesen Ende Jahr mit der “Geistergeschichte”Lost Constellation, dass sie die so leicht zu verfehlende skurril-ernste Tonlage der besten Kindergeschichten scheinbar mühelos treffen. Wer immer es schafft, mich mit einem Spiel an Tove Jansons The Lady of The Cold zu erinnern, verdient nicht nur mein Geld, sondern auch mein Herz. (Dass Lost Constellation noch dazu ein kostenloses Geschenk war, macht die Sache nur noch schöner.)

shovel_knightEbenfalls eine besondere Erwähnung gebührt Shovel Knight, das den gefährlichen Pfad faustgrosser Pixelnostalgie beschritten hat und allen Fallstricken mit traumwandlerischer Sicherheit ausgewichen ist: Yacht Club Games erweist nicht lediglich der NES-Ära ihre Remineszenz, sondern erfindet sie neu für ein neues Jahrtausend. Und ohnehin in einer Kategorie für sich war Metal Gear Solid: Revengance, das sich erst in diesem Jahr schnetzelnd und wirbelnd in die Herzen von PC-Spielern geschnitten hat. In einem weiteren Jahr, in dem selbst die besseren Vertreter des Action-Kinos hollywoodscher Prägung im CGI-Wahn lustlos Dinge auf andere Dinge prallen liessen, etablierte der Camp-Android Raiden gemeinsam mit seiner Halb-Schwester Bayonetta einmal mehr die neue Hackordnung im Medienland: It’s over, Hollywood. OVER THE TOP.


NORMANN VOLKMANN

Wenn mir das Jahr 2014 in ein paar Jahren noch in Erinnerung bleibt, dann sicher nicht als Spielejahr. Zum dritten Mal in vier Jahren umgezogen, veränderte sich einiges im privaten und beruflichen Umfeld, so dass Spiele sich irgendwie zu einer Nebensache entwickelten, die eher konsumiert als wirklich geschätzt wurde. Hinzu kam, dass 2014 irgendwie das Jahr der Spiele war, die ich so allgemein mit einem “war ganz ok” abtun würde. Herausgestochen haben da nur NBA 2K15 und Mario Kart 8. Sicher, Wolfenstein: The New Order war eine Überraschung und überzeugte vor allem storytechnisch. Far Cry 4 perfektionierte, was Far Cry 3 vor zwei Jahren an neuen Elementen in die Serie einführte und auch Donkey Kong Tropical Freeze war nicht nur wunderschön anzusehen, sondern ebenso herausfordernd und unterhaltend wie sein Vorgänger. Aber keine dieser Titel brachte viel Neues, vielmehr war es einfach Altbekanntes gut gemacht.

tropical_freeze2014 war das Jahr, in dem sich die Publisher so richtig an den neuen Konsolen versuchten, aber noch stark auf das setzten, was bereits in der letzten Generation super klappte. Nur keine Risiken eingehen. Und – wenn ich ehrlich bin – was ist denn das, dieses Next-Gen-Gaming? Man konnte es kaum erwarten, vor über einem Jahr, doch so richtig wusste man nicht, was überhaupt kommen würde. Dieses Jahr war dominiert von AAA-Titel, die ihren Launch entweder total versemmelten oder am Ende eben nur „ganz nett“ waren. Mittlerweile gilt, Spiele nicht mehr am Launchtag zu kaufen und stattdessen damit zu rechnen, dass man sie erst nach zwei Wochen nach Release wirklich fehlerfrei spielen kann. Day-One-Patch? Sicher doch! 2 GB? Geht doch noch! Während ich diese Zeilen schreibe, lädt die PS4 einen 2,8 GB großen Patch für NBA 2K14 herunter. In Zeitlupe. Ist das Next-Gen-Gaming?

