Just Cause 3

Der Explosions-Simulator 2015

Just cause 3

Gäbe es in diesem Jahr die Wahl für ein “Explosionsspiel des Jahres”, Just Cause 3 würde die Wahl mit großem Abstand gewinnen. Aber das kann ja nicht alles sein, oder? NORMAN VOLKMANN reiste nach Lateinamerika und befreite ein unterjochtes Volk auf dem einzig richtigen Videospiel-Weg: mit Raketenwerfer, Granaten und C4.

Auf der Suche nach dem Sinn

Von einem Mann der auszog, um… Ja, was eigentlich? Just Cause 3 macht von Anfang an ganz deutlich, dass alles irgendwie egal zu sein scheint. Ja, da ist dieser dicke, unangenehme Typ, der die Bevölkerung unterjocht hat – immerhin Ricos Heimat. Und das geht ja nun nicht, oder? Und weil Rico ja bereits Erfahrung hat – im Diktatoren stürzen – sollte er es einfach noch einmal machen! Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Also geht’s nach Medici – dort schießt er bereits in den ersten zwei Minuten vom Dach eines Flugzeugs mit Raketenwerfer auf Flaks. Hat er das geschaft und wurde eingeweiht, wofür dieses Enterhaken-Teil am Arm gut ist, wird er ohne Leine auf die Inseln losgelassen.

Irgendwo auf der riesigen Karte findet sichein gelbes Stierkopf-Symbol: Hauptmissionen, die man aber gepflegt ignorieren kann. Stattdessen geht’s mit dem Endlosfallschirm quer durch die Spielwelt. Stützpunkt nach Stützpunkt dem Erdboden gleich machen. Dass das Spaß macht, will ich Just Cause 3 gar nicht absprechen, denn das tut es. Die Explosionen sehen unfassbar schön aus. Stehen die Gegner nah genug an explodierenden Fässern, Tanks oder Stromgeneratoren, werden sie kreuz und quer durch die Luft geschleudert. Die ersten Stunden habe ich lediglich Stützpunkte und Städte abgeklappert, um diese zu befreien*.

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*Ich habe auf alle rot gekennzeichneten Objekte geschossen: Boom!

Cool guys don’t look at explosions

Die Inselgruppe von Just Cause 3 ist riesig, Autos sind bei der Erkundung aber genau deswegen ein Hindernis. Warum auf Straßen navigieren, wenn ich mit Enterhaken, Fallschirm und Wingsuit überall hinfliegen kann? Aber bietet die große Spielwelt überhaupt Anreize, sie zu besichtigen? Als ich mithilfe eines Hubschraubers das Gebirge der größten Insel erklommen habe und dort nur das Rauschen des Windes zu hören war, überraschte mich, dass es doch mal etwas anderes gab, als Feuerbälle und Schießereien. Denn: Trotz riesiger Insel, viel Abwechslung bietet Medici nicht. Ja, gerade durch die Weitsicht entstehen auch auf der Konsole schöne Panoramen, doch kommt man den vielen Ecken näher, fühlt man sich wie auf einer Theaterbühne. Außerhalb von Missionen können keine Häuser betreten werden, die drei verschieden Arten von Collectables sehen alle gleich aus und die Bevölkerung ist völlig egal.

