Jahresrückblick Spiele 2015

Na bitte, geht doch!

bison

Nachdem die nahaufnahmen-Redaktion für 2014 nur schnalzende “Ts, ts, ts” und nackenstarre-induzierende Kopfschüttler übrig hatte, ist 2015 wieder (fast) alles gut in Spieleland: Von Giganto-Serien, die ihre Identität mit Anlauf endlich gefunden haben bis zu Winzig-Spielen mit erstaunlich viel Euphorie-Potential bot 2015 vieles, für viele. Und leider auch einige tragische Meldungen.

RUDOLF INDERST
NORMAN VOLKMANN
STEFAN VON DER KRONE
CHRISTOF ZURSCHMITTEN
SEBASTIAN GEIGER
PETER KLEMENT


RUDOLF INDERST

iwata

Unter den vielen, vielen Themen, die die Spielebranche 2015 umtrieben, habe ich mir ein paar herausgesucht, die mich aufhorchen (oder traurig verstummen) ließen. Recht früh im Jahr erreichte mich die Neuigkeit, dass Joystiq, ein US-Videospielblog, seine Pforten schließt. Das traf mich, schließlich hatte ich, hm, 2008 oder 2009, sehr viele Podcast-Minuten mit Chris Grant, Ludwig Kietzmann und Justin McElroy verbracht. Wenn ich DAS schon etwas geknickt zur Kenntnis nahm, traf mich die Nachricht vom Tode Saturo Iwatas mit voller Wucht. Angesichts des unglaublichen Arbeitspensums dieses Mannes konnte man sich entweder nur selbst fürchterlich faul fühlen oder froh sein, nicht in einem japanischen Großkonzern eine leitende Funktion inne zu haben.

In einem anderen Zusammenhang begegnete meiner Aufmerksamkeit Nintendo im Übrigen ein zweites Mal: Nachdem seit geraumer Zeit die Stimmen immer lauter geworden waren, Nintendo möge bitte doch endlich seine Kernmarken auf Smartphones verballern, zeigte das Wehklagen (von dem ich persönlich überhaupt nichts halte) Wirkung: Zusammen mit dem japanischen Mobile-Gaming-Entwickler DeNa wird man wohl den ersten Schritt in diese Richtung gehen. Das Ergebnis? Ungewiss. Ein ungewisses Ende hat vorläufig auch die Silent-Hill-Reihe genommen; schließlich zog Konami hier den Stecker, obgleich weltweit SpielerInnen freudig auf das Ergebnis der Zusammenarbeit von Hideo Kojima und Guillermo del Toro gewartet hatten. Dass das unwürdige Kasperletheater zwischen Entwickler und Publisher allerdings 2015 noch ganz andere Höhen erklimmen sollte…damit hatte ich nicht gerechnet.

Wenn man an dieser Stelle davon schreibt, dass niemand Paris auf dem Schirm hatte, dann hat das plötzlich ein unschönes Geschmäckle. Dabei wollte ich an dieser Stelle nur darauf hinweisen, wie präsent plötzlich die Paris Games Week war, nachdem Sony in Köln keine eigene Gamescom-Show abgeliefert hatte. Haben wir hier einen neuen Player? Wir werden es 2016 sehen. Und dann gab es plötzlich Regen. Bestehend aus…US-Dollars. Activision Blizzard holt sich den Casual-Erfolgspublisher King und lässt die Branche rätseln: Smart Move? Bold Move? What a move! Übrigens, von den Spieleprojekten auf Kickstarter wurden knapp 33 Prozent bisher erfolgreich finanziert.

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Ich tippe diese Zeilen mit einem angeschlagenen Daumen, daher fällt es doppelt schwer, auf die jährlich-vergnügliche Prestige-Tretmühlen-Arbeit der jeweils aktuellen Modern-Warfare-Iteration zu verzichten. Bisher waren es bei jedem Teil noch etwa 100 Stunden, die ich versenkte, und ich denke, das wird auch dieses Jahr nicht anders sein. Da ist es im Grunde egal, wie der Titel diesmal genau heißt. Black Ops 3 ist in dieser Hinsicht eine sichere Bank. Wirkliche Enttäuschungen erlebte ich in spielerischer Hinsicht 2015 nicht: Halo 5 gefiel mir ebenso wie das wiederaufbereitete Gears of War. Und Diablo 3 läuft auch mal immer wieder.

