Interview mit Anna Ternheim

“Wenn man den harten Prozess des Loslassens durchgemacht hat, fühlt man sich oft befreit“

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Der Abschied von der Jugend, der Liebe und geliebten Menschen ist das zentrale Thema auf „For the young“, dem grossartigen fünften Album der zwischen New York und Stockholm pendelnden Singer-Songwriterin Anna Ternheim. Darüber sowie über Selbsttäuschung in Beziehungen, die inspirierende Plattensammlung ihres Vaters und wie sie für einen Auftritt beim Nobelpreis-Bankett einen Song der Backstreet Boys zerlegte und neu aufbaute, sprach Anna Ternheim mit nahaufnahmen.ch.

Von Christoph Aebi

Bilder: Joseph Rodriguez

Nahaufnahmen.ch: Auf dem Cover deines neuen Albums „For the young“ balancierst du am Ufer des East River in New York, neben dir ein Rotluchs sowie ein altes, halb im Sand vergrabenes Piano. Was symbolisiert dieses Bild für dich?

Anna Ternheim: Dieses Piano sah ich letzten Sommer am Strand des East River. Es fiel wegen der Gezeiten auseinander. Ich weiss nicht, wer es dorthin gebracht hat. Aber als ich es sah, wollte ich es in irgendeiner Form auf einem Bild verwenden. Also ging ich zusammen mit der Fotografin Cheryl Dunn, die eine gute Freundin von mir ist, runter zum Strand. Der Rotluchs war ebenfalls durch Zufall dort. Jetzt ist er bei mir zuhause. Ich wollte mit dem Bild, das im Hintergrund die Manhattan Bridge zeigt, etwas Träumerisches, Surreales und Magisches nach New York bringen. Das Bild sollte die Fantasie in Bewegung setzen und sich anfühlen, als sei es in einer anderen Zeit aufgenommen worden.

Beim Erscheinen deines ersten Albums „Somebody Outside“ hast du gesagt, dieses sei eine Art Tagebuch und damit sehr autobiographisch. Wie viele autobiographische Elemente finden sich auf deinem nunmehr fünften Album „For the young“?

Es ist immer noch sehr viel von mir in meinen Liedern drin, speziell auf diesem neuen Album. Das erste Album fühlte sich so sehr wie ein Tagebuch an, weil ich die Lieder bereits als Teenager schrieb, als ich noch zuhause lebte und langsam erwachsen wurde. In der Zwischenzeit habe ich viele weitere Lieder geschrieben und die Welt wurde etwas grösser. Der Ausgangspunkt der Lieder muss nicht mehr in jedem Fall eine persönliche Erfahrung sein. Ich muss mich jedoch emotional mit einer Erfahrung identifizieren, um diese ausdrücken und darüber schreiben zu können, auch wenn ich nicht die Hautperson im Lied bin.

Ist für dich der Prozess des Liederschreibens kathartisch?

Das Schreiben der Lieder war oft hart für mich und hat schon immer sehr viel Zeit gebraucht. Das Aufnehmen ging hingegen normalerweise sehr schnell und war sehr einfach. An diesem Punkt weiss ich jeweils, was ich sagen will. Beim neuen Album war es speziell schwierig, beim Schreiben auf den Punkt zu kommen, wegen Dingen, die in meinem Privatleben geschahen. Ich begann zu zweifeln, ob ich mit dem Liederschreiben überhaupt fortfahren sollte. Erst als ich gemerkt habe, dass Musik wirklich meine Herzensangelegenheit ist, sagte ich mir: Jetzt muss ich einfach die Ruhe und den Frieden finden, mich hinzusetzen und alles auf Papier zu bringen. Schliesslich war es dann ein sehr lustvoller und erfreulicher Prozess. Das Liederschreiben ist wirklich das Gebiet, in dem ich mich gern aufhalte. Es ist normalerweise ein sehr kreativer Prozess und ich fühle mich gut dabei. Wenn ich erst einmal an dem Punkt angelangt bin, an dem ich über Dinge schreiben kann, dann habe ich den härtesten Teil überstanden.

Das Titellied „For the young“ hast du in Buenos Aires geschrieben, kurz bevor du zu den Aufnahmen des Albums ins Studio bist. Inwiefern hat dein Aufenthalt in Buenos Aires das neue Album beeinflusst?

