Pokémon Tekken

Dem Pokémon auf die Nase

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Im Jahr 2000 spielte der 12-jährige NORMAN VOLKMANN zum ersten Mal Pokémon Stadium und war begeistert. Revolutionäre Grafik, unvergleichbares Gameplay – Pokémon-Fanboys konnten nur begeistert sein, auch wenn es das Wort “Fanboy” damals vielleicht noch nicht gab. 16 Jahre später ist der Autor der folgenden Zeilen zwar älter geworden, er spielt jedoch immer noch mit Begeisterung Pokémon.

Als ich das erste Mal von Pokémon Tekken hörte, musste ich schon schmunzeln. Es gab also ein ernsthaftes Projekt, bei dem sich Pokémon nicht etwa nur mit ihren klassischen Attacken, sondern mit Fäusten (sofern vorhanden) vermöbeln sollten. Auf der anderen Seite: So untypisch schien es am Ende doch nicht… immerhin sollte der Titel auf einer Nintendo-Konsole erscheinen. Zudem hielt sich die Trauer um den Verlust der rundenbasierten Kämpfe in Grenzen. Je mehr ich über das Projekt nachdachte, desto mehr Sinn ergab das Unterfangen. Seinerzeit konnte ich von Pokémon Stadium nicht genug kriegen und auch wenn beide Spiele nur bedingt vergleichbar sind – ohne Stadium wäre mein Interesse an Pokémon Tekken schwindend gering gewesen. Dass  letzteres tatsächlich ein gutes Spiel werden sollte – davon war ich allerdings nicht überzeugt.

Die erste Ernüchterung stellte sich ein, als ich das erste Mal ein Pokémon auswählte: Lediglich 14 von Anfang an spielbare Taschenmonster haben es in den finalen Kader geschafft – Aushänge-Pokémon Pikachu dabei sogar in doppelter Ausführung. Als Pikachu Libre verpasst Nintendo der Elektro-Maus eine Luchadore-Maske und lässt sie die Konkurrenz auf feinste mexikanische Wrestling-Art vermöbeln. Zusätzlich mischen 30 Helfer-Pokémon das Feld auf. Sie stehen jeweils in Zweiersets zur Auswahl. Diese Sets sind allerdings vorgegeben und können nicht verändert werden. Jedes Unterstützer-Monster repräsentiert eine von drei Kategorien und kann entweder Schaden austeilen, die Statuswerte des Gegners beeinflussen oder dem eigenen Pokémon einen Heilungsschub geben. Gerade in engeren Kämpfen höherer Ligen sind sie durchaus das Zünglein an der Waage, sofern sie strategisch eingesetzt werden. Verfügbar ist dabei pro Runde nur eines der beiden Pokémon und das erst nach festgelegter Cooldown-Phase.

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Die Helfer-Pokémon sind allerdings nur ein kleiner Teil des Geplänkels. Auch wenn klassische Buttonmasher (wie ich) durchaus Spaß am Spiel haben können, ist es belohnend, sich tiefer mit dem Kampfsystem auseinanderzusetzen und zu trainieren. Dann nämlich hagelt es später nicht nur mächtige Kombos, sondern bringt auch Abwechslung in das Kampfgeschehen. Je nach Angriffsart wechselt man immer wieder zwischen Duel Phase und Field Phase. Erstere zoomt aktiv in das Kampfgeschehen, denn hier werden Kombos und Nahkampf betont. In der Field Phase bewegen sich Pokémon frei in den Arenen und können sich mit Fernattacken das Leben schwer machen. Durch jede Attacke und jeden Angriff des Gegners steigt eine sogenannte Synergy-Leiste. Ist diese gefüllt, kann eine mächtige Attacke ausgeführt werden, die den Gegner nahezu dezimiert. Geschickte Kämpfer können sie allerdings kontern. Die Pokémon sind in unterschiedliche Kategorien eingeteilt: Es gibt Power, Speed, Standard und Technical. Als Einsteiger haben mir vor allem die Power-Pokémon zugesagt, da sie leichter handzuhaben sind. Die größten Erfolge feierte ich demnach mit Charizard und Machomp, weil sie über zahlreiche kraftvolle Schlag- und Trittkombos verfügen.

Als Pokémon-Oldschooler fehlen mir insgesamt zu viele bekannte Pokémon (der ersten Generation). Bei einer Auswahl von mehr als 700 möglichen Kampfteilnehmer ist es vermutlich eine unmögliche Aufgabe, jeden Fan positiv zu stimmen. Ebenfalls nicht anwesend: eine packende Story. Wer sich nach den hauchdünnen Geschichten der Handheld-Titel hier mehr versprochen hat, muss ein hoffnungsloser Romantiker und Optimist sein. Schade ist es dennoch, denn so kämpft man sich nur durch Ranglisten verschiedenfarbiger Ligen, beweist sich anschließend in einem Turnier und fordert dann den jeweiligen Ligameister heraus. Mit zahlreichen Goodies kann man zumindest seinen Avatar oder seine Unterstützerin individualisieren.

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Mit Super Smash Bros.  gewissermaßen dem großen Bruder von Pokémon Tekken auf der WiiU  bin ich nicht warm geworden: Das dortige Moveset, die fehlende Übersicht während des Kampfes und die Unverständlichkeit für einen Neueinsteiger waren Grund genug, nicht lange am Ball zu bleiben. Die Einstiegshürde in Pokémon Tekken ist dagegen niedrig und das komplexe Kampfgeschehen wird in wirklich hilfreichen Trainings verständlich gemacht und geöffnet. Selbst ohne zahlreiche Schlachten unter dem Gürtel: Es bleibt stets genug Zeit für Verbesserungen und die Eingewöhnung an das jeweilige Pokémon – sofern man Online-Kämpfen fernbleibt. Da bekommen die Noobs auf die Nase… hat mir ein Bekannter erzählt. Der größte Nachteil für mich: Es stehen so wenige Pokémon im festen Kader. Viele bekannte Monster kommen zwar als Helfer-Pokémon zum Einsatz, Größen wie Blastoise oder Onix fehlen mir aber doch. Hier bleibt abzuwarten, ob es in Zukunft noch Charakter-Packs als DLC geben wird, schließlich ist ja auch Nintendo etwas moderner geworden. Insgesamt ist Pokémon Tekken eine überaus positive Überraschung in diesem noch jungen Jahr. Das tiefgreifende Kampfsystem ist selbst für Einsteiger schnell erlernbar – das Meistern der Movesets fordert allerdings Übung. Wie es sich für ein vorbildliches Kampfspiel gehört.

Veröffentlichungsdatum: Bereits erschienen
Originaltitel: Pokkén Tournament
Plattformen: WiiU
Genre: Kampf
Entwickler: Bandai Namco
Veröffentlicht von: Nintendo

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