Mittelerde: Mordors Schatten (Monolith Productions/Warner Bros.)

Im Schatten Saurons

Mittelerde: Mordors Schatten (Monolith Productions/Warner Bros.)

Ein Graug

Lange bevor sich Aragorn, Legolas und Gimli durch die Heere Mordors metzelten, waren es Tallion und sein an Amnesie leidender elbischer Geist, die sich gegen das Wiedererstarken Saurons stellten. STEFAN VON DER KRONE war dabei, um von seinen Kampferfahrungen zu berichten.

Wer ist eigentlich Tallion? Und wer ist dieser elbische Geist? Kurz: Tallion wurde samt seiner Familie von der Schwarzen Hand Saurons getötet. Irgendwie ist er aber dennoch nicht wirklich gestorben und fortan hilft ihm besagter elbischer Geist bei der Rache. Das war es dann aber auch mit der Vorgeschichte, und an diesem Punnkt beginnt auch bereits mein Abenteuer in Mordor. Ich starte als von den Toten auferstandener Waldläufer im ersten von zwei weitläufigen Arealen. Der erste Gehversuch endet auch vehement mit dem ersten Tod, da meine Fähigkeiten noch recht begrenzt sind. Erst mit den ersten wichtigen Fähigkeiten werde ich zu einem ernstzunehmenden Gegner für Orks und Uruk Hais.

Im Kampf

Das Kampfsystem ist dem von Batman angelehnt. Es gilt, eine Kombo mehr und mehr zu steigern, um kritische Treffer oder gar Tötungen landen zu können. Zusätzlich heisst es, auf alle Gegner zu achten und deren eigene Angriffe zu parieren. Das ist so souverän wie altbekannt — richtig interessant  werden diese Begegnungen durch das eigentliche Herzstück des Spiels: das Nemesis-System. Orks und Uruk-Hais sind in einer sich stetig verändernden Hierarchie organisiert. Es gibt dabei drei Ränge von Hauptmännern und fünf Häuptlinge. Je höher im Rang, desto stärker der Inhaber. Die Lakaien des dunklen Herrn steigen in der Hierarchie auf, indem sie losgelöst von mir untereinander Feden auskämpfen — oder aber mir den Garaus machen.

Stärken und Schwächen

Zunächst sind alle Hauptmänner sowie Häuptlinge unbekannt. Es gilt, Informationen über sie einzuholen. Im Laufe des Spiels ist es möglich, einem Ork oder Uruk kurz vor dessen Tod, Informationen auszuquetschen. Andererseits gibt es aber auch Würmer, die Informationen besitzen. Kopiert ist das aus Arkham City und genau wie dort sind die ungewollten Informanten grün markiert. Die Informationen enthalten die Stärken und Schwächen eines Anführers. Schwächere Hauptmänner oder Häuptlinge können oft mit einem einzelnen gezielten Treffer in den Kopf oder mit einem Schleichangriff getötet werden. Stärkere haben Angst vor Feuer oder diversen Bestien. Manche sind immun gegen Fern- oder Schleichangriffe, andere werden wütend, wenn sie bluten und erhalten somit eine erhöhte Angriffskraft.

Die Nemesis-Hierarchie

Das Nemesis-System ist wohl die größte Stärke von Mordors Schatten. Sobald mir die Macht gegeben wird, Gegner zu beherrschen, ergeben sich unzählige Strategien. Zu den Hauptmissionen gibt es zusätzlich generierte Missionen, die auf die Oberhäupter von Saurons Heer abzielen. Dazu zählen Feden, Hinrichtungen, Rekrutierungen, Revolten oder Wildtierjagden. Beherrscht man eines der Ziele, ergeben sich so neue Möglichkeiten. So kann ich mir einen Vorteil gegen einen Häuptling verschaffen, indem ich eine Revolte gegen ihn anzettele. An dieser Stelle könnte ich die Vielfalt des Nemesis-Systems noch weiter ausführen, aber das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Der Fotomodus

Nach ca. 15 bis 20 Stunden ist der Spaß dann auch vorbei. Herausforderungen und Sammelgegenstände lockern das Geschehen auf und strecken die Spielzeit ein wenig. Die Story? Naja, reden wir nicht drüber, sie ist belanglos und wenig interessant, selbst ein Gastauftritt des allseits beliebten Schatzjägers Gollums vermag es nicht rauszureißen. Das Ende ist sogar mehr als enttäuschend.