Spiel des Jahres ist für mich jedoch eine kleine Perle, die ich auf der PS Vita im Sommer entdeckt hatte und welche schon einige Jahre auf dem Buckel hatte: Steins;Gate. In der Geschichte von Steins;Gate geht es um eine Gruppe von Freunden, die eine Möglichkeit gefunden hat, Textnachrichten in die Vergangenheit zu schicken, aber dann mit den Konsequenzen ihrer Eingriffe und den Auswirkungen auf ihre Zukunft leben muss. Was sich hier so klar und strukturiert anhört, ist es jedoch freilich nicht: Steins;Gate lebt von Irrungen und Wirrungen. Jegliche Linearität (vor allem die der Zeitachse des Spiels) steht permanent auf Probe, jedwede Wendung hat ihre mögliche Berechtigung und vielleicht war die Phrase „Zeit ist relativ“ nie wahrer als in diesem Japanadventure. In Bälde möchte ich die Animeserie zu dem Spiel ansehen und ein weiterer Teil der Serie kommt auch angeblich. Gute Zeiten!

firewatch

Zum dritten Mal schreibe ich bereits in einer Jahresrückblicksvorschau über meine Vorfreude bezüglich Tom Clancy’s The Division. Nun, 2016 könnte es nun doch so weit sein. Bereiter als bereit werde ich nicht mehr. Noch etwas lauter dürfte es bei Gears of War 4 werden, mal sehen, was die Macher sich rund um das Thema “Horde-Modus” einfallen lassen. Als Let’s Play werde ich mir Outlast 2 ansehen, alleine packe ich das sowieso nicht. Bleiben noch drei Titel: spaßige Runden mit Trackmania Turbo, eventuell Unheimliches mit Firewatch und ein Kosmos voller Möglichkeiten mit No Man’s Sky. Übrigens: Im Dezember 2012 führten wir die Spiele-Ressorts von Titel Kulturmagazin und nachaufnahmen.ch zusammmen, jetzt, drei Jahre später haben wir einige AutorInnen kommen und gehen sehen, können aber gleichzeitig versichern, dass wir mit Feuer und Flamme die nächsten drei Jahre angehen wollen.


NORMANN VOLKMANN

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Als Rudolf uns mit Metallpeitsche aus den Käfigen seines Kellers holte und uns unter der Androhung weiterer körperlicher Gewalt zwang, uns für ein Spiel des Jahres zu entscheiden, wurde mir ganz flau im Magen. Und auch jetzt kann ich mich nicht so richtig entscheiden. The Witcher 3 war für mich das beste Rollenspiel des Jahres (sorry, Fallout 4), doch am meisten spielte ich sicherlich NBA 2K16. Hotline Miami 2 hatte den tollsten Soundtrack, Just Cause 3 die wohl hübschesten Explosionen. Yoshi’s Woolly World war das knuffigste Spiel, das ich in diesem Jahr spielte (ja, die WiiU gibt es auch noch!). Until Dawn war ein toller Ritt, wie die jungen Leute sagen würden, und Batman: Arkham Knight ein würdiger Abschluss der Trilogie – trotz, ja trotz, des Batmobils.

Wenn ich so zurückblicke, dann war 2015 generell ein gutes Jahr. Ok, zum vierten Mal in fünf Jahren umziehen zerrte an den Nerven – zum Glück konnte man sich dafür bei einigen Spiele-Sessions entspannen. Wie bereits im Vorjahr, versenkte ich die meiste Zeit in NBA 2K16. Ohne ein genaues Ranking machen zu wollen, war das vermutlich auch – wieder – mein Spiel des Jahres. Es ist zu authentisch, zu komplex, mit zu viel Liebe gemacht, zu spaßig auf so vielen Ebenen, als dass es weniger sein könnte, als das Spiel des Jahres. Ebenfalls froh blicke ich auf Mai zurück, als Geralt zum dritten Abenteuer einlud. Die erzählerische Dichte von The Witcher 3 ist einmalig, die riesige Spielwelt ein Ort, der Abenteurer herausfordert. Dagegen fiel selbst Fallout 4 ab, obwohl ich mich darauf wohl am meisten in diesem Jahr gefreut hatte. Aber nach knapp 30 Stunden war dort erstmals ein wenig die Luft raus. Irgendwie hatte ich nach New Vegas und Fallout 3 das Gefühl alles schon zu kennen, obwohl ich ganz genau das bekam, was ich erwartete. Vielleicht war auch das Problem.

Ebenfalls Erwähnung finden muss die WiiU: Yoshi’s Woolly World war spielerisch selten eine wirkliche Herausforderung, aber der entspannendste Co-op-Titel, der von Feel-Good-Momenten lebte und dessen Soundtrack selbst im tristen und nassen Winter gute Laune verbreitet. Es war der Titel, den Nintendos Vorzeige-Dino verdient hatte und der das Yoshi’s-Island-Gameplay mit Woll-Optik vorbildlich weiterentwickelte. Die größte Überraschung war für mich Until Dawn, dass mich mit seinem Horror-Charme direkt zurück zur Jahrtausendwende brauchte – als ich Teenie-Slasher liebte. Gerade nach den David-Cage-Werken deren Stärke selten in der Erzählung lag, war Until Dawn eine willkommene Abwechslung, die sicherlich nicht ohne Logiklöcher auskam, allerdings immer spannend war. Und – am wichtigsten – selbst für Hösenscheißer wie mich gut spielbar, ohne ständig das Licht anmachen zu müssen oder längere Pausen einzulegen.

