Rasche Abkehr von fossilen Energieträgern

Ziel bekannt – Start unklar

Peking ohne und mit Smog; Quelle: Wikipedia, User Bobak
Peking mit und ohne Smog

Die Geschichte ist im Grunde einfach: Je mehr Treibhausgase wir in die Atmosphäre entlassen, desto stärker heizt sie sich auf. Und desto verheerender werden die Folgen des Klimawandels sein. Deshalb wäre es nur ein Gebot der Vernunft, den Emissionen einen Riegel zu schieben. Wie, ist ebenfalls grundsätzlich klar: Indem wir fossile Energieträger wie Öl und Kohle im Boden lassen.

Ein Rückblick auf das Jahr 2015 zeigt: Schon wieder purzelten Temperaturrekorde. Das vergangene Jahr war weltweit betrachtet das wärmste überhaupt. Und auch in der Schweiz zeichneten die Wetterstationen mit 2015 das durchschnittlich wärmste Jahr seit Messbeginn auf.
Die globale Durchschnittstemperatur stieg seit Beginn der Industrialisierung um bisher rund 1 °C. In der Schweiz betrug der Anstieg der Temperatur sogar 2,5 °C.*1 Die Folgen des damit verbundenen Klimawandels sind bekannt: Häufigere extreme Wetterlagen mit Stürmen und starken Niederschlägen oder Hitze- und Trockenperioden. Wie stark die Temperaturen weiter steigen, hängt direkt von der Menge der Treibhausgase ab, die wir Menschen in Zukunft weiter freisetzen.

Auf Rekordjagd
Zum Beispiel CO2. Dieses entsteht unter anderem, indem die Menschheit Kohle und Öl verbrennt sowie Wälder in Brand setzt*2. In den letzten Jahrzehnten hat die Erdbevölkerung fast ohne Unterbruch Jahr für Jahr neue CO2-Emissionsrekorde aufgestellt. Der Hauptgrund dafür: Die Menschheit verbrennt jedes Jahr noch mehr Kohle, mehr Öl und mehr Erdgas als je zuvor. Dies obschon seit Jahrzehnten die schädlichen Auswirkungen der Treibhausgase bekannt sind.

CO2 auf Rekordjagd
Die CO2-Emissionen steigen fast ohne Unterbruch von Jahr zu Jahr – 2014 entliess die Menschheit fast 36 Gigatonnen in die Atmosphäre.

Damit sammelt sich immer mehr CO2 in der Atmosphäre an. Die Konzentration stieg von ungefähr 277 ppm im Jahr 1750 auf mittlerweile knapp 400 ppm (parts per million) allmählich an.
Das CO2, das sich über die Jahrhunderte in der Atmosphäre angehäuft hat, entstand zu rund drei Vierteln durch Emissionen in Europa und Nordamerika. Der Anteil Asiens am bisher in die Atmosphäre entlassenen CO2 beträgt etwa einen Fünftel. Erst im letzten Jahrzehnt haben China und Indien begonnen grosse Mengen Treibhausgase freizusetzen.

 

CO2-Ausstoss ausgwählter Länder(gruppen)
CO2-Ausstoss ausgewählter Länder und Ländergruppen. Quelle: Global Carbon Atlas

Wachstum in Indien und China
China hat zu Beginn dieses Jahrhunderts noch vergleichsweise bescheidene 3,5 Gigatonnen (Gt) CO2 pro Jahr ausgestossen. Mittlerweile sind es beinahe 10 Gt (von weltweit 36 Gt). Zwar hat sich Chinas Emissionswachstum in jüngster Zeit etwas abgeschwächt aber nach einem Rückgang sieht es derzeit nicht aus. Auch Indien bläst immer mehr CO2 in die Atmosphäre und hat seinen Ausstoss im letzten Jahrzehnt etwa verdoppelt. Und im Gegensatz zu Chinas verlangsamten Wachstum, steigen Indiens Emissionen unvermindert stark an.

Trotzdem produzieren die Bewohner Indiens zur Zeit noch vergleichsweise wenig CO2: jährlich 1,7 t pro Kopf – zehn mal weniger als der durchschnittliche US-Amerikaner. Doch China und vor allem Indien müssen ja nicht die gleichen Fehler machen wie Europa und Nordamerika. Indien kann seine Emissionen stabilisieren, indem es jetzt statt auf Kohle und Öl auf erneuerbare Energien setzt.
Und China sollte erkannt haben, dass die Luftverschmutzung durch Kohleverbrennung ein unerträgliches Mass angenommen hat. Und müsste daher schon im eigenen Interesse auf eine Energiewende hinarbeiten. Indien hingegen sollte vor allem im Sinne der Weltgemeinschaft handeln. Und sollte daher auf die Hilfe aus den reichen Industriestaaten zählen dürfen.