wolfensteinUnd dann ist da diese Selbstverständlichkeit, mit der Publisher ihre Spiele mittlerweile auf den Markt rotzen. Noch nie ging mir das so sehr auf den Senkel wie in diesem Jahr. Klar ist es schade, wenn Spiele verschoben werden – mittlerweile freue ich mich aber über jede dieser Meldungen und hoffe einfach, dass den Entwicklungsteams damit die Chance eingeräumt wird, doch noch ein fehlerfreies Produkt zu schaffen. Ubisoft hat in diesem Jahr mit Assassin’s Creed den Vogel abgeschossen, doch auch die Master Chief Collection (kein Multiplayer) oder Battlefield 4, das zwar bereits letztes Jahr erschien, aber auch in diesem Jahr lange noch nicht fertig war, haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Neben der Erwartung, dass ihre Kunden unfertige Spiele akzeptieren (und wenn nicht, wird halt ein kostenloses Spiel hinterhergeschmissen), ist Content-Stückelung scheinbar des Publishers liebste zusätzliche Einnahmequelle. Ich kann es einfach nicht mehr sehen und sehe keinen zusätzlichen Wert in diesen ganzen Vorbesteller-Boni, Extramissionen, Skins oder Waffen.

yoshiIch hoffe einfach auf das nächste Jahr, hoffe auf ein tolles Batman Arkham Knight, Metal Gear Solid 5, The Witcher 3, Dying Light, No Man’s Sky, Kingdom Come Deliverance und Mortal Kombat X (zugegeben, auch das sah bisher nach more of the same aus), freue mich aber auch auf The Banner Saga und Broforce für die PS4. Ich bin gespannt auf The Division oder Battlefield: Hardline, befürchte aber, dass genau das zwei Kandidaten für einen holprigen Launch sein werden. Der einzige Titel, auf den ich mich bedenkenlos freue, ist Yoshi’s Woolly World.


SEBASTIAN GEIGER

Jeder schreibt von 2014 als dem Jahr der enttäuschten Hoffnungen. Und leider haben sie alle recht. Die große Spielebranche hat 2014 immer wieder gezeigt, wie man sich nicht weiterentwicklen sollte. Gleichzeitig haben viele kleine Entwickler ebenfalls bewiesen, dass man kein Millionengeschäft haben muss, um zynisch und abzockerisch veranlagt zu sein. Dass es dann ausgerechnet einer der vermeintlich Bösen schafft, mir am Ende des Jahres doch noch Hoffnung für die Gamesbranche zu geben und dass es doch ein paar Hersteller gibt, die auch 2014 gezeigt haben, dass Computerspiele gut sein können und dürfen, lässt mich aber doch versöhnlich zurück blicken. Allerdings halte ich es jetzt wie mit der Filmbranche: Liebe Entwickler und Regisseure, lernt bitte die richtigen Lektionen aus diesem Jahr. Deshalb sind meine Lieblingsspiele 2014 auch für mich sehr überraschend. Hätte ich im Januar eine Prognose abgegeben, wären wahrscheinlich ganz andere herausgekommen.

banner_sagaThe Banner Saga

Gleich zu Beginn 2014 gibt dieses Spiel die Richtung vor für alles, was mir im weiteren Verlauf gefällt. Banner Saga ist ein kleines strategisches Rollenspiel, in dem man einem Wikingerclan zur Seite stehen muss, der ums überleben kämpft. Die Grafik ist retro, das Spiel ist hart. Aber die Story und die Charaktere sind so schön gemacht, dass man sich auch gerne durch die härstesten Kämpfe beisst. Und dabei viel weint, wenn mal wieder ein liebgewonnener Wikinger den endgültigen Tod stirbt. Banner Saga hat mir beigebracht, wieder oft zu speichern. Es hat mir auch gezeigt, dass Storys nicht groß sein müssen, um gut zu sein und man die Lücken in der Game-Narrative sehr gut alleine füllen kann. Und dass es sich lohnt, etwas mehr Zeit in ein Spiel zu investieren. Es war hart, aber nicht unfair. Alles Lektionen, die sich im weiteren Verlauf des Jahres als sehr gut herausgestellt haben.