Den Hauptteil der Arbeit für das neue Album hatte ich in Stockholm gemacht. Es war unglaublich kalt und dunkel, so wie es im Winter in Schweden halt ist. Deshalb habe ich mich entschieden, umzuziehen und einige Zeit in Buenos Aires zu verbringen. Ich bin nie zuvor dort gewesen. Es war jedoch ein Ort, an den ich immer hinreisen wollte. Die Zeit in Buenos Aires war sehr inspirierend für mich. Ich habe natürlich auch meine Gitarre mitgenommen, weil ich dachte: Wenn jetzt was Gutes kommt, kann ich es noch auf die Platte bringen. Aber ich stand nicht unter dem Druck, noch mehr Lieder produzieren zu müssen. Das Lied „For the young“ hat sozusagen das Album besiegelt. Dass es das Titellied werden sollte, habe ich erst nach den Aufnahmen gemerkt. Als ich mir die ersten Rough Mixes anhörte, stach mir dieser Satz „Who said youth is only for the young“ ins Auge und ich sagte mir: Das ist das Thema. Das ist genau, was ich fühle und worüber ich oft nachdenke.

Also bist du der Meinung, dass die Jugend nicht nur für die jungen Menschen gedacht ist?

Ich denke, die Jugend ist etwas, das hoffentlich während eines Lebens oft zu einem kommt. Wenn man etwas oder jemanden verlässt, wenn man „Auf Wiedersehen“ sagt, dann stirbt vielleicht ein Teil deines alten Lebens. Etwas muss sterben, damit etwas Neues dessen Platz einnehmen kann. Wenn man den harten Prozess des Loslassens durchgemacht hat, fühlt man sich oft befreit. Das war schon einige Male in meinem Leben der Fall. Eine dieser Zeiten war, als ich nach New York umgezogen bin. Ich hatte ein richtiges Hoch und habe das Leben unglaublich ausgekostet. Ich habe mich so lebendig gefühlt, als wäre ich 17 Jahre alt und verliebt. Deshalb denke ich, dass man dieses Gefühl, dass das Leben aufregend und neu ist und die Zukunft eine Menge Möglichkeiten für einen bereithält, während eines Lebens oft haben kann.

Du hast gesagt, dass der Prozess des Liederschreibens oft sehr viel Zeit benötigt. „Still a beautiful day“, die erste Single des neuen Albums, sei jedoch, konnte man lesen, wie Wasser aus dir herausgeronnen. Kannst du dich noch an die Umstände erinnern, während denen dieses Lied entstanden ist?

Ja, ich erinnere mich sehr gut daran. Ich war in New York, als ich das Lied geschrieben habe. Ich habe dort einen kurzen Stopp eingelegt, bevor ich nach Buenos Aires geflogen bin. Ich sass ganz einfach an meinem Frühstückstisch und habe Kaffee getrunken. Es war ein unglaublich schönes Licht draussen, die Sonne schien. Es war einer dieser Momente, in denen man gar nicht einmal plant, etwas zu schreiben. Man hat nicht das Gefühl, dass man arbeiten würde, sondern einfach pure Lust. Ich habe die Gitarre in die Hand genommen, habe zu spielen begonnen und gleich dieses Gitarrenriff gefunden. Das Lied kam einfach zu mir. Ich habe es sehr schnell geschrieben und mit einem Stift auf Papier notiert. Ich brauche bei diesem Prozess jeweils eine Menge Papier. Oft erinnere ich mich sehr gut an Lieder, die ich so schnell geschrieben habe. „To be gone“, das erste Lied auf meinem ersten Album „Somebody outside“ ist auch so eines, das ganz spontan entstanden ist. Den Text habe ich geschrieben, während ich das Lied zum ersten Mal gespielt habe.

Welches Lied des neuen Albums hat dir am meisten Schwierigkeiten bereitet?

„Keep me in the dark“ ist ein Lied, das ich bereits vor fünf Jahren komponiert habe. Ich hatte bereits einmal eine andere Version des Liedes aufgenommen, die ich aber nicht veröffentlicht habe. Ich habe das Lied oft umgeschrieben, die Strophen mehrere Male abgeändert, aber konnte das Lied lange Zeit einfach überhaupt nicht zum Fliessen bringen. Aber nun konnte ich es endlich beenden.

Im diesem Lied schreibst du, dass es besser ist, die Gedanken der geliebten Person nicht zu kennen. Ist dies deine persönliche Meinung?