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Ein paar Ausreißer nach unten gab es in diesem Jahr ebenfalls, so konnte mich Hotline Miami 2 – trotz erneut großartigem Soundtrack – überhaupt nicht packen. Mir fehlte der Flow, das ständige Verlangen, erneut zu starten. Vielleicht überkommt es mich noch einmal, wünschen würde ich es mir. So bleibt es aber bei einem indifferentem “Meh.” Der nächste Titel allerdings war ein faustdicke Enttäuschung, die ich vermutlich so nicht antizpiert hatte: Letztes Jahr um diese Zeit etwa spielte ich die erste Episode von Telltale’s Game of Thrones und war begeistert. Man fing den Tenor der Serie erstaunlich gut ein, packte ein paar bekannte Gesichter in die Geschichte und endete ebenjene erste Episode mit einem Schockmoment, der bewies: Telltale kann es noch. Und dann begann die alte Mär: Bis zum Sommer sollte das Kapitel Game of Thrones abgeschlossen werden – tatsächlich kam die letzte Episode Mitte November. Nach langen Wartezeiten bröckelte der Bezug zum Spiel über das Jahr und nach mehr als zwei Monaten Pause bis zur letzten Episode, war meine Verbindung zu den Charakteren weg. Jede schwerwiegende Entscheidung war im Grunde egal und dieses eklig-offene Ende ärgerte mich mehr, als das es Vorfreude auf die zweite Staffel schuf. Die erste Staffel The Walking Dead mochte auch einige längere Wartezeiten mit sich gebracht haben – dort lag der Fokus aber auf zwei Spielfiguren. Spiele ich in jeder Episode aber 3-5 verschiedene Personen, die alle unterschiedliche Probleme haben, komme ich irgendwann nicht mehr mit. Bevor ich diesen Satz schrieb, überlegte ich fünf Minuten, wie auch nur ein Name eines Hauptcharakters lautete. Mir fiel nur “Rodrick” ein… allerdings ohne passendes Gesicht dazu. Klar, Serie und Bücher haben ein ähnliches Problem – zahlreiche Charaktere und Erzählstränge – aber immerhin muss ich dort keine Entscheidungen innerhalb weniger Sekunden treffen, während ich eigentlich noch überlege, was der jeweilige Charakter in der letzten Episode tat. Diese ewige Warterei zwischen den Epioden lässt mich kritisch auf zukünftige Telltale-Projekte blicken. Episoden-Format schön und gut, aber ich möchte bei solch komplexen Erzählungen keine zwei Monate (oder länger) warten. Von dieser ständig stotternden und zuckenden Engine will ich gar nicht erst anfangen.

Und 2016?

Schon jetzt blicke ich erwartungsvoll Richtung Oktober, denn dann soll Yooka-Laylee, der geistige Nachfolger von Banjo-Kazooie erscheinen. Letzteres ist für mich noch immer das Nonplusultra, wenn es um 3D-Platformer geht. Auch wenn Bär und Vogel niemals übertroffen werden können – passt es musikalisch und vom Gefühl, reicht mir das vollkommen.

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Doch auch einige andere Hochkaräter sind für 2016 angekündigt: Ich persönlich freue mich auf DOOM, das mit Geschwindigkeit und der Brutalität sicher keine Innovationspreise gewinnen wird, aber zumindest spaßig aussieht. Mit Uncharted 4 hoffe ich auf die richtige Mischung aus doofen Sprüchen, Schussgefechten und – am wichtigsten – Kletterpassagen. Trotz nervigem Vorbesteller-Klimbimm sah Deus Ex: Mankind Divided spannend aus, Mirror’s Edge Catalyst, Mafia 3 und Star Fox Zero scheinen gut zu werden. Ich blicke jetzt schon gespannt auf die E3 und eine mögliche Ankündigung von Nintendos neuesten Konsolenprojekt.

Etwas skeptisch bin ich mittlerweile bei The Division und No Man’s Sky. Beides sah vielversprechend aus, hinterließ bisher aber vor allem Fragen und gerade im Fall von The Division diese Furcht, dass es so mittelmäßig wird, wie Watch Dogs am Ende war. Auch bei Quantum Break habe ich ein wenig Bedenken, dass man eine potentielle wirre Story in einen generisches Thrid-Person-Shooter-Gewand steckt und sonst keine Ideen hatte. Ich hoffe, Remedy straft meine Zweifel und liefert den Kaufgrund für die Xbox One! Frisch nach Game Of Thrones fürchte ich um die Umsetzung von Telltales Batman. Zumindest werde ich abwarten, bis alle Episoden erschienen sind… 2017 dann. Und: Wird The Last Guardian wirklich nächstes Jahr erscheinen?

Aus Indie-Sicht warte ich sehnsüchtig auf ein PS4-Release von Broforce, freue mich auf das Re-Release von Day of the Tentacle und hoffe konsolenseitig auch endlich The Banner Saga spielen zu können. Zählt Kingdom Come: Deliverance auch als Indie-Titel? Dann freue ich mich an dieser Stelle auch darauf.


STEFAN VON DER KRONE

bloodborne

Rudolf hat das Jahr aus Sicht der Branche sehr gut auf den Punkt gebracht. Hängen bleiben wird vor allem dieses unsägliche Kasperletheater zwischen Konami und Hideo Kojima. Als großer Fan von Metal Gear Solid stehe ich natürlich Kojima-San moralisch zur Seite. Dennoch ist es schwer zu beurteilen, wer da was ausgelöst hat. Kojima aber von den Game Awards mit Anwalt fernzuhalten war kein schöner Move! Shame you, Konami!