wasteland2Wasteland 2

Wasteland 2 ist eine Erfolgsstory in einer Branche, in der es solche Erfolgsstorys eigentlich nicht mehr geben dürfte. Die Entwickler von InExile-Entertainment wollten ein Rollenspiel der alten Schule machen, kompromisslos, aufwändig und so groß, dass man wahrscheinlich nie alles davon sehen wird. Was die etablierten Publisher nicht zulassen wollte, machte Kickstarter möglich: den erwünschten Erfolg. Zugegeben, als RPG-Anfänger sollte man tunlichst einen Frustball mitnehmen, den man im Laufe der nächsten Stunden immer wieder malträtieren kann. Wasteland 2 verzeiht keine dummen Entscheidungen – immerhin spielt man im Amerika nach der nuklearen Apokalypse. Klar, dass in diesem Setting jeder Fehler katastrophale Folgen nach sich ziehen kann. Ähnlich wie in der Banner Saga lernt man als Spieler, die kleinen Charaktere, mit denen man herumläuft, zu schätzen und ihnen Persönlichkeit zu verleihen. Auch, wenn ich am Anfang bewusst mit einer sehr zufällig arrangierten Gruppe angefangen habe, wusste ich sehr bald, wie die Charaktere zueinander stehen und sich verhalten – einfach, weil Wasteland 2 dem Spieler genügend Hintergrundwissen gibt, um diese Lücken für sich selbst auszufüllen.

shadow_of_mordorShadows of Mordor

Vielleicht ist es das Geheimnis eines guten Franchise, dass man sie nicht zu ernst nimmt. James Bond macht es ja vor. Man nimmt sich das, was gut läuft, und versucht vor allem, eine coole Geschichte zu erzählen. Das macht auch Shadows of Mordor. Die Entwickler zeigen, dass man in Tolkiens Herr der Ringe-Universum mehr machen kann, als simple schwarz/weiß-Geschichten. Und besonders cool ist natürlich das Nemesis-System. Ranger Talion kann ohne Probleme mit Orks persönliche Fehden auskämpfen, dass es eine Freude ist. Shadows of Mordor hat eine offene Welt, viel zu entdecken und Orks mit Charakter. Das ist doch schön.

war-of-mineThis War of Mine

This War of Mine
war mein Überraschungsspiel 2014 – einfach deshalb, weil ich bis kurz vor der Veröffentlichung nie von ihm gehört hatte. In This War of Mine spielt man Krieg. Allerdings nicht in der Form eines waffenstarrenden Soldaten, sondern man übernimmt die Rolle eines Opfers. Eingeschlossen zwischen den Fronten, muss man mit seinen Verwandten und Freunden ausharren und überleben, bis ein Waffenstillstand ausgehandelt ist. Vorräte sind knapp, es ist kalt und jeder Schritt nach draußen kann den Tod bedeuten. This War of Mine ist ein simples Spiel, das aber brutale Konsequenzen kennt. Natürlich kann ich jemanden umbringen, um an seine Vorräte zu kommen — nur ist das, was diese Aktion mit meinen Spielercharakteren anstellt, schrecklich. Schrecklich ist es aber auch zu verhungern – was macht man also? Und sollte man dem Bewohner, der sich im Haus nebenan eingeschlossen hat vertrauen, oder ihn besser meiden? This War of Mine hat dafür gesorgt, dass ich das Spiel immer wieder unterbrochen habe habe, um meine nächste Entscheidung zu überdenken. Das können nur wenige Spiele.