Nicht wirklich, aber oft sind wir sehr gut darin, uns selber zu belügen und zu täuschen. Irgendwo tief in dir drinnen, weißt du, dass die Dinge nicht wirklich zum besten stehen und trotzdem sagt man der anderen Person: Bitte erzähle mir nicht, wo du nachts hingehst. Manchmal geht einem auch wirklich besser, wenn man nicht alles weiss, was dem Partner so durch den Kopf geht, da dessen Gedanken einen möglicherweise nicht glücklich machen würden. Ich glaube, dass wir alle unsere eigenen Geheimnisse haben. Und manche Geheimnisse bleiben besser im Dunkeln.

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„Caroline“ ist ein Lied über eine Frau, die durch Reichtum geblendet wurde und dafür ihre Träume verkauft hat. Basiert das Lied auf einer realen Person?

Ja, es handelt sich um eine ehemalige Nachbarin von mir in New York, zu der ich den Kontakt verloren habe. Sie ist an die andere Küste gezogen. Das Lied ist ihre Geschichte, ohne jetzt genauer ins Detail gehen zu wollen. Aber ich kenne Caroline definitiv.

In „Hours“ geht es um die Unterstützung für einen Vater im Prozess des Älterwerdens, wenn das Augenlicht schwächer wird und die Hände zu zittern beginnen. War die Inspirationsquelle für dieses Lied dein eigener Vater?

Ja, er inspirierte dieses Lied. Mein Vater steht mir sehr nahe. Er hat mich in so vielen Dingen inspiriert, vor allem was Musik angeht. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit habe ich einen grossen Teil seiner Plattensammlung übernommen, mit der ich aufgewachsen bin. Platten, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnere. Einige meiner frühesten Erinnerungen sind jene an gemeinsame Konzertbesuche. Zusammen mit meinem Vater habe ich viele neue Bands entdeckt.

Welches war die erste Platte aus der Sammlung deines Vaters, die du für dich entdeckt hast?

Das war „Putting out fire“ von David Bowie aus dem Soundtrack zum Film „Cat People“. Dies ist eine meiner ersten Erinnerungen, obwohl ich damals erst etwa vier oder fünf Jahre alt war. Dazu kommen Platten des schwedischen Jazzpianisten Jan Johansson. Er starb in den sechziger Jahren in einem Autounfall. Einige seiner Aufnahmen wurden wieder veröffentlicht und die sind einfach magisch. Er hat darauf in einer sehr feinfühligen Art und Weise schwedische Folksongs interpretiert und damit die melancholische Seele der Leute im Norden eingefangen. Ich liebe diese Aufnahmen.

War Tom Waits auch eine Inspiration für deine neue Platte? Marc Ribot, der oft zusammen mit Tom Waits gearbeitet hat, spielt auf deinem neuen Album Gitarre.

Tom Waits gehört zwar nicht zu den ersten Erinnerungen an diejenige Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Aber seine Musik hat definitiv diese neue Platte inspiriert. Als mein Produzent Andreas Dahlbäck und ich über die Band diskutiert haben, mit der wir das neue Album in New York aufnehmen wollten und wir uns entschieden, dass Marc Ribot der Gitarrist sein sollte, habe ich mir einige alte Tom Waits-Platten, die ich liebe – „Rain Dogs“ beispielsweise – wieder angehört.

War es deine Idee oder jene deines Produzenten Andreas Dahlbäck, Marc Ribot zu den Album-Aufnahmen einzuladen?

Es war eigentlich die Idee von Shahzad Ismaily, der auf einigen Liedern meines neuen Albums Schlagzeug spielt und in dessen Studio wir das Album aufgenommen haben. Er ist ein Freund von mir, den ich vor fünf oder sechs Jahren kennengelernt habe. Wir haben schon ein paar Mal zusammen gejammt, aber bis zu dieser Session noch nie zusammen etwas aufgenommen. Er schlug Marc Ribot vor, weil die beiden schon oft zusammen gearbeitet haben. Ich kannte Marc Ribot bereits und wir haben uns natürlich auch einige seiner Werke angehört. Ich mag seine Klangfarben, seine Ausdrucksweise und sein Naturell. Es fühlte sich gut an, dies in mein neues Album hineinzubringen. Er repräsentiert den Lärm und den Dreck. Das ist ein wunderbarer Kontrast zu Tomas Hallonsten, der auf dem Album Piano spielt.

Dein letztes Album „The night visitor“ basierte auf dem Gitarren-Fingerpicking mit deiner Gibson-Gitarre. Auf dem neuen Album spielt das Piano wieder eine wichtigere Rolle. War dies eine bewusste Entscheidung?