Spielerisch war 2015 ein aufregendes Jahr. Ich erfreute mich an Spielen wie Hotline Miami 2, Bloodborne, Dying Light, Metal Gear Solid V, dank Frau Marx und Herrn Inderst an Bayonetta sowie an Transformers: Devastation. Nun, aber was wäre denn wohl mein persönliches Spiel des Jahres?

Hotline Miami 2? Ok, meine Herzensdame würde wohl protestierend insistieren, ob des Frustes, den ich während des Spielens verspürte. Es war hart, es war brutal hart, aber es machte Spaß und bereicherte meine Ohren mit dem vielleicht tollsten Spiele-Soundtrack des Jahres.

Bloodborne wäre per se schon ein perfekter Kandidat. Entwickelt von den Machern von Dark Souls sowie Demon’s Souls und dem Vibe von Letzterem erfreute es nicht nur die Kritiker. Der Horror in viktorianischem Gewand ist fesselnd und spannend, dennoch ist so langsam die Luft raus aus dem Hardcore-Spielprinzip. Bleibt zu hoffen, dass Dark Souls 3 ein würdiger Abschluss der Souls-Reihe wird, gleichzeitig aber erfrischende neue Zutaten beifügt. Das jüngst erschienende Add-On Old Hunters legt was den Schwierigkeitsgrad betrifft die Latte definitiv um einiges höher. No Pain, No Gain!

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Dying Light war ein kleines Highlight. Die Open-World-Mixtur ist für mich nicht sofort überzeugend, aber das Gesamtpaket versprach Spaß. Parcour in einer apokalyptischen von Zombies überrannten Stadt, eine unterhaltsame Geschichte. Ein Mix aus Mirror’s Edge und Fallout, was will ich schon mit Fallout 4? Freudig warte ich nun auf das angekündigte Add-On mit fahrbaren Autos.

Aktuell hänge ich noch mit Spannung an Metal Gear Solid V. Oder soll ich eher Peace Walker 2 sagen? Hideo Kojima hat sein bewährtes Spielprinzip weiter verfeinert und in die offene Welt von Afghanistan bzw. Afrika verlegt. Es macht Spaß, es macht süchtig und bietet reichlich Möglichkeiten und Ansätze, eine Mission zu bestehen. Aber leider bleibt die Story auf der Strecke, was sehr schade ist. Kojima-San war schon immer ein Meister darin, cineastische Momente mit genialem sowie abwechslungsreichem Gameplay zu mixen. David Cage kann sich davon gerne einiges abschauen, vielleicht wird dann aus Detroit: Become Human mehr als die beiden Vorgänger.

Bayonetta 2 war eine schöne Reise mit der namensgebenden Hexe. Das Spielen mit dem WiiU-Controller war ein Highlight – wenn Remote-Play mit der PSVita so gut von der Hand gehen würde. Platinum Games begeistern mich immer wieder auf’s Neue und dafür verehre ich sie. Ein schönes Weihnachtsgeschenk wäre doch eine HD-Collection inklusive dem ersten Bayonetta, Vanquish und Metal Gear Rising: Revengeance. That’d be great!

transformers

Und weiter ließen die Jungs mein Gamer-Herz mit dem jüngst erschienenen Transformers: Devastation höher schlagen. Vergesst Micheal Bay und seine langweiligen Materialschlachten. Devastation ist ein schöne Hommage an die alte Zeichentrickserie mit genialem Old-School-Soundtrack. Da freut sich der Junge in mir. Ich tendiere auch eher zu diesem Spiel als mein Kandidat für das Spiel des Jahres. Eine äußerst befriedigende Kampfmechanik sowie fordende Bosskämpfe ergeben ein Spiel, das auch beim wiederholten Durchgang kaum an Reiz verliert. Autobots, transform and roll out!

Und 2016?
Das kommende Jahr wartet mit einigen Schmankerln auf. Da wäre Im März Uncharted “Goddamn” 4, im April Dark Souls 3. Später im Jahr folgen dann noch Deus Ex: Mankind Divided sowie das nächste Spiel von Platinum Games, Nier: Automata. Zwischendurch gönne ich mir vielleicht doch noch die GOTY-Edition von Arkham Knight. Ansonsten wird mich die Baby-Station lange Zeit begleitet – der Nachwuchs will auch an die Leidenschaft der Videospiele herangebracht werden.


CHRISTOF ZURSCHMITTEN

undertale

Nachdem wir 2014 eher mit einem Kopfschütteln quittierten, ist 2015 wieder Ruhe eingekehrt in die verdrahteten Kartons, die wir uns unser den TV stellen. Andernorts habe ich bereits darüber spekuliert, ob 2015 nun doch eher ein solides Jahr war oder ein wirklich großes… letztlich muss die Antwort darauf eh lauten: Egal, beides fein.