dragonage2Dragon Age: Inquisition

Wenn ich auf die Gamescom zurückblicke, sehe ich Erwartungen, die sich um 180 Grad von dem unterscheiden, was ich heute weiss und denke. Dragon Age: Inquisition war „meh“, für Destiny habe ich Interviews geführt und hatte vor, ein Tagebuch zu schreiben. Destiny und Inquisition sind erschienen – und siehe da, wie haben sich die Vorzeichen geändert. Jetzt ist Destiny „meh“ und ich schreibe für Inquisition ein Tagebuch. Dragon Age: Inquisition gefällt mir vielleicht auch so sehr, weil es ein neues Bioware zeigt: Ein Studio, das sich mit Dragon Age 2 und Mass Effect 3 ausprobiert hat und jetzt weiß, was es die nächsten Jahre machen will. Machen wir uns nichts vor, die Zeiten von Baldurs Gate und KOTOR kommen definitiv nicht wieder. Wie Brian Fargo von InExile in einem Interivew gesagt hat: „Spiele wie Wasteland 2 können es sich erlauben, dass es in ihnen ganze Bereiche gibt, die der Spieler vielleicht nie sehen wird.“ Spiele wie Inquisition können dies nicht. Doch Bioware hat daraus nicht nur das Beste gemacht, sie haben ein ohne Einschränkungen hecrvorragendes Stück Arbeit geleistet. Bioware von heute bedeutet atmosphärische Welten und intensive Spielercharaktere, die in ihnen aufgehen können. Sicher, die Story von Dragon Age: Inquisition mag nicht so besonders sein, aber ich sehe das wie bei einem James-Cameron-Film. Dessen Geschichten sind auch nicht großartig, weil er sie als Vehikel für packende Welten und lebendige Charaktere sieht. Und so ist es eben auch nicht der Kampf um das Schicksal der Welt, der mich an Dragon Age: Inquisition fesselt, sondern die Tatsache, dass ich ganz nebenbei auf einem Richtstuhl sitzen darf, lange Gespräche mit meinen Gefährten führe und auch nach Stunden Herumgelaufe immer wieder etwas Neues entdecke.


STEFAN VON DER KRONE

Ja, da ist es auch schon wieder vorbei, das Jahr 2014. Aber was bleibt hängen? Ein wenig Positives und ein wenig Negatives. Jüngst habe ich mir schon Gedanken über das Spiele-Jahr 2014 im Vorfeld einer eigenen Best-Of-Liste auf Facebook gemacht und stellte DABEI fest, dass abseits dieser Liste nur wenige Spiele meine Aufmerksamkeit erhaschten. Insofern gab es also einige gute bis sehr gute Spiele, aber die Auswahl hielt sich eher in Grenzen.

Castlevania-Lords-of-Shadow-screenshot-1Zunächst sei da Castlevania: Lords of Shadow 2 genannt. Wenngleich die Fachpresse so gar nicht begeistert vom Spiel war, hatte ich trotz der nicht übersehbaren Probleme eine Menge Spaß mit dem Titel. Für mich war der Castlevania-Reboot im Jahr 2010 gleichbedeutend mit meiner Wiederentdeckung der Konsolenwelt über die PS3. Während damals Bayonetta Fans von Devil May Cry verzückte (mich eingeschlossen) und Darksiders mit seinem Zelda-Vibe überzeugte, war es Teil eins der Lords of Shadow-Reihe, der als God of War mit Vampiren und Werwölfen den Spaßfaktor nach oben trieb. Und auch wenn Teil zwei eine schlechte Stealth-Mechanik einführte, bleibe ich dennoch beim Fazit aus meiner Rezension: “Denn trotz der offensichtlichen Schwächen macht die tragische Geschichte um Gabriel Belment a.k.a. Dracula eine Menge Spaß, bietet eine schicke Optik und einen wieder einmal cineastisch wie atmosphärisch ausgezeichneten Soundtrack.“

darksouls2Dann stand auch schon das erste Highlight für mich an: Dark Souls 2. Während sich der Vorgänger schon in den Ruhmeshallen der besten Rollenspiele ausruhen darf, musste das neue Baby von From Software erst einmal den hohen Erwartungen gerecht werden. Wochenlange suchtete ich mich durch Drangleic, holte mir die Platin-Trophäe und kam nicht von ihr weg, der Sucht und Suche nach den unzähligen Seelen. Besonders das kooperative Spiel bereitete mir große Freude. Doch letztendlich erlosch die Flamme so schnell wie sie sich entzündete, denn als die DLCs erschienen, war das Ganze für mich auch schon gegessen. Seitdem habe ich das Spiel kein weiteres Mal mehr gespielt. Das soll aber nicht heißen, meine Meinung hätte sich geändert, irgendwann ist eben doch die Luft raus. Und am Ende ist und bleibt Dark Souls 2 ein hervorragendes Spiel. Und wer weiß, vielleicht bin ich im April mit der Remastered Version auf der PS4 wieder am Start, gleich nach Bloodborne.