Ich muss zugeben: Die meiste Zeit in Just Cause habe ich damit verbracht, besetzte Gebiete zu zerstören. Das liegt nicht nur daran, dass man dabei abschalten und einfach wild um sich ballern kann, sondern auch daran, dass die Hauptmissionen sich zum größten Teil anfühlen, wie unnötige Ärgernisse – getreu dem Motto: „Wahllose Aufgabe ohne guten Grund erledigen.“ Beispiel: In einer Mission, entschließt Kumpel Mario, dass er als Straßentänzer ganz einfach unbehelligt durch die Städte ziehen kann ohne vom Militär belästigt zu werden. Dann fällt ihm ein, dass es eine gute Idee wäre, wenn ich ein Militärfahrzeug klauen würde. Ich stapfe also los und erledige genau das. Als ich drei Soldaten umgelegt und mir deren Karre geschnappt habe, kehre ich zu Mario zurück. Zusammen wollen wir jetzt einen Wissenschaftler retten fahren, der in einem Stützpunkt gefangen ist. Warum wir deswegen ein Militärfahrzeug brauchen? Weil… Na, deswegen! Als wir den Wissenschaftler erreichen und seine Bewacher niedergeschossen haben, entdeckt Rico einen Hubschrauber, den der Wissenschaftler fliegen soll (kann er selbstverständlich). Mario hingegen fährt mit dem Auto weiter. Ich soll nun beide Gefährte verteidigen, darf aber in keines einsteigen. Im folgenden wehre ich Welle um Welle von Militärverfolgern ab, scheitere sechs Mal, weil ich entweder sterbe oder Hubschrauber/Auto zerstört werden, weil ich mit meinem Enterhaken wieder einmal in einer Baumkrone festhänge. Am Ende kommen wir bei einem Safe House an, ich erledige die letzten Angreifer und die „Mission abgeschlossen“-Grafik erlöst mich. Das war’s. Das Missionsdesign und die Entscheidungen, die Charaktere treffen, sollen mit einer großen Portion Selbstironie verwechselt werden. Zwinker, zwinker, alles nur Quatsch – Macho-One-Liner, höhö – EXPLOSION! Wer nach ein paar Missionen noch versucht, der „Handlung“ zu folgen, wird schnell merken, dass die Entwickler neben „Explosionen“ offenbar nicht viel auf der To-Do-Liste hatten.

Warum? Just… cause.

Und doch spiele ich Stunde um Stunde, denn irgendwie macht diese ganze Zerstörungskiste ja doch Spaß, wenn man die fragwürdige politische Komponente einfach ausklammert. Aber auch hier frage ich mich: Wieso bleibt man so inkonsequent? Wieso gibt es nebst Granat- und Raketenwerfer sowie C4 nicht mehr Werkzeuge zur Zerstörung? Mörser, Bombenangriffe, komplette Anarchie? Und warum sind es die immer gleichen Tanks und Behälter die zum Explodieren gebracht werden müssen? Avalanche kokettiert das ganze Spiel mit dieser over-the-top-Spielmechanik, hat diese aber meiner Meinung nach nicht zu Ende gedacht. Einige Challenges gehen da schon in die richtige Richtung und lassen den Spieler auf Highscore-Jagd gehen. Das größte technische Ärgernis des Spiels macht sich aber gerade bei den Challenges besonders bemerkbar: Ladezeiten von anderthalb Minuten sind einfach inakzeptabel, gerade weil die Challenge selbst nicht viel länger dauert und man sie mehrmals nacheinander angehen will.

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Avalanche ist dafür bekannt, riesige Welten zu schaffen. Ja, das schaffen sie auch mit Just Cause 3, denn Medici ist wahnsinnig groß. Selbst wenn man das Gebiet mit einem Flugzeug abfliegt, ist man lange unterwegs. Dazu kommen zahlreiche Challenges und unzählige große und kleine Stützpunkte, die von Rico zerschossen werden können. Doch der Spaß eben genau das zu tun, kommt vor allem durch die Schönheit der Explosionen und dem Drang danach, noch eine Granate in einen weiteren Treibstofftank fliegen zu sehen. Die Story ist trotz oder gerade wegen dem ständigen Augenzwinkern lachhaft, der Bösewicht egal und Rico mitsamt Nebendarstellern flacher als die Niederlande. So platt es klingen mag, aber: Wem die Vorgänger gefielen, der wird auch hier seinen Spaß haben, denn viel geändert hat sich nicht. Davon ab ist Just Cause 3, aufgrund seiner riesigen Spielwelt und der Genugtuung, die man durch die Zerstörungswut ohne Zweifel erhält, für einige spaßige Stunden gut, bietet darüber hinaus aber nichts, an das ich mich in drei Monaten noch erinnern werde.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: Just Cause
Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One
Genre: Action
Entwickler: Avalanche Studios
Veröffentlicht von: Square Enix

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