Lars Mytting: “Der Mann und das Holz”

Holz – so vielfältig und bedrohlich zugleich

Der Norweger Lars Mytting präsentiert in seinem neusten Werk die faszinierende Welt des Holzes. Wir erfahren sowohl Geschichtliches, Kurioses, Wissenschaftliches wie auch Alltägliches. Das Sachbuch im eigenen Bücherregal zu sehen, macht grosse Freude.

Von Luzia Zollinger.

Holz hackenDas ohrenbetäubende Geräusch einer Motorsäge und der Duft von frisch gefälltem Holz dringen durch den Wald. Diese Komponenten spürt man schon im ersten Satz des Buches „Der Mann und das Holz“. Autor Lars Mytting hat ein wunderbares Werk mit Themen rund um das Holz verfasst und lässt uns dieses Material aus verschiedenen Perspektiven erleben – aus der Sicht von Förstern, Werkzeugen oder wissenschaftlichen Studien. Die Themen sind hauptsächlich aus Skandinavien, denn zum einen stammt Mytting aus Norwegen und zum anderen finden sich in Nordeuropa immer noch riesige bewaldete Flächen.

Als Einstieg erwartet die Leser das Vorwort „Der Mann und das Holz“, in welchem Mytting beschreibt, wie er überhaupt auf dieses Thema gekommen ist. Untergliedert ist das Sachbuch unter anderem in die Kapitel „Die Kälte“, „Am Hauklotz“ oder „Der Stapel“. Jedes Kapitel beginnt mit einem Sprichwort oder Gedicht sowie einem knackigen, kurzen Text.

Hinter der „Kälte“ versteckt sich Wissenswertes zu Holzöfen in Norwegen in der Nachkriegszeit. Ohne einen Holzofen gab es damals keinen Hausbau und somit auch keine Wiederbevölkerung der verbrannten Region. In Norwegen litt insbesondere der Norden unter dem Zweiten Weltkrieg, da viele Ortschaften niedergebrannt wurden. Bei dem hauptsächlichen Holzhäuser-Bestand erledigten die Flammen ihre Arbeit im Eiltempo. Im Kapitel „Wald“ hingegen erfahren wir, von wo das Holzfällersteak seinen Namen hat: Arbeiten im Wald ist anstrengend, sodass man als Verpflegung mehr als ein Salätchen braucht – eben ein richtig deftiges Stück Fleisch.

Im Holzstapel lesen

„Der Mann und das Holz“ hat eine klare Struktur mit Holz in all seinen Facetten als roten Faden. Zahlen und Fakten wertet Mytting mit Anekdoten von Menschen auf, die mit dem Rohstoff arbeiten. So schauen wir dem 89-jährigen Norweger Ole Haugen über die Schulter, wenn er mit seinen letzten Kräften sägt, spaltet und stapelt. Für das Baumfällen reicht die Kraft nicht mehr, aber sein Holzstapel ist ihm und übrigens auch jedem anderen Besitzer heilig. Da darf nur er selber ran.

Myttings Buch ist voller solcher informativer Kuriositäten. Dadurch wird es überaus unterhaltsam. Doch es ist mehr als eine reine Unterhaltungslektüre. Vielleicht hat der eine oder andere Eigenheimbesitzer schon immer einmal den Wunsch gehabt, selbst einen Baum zu fällen. Nach dieser Lektüre weiss er, wann er den Baum fällen muss – nicht jede Saison eignet sich dafür – wie lange das Holz zum Trocknen hat, welche Werkzeuge geeignet sind und was der anschliessende Holzstapel über die eigene Persönlichkeit aussagt.

Die Mischung von Unterhaltung, wissenschaftsbasierten Fakten und Anekdoten aus dem Leben mit Holz machen das Buch zu einem gelungenen Gesamtwerk – ob als Geschenk oder für das eigene Buchregal, Freude bereitet es den Interessierten auf jeden Fall.

 

Titel: Der Mann und das Holz. Vom Fällen, Hacken und Feuermachen
Autor: Lars Mytting
Übersetzer: Günther Frauenlob und Frank Zuber
Verlag: Insel
Seiten: 222
Richtpreis: CHF 25.90

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