metalgearEtwa zeitgleich erschien mit Ground Zeroes der neueste Teil in der Metal Gear Solid-Reihe, mit dem Hideo Kojima den Weg in die offene Welt wagte und uns einen kleinen aber feinen Sandkasten für satte Stealth-Action bereithielt. Am Ende war ich dann nicht ganz so überzeugt und der Spielspaß hielt sich eben auch aufgrund des geringen Umfangs zeitlich in Grenzen. Dennoch macht dieser Prolog Laune auf das 2015 erscheinende Hauptspiel The Phantom Pain, in der Hoffnung, dass Kojima wieder solch geniale Geschichten erzählt wie seinerzeit bei den Teilen drei und vier.

Zwischendurch nahm ich mir dann die Zeit, eine Perle von 2013 nachzuholen: Bioshock Infinite. Das Storytelling mit seinen Verstrickungen in der Zeit und bei den Charakteren überzeugte mich fast auf ganzer Linie. Lediglich der recht zähe Einstieg zögerte das volle Potential an Spielspaß ein wenig zu sehr hinaus. Spielerisch sicher keine große Weiterentwicklung, bot der mittlerweile dritte Teil der Bioshock-Reihe dennoch ein imposantes Feuerwerk gepaart mit einer glaubhaften Inszenierung. So wird mir dieses Spiel sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

velocityDa ich mir vor einem Jahr die Playstation Vita zulegte, schaute ich mir auch das ein oder andere Spiel darauf an. Zwar ist die mobile Konsole mittlerweile meistens eher eine Verlängerung der PS4, wenn die geliebte Freundin das TV-Gerät in Beschlag nimmt – danke dafür an Sony für die gute Umsetzung von Remote Play. Dennoch fand ich besonders in Velocity 2X einen spaßigen 2D-Shooter für zwischendurch. Die schnelle Action und die Abwechslung aus Side-Scrolling Jump’n’Run und Top-Down-Shooter sind auch jetzt jede Empfehlung wert.

2014 war es dann auch soweit: ich legte mir endlich eine Playstation 4 zu. Der Start meiner ganz persönlichen PS4-Ära war auch gleichbedeutend mit meinem Eintauchen in die Sci-FI-Welt von Destiny, dem neuen Shooter der Halo-Macher Bungie. Persönlich habe ich Halo nie wirklich gespielt, umso gespannter war ich dann auf das Spiel, ungeachtet der recht dürftigen Rezeption in der Fachpresse. Und siehe da, ich spiele es heute noch und trotz der enorm iterativen Spielmechanik und dem anstengenden Loot-System komme nur schwer weg von dieser Sci-Fi-Opera. Ähnlich wie im Frühjahr in Dark Souls 2 besgeistert mich auch bei Destiny das kooperative Gameplay. Mehrfach in der Woche starte ich mit einem sehr guten Freund eine gemütliche Runde, farme Upgrade-Material, spiele bockschwere Herausforderungen oder einfach zufällige Strikes. Die mittlerweile zwei Raids sind mir auch heute noch versperrt, da mir einfach die Destiny -pielenden Freunde fehlen und Bungie leider kein Match-Making dafür plant. Dennoch ist der Spaß da und wird vielleicht auch noch bis tief ins Jahr 2015 bleiben.