Im Rückblick auf 2013 und 2014 habe ich noch gemosert, dass es zu wenig Gründe für den Umstieg auf die aktuelle Konsolengeneration gäbe. Das ist in 2015 definitiv nicht mehr wahr gewesen, aber bislang habe ich mich dennoch vor dem Sprung gescheut. Damit schloss ich mich selbst aus von einer Reihe von Titeln, die das SO! ins solide 2015 gedrückt haben: Als jemand, der [Achtung: Hipsterbonus] seit Demon’s Souls Feuer und Flamme für die Souls-Reihe war und von Dark Souls 2 redlich enttäuscht, konnte ich mit distanzierten Seufzern beobachten, wie Bloodborne anscheinend wieder fest im Sattel einer unheiligen Kreatur sitzt — und dabei mehr von Lovecraft verstanden hat als beinahe jedes Spiel davor. Und nachdem ich weiland zum erscheinen von The Witcher 2 moniert hatte, dass das Spiel im Gegensatz zu seinem Vorgänger vergessen hatte, wieviel Kapital sich schlagen lässt aus dem Anknüpfen an die lokalen Sagen und Mythen, scheint The Witcher 3 alles richtig gemacht zu haben — und hat ganz nebenbei, wie es heißt, mit einer bis dahin ungekannten Sorgfalt selbst dem ewigen Sorgenkind Nebenquest im Open World-Spiel neues Leben eingehaucht. (An Fallout 4 war ich, übrigens, genau wegen dieser mangelnden Sorgfalt bislang nicht interessiert. Mit einer zunehmenden Zahl von Mods, die etwa Magisches zur Atmosphäre beitragen, könnte sich dies irgendwann noch ändern.)

Es war, scheint es, das Jahr der veredelten offenen Spielwelt — an der ich, wie gesagt, aufgrund mangelnder Rechenleistung nicht teilnehmen konnte. Oder fast nicht: Das weiland gekickstartete Pillars of Eternity, das zurückreicht in eine Rollenspielzeit, mit der ich aufgewachsen bin, spielte ich tatsächlich zu Ende — obwohl es kaum bleibende Eindrücke hinterlassen hat. Und weil die Damen und Herren um den vielgebeutelten Kojima mit ihrer Fox Engine selbst aus arthritischen Geräten noch Erstaunliches herausholen, konnte ich immerhin Metal Gear Solid: V anspielen. Ich war durchaus glücklich angesichts dem absolut selbstsicher vorgetragenen Irrsinn, mit dem Kojima auch in seinem unfreiwilligen Schwanengesang auf die Serie absolut nicht zurückhält, und nicht minder beeindruckt von der Tatsache, dass kein anderes Spiel ein so gut bestücktes Schleichtaschenmesser für das Meistern immer wieder neuer Situation bereitstellte. So sehr die ungezügelte “What You See Is What I Want”-Attitüde Kojimas die Schlagzeilen um seine Spiele beherrscht (wenn es nicht unsägliche Dramen um seine völlig durchgetickten Ansteller sind), sollte eines nicht vergessen werden: Der Mann traut sich auch, in der althergebrachten Kunst des Game Designs Neues zu probieren.

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…all das schreibe ich, als hätte ich zig Stunden mit Metal Gear Solid verbracht. Die traurige Wahrheit ist aber, dass mich die schiere Länge des Spiels und die Optionenvielfalt irgendwann abgeschreckt hat. Es war, gerade im Dreier-A-Sektor, ein Jahr für Spiele, neben denen man keine anderen mehr brauchte, und ich merkte auch 2015, dass diese Art von Spiel mit meinem momentanen Lebenslauf nicht so richtig zusammenpassen will. Vielleicht wird sich daran im nächsten Jahr einiges ändern. Vielleicht werde ich aber auch 2016 zufrieden sein mit Spielen, die in kurzen Perioden erfüllende Erlebnisse bieten. Dass das vergangene Jahr neben den von meinen Vorrednern bereits diskutierten Schwergewichten auch in diesem Bereich viel bot, lässt das Jahr als rund genug erscheinen.

Auch 2015 schlugen mich wieder Spiele in den Bann, die zufallsgenerierte Level und permanentes Absterben kombinierten zu kurzen Spielesessions, die sich in ihrer endlosen Repetierbarkeit dann doch summieren zu Spieldauern, in denen ich locker The Witcher 3 zu Ende hätte spielen können: Von den Freuden der manischen Geschwindigkeit von Nuclear Throne hatte ich schon letztes Jahr geschrieben — 2015 ist es offiziell “fertig” gestellt worden und gut wie eh und je. Auch schon länger im Entwicklungsstatus zugänglich, aber erst 2015 offiziell erschienen, ist Crypt of The Necrodancer, das Roguelike-Elemente kombiniert mit einem Rhythmusspiel — und dabei großzügig genug ist, dass selbst ein taktlädierter Mensch wie ich etwas damit anfangen kann.