Klima-Ziele
Damit die globale Erwärmung noch einigermassen berechenbar bleibt und damit die Welt noch einigermassen bewohnbar, müssen die Emissionen von Treibhausgasen stark zurückgehen. Das lange ins Auge gefasste 2-Grad-Ziel wurde am Klimagipfel von Paris Ende 2015 zugunsten eines für die Erde weniger gefährlichen 1,5-Grad-Ziels ersetzt.

CO2-Ziele: Der "fossile Ausstieg" muss bald beginnen.
Die gegenwärtigen globalen Emissionen lassen erahnen, wie schwierig es wird, den Trend umzukehren. Dazu müsste die Energieversorgung in den nächsten Jahrzehnten auf den Kopf gestellt werden.

Was für das Klima eine gute Nachricht wäre – schwierig wird es allerdings bei der Umsetzung. Damit das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden kann, ist rasches Handeln nötig. Insbesondere müssen wir uns von Öl und Kohle verabschieden. Die fossilen Energieträger, die noch im Boden lagern, müssen zum grössten Teil auch dort bleiben.

Reserven und Ressourcen
Es gibt zahlreiche Schätzungen, wie viel fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Gas noch in den Gesteinen der Erde versteckt sind. Die Internationale Energie-Agentur IEA rechnet damit, dass wir noch förderbare Öl-Reserven für mindestens 40 Jahre haben, die Erdgas-Reserven reichen sogar für 60 Jahre. Ganz zu schweigen von den grossen Kohle-Reserven, die noch im Boden schlummern: Die Deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt, dass es noch genug Steinkohle für die nächsten 120 Jahre hat.
Zu all diesen fossilen Reserven, die wirtschaftlich und mit derzeitiger Technologie abbaubar sind, kommen noch die sogenannten Ressourcen. Diese lohnt es sich mit den heute verfügbaren Methoden nicht auszubeuten – aber mit Fortschritten in der Fördertechnologie könnten aus solchen Ressourcen weitere Reserven werden.

Adieu Kohle und Öl
Die Menge dieser fossilen Energieträger ist derart gross, dass wenn wir sie allesamt verbrennen würden, der Erde gleich mehrmals in eine Klimakatastrophe reiten könnten. Es entstünden mehrere tausend Gigatonnen CO2. Damit wir das 1,5°-Ziel erreichen, dürfen wir jedoch nur noch etwa 200 Gt CO2 in die Atmosphäre entlassen.
Diese 200 Gigatonnen übrigens werden wir bei gegenwärtigem Verbrauch an fossiler Energie innerhalb von nur fünf Jahren in die Luft geblasen haben! Eigentlich erübrigt sich da jede Diskussion, so klar ist die Sache: Jetzt müssen wir handeln und eine Energiewende einleiten. Nicht erst in ein paar Jahrzehnten.

 

*1
Je nachdem welche Zeitperioden miteinander verglichen werden, ergeben sich andere Zahlen. So lag zum Beispiel das Jahr 2015 rund 2,0° über dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Bis etwa 1920 war aber es aber zum Beispiel nochmals 0,5° kälter als während dieses Referenzzeitraums. Besonders kalt war es um das Jahr 1890: Durchschnittlich 1,5° kälter als 1961-90.
siehe Daten von MeteoSchweiz

*2
Dies sind nur die wichtigsten Quellen von Treibhausgasen, es gibt deren viele mehr,  zum Beispiel verursacht auch die Landwirtschaft Treibhausgas-Emissionen. Nicht in erster Linie CO2, jedoch Lachgas (NO2) und Methan (CH4). So wird aus mit Stickstoff gedüngten Böden NO2 freigesetzt und die in Rindermägen und in Güllegruben entsteht CH4. Beim Trockenlegen von Mooren wird ebenfalls CO2 freigesetzt.Zum Thema Methan gibt es einen älteren Artikel.

*3
Auch Energieträger, die wenig oder keinen CO2-Ausstoss verursachen, sind nicht unbedenklich. So kann zwar mit Wasserkraft Strom erzeugt werden, doch bringen Talsperren den Wasser- und Geschiebehaushalt der Flüsse durcheinander. Zudem setzen in Stauseen ertränkte Pflanzen – vor allem Wälder – das Treibhausgas Methan frei, wenn sie sich zersetzen.

Link
Alle Daten zu CO2-Emissionen finden sich auf des Seite von Global Carbon Project bzw. dem damit verbundenen Global Carbon Atlas.

Die Grafiken wurden mit Hilfe von PiktoChart erstellt.

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