Kläranlagen, die ihrem Namen gerecht werden

Unsichtbares Gift (2)

Immer neue synthetisch hergestellte Verbindungen kommen auf den Markt. Zum Beispiel in Kosmetika, Medikamenten oder Pflanzenschutzmitteln. Früher oder später landen diese Chemikalien in Flüssen und Seen. Dank zusätzlichen Reinigungsstufen sollen in Zukunft die Kläranlagen der Schweiz diese Stoffe vermehrt aus dem Abwasser entfernen.

Von Martin Geiser

Unsere Gewässer sind längst nicht so sauber wie sie scheinen: Denn Kläranlagen können bei Weitem nicht alle chemischen Substanzen aus dem Wasser der Kanalisationen filtern. Folglich sammelt sich in unseren Gewässern eine Vielzahl von chemischen Stoffen. Auch wenn diese nur in sehr geringen Konzentrationen vorkommen und daher Mikroverunreinigungen genannt werden: Über die Auswirkungen dieses Cocktails auf die Umwelt ist noch relativ wenig bekannt.

Aufrüstung von Kläranlagen
Immerhin hat die Politik das Problem erkannt und gehandelt. So tritt am 1. Januar 2016 das revidierte Gewässerschutzgesetz in Kraft. Es ermöglicht den Kantonen und Gemeinden, eine Abgabe für Abwässer zu erheben. Dieses Geld soll den Ausbau gewisser Abwasser-Reinigungsanlagen (ARA) mitfinanzieren, die in den nächsten zwei Jahrzehnten mit zusätzlichen Reinigungsstufen aufgerüstet werden sollen. Betroffen sind rund hundert ARA. Darunter die grossen Kläranlagen und solche an besonders belasteten Gewässern.

Zur zusätzlichen Behandlung der Abwässer wird Aktivkohle oder Ozon verwendet. Erstere bindet unerwünschte Chemikalien letzteres wandelt diese in ungefährliche Stoffe um. Diese werden anschliessend in einen Sandfilter zurückgehalten. Beide Verfahren sind recht wirksam und können immerhin 80 bis 90% der Mikroverunreinigungen entfernen. Erste ARA mit beiderlei zusätzlichen Reinigungsstufen sind bereits als Pilotanlagen in Betrieb.

Landwirtschaft bleibt Quelle von Mikroverunreinigungen
Doch die aufgerüsteten ARA können dereinst nur die Abwässer aus der Kanalisation klären. Alle anderen Quellen von Mikroverunreinigungen bleiben bestehen, so zum Beispiel die Landwirtschaft. Grosse Mengen an Pflanzenschutzmitteln werden alljährlich auf die Äcker und Felder ausgebracht. Bei Regen werden diese beziehungsweise deren Abbauprodukte in nahe gelegene Gewässer gespült.

Es gibt jedoch derzeit keinerlei Anzeichen, dass sich hieran – also an der Landwirtschaftspolitik – etwas Bedeutendes ändern würde. Somit bringen die neuen ARA-Reinigungsstufen zwar eine erfreuliche Entlastung für die Schweizer Gewässer aber auch in Zukunft wird unser Wasser nicht restlos sauber sein.

Unsere Infografik zeigt die wichtigsten Quellen von Mikroverunreinigungen sowie einige Zahlen und Fakten (zum Vergrössern anklicken!)MikroverunreinigungenXX2X

 

Siehe auch Unsichtbares Gift, ein vor beinahe zwei Jahren bei uns erschienener Artikel zum gleichen Thema.

 

Links
Bericht des Bafu vom 5. September 2015
Forschungsprojekt des Wasserforschungsinstituts eawag
cipel Commission Internationale pour la Protection des Eaux du Léman (teilweise auch auf deutsch)
Micropolluants, Seite von Nathalie Chèvre, Ökotoxikologin an der Uni Lausanne (französisch)
ARA Neugut, Dübendorf (behandelt Abwasser mit Ozonierung)
NZZ-Artikel zur aufgerüsteten Kläranlage in Herisau

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