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Außerdem blieben einige Indie-Spiele bewusst kompakt, um umso experimentierfreudiger bleiben zu dürfen: Her Story benutzt eine Retro-Benutzerobefläche, die in absolut innovativer Weise das in den Annalen der Geschichte vergrabene Genre des Full Motion Video-Games reanimiert. Her Story kreiert mit diesen Mitteln ein charmantes Detektivspiel, bei dem die Innovation sogar über die letztlich furchtbar banale und pulpige Handlung hinwegtröstet. Und mit The Beginner’s Guide ließ David Wreden verschmitzt innerhalb von zwei Stunden alle Grenzen zwischen Fiktion und Fakt verschmelzen und forderte damit Kritik wie Spieler in der besten Weise heraus.

Und zuletzt war 2015 für mich auch das Jahr, in dem (hauptsächlich) textbasierte Spiele neue Höhen erklommen: Das 2015 auch für den PC erschienene 80 Days bot mit seiner Jules Verne-Neuerfindung die vermutlich beste Vermählung von Setting und Mechanismen, und eine völlig neue Art von Reiseliteratur. Und Sunless Sea zeigte, wie Text auch in Spielen das ultimative Werkzeug ist, um fantastische Welten zu erschaffen — oder dafür, Menschen, wie in meinem Fall, mit ihren Eltern zu verbinden.

Als liebstes Spiel muss ich bei alledem aber dennoch ein anderes nennen, das all diese Tugenden verbindet: Undertale ist trotz seinem unscheinbaren Äußeren so innovativ wie kompakt, so gut geschrieben wie alle der genannten Spiele und in seinem Worldbuilding ebenso konsequent wie jedes beliebige Spiel in 2015. Um mich nicht wiederholen zu müssen, verweise ich an dieser Stelle gerne auf die absolut schamlosen Hymne, die ich andernorts bereits auf Toby Fox’ unwahrscheinliches Erstlingswerk geschrieben habe.

Und 2016?

Schätze, 2016 wird für mich insofern 2015 ähneln, als mich die Kolosse, die vorauseilend ihren Schatten über das Jahr werfen, eher am Rande interessieren. Mein zukunftswärts tickendes Herz gehört wieder Indies — insbesondere vielen bereits vor mehr oder weniger langem gekickstarteten Spielen, die 2016 endlich erscheinen sollen: Hyper Light Drifter dürfte endlich beweisen, ob es mehr ist als — allerdings fraglos — umwerfende Pixelkunst, der Mann mit dem schönsten Haupthaar der Spieleszene darf zeigen, wieviel seines preisgekrönten Humors es in das andere Piraten-Adventure Nelly Cootalot: The Fowl Fleet! schafft, die schlick-schicken Neon-Raser von Distance werden es in 2016 endlich über die Ziellinie schaffen und The Long Dark wird es mir erlauben, durch den fertiggestellten unendlichen kanadischen Survival-Schnee zu stapfen.

nelly

Und wenn die Basketballgötter uns gnädig sind, wird vielleicht auch das von mir bereits in diversen früheren Jahresvorschauen heiß erwartete The Magical Realms of Tír na nÓg: Escape from Necron 7 – Revenge of Cuchulainn: The Official Game of the Movie – Chapter 2 of the Hoopz Barkley SaGa den Sprung von der ballfaschistoiden Zukunft in die Gegenwart schaffen… und letztlich dürfte auch Night In The Woods “irgendwann” 2016 erscheinen — erheblicher Grund zur Vorfreude, war Lost Constellation, ein kostenloses Spinoff zum Spiel, doch bereits eines meiner Lieblingsspiele von 2015.

Und wer weiß? Falls mir bei alledem tatsächlich noch Zeit bleiben sollte für Spiele, für die ich nicht bereits vor Jahren die Spendierhosen angezogen habe, werde ich vielleicht doch noch auf die gegenwärtige Konsolengeneration aufspringen. Nier: Automata, The Last Guardian und vor allem Persona 5 könnten den letzten Ausschlag dazu geben.


SEBASTIAN GEIGER

Witcher-3

Nach dem sehr mauen 2014 ist 2015 ein Jahr, das mich mit Games als Medium wieder versöhnt hat. Mein Gott, haben wir gute Spiele gesehen und gerade Veröffentlichungen wie Witcher 3 und Indiespiele wie Undertale haben gezeigt, wie viel Potenzial noch in dem Medium steckt. Leider war 2015 auch das Jahr von fiesen Herstellertricks (Konami) und unsinnigen DLC-Abzockereien. Batman: Arkham Knight, Star Wars: Battlefield und Evolved zeigten sehr gut, wie schnell ein Hersteller sein Zugpferd durch pure Gier in den Boden reiten kann. Ein Spiel, das nur dann spielbar wird, wenn man den Seasonpass für 50 Euro kauft? Ein Spiel, bei dem Monster der Hauptcharakter sind und doch nur als DLC angeboten werden, ein Spiel, bei dem sich der Entwickler lieber auf den DLC konzentriert als auf wichtige Patches, die das Ding endlich spielbar machen? Das gab es 2015 leider auch alles. Zum Glück überwiegen die positiven Erinnerungen – und in Form von CD Project Red gab es sogar ein Beispiel für ein Entwicklerstudio, das die Sache mit den DLCs und den Erweiterungen ernst nimmt und sich den Hintern für die Spieler aufreißt. Die zeigten sich zum Glück von Witcher 3: Wild Hunt so angetan, dass das Beispiel hoffentlich Schule machen wird. Also ja, 2015: Trotz deiner Fehler warst du ein sehr tolles Spielejahr.