ShadowOfMordor-2Das Spiel, dass aus meiner Sicht wohl am ehesten den Titel “Game of the Year” tragen sollte, ist wohl Shadow of Mordor. Wer sich die Listen der Anwärter an AAA-Games anschaut, wird feststellen, dass dieses Jahr sehr stark durch Sequels geprägt war – meine Best-Of-Liste im Übrigen auch. Und da ist es nur logisch, Shadow of Mordor zu nominieren, da es eben eine neue Franchise ist und dafür auch eine sehr gute. Was an sich erstaunlich ist, da es sich hierbei um ein Lizenzspiel handelt. Umso mehr muss man die Entwickler Monolith zu diesem Wurf gratulieren. Die Story ist nun wirklich ein Witz, aber der heimliche Star ist halt das Nemesis-System, wodurch jeder Spieler seine ganz persönliche Geschichte in Mordor erlebt. Jedes eigene Dahinscheiden oder der Tod eines Anführers von Saurons Armee hat Einfluss auf das Spiel. Und dabei kratzt das System nur an der Oberfläche des Möglichen. So bin ich doch sehr gespannt, was die Entwickler im Nachfolger erschaffen werden. Denn eines ist sicher: Nachfolger wird es auch zu Zukunft geben.

game_journalismDas Jahr 2014 hatte auch seine Schattenseiten, nicht zuletzt durch eine zum Teil emotionale Diskussion um die Werte in der Spielekultur. Es mag angebracht sein, Kritik am Spielejournalismus zu üben, dieser muss sich daran messen lassen und Medienkompetenz ist heutzutage umso wichtiger für mündige Bürger. Was aber nicht in Ordnung ist, sind die vielen Androhungen sowie der raue Ton unter denen fast ausschließlich Frauen zu leiden haben. Und zum Ende des Jahres wird auch etwas anderes wieder ins Licht gerückt: die Sicherheitsvorkehrungen der Gamesbranche gegen Hackerangriffe. Nebst kleineren Beispielen von gehackten Communities steht der neuerliche Sony-Hack sinnbildlich für den fast schon amateurhaften Umgang mit der Zugangsdaten der Gamer. Hier sollte 2015 für mehr Vorkehrungen wie Zweifaktor-Authentifizieren gesorgt werden. Einen (bisher) vorbildlichen Vertreter der Gamesbranche möchte ich hier beispielhaft nennen: Valve. Und eine andere Unart von 2014, aufgekeimt durch die neue Konsolengeneration, möchte ich anprangern: Day-One-Patches. Die Entwickler und Publisher haben hoffentlich aus den Fällen Assassin’s Creed: Unity und der Halo Masterchief Collection gelernt: niemand möchte Gigabytes an Patches herunterladen oder extrem fehlerhafte Spiele spielen!

theorderAbschließen möchte ich meinen Rückblick mit den Spielen, auf die ich mich im Jahr 2015 am Meisten freue. Zu allererst sei der neueste Teil in der Uncharted-Reihe genannt. Zuletzt hatte ich wieder den genialen dritten Teil gespielt und auch die anderen beiden Teile rotierten im Laufwerk meiner PS3. Aber auch Bloodborne ist für mich als Fan von Darks Souls und Demon’s Souls ein ganz wichtiges Spiel. Ich melde mich jetzt schon freiwillig für eine Rezension dieses Spiels! Hotline Miami 2 hatte ich eigentlich schon im vergangenen Herbst erwartet, aber die Entwickler waren zuletzt sehr ruhig und wortkarg, was den Veröffentlichungstermin betrifft. Ich hoffe aber, dass wir nicht mehr allzu lange warten müssen, bis wir uns wieder mit den catchigen Synthie-Sounds durch die Level metzeln dürfen. Sehr gespannt bin ich auch auf The Order 1886, da ich überhaupt nicht weiß, was da auf uns zukommt. Und neue Ideen bzw. Franchises sind sicher immer zu begrüßen. Das Setting klingt spannend, die Optik sieht sehr gut aus und das Spiel verspricht ein sehr interessanter Cover-Shooter-Mix zu werden – fragt sich nur, mit was allem. Last but not Least freue ich mich auf Batman: Arkham Knight. Ich habe zwar bisher nur Arkham City gespielt, war aber davon extrem begeistert. Nicht zuletzt Mittelerde: Mordors Schatten hat gezeigt, dass das Prinzip von Arkham City mit den richtigen Neuerungen auch auf der neuen Konsolen-Generation funktionieren kann. Nicht vergessen aber möchte ich No Man’s Sky, eines der wohl interessantesten Titel im kommenden Jahr.

Ein Gedanke zu „Jahresrückblick Spiele 2014

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