Matthias Politycki: “Marathon”

Schritt für Schritt dem Ziel entgegen

Laufen ist eine Sportart, bei der man nicht viele Dinge braucht. Kleidung und Schuhe reichen bereits, und schon kann es los gehen. Matthias Politycki nimmt die Leser auf sein Abenteuer Marathon mit. Das Lesen des Buches ist jedoch weitaus weniger anstrengend als einen Marathon zu bewältigen.

Von Luzia Zollinger.

MarathonMindestens einmal im Leben an einem Volkslauf teilgenommen zu haben, scheint ein Muss in der heutigen Gesellschaft zu sein. Seit ein paar Jahren boomen diese Laufveranstaltungen, die Distanzen zwischen einem Kilometer und bis zu beinahe einem Halbmarathon als Auswahl haben. Manche haben ihre Grenze der Teilnehmenden bereits erreicht, wenn nicht sogar überschritten. Aber nicht nur die verhältnismässig kurzen Strecken sind beliebt. Auch auf Marathons gibt es ein Run, als gäbe es kein morgen. Was eine solche Teilnahme bei Läufern und ihren Freunden und der Familie auslöst, beschreibt Matthias Politycki in 42,195 Kapiteln – 42,195 Meter misst eine Marathon-Strecke.

Jedes Kapitel widmet sich anderen Gedanken, Sorgen, Freuden und Leiden während des Laufens eines Marathons: Vor dem Start kommen Zweifel auf, ob man nun sich genug auf den bestimmten Tag vorbereitet hat. Die Gedanken kreisen bei Kilometer 1 wie wild im Kopf herum, dabei sollte man seine Beine laut Politycki einfach laufen lassen. Bei Kilometer 4 gilt es, nicht kopflos der Strecke entlang zu laufen. Denn sobald sich der Läufer „an einen bestimmten Marathon angemeldet hat, verhält er sich dabei wie ein Schriftsteller, der beschlossen hat, diesen oder jenen Roman anzupacken. Beide wissen, dass sie mit blossem Drauflosrennen oder -schreiben höchstwahrscheinlich nicht bis ins Ziel durchhalten werden.“

Der Marathon-Strecke entlang

Der Leser begleitet Politycki auf verschiedene Marathons weltweit. Einmal an den berühmten New York Marathon, ein anderes Mal durch die Strassen von Stockholm. Diese Sprünge sind nicht verwirrend, sondern bringen Spannung beim Lesen und geben einen ersten Eindruck für alle, die ebenso einmal einen Marathon laufen möchten.

Politycki hat mit dem Schreiben und dem Laufen gleichzeitig begonnen. Während den Vorbereitungen für den London Marathon kam ihm die Idee dieses Buches. Er wollte aber kein Buch mit Tipps und Tricks zum Laufen schreiben, denn davon gebe es schon genügend. Immer wieder kamen ihm aber während den Trainings andere Läufer entgegen und wenn er Nicht-Läufer traf, kam er auf diese Sportart zu sprechen. Was denn so faszinierend am Laufen sei, wurde er oft gefragt. Eine abschliessende Antwort hat Politycki nicht. Und das muss er auch nicht, denn nur wer selber läuft, kennt das unbeschreibliche Gefühl, wenn man erschöpft aber überglücklich ins Ziel einläuft.

Immer unterwegs

Die unterhaltsame Lektüre ist genauso empfehlenswert für Marathonläufer wie auch jene, die einen solchen Anlass noch vor sich haben oder einfach sonst fürs Leben gerne laufen. Möglich ist auch, dass er Zuschauern, Familienmitgliedern und Freunden zu ein bisschen mehr Verständnis verhilft, wieso Läufer bei jedem Wetter – auch wenn es Sonntag in der Früh ist – ihre Runden drehen.

Wer gerne live in Matthias Polityckis Laufwelt eintauchen möchte, hat am 20. April 2015 die Gelegenheit dazu. Dann liest er aus seinem Buch in der Buchhandlung Bider & Tanner in Basel.

 

Titel: 42,195. Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken
Autor: Matthias Politycki
Verlag: Hoffmann und Campe
Seiten: 320
Richtpreis: CHF 28.90

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