Spiele des Jahres

Meine beiden Lieblingsspiele haben meine Kollegen schon mit Lob überhäuft. Witcher 3 ist nicht nur das beste Rollenspiel des Jahres, sondern vielleicht des Jahrzehnts. Mir als Fan der Bücher hat neben der unglaublichen Atmosphäre vor allem imponiert, wie nahe CD Project Red am Ende doch an den Geschichten von Andrejz Sapkowski geblieben ist. Dicht darauf folgt Bloodborne, das mit als Viktoriana- und Horror-Fan all das gegeben hat, was ich an Dark Souls noch so ein bisschen vermisst habe. Alles ist schneller und eleganter und das Spiel so schön makaber wie wenig andere vor ihm. Apropos Horror: Da darf man Until Dawn natürlich nicht unerwähnt lassen, für mich die Überraschung des Jahres. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Teenie-Slasher, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als cleveres kleines Spiel, das ganz nebenbei David Cage eine Anleitung gibt, wie das mit den Entscheidungen und den Emotionen funktionieren kann. Ganz ähnlich verhält es sich mit Life is Strange, das wohl sogar noch Witcher 3 den Rang abgelaufen hätte, wenn da nicht der Schönheitsfehler mit dem Ende gewesen wäre. So bleibt das Adventure um Hipster-Fotogeek Max und ihrer besten Freudin Cloe ein Vorzeigespiel, das man jedem unter die Nase halten sollte, der nichts mit Games anzufangen weiß. Und dann ist da natürlich noch Pillars of Eternity, das bei all den guten Spielen im vergangenen Jahr leider zu kurz gekommen ist und das ich hoffentlich in diesem Jahr noch etwas spielen kann – wenn ich irgendwann mit Bloodborne und Witcher 3 richtig fertig bin. Also, so richtig, richtig. Andere wichtige Spiele, die ich gerne gespielt habe, die es aber leider nicht in meine Top5 geschafft haben: Rocket League (so viel Spaß), Lego Dimensions (so viel Dr. Who und doch so wenig Geld), Crypt of the Necrodancer (der Dungeon-Rhythmus, wo jeder mit muss) und Undertale (was musstest du auch erst so spät auf meinem Radar erscheinen).

rocketleague

Enttäuschungen – gab es leider auch. Ganz vorne mit dabei: Metal Gear Solid V, und das nicht nur wegen dem K(r)ampf Kojima vs. Konami. So schön das Geschleiche ist und so toll die offene Welt auch sein mag – Snake hätte einen Abschluss verdient, der auch tatsächlich ein Ende hat. Und damit meine ich nicht die sehr gelungene Endsequenz, sondern alles davor. Zum Glück haben sich andere Leute mehr Gedanken zu diesem Thema gemacht, so dass ich sie nur verlinken muss. Dann wäre da natürlich noch The Order 1886, das zwar das schönste Grafikdemo in diesem Jahr war, aber sonst nicht viel, Batman: Arkham Knight (zumindest auf dem PC), das immer noch nicht richtig funktioniert, sowie Star Wars Battlefront und Evolved. Gerade bei Arkham Knight, Evolved und Battlefront könnte man sich auch sehr gut über die DLC-Strategien der großen Hersteller aufregen – aber das habe ich ja schon getan.

Und 2016?
Gibt es schon viele interessante Titel. Dark Souls 3 wurde schon erwähnt, Mirror´s Edge Catalyst auch – daneben ein neues Hitman, ein neues Deus Ex und ein neues Dishonored. Besonders freue ich mich aber auf den Indie-Hüpfer Unravel, der mir auf der Gamescom 2015 das Herz gestohlen hat. Und auf Shroud of the Avatar, mit dem Richard Garriot seine Ultima-Saga fortsetzen will – wenn auch nur inoffiziell. Mal sehen, wer bei den Retro-RPGs 2016 gewinnt. Shroud of the Avatar oder Torment: Tides of Numenera. Das ist auch eine inoffizielle Fortsetzung – und zwar von Planescape: Torment, das bei vielen Spielern – ähnlich wie Ultima – als eines der besten RPGs aller Zeiten gilt. Wenn jetzt noch die großen Hersteller aus ihren Fehlern 2015 lernen – aber man wird ja noch träumen dürfen…


PETER KLEMENT

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Das Jahr, in dem ich erstaunlich wenig spielte

Ich habe die Kontrolle über mein Kaufverhalten verloren. Ich kaufe Dinge, weil ich Gutes über sie gehört habe, ich kaufe Dinge, weil sie billig waren, ich kaufe Dinge, weil ich eigentlich nur das eine Ding aus einem Bundle an Dingen haben wollte. Nur gespielt wird nichts davon, denn am Ende des Tages lande ich dann doch bei War Thunder oder einem dieser Open World Monster, die das Jahr 2015 geprägt haben. Doch genug davon: Tacheles.