Was aber bleibt, ist eine schick anzusehende Grafik, kurzweilige, mit ein wenig Hintergrundgeschichte versehene Ladebildschirme und mit dem Nemesis-System eine so innovative wie tolle Spielmechanik, die Spaß macht und auf einen tollen Nachfolger hoffen lässt.


Tolkiens dunkle Seite

von SEBASTIAN GEIGER

Panorama über das Nurnenmeer

Für einen Tolkien-Fans muss sich die Beschreibung von Shadows of Mordor wie der größte Betrug aller Zeiten anhören. Orks mit eigenen Motiven, ein Waldläufer getrieben von Rache und dann auch noch der Geist eines alten Elben-Fürsten – das ist eindeutig der Stoff, aus dem Fan-Fiction übelster Art gemacht ist.

Und doch, gerade, weil sich die Geschichte und die Atmosphäre so von dem unterscheiden, was man sonst von Tolkien kennt, erobert sich Shadows of Mordor einen sehr interessanten Platz in der Welt des Herrn der Ringe.

Scharmützel

Wir leben nunmal in einem Zeitalter der Franchises. Kein großes Projekt – vor allem nicht, wenn es sich um Fantasy oder SF handelt – bekommt noch grünes Licht, wenn es nicht mindestens eine Fortsetzung und eine Zweitverwertung enthält. Doch das große Publikum, das ziehen immer noch die Klassiker an. Wie Star Wars, oder eben wie der Herr der Ringe. Und genau hier liegt ein großes Problem. Natürlich regen sich die Fans auf, wenn sich die Umsetzungen nicht eins zu eins an das Original halten, doch am Ende stirbt so auch der letzte Funken Kreativität, den ein Filme- oder Spielemacher bei einer Umsetzung haben darf.

Besser machen es da Reihen wie James Bond oder Doctor Who. Im besten Fall nehmen sie ihren jahrzehntealten Kanon als Ideenwerk, aus dem sie sich bedienen und den Stoff an das aktuelle Publikum anpassen. Und hier kommt Shadows of Mordor ins Spiel. Denn Tolkien ist bei aller Liebe nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Und das hat nichts mit seiner Botschaft zu tun, sondern damit, dass die Charaktere in seinen Büchern doch sehr schwarz/weiß gemalt sind.

Ritt auf einem Caragor

Hier zeigen die Entwickler von Shadows of Mordor, dass es auch anders gehen kann. Menschen, Orks, selbst Elben können und dürfen Fehler haben, das ist es, was die Geschichte von Talion und seinem geisterhafen Weggefährten so interessant macht. Auch die Tatsache, dass die Orks eben auch ganz eigene Motive haben und nicht das monolithische Böse sind, als das sie vor allem die Filme von Peter Jackson so gerne darstellen, gibt der Welt von Shadows of Mordor viel Farbe. Das Nemesis-System spielt hier seine ganz eigene Rolle: Die Konflikte, die es heraufbeschwört, sind ganz und gar persönlicher Natur. Talion und sein Spieler wollen einfach nur noch Rache und Genugtuung, wenn ein Ork-Häuptling sie jetzt schon zum dritten Mal hintereinander besiegt hat. So etwas hätten sich Aragorn und seine Freunde nicht erlauben können.

Shadows of Mordor zeigt so die dunkle Seite von Tolkiens Welt und beweist, dass sie auch sehr aktuell sein kann, wenn man ein wenig mit ihr spielt, anstatt sich sklavisch an die Vorlagen zu halten. Und das Beste ist: Der Spieler hat dabei auch noch so richtig viel Spaß.


Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen.

Originaltitel: Mittelerde: Mordors Schatten
Plattformen: PS4, PS3, Xbox One, Xbox 360, PC
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Monolith Productions
Veröffentlicht von: Warner Bros. Interactive Entertainment

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