Need for Speed

Pubertät am Steuer

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WROOM, WROOM. Der Nissan Skyline GTR V-Spec steht an der Ampel, bereit für das nächste Rennen. Es geht durch die nächtlich ausgeleuchteten Straßenschluchten, dazu ein fetter Beat. STEFAN VON DER KRONE berichtet, ob der Ritt es wert war.

Einst war Need for Speed das Aushängeschild der Edel-Arcade-Racer. Mit den teuersten Sportwagen ging es schon jeher auf die schöne Piste, um noch vor den Gegnern im Ziel zu sein. Dazu gesellten sich gerne die Ordnungshüter mit ähnlich starken Bolliden. Es handelte sich um die Zelebrierung der PS-Kunst, wie sie es nicht einmal Auto-Motor-und-Sport-TV oder die glanzvollen Werbespots der Automobilhersteller vermitteln konnten.

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Doch leider sind diese Zeiten vorbei. Nach den sehr sehenswerten Ausflügen ins Ländliche (Hot Pursuit, Rivals) sowie ins Städtische (Most Wanted) scheint der Glanz wieder verloren. Mit einer Geschichte, die keine ist und Protagonisten, die noch nicht aus der Pubertät heraus gekommen sind, möchte Ghost Games an (zurecht!) längst vergessene Underground-Zeiten erinnern – als sei das nötig! Das ist es natürlich nicht, und so reihen sich Auto-Tunings, nervige Handy-Anrufe und grausame Musik zu einem spannungslosen Erlebnis aneinander.

Es stellt sich die Frage, warum gewisse Errungenschaften der Vorgänger von Board geworfen wurden: Warum kein Quick-Menü über das Digipad? Warum diese überflüssige Geschichte um einen namen- und gesichtslosen Mitläufer einer Gruppe verwöhnter Teenies? Warum überhaupt eine Geschichte? Warum kein alternatives Dasein als Polizist? Und warum eigentlich keine Rennen tagsüber? In Venture Bay muss die Selbstmordrate immens hoch sein. Anders lässt sich das starke Aufkommen lebensmüder Rennfahrer nicht erklären.

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Letztendlich bleibt nur die Feststellung, dass der kurz aufflammende Glanz der letzten Jahre erloschen ist. Need for Speed versingt weiter in der Bedeutungslosigkeit und Spieler abseits der Xbox (Forza Horizon) müssen immer noch auf einen spaßigen Racer hoffen. Vielleicht klappts ja nächstes Jahr – sollte denn Electronic Arts gnädig sein. Wie wäre es mal mit einem neuen Burnout, einschließlich Crash-Modus freilich! Oh ja, das wäre wie Ostern und Weihnachten zusammen!

Abschließend möchte ich noch ein paar Zeilen aus meiner Besprechung zu Need for Speed: Rivals wiederholen, da sie auch auf die aktuelle Iteration zutreffen: “So verfluche ich [Ghost Games] dafür, dass es bis heute keinen Split-Screen-Modus mehr gibt. Wie cool wäre es, sich mit einem Kumpel auf der Couch ein spannendes Duell zu liefern. (…) Gerne würde ich dafür auf eine schicke Grafik verzichten. (…) Oder wo bleibt der Strecken-Editor? Da hat man nun eine offene Welt (…). Es wäre DAS Alleinstellungsmerkmal schlechthin! (…)”

Eine zweite Meinung zum Spiel kann übrigens hier von Rudolf Inderst nachgelesen werden.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen.

Originaltitel: Need for Speed
Plattformen: PS4, Xbox One, PC
Genre: Rennspiel, Arcade-Racer
Entwickler: Ghost Games
Veröffentlicht von: Electronic Arts

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