The Witcher 3

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Unfassbare Liebe zum Detail, tolle Entscheidungspfade, die durch die SpielerInnen mit Leben gefüllt werden und die wohl beeindruckendste mittelalterliche Kulisse, die jemals digital aus dem Boden gestampft wurde. The Witcher 3 tanzt gekonnt auf der Rasierklinge zwischen einer spannenden Story und einer offenen Welt, denn es erschlägt nicht mit unendlich vielen Möglichkeiten – meist beliebige – Dinge zu tun: Bau dir ein Haus! Mal dein Pony an! Bau dir einen Raketenwerfer, der explodierende Goldfische schießt! Gleichzeitig belohnt es aber Entdecker mit hervorragend entworfenen Charakteren und schwierigen Entscheidungen, die sich dem üblichen Schema des abstrusen Gutmenschentums entziehen,  dessen Gegenpol meist die totale Kackbratzigkeit ist. Denn entweder holt der strahlende Held die Katze des Waisenkinds vom Baum und spendet noch 200 Goldstücke, damit es für die nächsten drei Jahre zu essen hat oder er verhaut das Kind, schüttelt das letzte Geld aus ihm raus, zündet den Baum und schändet die Katze. The Witcher 3 dagegen spielt meisterhaft mit Grautönen und lässt den angehenden Hexenjäger auch gern mal ins Messer laufen, wenn er all zu altruistisch daherkommt. Spielt es und bringt ausversehen ein paar Leute an den Galgen!

Fallout 4

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Was passiert, wenn ein Spiel solange durch Nutzerstudien gejagt wird, bis nur noch eine verkümmerte eierlegende Wollmilchsau in einer bald eröffnenden DLC-Legebatterie übrigbleibt? Fallout 4 passiert. Das Großartige an Fallout war, gegen einen Supermutanten im Armdrücken zu verlieren, um anschließend festzustellen, dass der Wetteinsatz so oder so auf eine Powerfaust hinausläuft (hihi).

Die Welt war gefüllt mit liebevoll gestalteten Sets aus der Schatzkiste des Trash, die aber so gut geschrieben waren, dass es Spaß machte sich mit einem Ghoul zu unterhalten, dem ein Baum aus dem Kopf gewachsen ist. Am Ende einer jeden Session listet das Spiel fein säuberlich die Entscheidungen des Spielers auf und auch während des Spiels ändert sich die Welt bereits: Beim Armdrücken verloren? Dann werden die Bewohner des Ortes einiges an anzüglichen Bemerkungen auf Lager haben. War never changes, doch die Spielwelt ist nach dem Spielende und schon während des Spiels eine andere.

In Fallout 4 bietet nur die Illusion von Wirkmächtigkeit durch ein halbgares Crafting-System und fummeligen Siedlungsbau, der letztendlich nur als postapokalyptisches Tamgotchi Daseinsberechtigung hat. Fallout 4 hat eine riesige Spielwelt, die durchaus toll gestaltete Orte zu bieten hat, die nur durch ihren Aufbau tolle Geschichten erzählen: Eine verlassene Polizeistation. In der Verhörzelle befindet sich eine Handschnelle, eine skeletierte Hand, eine Blutspur nach draußen. So einfach, so gut.

Fallout 4 ist eine riesige digitale Modelleisenbahn, die sich aber nie verändert. Das Banditennest, das man vor einer Stunde mit einer (liebevoll gecrafteten) Minigun abgerissen hat, ist plötzlich wieder bevölkert. Jedes Mal wenn man an einem bestimmten Ort vorbeiläuft, greift ein Senkrechtstarter ein Mutantennest an. Fallout 4 ist zur Beschäftigungstherapie verkommen, in der Aluminiumdosen gesammelt werden, damit man endlich weitercraften kann. Die Entscheidungsmacht über Wohl und Wehe einer postapokalyptischen Welt ist durch ein Hamsterrad an Beliebigkeiten ersetzt, angereichert mit ein paar Storybrocken. Fallout 4, Fallout 4 never changes. Es hat einen Grund, dass Cowboys am Ende in den Sonnenuntergang reiten und zwar nach New Vegas.

Metal Gear Solid V

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Konsolen und damit die komplette japanische Spielekultur gingen an mir vorbei. Super Mario Land, Zelda: Links Awakening und Mystic Quest sind die einzigen Kontaktpunkte. Es sollte bis ins Jahre 2015 dauern und die Empfehlung des mächtigen Dennis Kogel brauchen, dass ich mich wieder japanischen Spielen und deren Stardesignern befassen sollte. Das Erlebnis war…bizarr und sehr interessant. Denn Metal Gear Solid V ist ein geiles Spiel, in dem die Hand eines meisterhaften Game Designers sichtbar wird, im Guten wie im Schlechten. Es ist vermutlich das letzte Spiel seiner Art, denn es trägt schon das Mal der knallharten Industrialisierung. Meine Theorie ist ja, dass sich während der Produktion Szenen wie in “A Christmas Carol” abgespielt haben müssen.

Ein Gedanke zu „Jahresrückblick Spiele 2015

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