Robert Kisch: “Möbelhaus. Ein Tatsachenroman”

Absturz einer Edelfeder

Einst hochgelobte Edelfeder, heute Möbelverkäufer: Der Journalist Robert Kisch – so sein Pseudonym – hat einen ungewöhnlichen Karriereweg hinter sich. Schuld daran ist die Wirtschafts- und Finanzkrise. Über seinen Abstieg hat er einen äusserst lesenswerten Roman geschrieben.

Von Fee Anabelle Riebeling.

KischVor ein paar Jahren noch hätte er Geschichten wie diese geliebt – so wie alle Journalisten. Denn für sie gilt: Bad news are good news. Denn das wollen die Leute lesen. Vor allem Geschichten über Verlierer erfreuen sich grosser Resonanz. Die, die Robert Kisch in seinem Buch „Möbelhaus“ erzählt, handelt vom plötzlichen Absturz eines gefeierten Journalisten: ihm selbst.

Dabei hatte sich das Unheil nicht angekündigt. Denn Kisch war erfolgreich in seinem Beruf –und das von Beginn an: Als junger Reporter erhielt er den renommierten Theodor-Wolff-Preis. Später folgten weitere Auszeichnungen. Er schrieb für grosse Namen, kein Thema, welches er nicht anging. Er war viel unterwegs und verdiente bis zu 10’000 Euro, umgerechnet rund 11’000 Franken. Kurz: Es ging ihm gut. Oder wie er in „Möbelhaus. Ein Tatsachenroman“ schreibt: „Ich war ein Reporter, dessen Texte inhaliert wurden.“

Zeiten ändern sich

Doch dann wurde das Hochglanzmagazin, für das er arbeitete, plötzlich eingestellt. Auch ein Folgeprojekt entpuppte sich schnell als Sackgasse. Das Heft, das er mit konzipiert hatte, wurde nie veröffentlicht. Danach: kaum Aufträge. Und die, die kamen, brachten nicht genug Geld ein, als dass er mit Frau und Kind hätte davon leben können. Mit einem Mal war der einst so gefragte Journalist ohne Aufgabe.

Statt ihm wurden die anderen engagiert, die jünger und vor allem günstiger waren. Weil er nicht auf der Strasse stehen wollte, heuerte Kisch in eine Möbelhaus an. Vorübergehend, wie er dachte. Doch in dem Einrichtungshaus schafft er bis heute – für 1400 Euro brutto im Monat plus die jeweilige Provision. So kommt er auf rund 3000 Franken. Nicht vergleichbar mit seinem Salär von früher, aber es reicht zum Überleben.

Alte Liebe

Von seinem Abstieg berichtet Kisch nun in seinem Buch. Dass er mal Journalist war, merkt man seinen Ausführungen an. Stellenweise hat man das Gefühl, einen Text von dem Enthüllungsjournalisten Günter Walraff vor sich zu haben. Der Unterschied: Wallraff konnte nach getaner (verdeckter) Recherche die Verkleidung ablegen. Für Kisch hingegen sind seine Schilderungen Realität. Und er kann nichts daran ändern.

Dass er für seinen Roman ein Pseudonym gewählt hat, ist nachvollziehbar. Schliesslich gibt er schonungslos Einblick in gleich zwei Branchen. Wäre sein Name bekannt, gewänne er nicht nur Freunde. Denn der Leser erfährt von unfreundlichen Kunden, fordernden Vorgesetzten, die kranke Untergebene zur Arbeit drängen und den Schicksalen, die sich daraus ergeben.

Und genau die machen die Lektüre – anders als man bei dem Titel des Buches vielleicht annimmt – nicht zu einem leichten Lesestück, obwohl Kischs flotte Schreibe genau das eigentlich ermöglichen würde. Zudem finden sich im ganzen Text Hinweise darauf, dass er am liebsten sofort wieder in den Journalismus zurückkehren würde und damit in sein altes Leben. Den Beweis, dass er das Schreiben noch drauf hat, liefert er gleich mit.

 

Titel: Möbelhaus. Ein Tatsachenroman
Autor: Robert Kisch
Verlag: Droemer-Knaur
Seiten: 320Richtpreis: 20.90 CHF

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