Ich bin auf meiner letzten Platte tief ins Fingerpicking eingetaucht und die letzte Tournee war eine auf Gitarren basierende Akustik-Tour. Es tat aber so gut, diese Welt wieder ein bisschen zu verlassen. Deshalb war es eine bewusste Entscheidung, die ganze Produktion der neuen Platte um die Band herum aufzubauen, mit Piano, Schlagzeug, elektrischen und akustischen Gitarren. Anschliessend haben wir darauf aufbauend die Streicherparts arrangiert. Dies wurde der Sound bei der neuen Platte.

Wieso tat es gut, die Welt des Gitarren-Fingerpickings wieder zu verlassen?

Eigentlich habe ich die Welt der Gitarren nicht verlassen. Ich spiele auf den meisten neuen Liedern immer noch Gitarre. Aber melodisch geht dieses Album zu meinen eigenen Wurzeln zurück. Als ich in Nashville war, um mein letztes Album „The night visitor“ aufzunehmen, war das ganze Album beeinflusst durch die Musiker, mit denen ich gespielt und die Menschen, mit denen ich an diesem Album gearbeitet habe. Ich liebe dieses Album, aber es war wie eine andere Farbe, die in meine Welt kam. Und nun wollte ich wieder zu meinen eigenen Wurzeln zurückkehren. Die neuen Lieder waren einfach geeigneter für eine andere Art des Gitarrenspielens. Das war ein sehr intuitiver Prozess. Wenn man während einer gewissen Periode etwas erforscht hat, dann ist man irgendwann einmal angezogen von etwas anderem, will neue Klänge in den Ohren, damit sich alles wieder frisch anfühlt.

Eines der neuen Lieder, „Walk right in“, wurde aber mit Dave Ferguson in Nashville aufgenommen.

Ich war seit den Aufnahmen zum letzten Album mehrere Male in Nashville, habe dort Lieder geschrieben und aufgenommen. Ich habe nur nichts davon veröffentlicht. Aber „Walk right in“, dieser Song war so gut. Wir haben den Kern des Liedes in Nashville eingespielt und es gab keinen Grund, das Lied neu aufzunehmen, da ich die Aufnahme, die wir hatten, sehr mochte.

In den Jahren seit der Veröffentlichung deines letzten Albums hast du auch Musik für Fernsehserien aufgenommen, beispielsweise für den ZDF-Zweiteiler „Tod eines Mädchens“ oder für den „Walking Dead“-Soundtrack. Zudem hast du zusammen mit dem Produzenten Michael Heilrath die Musik für „Agnes“ komponiert, eine Verfilmung des Erfolgsromans des Schweizer Schriftstellers Peter Stamm. Kannst du uns den Arbeitsprozess für diese Filmmusik näher beschreiben?

Während ich in Stockholm war und Lieder für das neue Album geschrieben habe, habe ich parallel dazu an dieser Filmmusik gearbeitet. Der Regisseur Johannes Schmid hat mich kontaktiert und mich gefragt, ob ich interessiert daran wäre, die Musik für den Film zu schreiben und zusammen mit Michael Heilrath daran zu arbeiten. Ich hatte Zeit und mochte das Buch und die Geschichte. Es macht zudem Spass, ab und zu etwas aus der eigenen Welt auszuscheren und Musik aus einer etwas anderen Perspektive zu kreieren.

Ist es vor allem Instrumentalmusik oder gibt es auch klassische Songs?

Ich habe fünf Lieder geschrieben. Aus Teilen davon haben wir zudem instrumentale Themen entwickelt. Dazu gibt es viele Klangkulissen, das war vor allem Michael Heilraths Teil der Arbeit. Ich habe die Kompositionen gemacht, er die Klänge und dann haben wir für den Film alles zusammengefügt. Ich bin mal nach München geflogen, er kam auch mal nach Stockholm, aber den grössten Teil der Arbeit habe ich im Studio meines Produzenten Andreas Dahlbäck erledigt. Wir haben uns Mails geschrieben und gegenseitig Files hin- und hergeschickt. Johannes Schmid, der Regisseur, ist ebenfalls die ganze Zeit auf Reisen. Als er den Film fertig gedreht hatte, hat er irgendwo in Europa Regie bei einer Oper geführt. So haben wir grösstenteils per Mail kommuniziert, indem wir uns Dinge zugeschickt haben.

Wird der Soundtrack als CD veröffentlicht?

Ich denke, dass der Soundtrack in irgendeiner Art und Weise veröffentlicht wird. Wir haben auf jeden Fall darüber gesprochen. Hoffentlich auf einer schönen Vinyl-Platte, das wäre mir am liebsten.

Du bist letztes Jahr an zwei sehr prestigeträchtigen Veranstaltungen aufgetreten. Als Emmylou Harris den Polar-Prize erhalten hast, hast du für sie „Goodbye“ gesungen und beim Nobelpreis-Bankett bist du mit einem unerwarteten Cover des Backstreet Boys-Songs „Show me the meaning of being lonely“, das nun auch auf der internationalen Ausgabe deines neuen Albums veröffentlicht wird, aufgetreten. Aus welchen Gründen hast du gerade dieses Lied für deinen Auftritt ausgewählt?

Ich wurde gefragt, ob ich ein Lied von Max Martin, diesem grossartigen schwedischen Songwriter, interpretieren würde. Ich war frei darin, ein Lied so zu interpretieren, wie ich es wollte, solange es ein Lied von Max Martin war. Er ist weltberühmt und man dachte, viele Leute würden seine Melodien wiedererkennen. Ich habe mir deshalb ganz viele seiner Songs angehört. „Show me the meaning of being lonely“ war das Lied, das mich am meisten angesprochen hat und mit dem ich mich verbunden fühlte. Der Text ist wunderschön und die Melodie grossartig. Ich konnte dann einen Weg finden, mir das Lied zu eigen zu machen. Das ist für mich sehr wichtig, wenn ich ein anderes Lied interpretiere, damit es sich anfühlt, als hätte ich das Lied selber geschrieben. Zudem hat der Kontrast grossen Spass gemacht. Die Original-Version von den Backstreet Boys ist schon sehr anders.

Bei deiner Version achtet man genauer auf den Text des Liedes.

Das war der Ansatz, den ich gewählt habe: Lass uns etwas aus diesen Worten machen, die ganze Produktion zerlegen und dann ganz von vorne in einer sehr simplen Art und Weise neu aufbauen. Das Lied basiert nun auf der akustischen Gitarre und dazu haben wir ein Streicherarrangement geschrieben. Erik Arvinder, ein wirklich sehr talentierter Arrangeur, hat mir dabei geholfen. Als ich das Lied beim Nobelpreis-Bankett vorgetragen habe, war ich sehr nervös. Es war nervenaufreibend, hat aber Spass gemacht. Ich habe es sehr genossen.

Und wie war es, vor Emmylou Harris am Polar Prize aufzutreten?

Es war fantastisch, für Emmylou Harris zu singen. Nach meinem Auftritt bei der Preisverleihung hatte ich die Gelegenheit, sie zu treffen. Sie hat mir gesagt, dass mein Auftritt ihr sehr gefallen hat. Es war einer dieser Momente, für die man sehr dankbar ist. Dieses Lied „Goodbye“ von Steve Earle, eines meiner allerliebsten Lieder, auswählen und an dieser Preisverleihung spielen zu können war grossartig. Dank meiner Musik gelange ich in Situationen wie diese. Andererseits sass links von Emmylou Harris der schwedische König. Das machte die ganze Sache ein wenig eigenartig (lacht).

Bei deinen letzten Auftritten in der Schweiz vor vier Jahren hast du sehr intime, akustische Konzerte zusammen mit Dave Ferguson gespielt. Was können wir von deinen beiden Konzerten in Zürich und Basel im April erwarten?

Du kannst auf jeden Fall mehr Lärm erwarten. Wir werden vor allem auf das neue Album fokussieren, aber natürlich auch ein paar alte Perlen ausgraben. Ich denke, dieses neue Album ist in seiner Art und Weise sehr verwandt mit meinen ersten beiden Alben „Somebody Outside“ und „Separation Road“. Wir werden also einige dieser alten Lieder wieder hervorkramen und spielen, weil ich diese schon lange nicht mehr gesungen habe. Mit meiner neuen Band habe ich das Gefühl, dass ich diesen Liedern gerecht werden kann.

Dann freue ich mich darauf, beispielsweise „No subtle men“ wieder mal zu hören.

Ah, du hast Glück! Dieses Lied steht auf meiner Liste.

 

Aktuelles Album:

„For the young“ (Universal Music)

AnnaTernheimFortheYoung

Konzerte:

8. April 2016 Basel, Kaserne

9. April 2016 Zürich, Plaza

Im Netz:

www.annaternheim.com

Neues von Anna:

„Wenn du einen Schritt von dir selber zurücktrittst, siehst du, was du tust –
oder was dein Ego mit dir macht“
:
Anna Ternheim im Interview zum neuen Album “All the way to Rio”.

 

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